Mit dem WoMo durch die Regenlücken
12 Jun, Jerman ⋅ ☁️ 20 °C
Ich hatte mich für einen Workshop am Samstag in Leverkusen angemeldet. Und weil man ja das Angenehme durchaus mit dem Nützlichen verbinden darf, entstand schnell der Plan, nicht einfach nur brav hin- und zurückzufahren, sondern dem WoMo mal wieder etwas Auslauf zu gönnen.
Also wurde recherchiert. Diverse Plattformen, Karten, Bewertungen und Bauchgefühle später kristallisierte sich der Campingplatz am Waldbad Köln-Dünnwald als beste Option heraus. Schön nah am Veranstaltungsort, mit dem eBike locker erreichbar und laut Internetauftritt durchaus einladend. Die Bewertungen lasen sich ebenfalls ordentlich, wenn man den üblichen Anteil an chronischen Dauernörglern großzügig herausfiltert. Die Buchung war erfreulich unkompliziert und schneller erledigt als man „Campingplatzreservierungsformular“ sagen kann.
Nur das Wetter hatte die Einladung zum Wochenende offenbar falsch verstanden. Schon beim Beladen des WoMos mit Klamotten, Lebensmitteln und eBike musste ich taktisch klug die kurzen Trockenfenster zwischen durchaus ambitionierten Regenschauern nutzen. Man könnte sagen: Ich packte nicht einfach ein, ich spielte meteorologisches Tetris.
Auch die Anreise selbst blieb eine feucht-fröhliche Angelegenheit. Von oben Wasser, auf der Autobahn reichlich Verkehr, aber im Cockpit weiterhin gute Laune. Wir lassen uns doch von ein paar Regenschauern und vollen Straßen nicht den Start ins Wochenende verderben. Dafür ist so ein WoMo schließlich gebaut: als rollende Trotzburg gegen schlechte Laune.
Kurz vor dem Ziel geschah dann das kleine Wunder. Der Himmel riss auf, die Wolken machten Platz und sogar die Sonne blinzelte ein paar Mal neugierig hervor, als wolle sie sagen: „Na gut, ich komm doch mit.“
So erreichten wir trocken und erstaunlich gut gelaunt den Campingplatz Köln-Dünnwald. Das Wochenende durfte beginnen.Baca lagi
Geheimcode, Grill und galaktische Campingkunst
12–14 Jun, Jerman ⋅ ☁️ 18 °C
Der Empfang auf dem Campingplatz war sachlich und geschäftsmäßig. Wer hier kölschen Humor erwartete, sollte ihn besser selbst im Gepäck haben. Aber wir waren ja nicht zum Karneval hier, sondern zum Campen. Also erledigten wir das Geschäftliche und bekamen neben der Platzeinweisung auch den magischen Geheimcode für Toiletten und Waschräume. Diese waren, warum auch immer, nur nach Eingabe eines Zahlencodes zugänglich. Offenbar will man hier verhindern, dass sich Waschbecken und Duschen unkontrolliert unter die Bevölkerung mischen.
Der Platzwart machte sich mit uns zunächst zu Fuß auf den Weg, um uns den zugewiesenen Stellplatz samt Stromanschluss zu zeigen. Dort angekommen stellte er überrascht fest, dass dieser Platz bereits belegt war. Doch Kraft seines Amtes und mit der Würde eines Mannes, der schon viele Wohnmobile kommen und gehen gesehen hat, wies er uns kurzerhand einen anderen Platz zu.
So parkten wir unser WoMo auf einem ausreichend großen Eckstück, auf einer trotz Regen bereits abgetrockneten Wiese, im Schatten eines großen Baums. Mit inzwischen bewundernswerter Routine und unter dem offenbar rituell vorgeschriebenen Staunen neugieriger Camper brachten wir das WoMo mit den Keilen in die Waagerechte, kurbelten die Markise aus und starteten den Modus „gemütlich campen“.
Teppich raus, Tisch und Stühle aufgestellt, erste Dose Prickelndes geöffnet.
Wir waren angekommen.
Der Regen hatte offenbar erkannt, dass er gegen unsere gute Laune keine Chance hatte, ließ sich den restlichen Abend nicht mehr blicken und verabschiedete sich auch gleich für den Rest des Wochenendes.
Während wir maximal entspannt unsere erfolgreiche Ankunft zelebrierten, wurden wir von unserem Logenplatz aus Zeugen eines weiteren kleinen Camping-Schauspiels. Ein Camper mit Wohnwagengespann bekam schräg gegenüber einen Platz in der Ecke zugewiesen und stand nun vor der Aufgabe, seinen Wohnwagen zwischen die anderen Camper zu manövrieren.
Wir rechneten mit klassischem Rangierkino: vor, zurück, Handzeichen, Ehekrise, noch mal vor, noch mal zurück. Doch weit gefehlt. Der Mann bewegte den Wohnwagen galant an allen Hindernissen vorbei, ohne auch nur eines davon zu berühren. Scheinbar allein mit seiner Willenskraft, wie einst Meister Yoda den X-Flügler für Luke Skywalker aus dem Sumpf zog.
Kurz darauf waren die Stützen ausgefahren und das Ding stand, als wäre es von der Macht persönlich dort abgesetzt worden.
In Wahrheit hatte er statt eines Lichtschwerts einen kleinen Joystick in der Hand, mit dem er das Gefährt fernsteuerte.
Campingtechnik. Möge die Macht mit uns sein.
Ein kleiner Anfängerfehler unterlief dem Jedi dann aber doch. Während wir auf dem Weg von der Rezeption zu unserem Stellplatz noch kurz an der Wassertankstelle gehalten und unseren Tank gefüllt hatten, hatte er diesen Programmpunkt übersprungen. Als freundliche Nachbarn, die für fast alle Eventualitäten gerüstet sind, liehen wir ihm aus unserem Millenium Falken einen hinreichend langen Wasserschlauch. So kam auch dieser endlich zu seinem ersten Einsatz. Helden unterstützen sich halt gegenseitig.
Nach diesem lehrreichen Exkurs in die galaktische Welt der Wohnwagentechnik erkundeten wir die erdnahe Umgebung. Besonders unsere hungrigen Mägen zogen uns zielstrebig zum benachbarten Gartenlokal. Dort wurde uns jedoch mitgeteilt, dass die Küche um 21 Uhr bereits kalt sei. Und wir dachten, wir seien in einer Großstadt. In Wirklichkeit standen wir im Wald. Man bot uns zwar freundlich-mitleidig noch Flammkuchen an, was wir dankend ablehnten. Immerhin sind wir in erster Linie Selbstversorger. Also schlenderten wir zurück zum WoMo, warfen den Grill an und bereiteten uns leckere Steaks mit frisch geschnippeltem Salat zu.
So saßen wir schließlich zufrieden vor unserem WoMo, unter der Markise, im Schatten des großen Baums, mit Steak auf dem Teller und einem Getränk in der Hand. Der Regen hatte aufgegeben, die Küche war uns egal und der Geheimcode zu den Toiletten saß.
Camping kann so einfach sein.Baca lagi
Brötchen, Bewachung und Wildpark
13 Jun, Jerman ⋅ ☁️ 16 °C
Früh am Morgen schwang ich mich auf das eBike und radelte zum nahegelegenen Supermarkt. Obwohl der Laden gerade erst geöffnet hatte, waren die Fahrradständer bereits gut belegt. Zu meiner Freude wurde hier offenbar praktiziert, wovon auf dem flachen Land oft nur in Sonntagsreden gesprochen wird: nachhaltiges Einkaufen. Menschen kamen tatsächlich mit dem Fahrrad. Verrücktes Konzept. Könnte sich durchsetzen.
Ich füllte meine Packtasche mit frischen Backwaren und nahm zusätzlich noch ein kleines Blümchen mit. Einerseits als Tischdeko, andererseits natürlich zur Freude der Mondwölfin. Man muss ja gelegentlich beweisen, dass man nicht nur Grillzange, Stromadapter und Auffahrkeile beherrscht, sondern auch die feinen Zwischentöne des Lebens.
Begleitet von Sonnenschein radelte ich zurück zum WoMo. Dort genossen wir unser Frühstück vor der rollenden Höhle: warme, frische Brötchen, duftender Kaffee, leckere Brotaufstriche und ein Blümchen auf dem Tisch. Es gibt schlechtere Arten, einen Samstag zu beginnen.
Danach trennte sich unser Tagesprogramm. Während ich mit dem eBike zu meinem Workshop nach Leverkusen fuhr, übernahm die Mondwölfin eine ebenso verantwortungsvolle wie anspruchsvolle Aufgabe: das Wohnmobil mit Argusaugen zu bewachen und dabei maximal zu entspannen. Eine Tätigkeit, die von Außenstehenden häufig unterschätzt wird. Schließlich muss man jederzeit bereit sein, aus dem Campingstuhl heraus die Lage zu beurteilen.
Als ich am frühen Abend zurückkam, saß die Mondwölfin friedlich vor dem WoMo. Laut ihrem Bericht war es zu keinen besonderen Vorkommnissen gekommen. Das WoMo stand noch, der Baum stand noch, die Campingwelt war in Ordnung. Auftrag erfolgreich ausgeführt.
Unsere ursprünglichen Pläne für den Abend waren durchaus sportlich ambitioniert. Vielleicht eine Runde Minigolf. Oder, ganz kühn, ein paar Bahnen im angrenzenden Freibad ziehen. Doch diese Pläne scheiterten an einem knallharten Gegner: den Öffnungszeiten. „Wir schließen gleich“ war die charmante Kurzfassung. Großstadt halt. Da glaubt man, das Leben pulsiert rund um die Uhr, und dann macht das Freibad am späten Nachmittag die Bürgersteige hoch.
Also entschieden wir uns für die deutlich unkompliziertere Alternative und drehten unsere Runden durch den nahen Wildpark. Der hatte keine Kasse, keine Schranke und vor allem keine Schließzeit, die uns beleidigt vor der Nase wedeln konnte. Zwischen Bäumen, Wegen und tierischer Gelassenheit war das ohnehin die bessere Wahl.
Zurück am WoMo wurde wieder der Grill angeworfen. Es gab Leckeres vom Rost, dazu einen gemütlichen Abendausklang vor unserer mobilen Höhle. Der Workshop war erledigt, die Mondwölfin hatte tapfer gewacht, das Freibad hatte verloren und der Wildpark gewonnen.
So kann ein Samstag auf dem Campingplatz enden: unspektakulär, zufrieden und genau richtig.Baca lagi
Kein Wecker, keine Eile
14 Jun, Jerman ⋅ ☁️ 15 °C
Der Sonntagmorgen begann so, wie Sonntage auf dem Campingplatz beginnen sollten: ohne Wecker, ohne Termin und ohne das Gefühl, irgendwo pünktlich erscheinen zu müssen. Niemand riss uns aus dem Schlaf, kein Kalender wedelte hektisch mit dem Zeigefinger und selbst das WoMo schien noch ein wenig vor sich hinzudösen.
Also starteten wir ganz entspannt in den Tag. Erst einmal Kaffee. Dann ein ausgiebiges Frühstück vor dem WoMo. Noch einmal frische Luft, Campingstühle, Brötchen, Ruhe und dieses wunderbare Gefühl, dass die Welt für einen Moment nicht mehr verlangt als genau das.
Danach begannen wir in aller Ruhe, unseren kleinen Campingkosmos wieder zusammenzufalten. Tisch und Stühle verschwanden, der Teppich wurde ausgeschüttelt, die Markise eingerollt und all der Krempel verstaut, der sich an einem Wochenende erstaunlicherweise immer ein wenig selbst zu vermehren scheint. Camping ist ja im Grunde die Kunst, sehr viele Dinge mitzunehmen, damit man sich möglichst einfach fühlen kann.
Schließlich war alles wieder an seinem Platz, das WoMo abfahrbereit und wir ebenfalls. Ohne Hektik, ohne Stress und mit einem zufriedenen Blick zurück auf ein Wochenende zwischen Regenlücken, Geheimcodes, Grillduft, Wildpark und rheinischer Großstadt-Randlage.
Dann hieß es: Motor an, Heimreise antreten.Baca lagi
Heimwärts am Rhein
14 Jun, Jerman ⋅ ☁️ 17 °C
Wir entschieden uns gegen die Autobahn. Autobahnen haben schließlich selten eine schöne Dramaturgie. Meistens bestehen sie aus Mittelspuren, Baustellen, wechselnden Tempolimits und der meditativen Frage, warum eigentlich immer genau dort Stau ist, wo man gerade lang möchte.
Also wählten wir die deutlich schönere Variante und kurvten ab Bonn gemütlich am Rhein entlang. Zunächst auf der linken, später auf der rechten Seite. Immer wieder hatten wir den Fluss im Blick, der friedlich in genau die Richtung floss, aus der wir kamen. Ein bisschen, als würde er uns freundlich hinterherwinken: „Fahrt ihr mal, ich mache das hier schon seit Jahrhunderten.“
Die Strecke schenkte uns noch einmal alles, was so eine Heimfahrt angenehmer macht: Wasser, Felsen, Burgen, kleine Orte, Ausblicke und dieses entspannte Gefühl, dass der Heimweg nicht nur notwendiges Übel, sondern selbst noch Teil der Reise ist.
Schließlich tauchte die Loreley auf. Und wenn einem die Loreley schon so dekorativ am Wegesrand begegnet, darf man das nicht einfach ignorieren. Also legten wir eine Rast ein. Nicht wegen Müdigkeit, versteht sich. Sondern aus kulturhistorischer Verpflichtung. Und vielleicht auch wegen Eis und Waffel.
Mit Blick auf den Rhein ließen wir uns diese kleine Pause schmecken. Danach rollten wir die letzten Kilometer nach Hause. Satt, zufrieden und angenehm entschleunigt.
So endete unser Wochenende nicht auf der Autobahn zwischen Lkw-Kolonnen, sondern am Fluss entlang, mit Süßkram, Aussicht und einem letzten leisen Reisegefühl im Bauch.Baca lagi
Offboarding mit Restabenteuer
14 Jun, Jerman ⋅ ☁️ 18 °C
Im Ziel angekommen, begann das inzwischen routinierte Offboarding. Früher hätte man dazu vielleicht einfach „Ausladen“ gesagt, aber mit einem WoMo klingt „Offboarding“ natürlich gleich deutlich professioneller. Schließlich handelt es sich hier nicht um Kofferraum auf, Tasche raus, fertig. Es ist ein Prozess.
Also wurde der Kühlschrank geleert, bevor irgendetwas darin eigene Reisepläne entwickeln konnte. Die Schmutzwäsche wanderte aus dem WoMo, der Müll wurde entsorgt und der Landstrom angeschlossen. Die rollende Höhle bekam wieder Energie, Ruhe und einen wohlverdienten Platz zum Durchatmen.
Der Rest?
Der kann warten.
Ein paar Dinge dürfen schließlich auch einfach an Bord bleiben. Man weiß ja nie, wann das nächste Abenteuer ruft. Und manchmal ist es doch ganz beruhigend zu wissen, dass irgendwo im WoMo noch ein Campingstuhl, ein vergessener Löffel oder ein halbwegs nützliches Kabel auf seinen nächsten großen Auftritt wartet.
So endete unser Wochenende in Dünnwald: mit Regenlücken, Geheimcodes, Grillduft, Wildpark, Rheinblick, Loreley-Waffel und einem WoMo, das nach getaner Arbeit wieder am Landstrom hing.
Bereit für die nächste Geschichte.Baca lagi








