• Calafell

    October 6, 2025 in Spain ⋅ 🌙 17 °C

    Die Nacht war ruhig und erholsam. Gegen 8 Uhr sassen wir am Frühstückstisch, die Taschen hatte ich bereits am Vortag gepackt, die Räder hatten wir hinter dem Hotel versteckt.
    Abfahrt um 9.30 Uhr, etwas spät. Die Google-Map-App schickt und ein ums andere Mal in falsche Richtungen: einmal führt sie uns auf eine Autostrasse, auf der der Verkehr mit 100 km/h rollt, z.T. ohne Standstreifen. Dann zeigt sie Strassen an, die nicht existieren oder für Radfahrer verboten sind. Das kostet uns fast eine Dreiviertelstunde. Am Ende entscheide ich nur noch nach Satellitenbild und Ausschilderung und das funktioniert schliesslich und führt uns durch ein schönes Naturschutz-Schilfgebiet mit einem Kanal, über mehrere Brücken und schliesslich zum ersten Mal ans Meer. Mayen ist happy!
    So sehr sie sich auch jahrelang geweigert hat an Radtouren teilzunehmen: jetzt erscheint sie hochmotiviert und erklärt, sie freue sich auf die Tour und das Fahren mache ihr Spass.
    In einem Fahrradgeschäft kaufe ich mir Handschuhe, da ich diese einzupacken vergessen hatte. Der freundliche Inhaber repariert auch gleich meine Kabelverbindung zum Nabendynamo und fixiert Lanyus Sattel.
    Mittags gehen wir in einem Supermarkt einkaufen und speisen auf einem Mäuerchen sitzend Nektarinen, Ananas und Brot.
    Dann geht es zur Sache: über 400 Höhenmeter sind zu überwinden, steil geht es rauf in die Küstenberge, rauf, runter, schiebend, schnaufend strampeln wir hoch, wobei Lanyu die beste Figur macht, obwohl er zwei Packtaschen übernommen hat. Und es ist, ehrlich gesagt, recht gefährlich, denn die engen Rechtskurven verwehren den Fahrern den rechtzeitigen Blick und für zwei LKW und uns ist auf der Strasse kein Platz. Aber es gibt hier nur eine einzige Strasse und alle Radfahrer müssen hier durch. Radfahren ist in Spanien, trotz der vielen Berge, sehr beliebt, fast ein Nationalsport und viele der Fahrer grüssen uns, halten den Daumen anerkennend hoch, Polizisten staunen uns hinterher, Fahrer hupen und rufen uns etwas zu - zwei Kinder auf Radtour ist auch in Spanien wohl ein seltener Anblick, vor allem in den Bergen.
    Die wunderschönen Ausblicke auf das dunkelblaue Meer und die pittoresken Berge an der Küste entschädigen für die schweisstreibende Mühe ihrer Bezwingung.
    Die Sonne brennt, da hilft irgendwann auch die Sonnencreme nicht mehr, so dass auch ich letztlich in lange Hosen schlüpfe.
    Endlich geht es nur noch abwärts, mäandernd schlängelt sich die enge Strasse zur Küste runter. Dort kehren wir in einem bei Einheimischen wohl beliebten Lokal ein - proppenvoll! Wir warten geduldig, denn was so gut besucht ist, muss gut sein.
    Nach anderthalb Stunden Pause fahren wir weiter. Inzwischen ist klar, dass wir das Tagesziel Tarragona heute nicht mehr erreichen können. Das wären fast 100 km Fahrtweg gewesen und es ist bereits später Nachmittag. Eine Stunde später entscheide ich eine Unterkunft auf dem Weg zu suchen. Wir fahren nochmals 17 km, kämpfen fast verzweifelt gegen einen etwa 30-35 km/h schnellen Gegenwind, der einem die letzte Kraft raubt, die Sonne geht unter und im Dunkeln erreichen wir den Campingplatz in Comarruga.
    High-5 für Mayen und Lanyu- tolle Leistung! Lanyu strotzt vor Kraft und ist nicht kleinzukriegen; was für ein Kerl!
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