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Sascha und Thes entdecken Europa. ********* Falls ihr uns schreiben wollt: vondu27(at)gmail.com Message
  • Day279

    20 Smaragdgrün und türkisblau

    November 5 in Croatia ⋅ ⛅ 10 °C

    Regentropfen trommeln lautstark aufs Dach bevor sie in kleinen Bächen den Fensterscheiben entlang zu Boden rauschen. Windböen zerren stossweise an unseren vier Wänden und lassen unsere Stube auf Rädern schaukeln. Wir kuscheln uns gemütlich in eine Ecke und lassen die letzten sonnenverwöhnten Tage nochmals Revue passieren... 

    Vom Meer erhebt sich das Land stufenweise, hier und da recht steil, aufwärts zu den Bergen. Karstgestein lugt hellgrau zwischen den grünen und herbstlich rotbraunen Büschen hervor. Das Gestein ist extrem scharf und die oft welligen Formen werfen kunstvolle Linien und Schatten. Rechterhand schweift der Blick über die nackten vorgelagerten Inseln, braun und beige in allen Nuancen. Nur in den wenigen Einschnitten konnte etwas Grün Fuss fassen und unterbricht die öde Fläche. Die Strasse schlängelt sich kurvenreich der kroatischen Küste entlang. In der Bucht unter uns schimmert das Meer türkisfarben während die Sonnenstrahlen durch das klare Wasser dringen und den weissen Steinuntergrund in ein lebendiges Spiel aus Licht und Schatten taucht. Kurve um Kurve umrunden wir die zahlreichen schmucken Buchten und können uns kaum sattsehen. 

    Es liegt mal wieder eine Melodie in der Luft - kitschig, schnulzig, doch kaum aus dem Kopf zu bringen (https://youtu.be/v-BLqn2-veI). Die Paddel tauchen in das glasklare, sanft dahinfliessende Wasser, die Felswände bieten dem Gedudel im Kopf den passenden Hintergrund. Kein Wunder fand Karl May's Winnetou hier seine Drehkulisse. Da..., da vorne rauscht es ein wenig mehr. Ah, eine kleine Wasserstufe. Nichts Spektakuläres, doch Spass macht es allenthalben. Das offene Gummikayak rauscht mit seinen zwei grinsenden Insassen über die Stelle und lässt diese fröhlich quitschen. Die Vorfreude auf die noch folgenden Stufen steigert sich nur umso mehr, vor allem, da noch ein paar höhere folgen werden. Dazwischen geniessen wir die gemächliche Fahrt durch die kurvenreiche Schlucht des Zrmanja-Flusses und stören uns so gar nicht mehr an der Melodie, die einfach nicht aus dem Kopf will. 

    Szenenwechsel: Ragusa - nein, nicht die leckeren schweizer Stängeli mit Haselnüssen (mmmhhh... aber die Rede davon weckt gerade leckere Erinnerungen, saber, saber...) sondern der alte Name von Dubrovnik. Sogar für uns Kulturbanausen ist dieser historische ehemalige Stadtstaat eine Besichtigung wert. Das Bollwerk von Stadtmauer wird einerseits von Wellen gepeitscht, während auf der Landseite tiefe Gräben mit steilen Felswänden den Ort vor Angriffen schützte. Wir sind gebührend beeindruckt. Dass der Besichtigungspreis seit dem Eintrag in unserem Reiseführer um mehr als das doppelte gestiegen ist und für ein "normales" Café im Restaurant 6 Euro verlangt wird, beeindruckt uns fast ebenso. Nun denn, dies schmälert unseren Ausflug nicht und die Stadt bekommt definitiv einen Platz auf unserer Favoritenliste. Wer "Game of Thrones" kennt, fühlt sich hier mitten drin und wäre nicht überrascht, wenn plötzlich ein Drache über den Ecktürmen auftauchen würde. 
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    Traveler

    Da meint man auf der Anhöhe gleich eine Schar von Indianern erblickten zu können, während Ihr diesen friedlichen Fluss entlangpaddelt. Wunderschön!

    11/5/22Reply
    Traveler

    Könntet Ihr weit hinüber in die Siegelspitze Italiens schauen, würdet Ihr meinen Bruder und seine Frau erblicken. Die beiden sind vor drei Wochen in Solingen aufgebrochen, um ein paar Monate im Camper eine Auszeit zu genießen. Übermorgen setzen sie nach Sizilien über.

    11/5/22Reply

    😂😂😂 [Nadja]

     
  • Day261

    19 Unbekannte Gefilde

    October 18 in Slovenia ⋅ ☀️ 20 °C

    Von hinter dem Lenkrad schallt es plötzlich: "Müssen wir an der Kreuzung rechts oder links?"
    " Hä? Wo?" folgt es aufgeschreckt von der Beifahrerseite. 
    "Die Richtung zur slowenischen Grenze ist da vorne nicht angeschrieben. Rechts oder links?" 
    Gerade noch völlig versunken in der schönen Landschaft, bricht nun hektisches Karte konsultieren auf der rechten Kabinenseite aus. Die Kreuzung naht, der Weg ist noch nicht gefunden, also muss vorerst das Bauchgefühl entscheiden. Schliesslich wollen wir hier, mitten auf der Strasse im dichten Verkehr, nicht anhalten und so die "geduldigen" Italiener zum Hupen animieren. 

    Die geratene Richtung erweist sich dann doch als richtig und wir sind wieder ein Stückchen weiser. Mit der motorisierten Kutsche gehts eben rasanter vorwärts als noch mit den Stahlrössern. Als Navigator, notabene auf der rechten Seite sitzend, hat man auch Pflichten zu erfüllen um ans Ziel zu gelangen. Es braucht einfach noch ein wenig Ein- oder besser Umgewöhnungszeit, die Routinen der letzten acht Monate können nur schlecht angewendet werden. 

    Eine schmale Strasse schlängelt sich durch herbstliche Wälder in die Höhe. Kaum bewohnte Dörfer säumen den Weg Richtung Grenzpass. Das versteckte italienische Tal mit seinen vielen baufälligen Häusern scheint vergessen worden zu sein. Was erwartet uns wohl auf der anderen Seite? Von Slowenien kennen wir gar nichts, haben nicht mal eine wage Vorstellung. Wir wussten ja bis vor kurzem noch nicht mal, dass wir das Land besuchen werden. Gemäss dem vor einigen Tagen gekauften Reiseführer hat das Land einiges zu bieten. Wir werden nicht enttäuscht. 

    Türkisblau leuchtend mäandert die Soča ungebändigt durchs Tal. Ein Anblick, der uns irgendwie glücklich stimmt. Die wenigen, sehr kleinen Dörfer entlang des kühlen Nass sind bewohnt, die Häuser gut in Schuss. Wir geniessen die Zeit in "den Bergen" und machen kurze Erkundungstouren. 

    Apropos Erkundungstouren: Unsere körperliche Ertüchtigung ist nach den langen Velotagen auf ein Minimum geschrumpft (Gaspedal und Bremse betätigen zählt auch bei einem Defender NICHT als sportliche Betätigung!). So müssen Alternativen her, sonst gehen wir auf wie ein Ofenküchlein. Am Liebsten ist uns immer noch das Laufen/Wandern, denn bei Yoga bekommt Sascha Schreikrämpfe, Pilates haben wir schon durch und andere "Workouts" fühlen sich so gezwungen an. Habt ihr Vorschläge?

    Slowenien "überrascht" uns mit sehr freundlichen Menschen, hohem Lebensstandart, einigen Naturperlen und historischen Stätten. Die Höhlenburg Predjama zum Beispiel ist wirklich einen Besuch wert. In den 120m hohen Höhleneingang wurden in mehreren Etappen dickwandige Gebäude errichtet. Die Festung galt als uneinnehmbar, hatte sie doch nur einen offensichtlichen Zugang welcher kaum unerlaubt passierbar war. Im weitverzweigten Höhlensystem hinter der Burg gab es jedoch einen Geheimgang, der weit entfernt ans Tageslicht führte. So konnten die Burgbewohner während einer Belagerung immer frische Lebensmittel besorgen.

    Beeindruckt von den vielen Erlebnissen des bergigen Sloweniens zieht es uns zum Schluss wieder ans Meer. Das warme Wetter lockt und irgendwie verspüren wir Sommer-Nachholbedarf. 
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    Mer send die letscht September-Woche au in Slowenie gse. 😃 hättemer eus no fast troffe 😅 [Nadja]

     
  • Day254

    18 New horizons

    October 11 in Switzerland ⋅ ☁️ 11 °C

    (wird mit englischem Akzent gelesen) 

    Good Morning

    Ihr werdet wohl etwas surprised sein, heute von mir zu lesen. Wer ig bin? Well, ihr kennt mig bis jetzt noch nigt. 
    Aber wo bleibt nur meine english education! Darf ig mig vorstellen?

    My name is Rover. 
    Lord Land Rover Defender the TD5th
    Friends call me "Bäbistuba". 

    Ig liebe es to be on the road und my favourite gadgets sind Holztütschi and Schüsseli. 

    Now wurde ig von meinen Partnern/Besitzern auf eine "very adventurous mission" geschickt. Als Bodyguard, Kutsche und mobiles Zuhause darf ig ihre Daughter und Hobbyschwiegersohn nun für gut drei Monate begleiten. 

    Psst... Unter uns gesagt, glaube ig ihre Drahtesel haben nun nach 8 Monaten, 8'094 Kilometern, 533 Fahrstunden, und 62'434 Höhenmetern schlapp gemacht und wollten in ihren wohl verdienten Winterschlaf entlassen werden.

    Nun nehme ig mig den beiden Travellers an und zeige ihnen wie gut es sich auch mit etwas mehr Comfort und PS under the Hintern exploren lässt. 

    So it was nice to meet you. Ig bin sicher ihr hört wieder mal was von mir. 

    Good bye
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    Traveler

    … einfach ds Outonumero u ds CH-Schildli nid vergässe ….😉 … alls Gueta u scheeni Reis!

    10/30/22Reply
    Traveler

    Merci vil mal. Jaja, ds Numeroschild und der CH-Chläber hei mer natirlech im Handschuefach derbie 😉 Äs gfreud is sehr, dass ier geng flissig mitläsed. Grüessli vom Strand

    10/30/22Reply
    Traveler

    Mitläseg habe ich auch, wobei das Schweizerische langsamer ging als das "Englisch -Deutsch"🤣

    10/30/22Reply
    Traveler

    Wohin geht's denn nun???

    10/30/22Reply
    Traveler

    🤣. Keine Sorge, wenn Thes "berneroberländer-deutsch" schreibt, hat Sascha auch so seine Mühen mit Lesen.

    10/30/22Reply
    Traveler

    Du bist jetzt aber wieder neugierig.... tststs. Richtung Süden

    10/30/22Reply

    Wie cool esch denn das? 😅😍 [Nadja]

     
  • Day237

    17 Drei Nüsse für....

    September 24 in Czech Republic ⋅ ☁️ 18 °C

    Tschechien, das Reich der Märchen. Nach ein paar Tagen Spätsommer werden wir hier mit saftigen Anstiegen (für märchenhaft stramme Waden) und heftigen Regengüssen (wie die Tränenbäche vom kleinen Maulwurf) verwöhnt. Nichts desto trotz, Tschechien gefällt uns ausserordentlich gut. Die Landschaft ist abwechslungsreich und die Menschen begegnen uns sehr freundlich und offen. Einziger Wermutstropfen, immer diese Kümmelsamen im Brot 😝.

    Wie immer sind unsere Pläne so launenhaft wie das herbstliche Wetter. Kurzerhand schmeissen wir unser mögliches Ziel Wien über Bord, reissen das Ruder rum und stechen mal wieder in den Gegenwind Richtung Südosten (eben doch masochistisch veranlagt???). Hier führen alle Wege nach Prag, also geben wir uns Kulturmuffeln einen Ruck und stellen uns auf einen Tag Sightseeing ein. Viele Stadtbummelkilometer, ein beeindruckendes Schloss, eine alte Steinbrücke, viele imposante historische Gebäude, ein Gulasch im Brottopf und zwei Trdelník (heisses, sehr leckeres Gebäck) später sind wir der Meinung, dass Prag eine wirklich wunderschöne Stadt und alle mal einen Besuch Wert ist.

    Fast zu schnell, lassen wir das Märchenland hinter uns und kommen langsam wieder in bekanntere Gefilde. Servus Bayern. Auch hier verstehen wir die Einheimischen nicht immer im ersten Anlauf, aber es ist erstaunlich schön, dass wir mal wieder alle Schilder und Speisekarten lesen können.
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    Traveler

    Ich bin immer wieder total begeistert wie großartig ihr beide schreiben könnt… solltet ihr mal ein Buch zu all eure Reisen veröffentlichen, ich werde es lesen… weiterhin viel Spaß …. Herzliche Grüße

    9/28/22Reply
    Traveler

    Danke vielmals für die Lorbeeren. Manchmal läufts rund, manchmal ist es harzig.... Es gibt auch die Momente, wo wir uns selbst sehr lustig finden 😁. Ob es jemals ein Buch geben wird? Liebe Grüsse

    9/28/22Reply

    wow der Fliegenpilz, das Foto ist der Hammer!!! LG Rebekka [Rebekka Schneider]

    10/14/22Reply
    Traveler

    Salut. Danke vielmals, wir freuen uns auch sehr an dem Bild. Wir haben einfach den bestmöglichen Zeitpunkt erwischt (nix photoshop). LG

    10/15/22Reply
     
  • Day227

    16 Mit den Kranichen gen Süden

    September 14 in Poland ⋅ ☁️ 17 °C

    Tschgtschgtschgtschg... Das regelmässige Rattern und Schaukeln des Zuges hat uns in unserem Schlafwaggon recht gemütlich durch die Nacht gebracht, bis uns die nette Dame aus dem Lautsprecher um sechs Uhr einen guten Morgen wünscht. Die Lautstärke wurde wohl absichtlich so gewählt, dass auch der hinterst und letzte Siebenschläfer aus seinen Träumen kommt. Eine Stunde später erreichen wir Mälmö in Südschweden bei perfektem Altweibersommerwetter. 

    Tags darauf machen wir schon den nächsten Gump. In 6 1/2Stunden gehts von Trelleborg (S) mit der Fähre nach Świnoujście in Polen. Haben wir schon in Skandinavien nicht so viel von der Sprache verstanden, so fordern uns die slawischen Sprachen noch bei weitem mehr. Die empathische Distanz zwischen Deutschland und Polen ist noch immer deutlich spürbar, denn obwohl wir uns nur der Grenze entlang bewegen, wird beidseitig fast nur strickte die eigene Sprache gesprochen.

    Südwärts folgen wir der Oder. Vor allem das Mündungsgebiet mit dem Stettiner Haff überrascht uns mit wunderschönen Naturschutzgebieten. Seeadler dominieren die Lüfte und in Wäldern und Wiesen werden wir immer wieder von aufmerksamen Rehaugen bespitzelt.  

    n-ts...n-ts...n-ts schallts durch die Nacht
    Wir beide um den Schlaf gebracht
    Die Technofreaks lassen's krachen
    Uns ist's vergangen, das Lachen.

    Wut schnaubend dreht Sascha fast durch, die Ohrenstöpsel helfen einfach nicht gegen das Gewummere. Es dringt durch den ganzen Körper. Dabei wäre doch der Schlaf gerade so dringend nötig nach der heutigen, unerwartet längeren Etappe. Die Toleranzgrenze ist längst überschritten. Gestern hatten wir das Ganze auch schon, an einem anderen Ort, etliche Kilometer weiter nördlich. Und das Wochenende davor auch schon. Gehört das nun einfach dazu, dass man jeden Freitag und Samstag in der Natur die Sau rauslässt und dies mit wirklich verstörendem Bumm-bumm (Melodien sind keine zu erkennen)?
    Nun denn, heute haben wir ja extra einen Camping in einem Schutzgebiet ausgesucht, der damit wirbt, dass Musik verboten und die Ruhezeiten ab 22.00 Uhr strikte durchgesetzt werden. Es ist schon nach Mitternacht als sich Sascha doch noch aus dem Schlafsack quält und sich couragiert der Technomeute entgegenstellt. Dazu vorher noch ein paar tiefe Atemzüge genommen (das hilft, die Wut zu zügeln und den Bammel auf die Konfrontation zu dämpfen 😉). Höflich, aber bestimmt sucht er eine verantwortliche Person... niemand von den ca. 30 Leuten fühlt sich angesprochen... Zwar wird versichert, dass die "Musik" leiser gestellt wird, aber das hält ja bekanntlich keine 10 Minuten, der Alkohlpegel ist zu hoch...
    Mit gesenktem Haupt (aber ohne blaues Auge) schlendert Sascha zurück zum Zelt und fragt sich dabei noch, ob dies wohl die gerechte Strafe für die eigenen ausschweifenden Partys der Vergangenheit ist.
    Zurück im Zelt hilft nur noch eines: Kopfhörer rein, Meeresrauschen auf Spotify auswählen und Lautstärke aufdrehen. Das hilft tatsächlich und es gibt doch noch ein paar Stunden Schlaf.

    Am nächsten Morgen ist die unruhige Nacht unser Zmorgengespräch. Nach vielen Wochen in der meist ruhigen Natur von Skandinavien sind uns die Wochenendpartys in Polen und Deutschland ein Greuel. Es wäre ja noch nachvollziehbar, wenn wir in einer Stadt oder der Nähe davon gewesen wären, aber in Naturschutzgebieten? Glücklicherweise wird uns Tschechien diesbezüglich total überraschen.... Ruhe pur  😊
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  • Day212

    15 Nass, nass, nass

    August 30 in Sweden ⋅ ☁️ 13 °C

    Der Wind rüttelt kräftig am Zeltgestänge, die Himmelsschleusen sind weit geöffnet und die grossen Tropfen trommeln laut auf die dünne Stoffwand, die uns von den ungezähmten Naturgewalten trennen. Aufstehen? Ach nö, da müssen wir jetzt doch wirklich nicht raus. Lieber sich noch ein-, zweimal in der warmen Penntüte drehen und den Gedanken nachhängen. "Das ist der schlechteste Sommer in Norwegen seit 100 Jahren." "Im Juli hatten wir ganze 4 Tage ohne Regen, sonst sind's 20." "Es ist sehr kalt, unglaublich nass und der Wind bläst so kräftig wie sonst nie um diese Jahreszeit." Diese Worte, immer wieder vernommen, hallen nach. Und wir können den Frust der Einheimischen gut nachvollziehen, regnet es draussen noch immer stossweise.
    Langsam meldet sich das wölfische Verlangen nach etwas essbarem. Also doch aus dem gemütlichen Sack zwängen. Inzwischen sind wir geübt darin es uns IM Zelt gemütlich einzurichten und zu frühstücken. Das Glück ist uns hold, denn kaum ist der letzte Bissen des Müeslis verschlungen, hört es auf zu regnen. Jetzt aber hü hot. Alles zusammenpacken, Zelt abtrocknen und einpacken. Es reicht sogar noch für Espresso und Tee. So übel startet der Tag ja gar nicht.

    Wir fahren in einen der unzähligen Fjorde rein, die imposanten steil abfallenden Felsen sind tief wolkenverhangen. Unser Blick wird immer wieder vom glasklaren, teils türkis schimmernden Wasser angezogen. Doch was ist das da im Wasser? Könnte das eventuell sogar... nein... oder doch? Tatsächlich, nur wenige Meter vom Ufer entfernt schwimmt ein Otter, taucht nach Muscheln und Fischen. Nur kurz können wir den geschickten Jäger beobachten, dann ist er schon wieder fort - das Grinsen auf unseren Gesichtern bleibt da schon länger haften.
    Zuhinterst im Fjord begrüsst uns der nächste Schwall von oben. Ganz lieblich sind die ersten Tropfen, ein leichter Sprühregen nur, eigentlich gar nicht wert, die Regenklamotten hervorzuholen. Da kommt aber noch mehr auf uns zu, schwarz und dunkel... Gut eingepackt trotzen wir den unwirtlichen Begebenheiten und sind sogar froh, dass kurz darauf eines dieser langen, dunklen und kalten Tunnels kommt. 3 km ist dieses lang und erfreulicherweise ohne grosse Steigung. Inzwischen erschaudern wir nicht mehr, wenn eines dieser Löcher vor uns ist. Zuviele haben wir durchfahren, eines sogar unter dem Meer hindurch. Die norwegische Küste, das Land der Tunnels und Fähren. Velolicht ist an, einmal tief durchatmen und durch. Dank des spärlichen Verkehrs gar nicht so schlimm. Auf der anderen Seite schüttet es "was es mag". Der Kopf wird noch ein wenig mehr eingezogen, die Nase rümpft schon von alleine und ab durch den nassen Vorhang. "Ist es noch weit bis zur nächsten Fähre? Hoffentlich gibt es dort einen trockenen Unterstand", rauschen die verwaschenen Gedanken durch den Kopf. Nur noch den letzten Hügel erklimmen, dann sollten wir den Hafen bereits sehen können. Oh, die Fähre ist an der Anlegestelle, der Bug weit geöffnet, aber Autos sehen wir keine mehr. Schei..., das schaffen wir nicht mehr, die Fähre legt gleich ab. Trotzdem sausen wir rasant den Hügel hinunter, biegen Richtung Anlegestelle und ein dick vermummter Seebär fuchtelt uns mit den Armen zu. Unglaublich, die Schranke wird für uns nochmals geöffnet, das Schiff wartet. Triefend nass rollen wir in den Bauch des Ungetüms. Tusen tack! Eine Stunde Fährfahrt, im Trockenen und Warmen erhellt unser Gemüt.

    So, gut zweieinhalb Monate haben wir nun unserer skandinavischen Entdeckerlust gefröhnt. Langsam erwacht in uns das Bedürfnis auch noch anderen, uns unbekannten Fleckchen etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Ausserdem ertappen wir uns immer mal wieder dabei, wie einer von uns gedankenverloren die Melodie von „Eeh ab in den Süden, der Sonne hinterher...“ vor sich hin trällert.

    Zuggeschichten, Episode 328
    Anderes Land, neues Glück. Norwegen, auch hier werden Zugtickets online gekauft. Nach ein paar Anläufen sind wir stolze Besitzer von zwei Zugtickets inklusive Velos von Mo i Rana nach Verdal. Tags darauf sind wir natürlich zeitig am Bahnhof. „Wo hält wohl das Zugabteil für die Velos? Müssen wir das Gepäck vom Velo abladen? Wie kriegen wir das am schnellsten hin? Und was wenn der Velotransport doch nicht klappt???“ Jaja, wir sind ein wenig gebrandmarkt, trauen der ganzen Sache noch nicht so wirklich und fabrizieren daher das ein oder andere nervöse Schweisströpfelchen.
    Diesen Flüssigkeitsverlust hätten wir uns auch sparen können. Die laute Diesellok rumpumpelt mit fünf Wagons in den Bahnhof, der Kondukteur ist etwas verwirrt über die beiden Velos, da sein schlaues Gerät nichts davon wusste, aber egal, ruck zuck ist alles im Innern des Zuges verstaut und es kann los gehen. 6 Stunden später werden wir rund 400 Kilometer südlich bei untergehender Sonne wieder ausgespuckt. So einfach geht das.

    Und da das so wunderbar geklappt hat, machen wir gleich weiter so. Wir haben tatsächlich einen Zug durch Schweden gefunden, welcher mit Velos und online buchbar ist. Für den 1. September haben wir somit den Nachtzug von Östersund nach Malmö reserviert. Süden, wir kommen.

    So bleiben uns 8 Tage um nach Östersund zu radeln und den Norden nochmals in vollen Zügen zu geniessen. Bei gut 20°C und strahlendem Sonnenschein will uns das hiesige Wetter wohl noch etwas versöhnlich stimmen. Und als wäre das nicht schon genug, ist es nun soweit. Endlich! Wir fahren durch hügeliges, landwirtschaftlich genutztes Gebiet als Saschas Aura plötzlich aufgeregt zu flimmern beginnt. Er zeigt in Richtung einer Hecke wo soeben ein braunes Hinterteil verschwindet. Wir fahren noch ein paar Meter weiter und spähen um das Gebüsch herum. Zwischen dem Geäst tritt eine wunderschöne Elchkuh hervor. Mit grossen Augen und einem freudigen Gefühl in der Brust beobachten wir, wie das imposante Tier gemütlich über die Wiese trabt, die Strasse quert und dann, erschreckt von einem Auto, durch das nächste Feld davon galoppiert. Mit einem mühelosen Satz springt sie über den Zaun und verschwindet im Wald. Beim Schreiben dieser Zeilen schleicht sich wieder ein glückliches Lächeln auf mein Gesicht.

    Die Strasse zum Grenzpass zwischen Norwegen und Schweden schlängelt sich sanft in die Höhe, der angrenzende Fluss glitzert mal spiegelglatt und ruhig vor sich hin um ein paar Meter weiter tosend über Felsen dahin zu rauschen. Wir geniessen nochmals einen wunderschönen, wilden Zeltplatz ganz für uns allein. Auf dem Pass werden wir mit einem Fjäll belohnt. Kilometerweit dürfen wir den Blick über Wollgras, Beerensträucher und teilweise lichten Baumbestand schweifen lassen. Der Herbst hält langsam Einzug und überzieht die ganze Gegend mit warmen Rot- und Goldtönen. Wir können uns kaum sattsehen. So wird uns Skandinavien nochmal in einem sanfteren Licht vorgestellt. Bestimmt wird uns der Ruf des Nordens wieder einmal in diese Gegend ziehen.
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    Traveler

    Welcome back if you pass Vänersborg.☀️🇸🇪

    8/31/22Reply
     
  • Day183

    14 Im Land der Trolle

    August 1 in Norway ⋅ ☀️ 14 °C

    Der Himmel hängt grau und tief über der glatt geschliffenen Felslandschaft. Es ist düster, kühl und nieselt. Wir biegen um einen Steinriesen und sind plötzlich umgeben von diesen trollpatschigen und doch so flinken Wesen. Bei genauer Betrachtung entdeckt man ihre Spuren überall. Hier trollt sich gerade einer zu einem erquickenden Schläfchen zusammen, an der Krete des fernen Berges lassen sich die gezackten Stufen einer Trolltreppe ausmachen und überall liegen versteinerte, überdimensionierte Trollpopel herum. Offensichtlich wandeln diese Kreaturen hier in allen Grössen und Rotzklassen.
    Liegt es wohl an der Polarluft oder an den Regen- und Nebelschwaden, welche unsere Sicht verschleiern und Fantasie beflügeln?

    Nachdem uns Norwegen erst mal mit der kalten, nassen Schulter begrüsst hat, kommt das Versöhnungsangebot mit drei Tagen Sonne genau richtig. Wir nähern uns den Lofoten via Inselhüpfen von Norden her, so ist unser erstes Eiland Senja. Ooohhh... dunkle, steil aufragende, kantige Berge erheben sich aus dem tiefblauen Ozean. Geschmückt werden sie mit unzähligen Wasserläufen die perlenkettenähnlich über ihre Flanken glitzern.

    Jetzt gibt es wirklich keine brauchbare Ausrede mehr um sich vor dem Wandern zu drücken. Roalden, so der Name unseres Zielgipfels. Wir starten direkt am Meer und pflatschen, rutschen, balancieren uns erst mal die ersten paar hundert Höhenmeter durch sumpfigen lichten Birkenwald und weiter über viel Moos und Beerensträucher. Die Vegetation nimmt fortlaufend ab, bis wir etwa drei Stunden später über Geröllfelder den Gipfel auf 820m Höhe erreichen. Wow, welch ein Panorama. Wir sind umgeben von hochalpin anmutenden felsigen Gipfel, geteilt durch kleine Bergseen und umrundet von blauen Buchten mit Sandstränden. Die verschiedenen Vegetationsstufen, welche sich bei uns in den Alpen über mehrere 1000 Höhenmeter erstrecken, werden hier sehr kompakt in ein paar 100 Hm geboten. Wir sind stolz, dass wir den Aufstieg so „locker“ geschafft haben, wo wir doch so gar nicht wandertrainiert sind. Thes zitternde Knie rühren eher von den senkrecht abfallenden Felswänden denn von der Anstrengung.
    „What goes up must come down“ dieser Spruch motiviert beim Velofahren immer ungemein. Hier geht der Rückweg jedoch ganz schön in die Beine und wir sind froh, dass sie uns bis ganz nach unten tragen. Nun können wir das Zittern unterhalb der Hüfte wohl nicht mehr auf die furchteinflössende Vertikale schieben 😉

    Tags darauf beim Aufstehen und Rumlaufen: “Ooohhh... Aaah...Mmhh... Also hüt fahre mer sicher nid witer!“.
    Vor allem jegliche Abwärtsneigungen des Geländes sind besonders schmerzhaft. Die Toilette befindet sich ca. 80Meter und 2 Höhenmeter von unserem Zeltplatz entfernt.
    Zweiter Tag danach: „Ömpf, ömpf... Eieiei... Aaauuu... Also höt fahrid mer secher ned witer!“
    Wir haben es bereits erwähnt, 200 Höhenzentimeter bis zur Toilette, also ja nicht zu viel trinken!
    Dritter Tag danach: „Mmh...!“ Irgendwie sollte es doch langsam möglich sein, beim Gehen nicht mehr wie ein frisch Hüftoperierter mit fehlendem Infusionstropfgestell auszusehen.
    Vierter Tag danach ....
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  • Day177

    13 Hejdå Sverige

    July 26 in Sweden ⋅ 🌧 14 °C

    Frisch frisiert wechseln wir nach der Kanuwoche wieder auf unsere treuen Weggefährten. Das nächstgrössere Etappenziel hat sich automatisch durch unsere Erfahrungen mit der hiesigen Insektenwelt ergeben. Anstatt direkt gegen Norden zu stechen, ist der neue Kurs eher Nordost – ab ans Meer! Dort hat es bekanntlich weniger von den Plagegeistern, die uns zeitweise den letzten Nerv gekostet haben. Ausserdem gibt es an der Küste auch wieder einmal eine Stadt. Nicht dass wir die vielen Menschen und Häuser vermisst hätten. Nein, es ist einfach so, dass uns noch ein wichtiges „Ausrüstungsteil“ fehlt – ein Moskitonetz für den Kopf steht auf der Wunschliste zuoberst. Unglaublich, aber das ist hier in Schweden gar nicht so einfach zu bekommen.

    Am bottnischen Meerbusen (wer hat in Geographie aufgepasst?) angekommen, ändern sich unsere Pläne schon wieder. Liegt es an der frischen Seeluft, am sehr tiefen Salzgehalt des Wassers, oder verspüren wir einfach wieder einmal Lust auf....?

    Zuggeschichten, Episode 327:
    Der hohe Norden ruft unüberhörbar, die Kilometer dahin noch so viele. Was liegt da näher, als einen Teil davon auf Schienen zurückzulegen? Im Internet wurden wir auch fündig; es gibt Zuggesellschaften, die Velos transportieren...auf gewissen Linien...in gewissen Zugkompositionen. Nur welche das genau sind – Fehlanzeige. In Sundsvall, einer Stadt mit immerhin 60'000 Einwohnern, steuern wir voller Vorfreude den Bahnhof an. „Die werden uns sicher DIE Auskunft geben können“, so unser beider Meinung. Doch wie sagt man so schön: „Weisch wer meint?“ Das Bahnhofsgebäude ist sehr schön renoviert, sauber und recht belebt. Schalter gibt es keinen (mehr). Aber da, da ist doch ein Infopoint. Nun ja, entpuppt sich als kleiner Touch-Bildschirm. Und alles in Schwedisch. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Klar, Schweden ist an einem anderen Punkt, was den Gebrauch von Handy & Co. anbelangt, aber in einer Stadt? Tickets online kaufen ist nicht schwierig, aber es gibt doch sicher noch andere Spezialfälle, die eine Auskunft benötigen. Nun denn, es gibt ja noch das Telefon. Also Nummer gewählt, die Bandansage knapp verstanden und die 9 gedrückt für Englisch... es klingelt... oh, wieder eine Bandansage, aber wieder in Schwedisch.....

    Bisschen frustriert steuern wir ein Restaurant an. Wenigstens wollen wir die Vorzüge einer Stadt auskosten. Am Eingang werden wir freundlich empfangen und gefragt, ob wir das erste Mal hier seien. Ja ja, ist unsere Antwort. Dann werden wir aufgeklärt, dass wir zuerst eine App herunterladen müssen, dort können wir einen Tisch reservieren und dann muss auch die Bestellung und Bezahlung über die App laufen. „GÅHT'S NO“, hämmert es durch unsere Köpfe. Mit schiefem Lächeln drehen wir auf den Absätzen um, suchen uns ein „normales“ Restaurant und werden dort köstlich verwöhnt!

    Kurzerhand beschliessen wir, ein Auto zu mieten. Innerhalb von wenigen Minuten haben wir ein Gefährt gebucht. Dieses beladen wir am nächsten Tag mit unserem ganzen Gerümpel und fahren ab in den hohen Norden, wieder weg vom Meer. Die Kilometer schmelzen nur so dahin. Die Musik schallt aus den Lautsprechern und wir singen voller Inbrunst mit. Ja, auch so kann man unterwegs sein.

    In Kiruna, es regnet in Strömen und ist recht frisch, entladen wir voller Motivation unsere Velos aus dem Kombi und verabschieden uns von diesem. Glücklicherweise finden wir nach kurzer Fahrt ein supergemütliches Café. Wir entdecken lokale Spezialitäten wie Lachslasagne und Backed Potatoe mit Rentier (beides sehr lecker) und nachdem der Hunger gestillt, der Durst gelöscht ist, ist die Welt auch wieder in Ordnung.

    Die Kleinstadt selbst vermittelt einem einen, sagen wir, komischen Eindruck. Viele Häuser stehen leer, sind nicht gut in Schuss. Einkaufsläden haben grosse Ausverkaufsschilder aufgehängt. Bald erfahren wir auch wieso. In Kiruna ist die grösste Eisenmiene der Welt. Da im Tagbau schon seit den 50er Jahren nichts mehr zu holen ist, buddeln sie immer tiefer. Und die ertragreichsten Vorkommen befinden sich.... unter der Stadt. Es gab auch schon kleine Erdbeben. Der Stadt blieben zwei Möglichkeiten: Miene aufgeben oder die Stadt. Und wen wundert's, die Miene darf bleiben, denn ohne diese gibt es für die Stadtbewohner keine Lebensgrundlage. Die Stadt indes wird um 5 Kilometer „verschoben“. Das nennen wir mal zügeln für Fortgeschrittene. Das neue Stadthaus steht schon am neuen Ort und der Kern mit den Geschäften und Restaurants zieht im September an den neuen Ort. Die Wohnquartiere folgen in den nächsten Jahren.

    Von Kiruna bis zur Grenze zu Norwegen sind es nur noch ca. 130km. Die Landschaft hat sich nun definitiv geändert. Links und rechts erheben sich Berge, dazwischen viele Seen und kleinwüchsige Birken säumen die Strasse. Trotz der kalten Temperaturen, dem teils eisigen Wind und dem zwischenzeitlichen Nieseln gefällt es uns ausserordentlich gut. Zur besseren Stimmung tragen sicher auch die kleinen Hütten bei, die es bei einigen Rastplätzen hat. Ideal für ein Zmittag oder Znacht im Windgeschützten und Warmen.

    Eigentlich wollten wir in Abisko noch wandern gehen, dort ist der Start-/Endpunkt des berühmten Kungsleden (Königsweg; Weitwanderweg). Doch der Menschenauflauf ist uns doch des Guten zu viel. Das Wandern muss noch warten. Es soll ja im Nachbarland auch sehr schön sein. Aber dazu mehr beim nächsten mal.
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    All the best to you!☀️👍 [Gun-Britt Levin]

    8/5/22Reply

    Nice to meet you. All the best to you!🥂 [Gun-Britt+Lennart]

    8/9/22Reply
     
  • Day154

    12 Ferien vom Velofahren

    July 3 in Sweden ⋅ ⛅ 18 °C

    Viele Pläne hatten wir für diese Reise ja nicht. Ausser, dass wir in Skandinavien Kanufahren wollen. Und nun ist es endlich soweit. Nach einigem Suchen entscheiden wir uns für eine einwöchige Kanutour nördlich vom Vänernsee (das ist dieser riesengrosse See auf der Landkarte zwischen Oslo und Stockholm).

    Ausstaffiert mit einem robusten Alukanadier, Gepäcktonne, Paddel, Schwimmweste, Kanuwagen und einem Routenbeschrieb sind wir parat für unsere Ferien vom Velofahren. Läck das Puff, bis wir alles, was mit muss, von den Velotaschen in kanutaugliches Gepäck ummodelliert haben. Irgendwann vor dem Mittag hat dann doch alles seinen Platz gefunden und es geht endlich los.
    Unsere Tour verläuft mehr oder weniger in einem Kreis über viele kleinere und grössere Seen. Kurz nach dem Start werden wir bereits zum ersten Mal auf die Probe gestellt. Die schmale Passage zwischen dem ersten und zweiten See ist mit schwimmenden Inseln „verstopft“. Vom Kanuverleiher wurden wir vorgewarnt, dass dies je nach Wind der Fall sein kann. Wir sollen dann einfach aussteigen und das Kanu über die Insel ziehen. Was so simpel klingt, ist in Realität eine echte Herausforderung. Die Gras, Moos und Busch bewachsenen Inseln sinken beim Betreten etwas ab (je nach Gewicht des Betreters halt auch ein bisschen tiefer ;-) ). Das Boot ist sehr schwer, die Inseln wabbelig, die Armmuskeln vom Velofahren nicht ganz so stählern und die Kommunikation hat auch noch Verbesserungspotential. Als unser schwimmender Untersatz dann endlich wieder im Wasser treibt, sind wir tropfnass, ziemlich ausgepowert und hatten uns auch schon mal lieber.
    Zum Glück ist es heute hochsommerlich warm, die Wassertemperatur lässt mit etwa 22°C an die Karibik erinnern und zum Übernachten finden wir einen traumhaften Platz auf einer einsamen Insel (diesmal eine fixe mit Bäumen drauf). So sind wir schnell wieder versöhnt und geniessen den lauen Abend.

    Nach zwei Sonnentagen ist Regen angesagt. Der Wetterumschwung bringt eine kribbelnde Überraschung mit sich. Knott werden sie in Schweden genannt. Angelockt von unserem leckeren Duft und der attraktiven Optik wartet morgens eine ganz Armada von Kriebelmücken vor unserem Zelteingang. Kaum draussen fliegen sie uns in Augen und Ohren und beissen uns an allen Ecken und Enden. Lago mio sind die mühsam. Innert kurzer Zeit machen sie uns ganz wuselig. Wo wir normalerweise morgens viel Zeit brauchen bis wir startklar sind, geht das Abräumen und Einpacken nun plötzlich ganz schnell. Einfach weg vom Ufer und raus auf den See. Aaahhh... hier ist es besser.
    Leider verziehen sich die kleinen blutrünstigen Plagegeister nicht mit den Regenwolken, sondern bleiben uns ab da an allen windstillen Orten erhalten.
    Oh Wind, der du unser treuer Begleiter schon seit langem bist, endlich lernen wir deinen Segen kennen!

    Somit verlegen wir ab sofort alle möglichen Aktivitäten aufs Wasser. Frühstücken, Kaffeekochen, Relaxen und vieles mehr lässt sich mit etwas Übung prima auf dem Kanu durchführen. Wären da nur nicht diese täglichen menschlichen Bedürfnisse. Was rein geht, muss auch wieder raus und das nach anständiger Outdoorregel mindestens 100 Meter vom Wasser entfernt und gut verscharrt. Durch das Umherstreifen auf der Suche nach dem geeigneten ruhigen Örtchen und das anschliessende Lochbuddeln werden jeweils alle im Umkreis schlummernden Blutsauger auf den Plan gerufen und die folgende Erleichterung demzufolge nicht ganz so erfreulich. Mit Wonne zählt Sascha nach einem solchen „Ausflug“ ganze 27 juckende rote Punkte rund um Thes Hintern.

    Nach einer intensiven Woche kehren wir zurück ins Kanucamp. Das Kanu hat uns ermöglicht fernab aller Strassen an unbewohnte Seen zu gelangen. Spiegelklares Wasser, traumhafte einsame Übernachtungsplätze und nur den Ruf der Möwen und Seetaucher bleiben uns von unseren „Ferien“ in wunderbarer Erinnerung.
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    Looks lovely!🥂👍🙌🌹🎼 [Gun-Britt och Lennar]

    7/17/22Reply
    Traveler

    Jawoll Thes, gekonnt ist gekonnt !!!

    7/24/22Reply
     
  • Day141

    11 Endlich in Skandinavien

    June 20 in Sweden ⋅ ⛅ 20 °C

    Eigentlich steuern wir seit langem den Norden von Dänemark an, um die Fähre Hirtshals- Kristiansand (Nor) zu nehmen. Eigentlich erzählen wir dies auch allen Leuten, die uns die letzten 4 Monate gefragt haben, wohin es denn gehen soll -  Norwegen, die Küste hoch, evtl. bis zum Nordkapp und dann irgendwie wieder südwärts.
    Eigentlich.....
    Eine Tagesetappe vor Hirtshals werfen wir unsere Pläne ganz vondu-like über Bord, biegen "rechts" ab nach Frederikshaven und nehmen die Fähre nach Göteborg. Schweden wir kommen.
    Die Fahrt verläuft trotz trübem Wetter ruhig. Kein grosses Geschaukel, keine grünen Gesichter. Wir sitzen im Bordcafé, schlürfen an unseren heissen wie kalten Getränken und beobachten ein wenig die anderen Passagiere. Dem Sing-Sang nach hat es fast nur schwedisch Reisende. Wir wundern uns noch, warum hier soviele Leute mit leeren Sackkarren unterwegs sind. Als dann der Duty-free Laden öffnet, geht uns ein Lämpchen an. Sie kaufen en-gros Alkohol, meist Kistenweise Bier und Wein. Ah ja, da war doch noch was. Alkohol ist doch im Schweden so teuer, oder? Anscheinend gibt es hier viele Passagiere, die schnell mit dem Schiff nach Dänemark schippern um sich auf der Rückfahrt einzudecken. Alles in allem ein Ausflug, der sich in 8 Std. bewältigen lässt (wie sich später herausstellt, ist der Alkohol gar nicht so viel teurer als bei uns. Jedoch ein wenig komplizierter zu bekommen, da alles, was mehr als 3.5% Vol. hat, nur von den staatlichen "Systembolaget" verkauft werden dürfen)

    Nach einem Kurzaufenthalt in Göteborg stechen wir nordwärts und tauchen in die Schärenwelt ein. Die Landschaft entlockt uns viele Ahs und Ohs, zwischendurch erschallt auch ein sooo schööön. Die vielen kleinen und grossen Inseln, welche sich sanft aus dem Wasser heben, sind eine wahre Augenweide. Hier eine romantische Bucht, da eine Felsformation, die die Fantasie beflügelt. Und zwischendrin.... eine Segelyacht. Sascha bekommt den sehnsüchtigen Hundeblick und möchte diese Naturschönheiten auf dieselbe Weise entdecken. Die Vernunft siegt (oder mangels genügend Kenntnissen und "Möglichkeiten") und wir bleiben bei unseren edlen und treuen Stahlrössern. Auch so sind wir beide begeistert und können es wieder einmal kaum fassen, was die Natur alles zu bieten hat.

    Mit ein wenig Wehmut verlassen wir die Küste und pedalen nordwärts durch Streusiedlungen und Wälder. Langsam erhöhen wir unsere Aufmerksamkeit, spitzen die Ohren besonders, schauen häufiger links und rechts. Die Elchschau kann beginnen. Da, ein Knacken im Gebüsch - eine Elster. Dort, ein dunkler Umriss im düsteren Wald - ein Ameisenhaufen. Das ständige Auf-der-Hut-sein ermüdet zusätzlich und Schlafschwierigkeiten kennen wir beide, auch wenn es nie mehr richtig dunkel wird, keine. Ah ja, und Elche, die haben sich bis jetzt extrem gut vor uns versteckt.

    An einem dieser wunderbaren schwedischen Sommertage mit 22° C, Sonnschein und wenig Wind, kommen wir doch tatsächlich wieder mal bei einem kleinen Ort vorbei, wo es sogar ein Café gibt. Ja, die Cafés und Restaurants sind hier wirklich rar. Ist ja auch kein Wunder, das Land ist teilweise wirklich sehr dünn besiedelt. Auf alle Fälle legen wir sofort einen Stopp ein und gönnen uns ein kühles Getränk und Kuchen. Frisch gestärkt radeln wir noch ca. 17 km weiter bis wir an einem See landen, so mit kitschiger Bucht und so (wunderschön). Plötzlich merkt Sascha, dass das Langarmshirt von Thes, welches er beim Café als Sonnenschutz über die Essenstasche gelegt hat, nicht mehr da ist... Hmm, zurückfahren und das teilweise schon löchrige und geflickte Shirt suchen oder einfach "gut sein" lassen und in der nächsten, nur noch 100 km entfernten Kleinstadt einen Ersatz kaufen?
    Am nächsten Tag, das Velo von den Taschen befreit, jagt der im Kopf noch immer ein wenig Velokurier/bald-50er über die Strassen zurück und findet das Shirt am Eingang des oben erwähnten Cafés. Voller Stolz über die nur 40 Minuten für die wirklich hügeligen 17km dreht er um und gibt noch einmal alles. Hahaaa, dieses Mal nur 35 Minuten. Mit aufgeplusterter Brust übergibt der (leicht) japsende Sascha das Shirt der wartenden Thes.
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    Swedish Midsommer! Yes!🎂🎼☀️ [Gun-Britt and Lennar]

    7/17/22Reply
     

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