• Auf breiten Reifen durchs Revier

    June 3 in Spain ⋅ ☀️ 23 °C

    Der Wanderwolf reist gerne. Und wenn er reist, dann bitte nicht nur irgendwie, sondern möglichst komfortabel, neugierig und mit ausreichend Spielraum für spontane Reviererweiterungen.

    Deshalb hatte er sich für Mallorca ein neues Fortbewegungsmittel mitgebracht: ein E-Mountainbike. Kein zarter Drahtesel mit dünnen Rennradreifen, der bei jedem Steinchen nervös wird, sondern ein ordentliches Rudelgefährt auf breiten 29-Zoll-Rädern. Stabil, kraftvoll und bereit für mallorquinische Wege, die nicht immer so glatt sind, wie Reiseführer das gerne behaupten.

    Der starke Motor machte aus jeder Steigung eine freundliche Einladung und aus jeder Abzweigung eine ernstzunehmende Möglichkeit. Plötzlich wurde das Revier größer. Viel größer. Und der Wanderwolf bekam diesen besonderen Blick, den Wölfe bekommen, wenn sie merken: Da vorne geht noch was.

    Also musste während dieses Trips unbedingt die erste Fahrt stattfinden. Nur kurz. Natürlich. Ein bisschen ausprobieren. Ein paar Wege testen. Vielleicht einmal schauen, wie sich das neue Gefährt auf der Insel so macht.

    Aus „nur kurz“ wurde erwartungsgemäß etwas mehr.

    Der Wanderwolf rollte begeistert durch sein neues Revier, vorbei an Küste, Wegen, Sonne, Staub und Meerblicken. Die breiten Reifen trugen ihn sicher dahin, der Motor schob freundlich mit, und mit jedem Kilometer wuchs die Gewissheit: Dieses E-MTB war keine Anschaffung. Es war eine Eintrittskarte in mehr Mallorca.

    Unterwegs entdeckte er sogar ein seltenes Naturschauspiel: eine gestrandete Segelyacht. Still lag sie dort, verlassen und ein wenig unwirklich, als hätte das Meer sie ausgespuckt und dann vergessen, sie wieder mitzunehmen. Keine Piraten in Sicht. Keine Plünderer. Kein dramatisches Gefecht um die Beute. Nur eine Yacht, der offenbar das Wasser abhandengekommen war.

    Der Wanderwolf prüfte die Lage mit angemessener Ernsthaftigkeit, verzichtete auf eine Kaperung und zog weiter. Schließlich wartete noch mehr Revier.

    Am Ende führte ihn nur eines zurück: ein abendlicher Termin mit dem Rudel. Denn so schön breite Reifen, starker Motor und freie Wege auch sind – irgendwann ruft die Höhle, der Tisch oder wenigstens jemand, der fragt, wo man eigentlich so lange geblieben ist.

    Aber eines war nach dieser ersten Fahrt klar:

    Mallorca hatte neue Spuren bekommen.

    Und der Wanderwolf ein neues Lieblingsgefährt.
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