• Ankunft ohne Fluxkompensator

    Jul 24–25 in Germany ⋅ ☁️ 24 °C

    Von Bonn aus folgten wir dem Rhein hinab bis nach Dormagen zum Campingplatz Strandterrasse. Das Navi lotste uns zuverlässig durch die Stadt, über die Autobahn und vorbei an allem, was einem Freitagnachmittag gewöhnlich so im Weg steht. Kurz vor dem Ziel hatte es allerdings noch eine kleine Zugabe für uns vorbereitet und wollte uns offenbar erst noch ausführlich die nähere Umgebung zeigen.

    Zum Glück sind wir noch in einer Zeit groß geworden, in der Stadtpläne eine Patentfaltung besaßen, die sich zwar mühelos öffnen, aber nur mit höherer Mathematik wieder schließen ließ. Deshalb achten wir trotz Navigation gelegentlich noch auf Schilder und unsere Umgebung. So entdeckten wir rechtzeitig den winzigen Wegweiser zum Campingplatz, widersetzten uns freundlich der digitalen Autorität und erreichten unser Ziel ganze zehn Minuten vor der berechneten Ankunftszeit.

    Das war schon beinahe eine Zeitreise – nur ohne DeLorean und Fluxkompensator.

    Der Empfang war herzlich. Lediglich unser bescheidener Wunsch nach einem Stellplatz mit Meerblick ließ sich nicht erfüllen. Stattdessen wurde dem Wolfsmobil ein prominenter Platz mitten im Geschehen zugewiesen. Für das Fahrzeug natürlich genau richtig: Endlich stand es dort, wo es sich selbst vermutlich ohnehin sieht – im Mittelpunkt. Die Mondwölfin und ich hätten dagegen auch mit einer etwas ruhigeren Nebenrolle gut leben können.

    Also absolvierten wir vor großem Publikum unsere mittlerweile erstaunlich souveräne Ankunftsshow: sauber einparken, Stromversorgung herstellen – obwohl wir unser eigenes kleines Kraftwerk mitführten –, Markise ausfahren, Teppich verlegen, Stühle und Tisch entfalten. Jeder Handgriff saß, nichts klemmte, niemand stritt und kein Hering wurde versehentlich in den Nachbarplatz geschlagen.

    Applaus gab es zwar keinen. Aber auch nichts zu lästern. Beim Camping ist das vermutlich bereits die höchste Form der Anerkennung.

    Nach dieser beeindruckenden Vorstellung folgte das wohlverdiente Sektchen. Prost auf die erfolgreiche Landung.

    Anschließend kümmerten wir uns arbeitsteilig um eines der wichtigsten menschlichen Grundbedürfnisse: die Nahrungsaufnahme. Die Mondwölfin schnippelte den Salat, während der Wanderwolf die zuvor im Supermarkt erfolgreich erlegten Putensteaks auf den Grill legte. Jagderfolg und moderne Zivilisation gingen dabei eine ausgesprochen schmackhafte Verbindung ein.

    Selbst zubereitet schmeckt das Essen ohnehin doppelt gut – besonders draußen, nach einem Reisetag und mit einem Glas in Reichweite.

    Danach ließen wir den Abend langsam ausklingen. Um uns herum wurde es nach und nach stiller, die Gespräche verstummten, Türen fielen ins Schloss und der Campingplatz kam zur Ruhe. Das Wolfsmobil stand zufrieden in seiner Hauptrolle, während wir uns einfach darüber freuten, angekommen zu sein.
    Read more