• vondu
  • vondu

Marokko 2026

An open-ended adventure by vondu Read more
  • Trip start
    February 28, 2026

    Ein "nasser" Start

    March 8 in Morocco ⋅ ☁️ 14 °C

    25. Februar 2026, 17:00 Uhr - endlich ist es soweit. Unser Hab und Gut ist sicher in einem Estrich verstaut (fleissige Helferchen und jahrelanges Tetris-Training sei Dank), die Wohnung blank geputzt und abgegeben und der Land Rover, unser vorläufiges Zuhause, steht mit scharrenden Reifen abfahrbereit unter dem Haus.
    Nächster «Termin» in drei Tagen zum Check-in am Fährhafen in Genua und anschliessend 52 Stunden ohne «muess no», «sött no», «chönnt no», denn so lange dauert unsere Seefahrt nach Tanger in Marokko.
    Ganz so entspannt ist die Autofahrt zu Kolumbus Geburtsort dann doch nicht. Kurz vor der Check-in Zeit bemerken wir eine ansehnliche Pfütze welche sich über unseren Wohnkabinenboden erstreckt. Alles Grübeln, Studieren und Suchen bringt wenig, auf die Schnelle finden wir das Leck nicht und da mittlerweile bereits Samstagmittag ist, sind die Geschäfte für Ersatzteile bereits geschlossen. So kappen wir den Leitungsdruck und trocknen alles so gut es geht. Die Lösung vertagen wir nach Marokko.

    Afrika empfängt uns freundlich, stürmisch und dann nass. Die Windböen zerren an unserem Gefährt und der Saharastaub, welcher bis in die Schweiz geweht wird, lässt den Himmel düster und bedrohlich wirken. Nach einigem Detektiv spielen, finden wir das undichte Teil. Ein neuer Wasserhahn für die Küche muss her. Die Suche nach besagtem Teil führt uns kreuz und quer durch Tanger, gibt uns einen ersten Einblick in die engen, verwinkelten Gassen der emsigen Medina (Altstadt) und an den Hafen. Etwas wirklich Passendes finden wir nicht, so kommen wir schlussendlich zu einer Gartenbrause, welche den Zweck für’s Erste auch erfüllt und vor allem dicht ist.

    Die nächsten Tage sind oft nass bei kühlen 8 bis 14°C. Passend zum vielen Regen, welcher hier schon in den letzten Wochen gefallen ist, leuchtet uns die hügelige Landschaft in den saftigsten Grüntönen entgegen, gespickt mit orangen, gelben und weissen Tupfern von Ringelblumen, Raps und Kamilleblüten.

    Nach einem kurzen Abstecher an den Atlantik schlängeln wir uns über kleinere und grössere Strassen gen’s Riffgebirge. Noch nie wurde uns von so vielen Menschen lächelnd zugewunken wie hier.
    Read more

  • Fertig Ferien

    April 4 in Morocco ⋅ ☀️ 20 °C

    Aus der Schweiz erhalten wir freudige Kunde. Thes Eltern werden gegen Ende März zu uns stossen. Was ursprünglich von Anfang an so geplant war, klappt mit etwas Verspätung doch noch. So können wir uns richtig Zeit lassen zum Eingewöhnen und Entschleunigen – Ankommen im Afrikamodus. Gibt es dafür etwas Besseres als sanftes Wellenrauschen im Hintergrund? Der Wetterfrosch verspricht Sonnenschein für die nächsten Tage, also ab ans Mittelmeer. Die Küstenstrasse ist wunderbar abwechslungsreich. Die letzten sieben Jahre blieb der winterliche Regen in Marokko mehrheitlich aus, viele tote Bäume und Sträucher sind die für uns sichtbaren Folgen dieser Dürre. Umso dankbarer sind die Menschen hier, trotz Überschwemmungen und zahlreichen Hangrutschen, über den vielen Regen, welcher seit Anfang Jahr gefallen ist. Die Natur atmet ebenso offensichtlich auf. So bietet sich uns oft ein faszinierender Kontrast zwischen den saftig grünen Wiesen, blühenden Blüten und der Erde, welche in verschiedensten Rottönen durchscheint. Lesen, spazieren, Wellen lauschen, wir geniessen die Tage am Meer in vollen Zügen.

    Und dann… ganz unverhofft und plötzlich… FERTIG FERIEN!
    Alle die schon mal für längere Zeit ins Unterwegssein eingetaucht sind, kennen es wahrscheinlich. Irgendwann hören die Ferien auf und man ist mitten im Reisen drin. Dann sind die Gedanken an Zuhause und die bisherigen Arbeitsabläufe plötzlich nicht mehr im Hinterkopf. Stetiges Studieren an «wo schlafen wir heute Abend oder in den nächsten Tagen», «dieses tun und um diese Zeit jenes» – all das rückt in den Hintergrund und man wird offen für den Moment, für das Hier und Jetzt.

    Von Nador stechen wir gen Südwesten, zum Nationalpark Tazekka. Die Höhlen und Atlaszedern der Gegend wollen wir uns nicht entgehen lassen. Eingetütet in einen Overall und ausgestattet mit Helm und Stirnlampe folgen wir unserem Guide Jamal eine halbe Stunde den Steineichen bewachsenen Berg hinauf. Ganz unscheinbar und klein sieht das Loch zwischen den Felsen aus, welches den Eingang zu dieser beeindruckenden Höhle ist. Dahinter öffnen sich nacheinander, über einige hundert Meter Länge, etwa 5 bis 6 grosse Kammern. Die Wände und Decke erinnern an eine riesige Orgel und an einer Stelle liegt sogar ein kleiner See. Jamal lässt uns alle Lampen löschen und wir stehen für einige Minuten muksmäuschen still in der vollkommenen Dunkelheit. Wir fühlen die Höhle mit allen Sinnen. Der Wassertropf, welcher vom Stalaktit ins Wasser tropft, ist plötzlich klar zu hören und auch der Flügelschlag der Fledermaus, die vorhin noch an der Decke hing, entgeht uns nicht. Anschliessend lässt uns unser Führer auf einen kleinen schwarzen Hügel stehen, mit einem verschmitzten Lächeln erklärt er uns, dass es sich dabei um die Fledermauskacke handelt, welche die kleinen Insektenfresser während der Winterruhe in der Höhle produzieren.

    Da unser aktuelles Zuhause ja auf einem Land Rover Defender sitzt, werden wir immer wieder darauf angesprochen, wie super offroad-tauglich unser Gefährt doch ist. Jaja, wahrscheinlich schon, nur ausprobiert haben wir dies noch nicht. Die nicht asphaltierte Strecke zum Jebel (Berg) Tazekka erscheint uns ideal um ein erstes Gefühl zu bekommen. Beim Abzweiger steht ein Strassenschild, gemäss welchem es neun Kilometer bis zum Gipfel geht. Kein Fahrverbot, keine Warnschilder, also: «lets go». Die Strecke ist einspurig und auch ihr ist der vergangene Regen deutlich anzusehen, denn eine anständige Furche verläuft in der Mitte. Langsam und mit Bedacht holpern wir über den Weg, immer darauf achtend, kein Rad in der Furche zu versenken. Die Seitenwand unserer Wohnkabine bekommt ein paar wenige Kampfspuren von Ästen, welche zu weit in die Spur hineinwachsen, aber wir sind beide freudig bei der Sache, meistert unser Fahrzeug das ganze doch mit Links. Einige enge Kurven weiter, steigt die Spannung in der Fahrerkabine langsam. Eine kurze starke Steigung (hmmm… reicht der Winkel, damit wir hinten nicht aufsetzten?? Puh, ja, hat gereicht), die Hände sind schon arg feucht und der Pfad wird immer schräger Richtung Abhang. Höchste Zeit für einen Angstbisi-Stopp. Und jetzt, wie weiter? Wie viel Seitenneigung für uns wohl machbar ist, ohne dass wir kippen? Umdrehen geht nicht. Im Rückwärtsgang etwa 2 Kilometer zurückfahren, auch schwierig. Ist weiterfahren möglich?
    Dank leerer Blase und Darm (so eine Trocken-Trenn-Toilette an Bord ist schon etwas unglaublich Tolles) ist unser Kopf nun wieder etwas klarer und wir inspizieren die kommende Strecke erst mal zu Fuss. Wir sind uns einig, mit etwas Abenteuergeist, gutem Lotsen und starkem Unterdrücken des Knieschlottern ist die Weiterfahrt bis zum nächstmöglichen Wendeplatz die beste Option. 10 Minuten später steht unser Land Rover unversehrt auf besagtem Wendeplatz. Könnte er sprechen, würde er wohl sagen «Hey, ihr zwei Angsthasen, das war doch Pipifax für mich».
    Selten wandern wir so schnell wie die anschliessenden 5 Kilometer bis zum Gipfel des Jebel Tazekka, irgendwie muss das ganze Adrenalin ja wieder weg. Der herrliche Atlaszedernwald tut sein Übriges dazu, wie passend, dass das ätherische Öl dieser Bäume angstlösend und beruhigend wirken soll.

    Nach so viel "Action" in den Höhen und vollgetankt mit Natur sind wir bereit für ein bisschen Stadt. Eine der vier Königsstädte steht auf dem Programm. Fès, wir kommen. Am Stadtrand logieren wir unter grossen Eukalyptusbäumen. Vom Angebot der Campingplatz "Taximafia", sich für € 10 (ca. 110 Dirham) in die Medina fahren zu lassen, fühlen wir uns nicht angesprochen. Wir wollen es doch lieber wie die Einheimischen machen. Also laufen wir an eine grosse Strasse um uns ein "normales" Petit Taxi heranzuwinken. Wir haben aber nicht einmal Gelegenheit zu winken, anscheinend leuchten wir aus der Masse heraus wie Glühwürmchen um Mitternacht. Schon hält ein Taxi an. Der freundliche Mann bringt uns gerne die 12 km in die Altstadt, aber beim Preis müssen wir verhandeln. Er sei ein Grand Taxi mit sieben Plätzen und wir müssten schon für alle Plätze bezahlen. Der Taxifahrer verhandelt so charmant, uns bleibt gar nichts anderes übrig, als anzunehmen. Also gehts für 70 Dirham in die Innenstadt, inklusive einigen Tipps für die Taxirückfahrt, viel Lachen und Einblick in die hiesige Kultur.
    Durch die Medina mit ihren 9'000 Gassen, dem Färber- und Gerberviertel, Souk, Koranschule und und und führt uns ein lokaler Guide. Uns gefällt die Stadt richtig gut, aber es wäre sterbenslangweilig, hier alles aufzuzählen, also plant lieber selber einen Besuch ins "kalte Land mit der heissen Sonne".
    Voller Impressionen verlassen wir die Medina und suchen uns für die Heimfahrt diesmal ein "Petit Taxi". Wie war das noch gleich? Eines der hier roten Taxis (die Grand Taxis sind weiss) per Handzeichen anhalten, Ziel mitteilen und entweder passt die Richtung dem Fahrer oder auch nicht. Wenn OK, darauf bestehen, den Taxameter einzuschalten. Es dauert nicht lange und wir sitzen zu zweit auf der Rückbank eines Dacia Spring. Gurte sind zwar vorhanden, aber nichts zum Einstecken. Im Abendverkehr schlängeln wir uns durch die Strassen, ohne grosse Hektik, immer knapp an einem Knutscher mit dem Nachbarauto vorbei. Wir nehmen es gelassen und sind dann doppelt erstaunt, das Taxameter zeigt nur 23 Dirham. Zum Abschluss dieses eindrucksvollen Tages erhalten wir noch einen Einblick in die seltsamen Auswüchse der "Campergemeinschaft" (ja ja, wir gehören auch dazu, aber halten uns eben doch für einen Ticken anders). In Convoys von zehn bis zwanzig Fahrzeugen treffen Reisegruppen ein. Eine Riesenansammlung von "Töpperwer" (Tupperware = weisse Wohnmobile, gefüllt mit mehr oder weniger gut erhaltenem Inhalt). Kurze Hektik auf dem Platz, die Toilettengebäude werden in Beschlag genommen und bringen die einfache Infrastruktur an ihre Grenzen. Wir lassen uns von einem freundlichen Mitglied belehren, eine solche Gruppe sei schon sehr praktisch. Alles ist vororganisiert, man habe Gesellschaft und es gäbe jeden Tag Programmpunkte, welche jedoch absolut freiwillig seien. Das mache doch Spass!

    Nach soooo viel Stadt zieht es uns in den nächsten Nationalpark im mittleren Atlas. Vorbei am seltsam anmutenden High-Society-Ort Ifrane, der irgendwie alpenländischen Bergdörfern nacheifern möchte, nächtigen wir auf einem netten kleinen Platz zwischen blühenden Kirschbäumen. Auf den Dächern nisten Klapperstörche, nebenan sind Mandelbäume in voller Blust und rundherum ist immer noch alles grün. Sind wir wirklich in Marokko?
    Nach kurzer Wartezeit kommt es hier zum freudigen Wiedersehen mit Thes Eltern.
    Gemeinsam erkunden wir den Atlaszedernwald mit bis zu 900 Jahre alten, mächtigen Bäumen, die wir nicht mal zu viert umarmen können. Als i-Tüpfelchen dürfen wir einer hier heimischen Gruppe Berberaffen beim Spielen, Bäbele, Lausen, Dösen, Chären und Schlichten zusehen. Einfach herrlich.

    Das ist jetzt schon ein paar Tage her und wir haben seither wieder eine ganze Menge erlebt. Aber das, liebe Lesende, erzählen wir euch ein andermal.

    Bis bald
    Read more

  • Begegnungen

    April 11 in Morocco ⋅ ☀️ 21 °C

    Wir sind im Hohen Atlas unterwegs. Unser Weg führt über kleine Strassen, durch atemberaubende Schluchten, in allen Sand- und Rottönen, und über steinige Pässe. Entlang der Strecke gibt es etliche Dörfer und auch ausserorts sind viele Nomadenhirten mit ihren Schaf- und Ziegenherden unterwegs. Dank europäischen Touristen, welche beim Vorbeifahren Süssigkeiten, Kleider, Farbstifte, Geld etc. an einheimische Kinder (und auch Erwachsene) verteilen, haben vor allem die Kinder hier sehr schnell gelernt, dass Touristen äusserst lukrativ sind. Kaum ist ein Camper in Sicht- bzw. Hörweite, rennen die Kids von allen Himmelsrichtungen zur Strasse, versuchen den Fahrer zum Anhalten zu motivieren (mit Handzeichen oder indem sie auf die Fahrbahn stehen), zeigen mit der rechten Hand auf den Mund und legen einen perfektionierten Hundeblick auf. Dazu sei gesagt, dass diese Kinder wohl in einfachen Verhältnissen leben, aber durchaus genug zu Essen haben und anständige Kleidung tragen. Sie betteln in den meisten Fällen um Süssigkeiten und Taschengeld. In einigen Gegenden beschmeissen sie die Fahrzeuge oder Touristen sogar mit Steinen, wenn sie das Geforderte nicht bekommen (haben wir zum Glück nicht erlebt). Diese «gib mir-Haltung» fördern wir nicht, aber was ist denn das «richtige» Verhalten? Durch zigfache Begegnungen und einigem Gefühls-Chaos haben wir schlussendlich das für uns beste Vorgehen gefunden. Wir lachen die Kinder herzlich an, winken ihnen freudig zu und konfrontieren sie auch regelmässig damit, wieso wir ihnen denn Süsses/Geld geben sollten, was wir nicht machen, und plaudern nach Möglichkeit mit ihnen. Meist kommt dabei das unschuldige Kind zum Vorschein, welches sich über den Austausch freut.

    Da wir jetzt zu viert unterwegs sind, können wir uns nun an etwas längere Offroadpisten wagen. Sozusagen Offroadabenteuer 2.0. Darauf freuen wir uns nicht zuletzt auch, weil wir uns nach etwas Einsamkeit in der Natur sehnen. Wie schon die letzten Tage, liegt auch heute Saharastaub in der Luft. Der Himmel sieht dadurch neblig aus und die schwarzen Steine und Felsbrocken glitzern als wären sie nass und bieten einen herrlichen Kontrast mit den vereinzelt wachsenden, gelb blühenden Stauden. Wir sind schon etliche Kilometer auf holpriger Piste unterwegs, hier und da haben wir ein Lehmgebäude in der Ferne entdeckt, aber ansonsten ist die durch uns aufgewirbelte Staubwolke unser einziger Begleiter. Es ist schon später Nachmittag, als wir einen schönen Übernachtungsplatz auf einer einsamen Hochebene finden. Im Nu ist unser Lager aufgeschlagen, die Handgriffe sitzen mittlerweile, und unsere staubigen Kehlen freuen sich auf ein Apérobierli. Plötzlich entdecken wir eine Frau, welche über die Ebene auf uns zuläuft. Ist das vielleicht ihr Grundstück und sie möchten nicht, dass wir hier übernachten? Aber nein, die junge Amazirin (korrekter Ausdruck für die einheimischen «Berber») ist bloss interessiert und möchte sehen, wer wir sind. Wir können uns leider nur mit Händen und Füssen mit ihr unterhalten, so sind die Gesprächsthemen etwas begrenzt. Dennoch bleibt sie hier und sieht gespannt zu, was wir so machen. Hmmm… Apérobierli ist nun wohl nicht so ganz angebracht. Gemäss den hiesigen Gepflogenheiten entschliessen wir uns für eine Teerunde, welche wir ihr anbieten können. Sie ist offensichtlich begeistert von unserer Campingküche und freut sich über das Angebot. Bald darauf stösst auch ihre Schwester dazu, die sich ebenfalls über die Abwechslung freut und alles genau betrachtet. Nach etwa einer dreiviertel Stunde kommen die beiden zum Schluss, dass bei uns wohl nicht mehr viel läuft und verabschieden sich. Wir alle vier sind ein bisschen geschafft von den vielen Eindrücken heute und merken, dass wir das «Beobachtet werden» nicht so gut handhaben können. Jetzt aber los ans Znacht kochen und dann bei Zeiten ins Bett. Die Gschwellti sind gerade gar, als eine ganze Schar von Kindern (offensichtlich auf dem späten Nachhauseweg von der Schule) eintrudelt. Wo um Himmels Willen kommen die denn jetzt her? So viel zum vermeintlich abgelegenen und einsamen Gebiet…
    Read more

  • Sandkastenspiele

    April 21 in Morocco ⋅ 🌬 26 °C

    Feinkörniger Saharasand klebt zwischen den Zehen, in der staubgeschwängerten, kühlen Morgenluft ist eine gewisse Nervosität zu spüren. Die nächsten vier Tage erwartet uns eine längere Tour in sehr abgelegene Wüstengebiete. Am Rande des letzten kleinen Ortes lassen wir Luft aus den Reifen, ziehen unseren fahrbaren Untersätzen quasi die Wüstenstiefel an. Der Motor ist kaum warm, schon erreichen wir erste tiefsandige Abschnitte. Total im falschen Gang, nahe am Abwürgen des Motors kämpfen wir uns sprichwörtlich durch die ersten Meter. Jetzt ja nicht anhalten und einbuddeln. Hei, wäre das peinlich. Irgendwie schaffen wir es zurück auf etwas festeren Boden. Also, Untersetzung rein, Diff-Sperre ebenso, dritten Gang einlegen und ab in den Sandkasten. Langsam und stetig wühlen wir uns durch die kurvige Piste. Das Fahrgefühl ist sehr eigenartig, schwammig, ein bisschen wie mit schmalen Skiern durch Tiefschnee. Nach den ersten paar hundert Metern wird das Grinsen des kleinen Buben, der gerade am Steuer sitzt, grösser und grösser.
    Zwischen Dünen schlagen wir unser Nachtlager auf und feiern die erste Etappe typisch schweizerisch mit einem Fondue (grossen Dank an Heidi und Hans, esch uh fein gsi). Mit vollem Bauch am Lagerfeuer und einer tiefen Zufriedenheit lassen wir den Tag ausklingen. Der unsagbar tolle Sternenhimmel ist leider ein wenig eingetrübt, zu viel Staub liegt in der Luft. Dafür erhalten wir Besuch von einer Wüstenrennmaus, die mit randvollem Mund unsere Kartoffelschalen abtransportiert.
    Am Morgen bestaunen wir die vielfältigen Tierspuren und werweisen, um welche nächtlichen Besucher es sich handelte. War da etwa sogar ein Fennek mit dabei?

    Am nördlichen Rand der Erg Chegaga (grosses Dünenfeld mit hohen Dünen) können wir unseren Augen kaum glauben. Am Boden ist es plötzlich grün. Hier wächst im nirgendwo wilder Ruccola. So richtig erklären können wir es uns nicht, aber offensichtlich hat es hier Wasser.

    Auf unserer Route erblicken wir in der Ferne zwei Reifenstapel und kurz vor diesen ein Schild "Contrôle militaire". Der junge Soldat, vorher noch mit einer Katze spielend (tja, Handyempfang gibts hier nicht und so hat man Zeit für Besseres 😉), überprüft kurz unsere Pässe, funkt seiner Zentrale und lässt uns dann ohne weiteres passieren. Keinen Kilometer weiter "müssen" wir wieder anhalten. Entlang eines ausgetrockneten Flussbetts, zwischen den Schirmakazien, äsen wilde Dromedare. Die Herde mit einigen Jungen bewegt sich fast in Zeitlupe zwischen der spärlichen Vegetation, zupft hier ein Blättchen vom Baum, knabbert dort ein klein wenig vom Busch. Für uns die perfekte Zeit für eine Kaffeepause, um diese anmutigen Tiere zu beobachten. Eine Mutter lässt in wenigen Metern Abstand von uns sogar ihr Kleines säugen. Manchmal braucht es wirklich nicht so viel und wir fühlen uns vollkommen glücklich!

    In der Wüste scheint es nicht nur an Wasser zu mangeln… Es ist nachmittags um halb vier, die Sonne brettert gnadenlos vom Himmel, bei gut 33°C fahren wir durch eine Ortschaft. Die Strassen sind leer, die Menschen wohl grösstenteils hinter den rosaroten oder grauen Beton Hausfassaden bei der Siesta. Was entdeckt Adlerauge da vorne links am Strassenrand? Eine Glacétruhe vor einem geöffneten Lädelchen! Sofort kommt die Speichelproduktion in Gang. Da können wir doch unmöglich dran vorbeifahren. Der Ladenbesitzer freut sich sichtlich über unseren Besuch und plaudert mit uns das übliche «wie geht’s, woher, wie heissen etc.». Nach kurzem Höflichkeitsaustausch grinst er Thes mit gelbem, schiefem Zahnlächeln an und meint, er suche eine Frau, wie alt sie denn sei. Der Einwand, dass der nebenan stehende Sascha ihr Mann ist, scheint für den Herrn nicht weiter von Belang. Ist doch schliesslich alles nur Verhandlungssache 😊 Zum Glück ist Sascha nicht in Verkaufslaune, so fahren wir nach unserem Glacéstopp weiterhin zu zweit gen Osten und den einsamen Mann haben wir in der Wüste sitzen lassen.
    Read more

  • Das Ende vom Anfang

    May 11 in Morocco ⋅ ☀️ 20 °C

    Dunst liegt in der Luft, der Himmel ist weiss und irgendwo da in südlicher Richtung verstecken sich die höchsten Gipfel des hohen Atlas. Wir umfahren grosszügig Marrakesch, die Lust auf eine weitere Stadt ist auf unterirdischem Niveau. Durch Villenviertel mit immensen «Palästen» und ärmeren Randgegenden schlängeln wir uns durch mehr oder weniger Verkehr. Und immer wieder die allgegenwärtigen Polizeikontrollen, meist vor oder nach einem Kreisel. Die Touristen werden bevorzugt behandelt und kaum herausgewunken, ausser man hat die Frechheit, nicht auf das OK des Polizisten zu warten. Also immer schön beim Stoppschild anhalten und warten bis der ins Handy vertiefte Polizist bemerkt, dass man da ist und einen durchwinkt. Bei einer Kontrolle kann Sascha seine Schadensfreude über einen Tupperware-Touristen, der offensichtlich mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, nicht zurückhalten. Ja, manchmal werden eben auch Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen und der Typ war sicher zu schnell unterwegs.
    Keine 10 Minuten später, an einem Kreisel, wieder Kontrolle. Hei ei ei, im Grossraum Marrakesch sind sie aber fleissig. Und hoppla, der total verdutzte Lenker S. wird herausgewunken. Okeeeyyyy? Eine streng dreinblickende Polizistin kommt ans Fenster und rasselt in ultraschnellem französisch etwas hinunter. Auf unser Bitten hin, spricht sie ein, zwei Sätze ein klein wenig langsamer, so dass wir es auch verstehen. Wir seien zu schnell auf den Kreisel zugefahren…. Irritiert fragt der doch sonst so pingelig daraufachtende Sascha, wie schnell denn? «Un petit peu» ist die Antwort. Es koste 150 Dirham, ob wir denn gleich bezahlen wollen? Da bleibt wohl nichts anderes übrig, als «oui» zu sagen. Mit Pass, Führer- und Fahrzeugschein verschwindet die resolute Polizistin und nach etwa 10 Minuten kommt ein freundlicher Kollege mit unseren Papieren zurück und händigt eine Quittung in A4 Grösse, alles in wunderschöner arabischer Schrift, zum Unterschreiben aus. Wie sagt man so schön: «Gott, in diesem Falle, Allah straft sofort!»

    Wir sind wieder zu viert unterwegs um eine letzte gemeinsam Tour abseits «befestigter» Strassen zu fahren. Über Pässe bis 2´700 m ü. M., durch das «glückliche Tal» auf einer Hochebene höher gelegen als das Engadin, durch kleine Dörfer mit Steinhäusern (!) und wunderbar duftenden Kieferwäldern. In den Bergen fühlen wir uns wohl, der Verkehr hält sich in Grenzen und das Farbenspiel der Felsen raubt uns den Schnauf. Ist das die Wirklichkeit? Im Kopf noch völlig in den Wolken schwebend wird die Aufmerksamkeit plötzlich wieder auf die Strasse gelenkt. Diese wird enger, wir kommen wieder in ein Dorf und hoppla, heute ist Markttag. Alle, wirklich alle aus der Umgebung scheinen heute hier zu sein. Ou wow, ist das eng. Zwischen den geparkten Autos und den Ständen hat es kaum Platz für ein weiteres Fahrzeug. Mensch und Tier bewegt sich dazwischen. Wie sollen wir da nur durch? Einmal tief durchatmen, Fenster runterkurbeln, Untersetzung rein und freundlich winkend und mit entschuldigender Miene sich ganz langsam durchschlängeln. Die Menschen scheinen sich ab uns nicht zu stören, machen aber auch nicht eilig Platz. Es ist wohl normal. So macht es uns im Endeffekt sogar Spass in Zentimeter-Arbeit um alles rumzuzirkeln. Von einem rauchenden Fleischstand wird uns zugewunken, wir sollen anhalten und mitessen, was wir dann doch ablehnen. Nach einer Weile sind wir durch alles durch, nirgends angeeckt und keine Personen oder Tiere überfahren. Eine gewisse Erleichterung in der Fahrerkabine ist dann doch zu spüren 😉.

    Nach so viel wunderschöner, abwechslungsreicher Landschaft und herzlichen Menschen ist unsere Zeit in Marokko um. Danke an Hans und Heidi / Muetti und Ätti, dass ihr dieses Abenteuer und unsere Offroad-Lust mit dem ein oder anderen Woooaaahhh-Kabinenwackler und Iiiiiiiiiihhhh-Rad-in-der-Luft Herzhüpfer mitgemacht habt.

    Wie ihr vielleicht wisst, sind wir auf der Suche nach einem Campingplatz, welchen wir übernehmen oder als Leiterpaar führen können. Bis jetzt hat sich noch nichts ergeben, daher «müssen» wir wohl oder übel weiterziehen 😉
    Die gut 35°C in der Wüste haben uns daran erinnert, dass dies nicht ganz unsere Wohlfühltemperaturen sind. Daher sind wir jetzt auf dem Weg in den Hohen Norden.

    Somit ist natürlich auch unser Marokko-Blog zu Ende. Wir werden eine neue Reise in unserem findpenguins.com/vondu Blog starten und euch dort wie gewohnt, unregelmässig Berichte schreiben. Falls ihr bis jetzt also direkt über den Marokko-Link auf die Berichte gelangt seid, müsst ihr künftig auf unsere Hauptseite, damit ihr die "neue" Reise anklicken könnt.
    Read more