• Plötzlich mitten in der Geschichte

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Nach kurzer Fahrt erreichten wir Akrotiri, eine der bedeutendsten prähistorischen Ausgrabungsstätten der Ägäis. Hier hatte bereits in der Bronzezeit eine erstaunlich fortschrittliche Stadt gestanden: mit mehrstöckigen Häusern, befestigten Straßen, kunstvollen Wandmalereien und sogar einem ausgeklügelten Entwässerungssystem. Handelsfunde zeigen, dass ihre Bewohner Verbindungen bis nach Kreta, Zypern, Ägypten und in den Vorderen Orient unterhielten.

    Dann kam im 16. Jahrhundert vor Christus der große Vulkanausbruch. Asche und Gestein begruben die Stadt und konservierten sie über Jahrtausende – weshalb Akrotiri heute gelegentlich als das Pompeji der Ägäis bezeichnet wird. Anders als dort wurden bislang jedoch keine menschlichen Überreste gefunden. Offenbar hatten Warnzeichen den Bewohnern genügend Zeit gegeben, die Stadt zu verlassen.

    Nun wurden Mauern, Gassen, Treppen und Räume in mühevoller Kleinarbeit wieder freigelegt. Und selbst für mich waren diese alten Steine plötzlich nicht mehr tot. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie Menschen hier gearbeitet, gehandelt, gekocht, gelacht und ihren Alltag gelebt hatten – bis der Vulkan ihre Welt unter einer dicken Schicht Asche verschwinden ließ.

    Ich war nicht länger nur Zuschauer.

    Ich war mitten in der Geschichte.
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