• Valence

    October 5, 2023 in France ⋅ ☁️ 19 °C

    Heilig`s Blechle, war die Nacht kalt! Trotz zweier Hosen und Socken übereinander, trotz Winterjacke im Schlafsack, haben wir bei ca. 8 oder 9 Grad gefroren. Die Herstellerangaben der Schlafsacklieferanten stimmen überhaupt nicht, denn die "Komforttemperatur" soll bei 5 Grad liegen. Man sollte sein Equipment eben rechtzeitig vor Abreise auf Tauglichkeit prüfen...mea maxima culpa.
    Die ersten Sonnenstrahlen trocknen das völlig taunasse Aussenzelt, während ich alles zusammenpacke. Wir verabschieden uns von Martin und Max, die sich heute, via Juragebirge, auf den langen Heimweg nach Prag machen.
    Um ca. 10 Uhr fahren wir 3 km steil hinunter nach Condrieu, herrliche Aussichten auf das Rhonetal inklusive und ich denke, "ja, so wars gemeint!" und dann entlang der Rhone Richtung Tonan. Heute liegt eine grosse Etappe vor uns, Endziel Valence.
    Die Strecke ist wieder mal ein Realität gewordener Traum mit schattigen, duftenden Pappelalleen, Flussauen voller Oleander, Margarethen, Rhododendren, Hibiskus und Wildblumenwiesen. Die Vegetation ändert sich allmählich und man sieht mehr Kakteen und Aloen in den Vorgärten, Trockenwiesen voller Eidechsen. Nur erschreckend wenige Insekten, Schmetterlinge und Vögel sieht man.
    Es gibt kaum Steigungen und der Gegenwind ist erträglich und unsere Laune daher heiter. Vorbei an Schleusen und kleinen romantischen Dörfchen geht es, über zahlreiche schmale Fussgängerbrücken, breite Autobrücken aus Kalkstein, deren Pfeiler z.T. gut 100 Jahre alt sind. Auf diesem Euro-Rhone-Radwanderweg begegnen uns viele Radfahrer aller Nationen und es ist üblich sich zu grüssen, auch beim Überholen, denn inzwischen sind wir diejenigen, die auch mal andere überholen :-).
    Auf einem hohen Flussdamm setzen wir uns auf einen Baumstumpf und machen Brotzeit mit Baguette, Camembert, Trauben, getrockneten Aprikosen, Bananenchips und Cashewnüssen.
    Gegen Mittag erreichen wir die Kleinstadt Tonan und ich kann endlich mal einen anständigen Café au lait geniessen und wir essen eine Tarte pomme de terre.
    Mein Allerwertester meldet sich leider wieder unangenehm, was ich zwar kurzfristig ausblenden, aber auf Dauer nicht ignorieren kann.
    Gegen 17 Uhr erreichen wir nach fast 90 km Valence, eine Kleinstadt am Ufer der Rhone. Im Industriegebiet hat meine Frau uns ein Hotelzimmer für schlappe 42 EUR gebucht, ein Unterbringungsbunker mit 80x80 cm grossen Plastik-Badezimmerkabinen, in denen derart wenig Platz neben den Betten bleibt, das man durch das eigene Gepäck hindurchwatet wie ein Storch im Salat. Ohrenstöpsel werden hier jedem Gast regulär zur Verfügung gestellt.
    Wir duschen und gehen dann zum KFC 200 m weiter und schlagen uns den Bauch voll, danach noch ein Verdauungsspaziergang und dann ab in die Heia.
    Lanyu schläft im Stockwerkbett oben.
    Meine vier Buchstaben sind schon wieder entzündet, trotz zahlreicher Vorsichtsmassnahmen und ich versuche mir mit antibiotischer Creme zu helfen.
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