• Westerschelde

    Aug 6–7, 2024 in the Netherlands ⋅ ⛅ 22 °C

    TROLL möchte nach den traumatischen Winter-Schlechtwetter-Erlebnissen (Zwischen November 2023 und April 2024 hat die Sonne nur ein paar wenige Tage vorbeigeschaut) in Ooltegensplaat den nächsten Winter am Mittelmeer verbringen. Also heben wir gegen 15:30 Uhr den Anker und machen uns auf den Weg Richtung Westerschelde. Kaum haben wir die Grevelingensluis hinter uns gelassen sind wir wieder zurück in ziemlich dreckigem Wasser. Drei Stunden Fahrt später liegen wir vor der letzten Schleuse (Hansweertsluis) ,die uns von der Nordsee trennt. Da die Nordsee unter anderem für ihren ziemlich anständigen Tiedenhub (der Höhenunterschied zwischen Ebbe und Flut) bekannt ist, fragen wir bei der Schleuse nach, ob wir vielleicht vor Ihr übernachten dürfen: Verboten, lautet die unerfreuliche Antwort. Also geht es heute nacht raus auf die Nordsee. Kaum verlassen wir die Schleusenmündung tobt eine krasse Strömung auf uns zu: Die Ebbe hat bereits eingesetzt. Die Kinder sind bereits hundemüde, also suchen wir in direkter Nähe der Schleuse im quirligen Tiedenstrom einen Ankerplatz, da der nächste Hafen mindestens 1 Fahrtstunde entfernt liegt. Den finden wir auch ca. 1 km von der Schleuse entfernt. Direkt in der Nähe einer gut befahrenen Schiffahrtsstrasse. Richtiger wäre: In der Nähe einer GROSS-Schiffahrtstrasse. Denn an TROLL fahren plötzlich richtig grosse Stahlkollose vorbei. Deren Rettungsboote sind so gross wie unser ganzer TROLL. Die Dinosaurier der Binnenschiffahrtstrassen, die Kanalschiffe, sehen plötzlich aus wie Spielzeugschiffe. Für möglichst guten Halt lassen wir ordentlich Ankerkette raus. Das typische Einfahren der Ankerkette (Rückwärts fahren, bis der Anker greift und dann gut Gas geben damit der Anker möglichst tief in den Grund eingefahren wird) wird von der Strömung übernommen. 4 Knoten (ca. 8 km/h) sind es inzwischen. Gegen 23:40 Uhr soll dann wieder die Flut einsetzen. Wir beschliessen uns nicht auf den Ankeralarm verlassen zu wollen und halten Ankerwache. Vor allem da das Schiff sich beim Einsetzen der Flut ja um 180 Grad dreht und der Anker dadurch rausgerissen wird und sich dann selbstständig neu eingraben muss. Ob das funktioniert? Gegen 4:30 Uhr bei 4,5 Knoten (ca. 9km/h) Strömung ist es dann soweit: Der Anker reisst sich los und gräbt sich dann sofort wieder alleine ein. Das bleibt aber nicht unbeobachtet: Der Ankeralarm merkt das das Schiff dadurch ca. 20m zurückversetzt wurde und fängt an loszubrüllen. Ich falle aus dem Bett und will direkt nach oben, die Motoren anwerfen. Klappt aber nicht, da ich nicht weiss wo ich bin und mich in die falsche Richtung bewege: Richtung Wandschrank. Nach 2-3 Sekunden bemerke ich, das der Steuerstand nicht im Wandschrank steckt und finde den richtigen Weg. Da höre ich auch schon die Stimme meiner Frau: Alles unter Kontrolle, sie hat am Steuerstand Ankerwache gehalten und bereits geprüft ob TROLL sich aus dem Staub machen will. Nein, will er nicht - er hat sich nur kurz im Schlaf umgedreht. Phuuu! Ich gehe nocheinmal kurz raus um nachzusehen - es ist wirklich alles gut! Also gehts nochmal kurz ins Bett: Dösen bis es dann gegen 5:30 Uhr losgeht. Ziel heute: Blankenberge in Belgien.Read more