Lyon/Lissieu
September 16, 2023 in France ⋅ ⛅ 22 °C
Der nächste Morgen - Lyon bereits in scheinbarer Sichtweite. Es geht nochmals steil bergan über die die Stadt umgebenden Berge, aber der Anblick von oben auf die City entschädigt für die Mühe. Eine pulsierende Grossstadt mit einer Down-Town-Skyline von Banken- und Versicherungsniederlassungen. Wir geben uns "Fünf", weil wir den ersten grossen Abschnitt unserer Tour erreicht haben. Der Anfang ist gemacht, erfolgreich gemeistert. Dann geht es bei schönstem Sonnenschein bergab bis an die Rhone.
Bergab bricht Lanyu nochmals seinen persönlichen Geschwindigkeitsrekord mit 54 km/h (das sollte Mama besser nicht erfahren...). Wir sind am frühen Nachmittag in der City und arbeiten unsere Erledigungsliste ab. In einem Fahrradgeschäft erhalten wir sofort Hilfe: Lanyu`s Gangschaltung wird justiert, die Kette geprüft, neue Pedale werden montiert, der Luftdruck erhöht. Bei Decathlon kaufen wir neue Schuhe für Lanyu, denn die alten stellten sich als fürs Radfahren ungeeignet heraus und landen auf vor dem Geschäft auf einer Kasten, damit sie noch jemand mitnimmt und nutzt. Zudem erstehen wir Flip-Flops und ein neues Schutzblech - das alte ist , von Lanyu unbemerkt, einfach abgefallen.
Auf der grössten Einkaufsmeile findet ein farbenfroher und lautstarker Umzug statt. Viele der in Lyon vertretenen Nationen haben sich in ihre Nationaltrachten gekleidet, musizieren ihre Musik und als die Brasilianer Samba trommelnd und tanzend an uns vorbeiziehen, wähne ich mich ein wenig in Rio.
Wir kämpfen uns dann wieder kilometerlang einen Berg zum Campingplatz hoch und bei Einbruch der Dunkelheit sind wir - ziemlich groggy - oben angelangt, nur um festzustellen, dass der Platz völlig belegt ist. Was jetzt? Damit hatte ich nicht gerechnet, denn die vorherigen Plätze waren meist halbleer. Wir klappern die Hotels in der Nähe ab, aber alles ist ausgebucht. Lanyu fragt vorsichtig: "W.C.?" Damit ist das verbotene Wilde Campern gemeint. Nur wo? Hier in der Stadt, im Dunkeln einen geeigneten Ort zu finden..? Ich erinnere mich daran, wie ich das früher gemacht habe und gehe zum Pizzawagen an der nächsten Kreuzung. Ich kaufe etwas Kaltes zu Trinken und frage den Pizzamann, wo er denkt, dass W.C. möglich wäre. Auf dem Gelände des Sportplatzes gegenüber..? Nein, das ist mir zu riskant. Wir kommen ins Gespräch und der Mann heisst Abdellah Oufkir und kommt aus Rabat und horcht auf, als ich ihm sage, dass Marokko eines unserer Reiseziele ist. Dann lädt er uns ein auf seinem Grundstück zu zelten, 8 km sind es noch bis dahin. ich vertraue dem Mann, lege unser Gepäck auf den Beifahrersitz seines Autos (für die Räder ist kein Platz) und wir fahren, zunächst nochmals steil bergauf, dann aber 10 Minuten wunderbar bergab, bis nach Lissieu. Seine Frau und zwei seiner drei Kinder erwarten uns dort, es gibt Pizza Margareta und Pfefferminztee und man hat uns das Kinderzimmer des Jüngsten freigeräumt, wir duschen und unterhalten uns froh gelaunt und schlafen seit 2 Wochen mal wieder in einem Bett.
Heute sind wir 80 km gefahren, inklusive mehrerer steilster Anstiege.Read more












