• Geheimcode, Grill und galaktische Campingkunst

    Jun 12–14 in Germany ⋅ ☁️ 18 °C

    Der Empfang auf dem Campingplatz war sachlich und geschäftsmäßig. Wer hier kölschen Humor erwartete, sollte ihn besser selbst im Gepäck haben. Aber wir waren ja nicht zum Karneval hier, sondern zum Campen. Also erledigten wir das Geschäftliche und bekamen neben der Platzeinweisung auch den magischen Geheimcode für Toiletten und Waschräume. Diese waren, warum auch immer, nur nach Eingabe eines Zahlencodes zugänglich. Offenbar will man hier verhindern, dass sich Waschbecken und Duschen unkontrolliert unter die Bevölkerung mischen.

    Der Platzwart machte sich mit uns zunächst zu Fuß auf den Weg, um uns den zugewiesenen Stellplatz samt Stromanschluss zu zeigen. Dort angekommen stellte er überrascht fest, dass dieser Platz bereits belegt war. Doch Kraft seines Amtes und mit der Würde eines Mannes, der schon viele Wohnmobile kommen und gehen gesehen hat, wies er uns kurzerhand einen anderen Platz zu.

    So parkten wir unser WoMo auf einem ausreichend großen Eckstück, auf einer trotz Regen bereits abgetrockneten Wiese, im Schatten eines großen Baums. Mit inzwischen bewundernswerter Routine und unter dem offenbar rituell vorgeschriebenen Staunen neugieriger Camper brachten wir das WoMo mit den Keilen in die Waagerechte, kurbelten die Markise aus und starteten den Modus „gemütlich campen“.

    Teppich raus, Tisch und Stühle aufgestellt, erste Dose Prickelndes geöffnet.
    Wir waren angekommen.

    Der Regen hatte offenbar erkannt, dass er gegen unsere gute Laune keine Chance hatte, ließ sich den restlichen Abend nicht mehr blicken und verabschiedete sich auch gleich für den Rest des Wochenendes.

    Während wir maximal entspannt unsere erfolgreiche Ankunft zelebrierten, wurden wir von unserem Logenplatz aus Zeugen eines weiteren kleinen Camping-Schauspiels. Ein Camper mit Wohnwagengespann bekam schräg gegenüber einen Platz in der Ecke zugewiesen und stand nun vor der Aufgabe, seinen Wohnwagen zwischen die anderen Camper zu manövrieren.
    Wir rechneten mit klassischem Rangierkino: vor, zurück, Handzeichen, Ehekrise, noch mal vor, noch mal zurück. Doch weit gefehlt. Der Mann bewegte den Wohnwagen galant an allen Hindernissen vorbei, ohne auch nur eines davon zu berühren. Scheinbar allein mit seiner Willenskraft, wie einst Meister Yoda den X-Flügler für Luke Skywalker aus dem Sumpf zog.
    Kurz darauf waren die Stützen ausgefahren und das Ding stand, als wäre es von der Macht persönlich dort abgesetzt worden.
    In Wahrheit hatte er statt eines Lichtschwerts einen kleinen Joystick in der Hand, mit dem er das Gefährt fernsteuerte.
    Campingtechnik. Möge die Macht mit uns sein.

    Ein kleiner Anfängerfehler unterlief dem Jedi dann aber doch. Während wir auf dem Weg von der Rezeption zu unserem Stellplatz noch kurz an der Wassertankstelle gehalten und unseren Tank gefüllt hatten, hatte er diesen Programmpunkt übersprungen. Als freundliche Nachbarn, die für fast alle Eventualitäten gerüstet sind, liehen wir ihm aus unserem Millenium Falken einen hinreichend langen Wasserschlauch. So kam auch dieser endlich zu seinem ersten Einsatz. Helden unterstützen sich halt gegenseitig.

    Nach diesem lehrreichen Exkurs in die galaktische Welt der Wohnwagentechnik erkundeten wir die erdnahe Umgebung. Besonders unsere hungrigen Mägen zogen uns zielstrebig zum benachbarten Gartenlokal. Dort wurde uns jedoch mitgeteilt, dass die Küche um 21 Uhr bereits kalt sei. Und wir dachten, wir seien in einer Großstadt. In Wirklichkeit standen wir im Wald. Man bot uns zwar freundlich-mitleidig noch Flammkuchen an, was wir dankend ablehnten. Immerhin sind wir in erster Linie Selbstversorger. Also schlenderten wir zurück zum WoMo, warfen den Grill an und bereiteten uns leckere Steaks mit frisch geschnippeltem Salat zu.
    So saßen wir schließlich zufrieden vor unserem WoMo, unter der Markise, im Schatten des großen Baums, mit Steak auf dem Teller und einem Getränk in der Hand. Der Regen hatte aufgegeben, die Küche war uns egal und der Geheimcode zu den Toiletten saß.

    Camping kann so einfach sein.
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