• Frühstück unter strenger Hühneraufsicht

    July 25 in Germany ⋅ ☁️ 19 °C

    Inzwischen herrschte rege Betriebsamkeit auf dem Campingplatz. Einige Camper eilten mit entschlossenem Schritt in Richtung Toilettenhaus – vermutlich getrieben von Geschäften, die an einem frühen Samstagmorgen keinerlei Aufschub duldeten. Andere bewegten sich deutlich entspannter, dafür mit nur notdürftig bedeckten entscheidenden Körperpartien, in Richtung Dusche. Camping ist eben auch die Kunst, mit erstaunlich wenig Stoff erstaunlich selbstverständlich über einen Platz zu spazieren.

    Hundebesitzer führten ihre Vierbeiner aus, Radfahrer machten sich auf den Weg zum nächsten Bäcker, und die platzeigenen Hühner inspizierten Vorzelte, Tische und Essbereiche mit der Gründlichkeit einer Lebensmittelkontrolle. Alles, was nicht fest verschlossen oder schnell genug verteidigt wurde, galt offenbar als potenzielle Beute.

    Zwischen all dem nutzten die Kinder jede freie Fläche als Abenteuerspielplatz. Für sie ist ein Campingplatz ohnehin keine Unterkunft, sondern eine Mischung aus Wildnis, Rennstrecke und großem sozialem Experiment.

    Schließlich kroch auch die Mondwölfin langsam aus ihrer Höhle. Gemeinsam streiften wir durch unser Revier und beobachteten ein wenig verträumt die vorbeiziehenden Schiffe. Der Rhein glitt ruhig dahin, als hätte er mit der allgemeinen Betriebsamkeit auf dem Platz überhaupt nichts zu tun.

    Dann tat der Mann, was ein Mann tun muss: Er zündete den Grill an.

    Statt Steaks und Würstchen landete diesmal Speck darauf. Dazu bereitete ich unter den sichtbar missbilligenden Blicken der Hühner Rührei zu. Ob sie um ihre Verwandtschaft trauerten oder lediglich ihren Anteil einforderten, blieb ungeklärt. Sicherheitshalber hielt ich etwas Abstand.

    Ergänzt wurde das Ganze durch Obst und Smoothies, damit unser ausgedehnter Samstagmorgen-Brunch wenigstens den Anschein ausgewogener Ernährung wahrte.

    So saßen wir schließlich vor dem Wolfsmobil, ließen es uns schmecken und beobachteten das bunte Treiben um uns herum. Kein Zeitdruck, keine Termine, kein Grund zur Eile.

    Camperleben kann herrlich entschleunigen – besonders mit Kaffee, Speck und ausreichend Abstand zu hungrigen Hühnern.
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