• Olé.
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Sonne im Gesicht und Wind durch den Kopf Read more
  • Trip start
    May 1, 2026

    Unterwegs

    May 1 in Germany ☀️ 10 °C

    „Alles neu macht der Mai“. - Was für ein alberner Spruch denke ich und überlege: „Wollte ich das?“.

    Ja, ich suchte es mir aus. Reise allein nach Dranske auf Rügen. Wünsche mir Sonne im Gesicht und Wind um die Ohren. Möge das eine mich erwärmen und das andere die Gedanken aus dem Kopf blasen.

    Aber doch nicht so! Eingeengt und übermüdet in einem Regionalzug nach Rostock sitzen, hoffen, dass der Rucksack nicht aus der zu schmalen Gepäckablage fällt, während der kleine Koffer ans Knie drückt und ich auf einem Notsitz meinen Platz gefunden habe. Das ist allein eine Geschichte wert. - Ist es nicht genau das was ich will, Texte übers Bahnreisen schreiben? Das Leben liefert dafür die Vorlage.
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  • Sein

    May 2 in Germany ☀️ 12 °C

    Einfach dasein.

    Ein Kaffee am Strand.
    Die Wärme der Sonne spüren.
    Das Meer bewegt sich sanft.
    Wellen schlagen leise ans Land.

    Wundervolle Ruhe.

    Gegenüber, am Horizont, ist Møn sichtbar. Sehnsuchtsort in DDR-Zeiten. Hoffnungspunkt für Freiheit, für Grenzenlos.

    Wind kommt auf.
    Er weht die Gedanken fort.
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  • Strandgang

    May 2 in Germany ☀️ 16 °C

    Mehr als fünf Stunden Frischluft und Sonne. Fünfzehn Kilometer barfuß am Strand.

    Füße und Gesicht brennen auf ihre Art. Die einen wegen der Wege im Sand, das andere wegen vergessener Sonnencreme.

    Traumhaft war‘s.

    Jetzt noch Sonnenuntergang in Dranske anschauen und der Tag neigt sich dem Ende.
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  • Abendblick

    May 2 in Germany ☁️ 17 °C

    Die Natur als Bühne und ich sitze im Publikum. Vor mir blinkt der Leuchtturm von Hiddensee und ist doch weit entfernt. Die Buhnen hier in Dranske stehen eng, wie Gartenzäune reihen sie sich im Wasser auf.
    Zuschauer kommen und nehmen Platz, schauen gen Horizont, zücken ihre Kameras, speichern das Rot auf ihren Chips.
    Was fasziniert uns so an Sonnenuntergängen? Warum nicht der Aufgang am Morgen? Dem Beginn eines neuen Tages beiwohnen …
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  • Ende

    May 3 in Germany ☁️ 13 °C

    Wie viele Enden hat die Welt?

    Kap Arkona war einst das nördlichste Ende Ostdeutschlands. Es war die Grenze zur Freiheit. Gegenüber - unerreichbar - Dänemark.

    Und heute? Stehe ich am gleichen Ende mit Freiheit . Trinke Hefeweizen aus Erding, esse spanischen Schinken auf finnischem Brot, beiße in eine Gurke aus Griechenland und in eine Möhre aus den Niederlanden.

    Und gegenüber ist noch immer Dänemark.
    Der Wind schlägt wie eh und je an die Küste. Der Himmel ist blau. Das Wasser auch. Es kommt und geht.

    Was hat sich eigentlich geändert?
    Sehr viel und nichts zugleich.
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  • Schwanenstein

    May 4 in Germany 🌬 11 °C

    Auf dem Weg von Lohme Richtung Königsstuhl steht folgende Gedenktafel:

    „Der Schwanenstein gehört mit einem Gewicht vor 162 t und einer Größe von 60 m3 zu den größten sichtbaren Geschiebesteinen auf der Insel Rügen. Er wurde 1829 erstmals erwähnt und hat durch seine 90%ige Sichtbarkeit den ersten Platz in der Rangordnung unter den Findlingen.

    Die Sage beschreibt uns seinen Namen folgendermaßen:
    Auf Rügen werden die Babys vom Adebar oder vom Schwan gebracht. Es versteht sich von selbst, dass es im Sommer der Adebar und im Winter der Schwan ist, der die Babys bringt, und bis dahin sind die Kinder im Stein verborgen.

    Soweit die Geschichte und Sage.

    Mit diesen Gesteinsblöcken sind oft wahre und nicht immer erfreuliche Geschichten verbunden.

    Am 13. Februar 1956, die See war am zufrieren; waren einige Jungen aus dem Kinderheim und dem Dorf Lohme auf dem Eis. Wie so oft an unserer Küste, wechselten auch an diesem Tag schnell die Wetterverhältnisse. Aufkommender Sturm ließ das Eis brechen, und drei Jungen konnten sich auf den Schwanenstein retten.
Der Sturm wurde zum Orkan, eine fieberhafte Rettungsaktion begann.
    Fischer, Grenzsoldaten, ein Kutter des Fischkombinates Sassnitz und sogar ein Hubschrauber aus Berlin sollten zum Einsatz kommen. Aber alle diese Rettungsversuche wurden durch die heranstürzende See und den Sturm zunichte gemacht.
    Rettungstruppen von außerhalb, in Prora lief ein mit Panzern bestickter Pionierzug aus, blieben in den meterhohen Schneewehen stecken.
    Das Drama nahm ein trauriges Ende. Am Morgen des 14. Februar 1956; die See war spiegelblank; es war windstill und die Sonne schien, wurden die drei Jungen:

    Helmut Petersen
    Uve Wassilowsky
    Manfret Prewitz

    vom Schwanenstein als Eisblock geborgen.

    Die Beerdigung fand auf dem Friedhof Nipmerow statt. Auf Initiative von Kindern des Kinderheimes Lohme wurde am 14. Februar 1995 das Grab mit eihem Grabstein versehen.

    Bitte gedenken Sie am Schwanenstein dieser drei jungen und ihrer schrecklichen Geschichte.“
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  • Naturpark

    May 4 in Germany ☀️ 13 °C

    „Und plötzlich betrachtet man die kleinen unscheinbaren Dinge der Natur mit anderen Augen.“ (Hans Cibulka)

    Der Nationalpark Jasmund ist einer der kleinsten in Deutschland, Königsstuhl und Stubbenkammer seine bekannten Highlights. Im Schatten dessen stehen ein beeindruckender Buchenwald und ein wunderbare Küstenstreifen. Der Blick nach oben ist fast beeindruckender als abwärts und ich überlege kurz, was es heißt, wenn diese Kreidemassen ins Abrutschen kommen.

    Woher sie stammen, wie alt die Ostsee ist, wer in und an ihr lebt und vieles mehr - unerwartete Antworten liefert eine faszinierende Ausstellung im Nationalparkhaus. Spielerisches, interaktives Entdecken auf drei Etagen. Faszinierend, wie auch der großartige Film über das Weltnaturerbe Buchenwälder.

    Mehr Infos: https://www.koenigsstuhl.com/ausstellungen
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  • Morgen

    May 5 in Germany ☁️ 8 °C

    5:19 Uhr. Sonnenaufgang in Vitt.
    Es ist still und kalt. Mein Kopf ist schläfrig und produziert zugleich Gedanken.

    „Morgen, morgen, nur nicht heute, sagen alle faulen Leute“, „Geduld braucht Weile“ - spricht er und ich denke, ich bin alt. Wie wir alle. Jeder auf seine Weise.

    Ach, noch ein Spruch fällt ihm ein: „Morgenstund hat Gold im Mund“. - Habe nachgeschaut. Nichts gefunden. Schade eigentlich.

    Lege mich wahrscheinlich wieder ins Bett.
    Guten Morgen.
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  • Steine

    May 5 in Germany 🌧 11 °C

    Sie gehören an die nördlichste Ostseeküste wie Sand und Wasser, sind mehr als Zeugen der Vergangenheit. Ihre Form, Farbe, Größe laden zum Bestaunen ein. Was würden sie sagen, wenn sie es könnten?

    Wie in einem Nest schmiegen sie sich zusammen, werden weich im Miteinander, um an anderer Stelle mit ihrer Größe Grenzen zu setzen. Drängeln sich zusammen, bilden Formen - ähnlich der einer Schildkröte - und werden durch Menschenhand neu interpretiert.

    Es lohnt sich hinzuschauen, hinzuhören und zu entdecken. Jeder Strandspaziergang wird zur eigenen, kleinen Weltreise.
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  • Tagwerk

    May 5 in Germany ☁️ 9 °C

    Ungewöhnlich, wie die Tage hier verlaufen. Die einzige Regel ist es, den Morgenkaffee am Strand zu genießen. Der Weg dahin ist kurz, die Tasse noch warm, wenn ich mich in den Sand setze und aufs Meer schaue. Oft bin ich allein, einzig die gassigehenden Zeitgeister sind aktiv. Ich genieße diesen Augenblick.

    Momente ergeben sich. Ein Abendessen zu dritt, eine Wanderung am Nordstrand, eine Einladung in die „Kleine Rast“ in Goor, am steinigen Strand nach Lohme stolpern, unbekannte Wege aufwärts finden, biertrinkend in die Sonne blinzeln - um unerwartet am Abend in einer Gemeinschaft am Strandfeuer zu sitzen. Die Sonne geht unter, Gitarrenmusik, Gespräche …

    Der Tag als Geschenk.
    Dankbar schaue ich auf ihn.
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  • Rückblick

    May 6 in Germany 🌬 9 °C

    Die Bahn bringt mich nach Berlin.
    Zu spät ihre Abfahrt.

    Mit dem Losrollen tritt eine in den letzten Tagen nicht vorhandene Unruhe ins Abteil, flüstert mir „Verspätung“ ins Ohr, grinst mich an und lässt mich zweifeln, ob ich meinen Anschlusszug nach Leipzig erreiche. Die Realität erscheint auf der Bühne. Grau kleidet sie sich heute, wirft Regentropfen an die Fenster.

    Ein Bühnenbild ohne Sand, Wasser, Sonne. Ohne das Rauschen der Wellen, den Ruf des Käuzchens am Morgen, den schier endlosen Wegen am Strand. „Ein Tag am Meer ist ein guter Tag“ las ich bei der Autofahrt nach Rostock.

    Ich hatte fünf davon.

    .

    PS: Mein besonderer Dank gilt Micky, die mich ins Inselleben eingeladen hat. Ohne sie wäre mir manches verborgen geblieben.
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    Trip end
    May 6, 2026