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Weiße Häuser, schwarzer Sand

Santorini zu Fuß: durch weiße Dörfer, über tote Steine und hinein in die Geschichte der Insel. Dann Vulkanfeuer über der Caldera – und am letzten Morgen ein Riesenkater samt Tickets für die nächste ungeplante Reise. Read more
  • Trip start
    September 11, 2018

    Medizinische Reisevorbereitung

    September 11, 2018 in Germany ⋅ ☀️ 13 °C

    Mit vollen Koffern, bester Laune und reichlich Vorfreude auf eine Woche Griechenland machten wir uns auf den Weg zum Frankfurter Flughafen. Dort wurden wir zunächst das Auto und kurz darauf auch unser Gepäck los – ein erfreulich reibungsloser Beginn.

    Da unser Abflug für 9:50 Uhr vorgesehen war, begann die medizinische Reisevorbereitung bereits gegen 8:30 Uhr in der Lounge. Jana nahm ein oder zwei Gläser Sekt gegen ihre Flugangst, ich dieselbe Dosis vorbeugend gegen deren mögliche Begleiterscheinungen in Form von Kratzen, Kneifen und ähnlichen spontanen Stressreaktionen.

    So früh am Morgen war das natürlich kein Alkohol. Das war Reisemedizin mit Kohlensäure.

    Santorini konnte kommen.
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  • Vier Flüge für Gold

    September 11, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 29 °C

    Nach rund zwei Stunden Flugzeit und erfreulich viel Beinfreiheit am Notausgang landeten wir in Athen. Der Zwischenstopp war dabei keineswegs nur eine Laune der Flugplanung: Für die Verlängerung meines Goldstatus bei Aegean Airlines brauchte ich vier Flüge pro Jahr mit deren Fluggerät. Und wenn man schon unterwegs ist, kann man aus einer Reise schließlich auch gleich vier Flüge machen.

    Also steuerten wir die Gold Lounge an und überbrückten die Zeit bis zum Weiterflug mit fester Nahrung und medizinisch wertvollen Getränken. Die Wirkung der morgendlichen Reiseprophylaxe durfte schließlich keinesfalls nachlassen.

    Man soll Medikamente bekanntlich regelmäßig einnehmen.
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  • Ein Katzensprung über die Ägäis

    September 11, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 24 °C

    Gut gelaunt und mit weiter steigender Vorfreude bestiegen wir schließlich das Flugzeug nach Santorini. Die Zeit verging tatsächlich wie im Flug: Kaum waren wir gestartet, setzte der Airbus A320 nach etwa 30 Minuten schon wieder zur Landung an.

    Für ein modernes Verkehrsflugzeug war dieser kleine Sprung über die Ägäis natürlich keine besondere Herausforderung. Für uns inzwischen auch nicht mehr. Die medizinische Vorbereitung hatte schließlich ganze Arbeit geleistet.

    Santorini lag vor uns.
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  • Willkommen im kleinen Paradies

    Sep 11–17, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 25 °C

    Nach der Landung nahmen wir unser Gepäck wieder in unsere Obhut und fuhren mit dem Taxi zur Anastasia Princess. Der Prospekt hatte tatsächlich nicht zu viel versprochen: Vor uns lag eine wunderschöne, kleine Anlage, der Empfang war herzlich und der Check-in angenehm unkompliziert.

    Gleich zu Beginn erfuhren wir, dass wir offenbar zur besten Zeit auf Santorini angekommen waren. In wenigen Tagen sollte das Vulkanfest stattfinden. Über Nea Kameni würde mit Feuer, Licht, Musik und einem großen Feuerwerk der historische Ausbruch des Santorin-Vulkans inszeniert werden.

    Das Hotel hatte eigens eine Katamaran-Tour organisiert, um das Spektakel vom Wasser aus und aus nächster Nähe zu erleben. Wir müssten uns nur schnell entscheiden.
    Wir entschieden uns schnell. Natürlich sagten wir spontan zu.

    Dann wurden wir zu unserer Suite geführt, in der unsere Koffer bereits auf uns warteten. Dabei hatten wir sie doch wirklich nur einen Augenblick aus den Augen gelassen.
    Die Suite selbst war ein Traum: ein riesiges Bett, ein geräumiger Wohnbereich, ein hübsches Bad, ein eigener Balkon und ein eigener Jacuzzi. Hier hätten wir es ganz sicher auch länger als nur eine Woche ausgehalten.

    Zunächst standen allerdings noch einige unverzichtbare Qualitätsprüfungen an. Die Temperatur des Pools musste kontrolliert und die Bequemlichkeit der Liegen ausgiebig getestet werden. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: alles in bester Ordnung.
    Das zur Begrüßung bereitgestellte Obst und der Prosecco dürfen in diesem Zusammenhang selbstverständlich nicht als Bestechungsversuch gewertet werden.

    Die Griechen sind eben einfach gastfreundlich.
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  • Schwarz gesehen – und das im besten Sinne

    September 11, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 25 °C

    Der Tag wäre eigentlich schon perfekt gewesen. Aber wir beließen es natürlich nicht dabei und machten uns noch auf, die nähere Umgebung ausgiebig zu inspizieren.

    Zum Strand war es schließlich nicht weit. Doch als wir dort ankamen, sahen wir schwarz.

    Kein Weiß, kein Gelb, kein Grau. Vor uns lag ein Strand vom Feinsten – in Schwarz Metallic. Der dunkle Vulkansand glitzerte in der Sonne und machte sofort klar: Santorini spielt auch bei den Stränden nach eigenen Regeln.

    Jana war schneller aus den Schuhen und mit den Füßen im herrlich warmen Meer, als meine Kamera ihre Startroutine abgeschlossen hatte.

    Manche Momente warten eben nicht auf Technik. Sie passieren einfach.
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  • Über den Dächern von Santorini

    September 12, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 22 °C

    Am nächsten Morgen erwartete uns nach dem Ausschlafen ein reichhaltiges Frühstücksbuffet. Dazu erklang typisch griechische Musik aus den Lautsprechern – offenbar nur, um auch den letzten Zweifel auszuräumen: Wir waren in Griechenland. Und das war verdammt gut so.

    Nachdem wir am Vortag bereits die nähere Umgebung erkundet hatten, wurden wir nun mutiger und dehnten unsere Expedition aus. Wir wollten diesen wunderschönen Fleck Erde von oben betrachten.

    Also nahmen wir den nächsten Berg ins Visier und stiegen hinauf. Mit jedem Schritt wurden die Häuser weniger, bis sie schließlich ganz verschwanden und nur noch Felsen, trockene Erde, Wind und Himmel übrig blieben.

    Von hier oben, mit dem nötigen Abstand, wirkten die Dinge unten im Tal plötzlich ganz klein und erstaunlich friedlich. Vielleicht braucht es manchmal genau das: ein wenig Höhe, einen weiteren Blick und die Erkenntnis, dass vieles an Schwere verliert, sobald man es aus einer anderen Perspektive betrachtet.
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  • Alarmstufe Boutique

    September 12, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 24 °C

    Der Tag neigte sich dem Ende zu. Wir hatten eine schöne Wanderung hinter uns, ein wenig geruht und anschließend lecker zu Abend gegessen. Eigentlich hätte man den Tag damit würdevoll ausklingen lassen können.

    Dann ertönte plötzlich das Alarmsignal. Schrill, laut und nicht zu ignorieren.
    Der Dame war eingefallen, dass wir in drei Tagen einen Katamaran besteigen würden – und sie zu diesem Anlass nichts anzuziehen habe. Die Lage war ernst. Sehr ernst. Das konnte eskalieren.

    Also übernahm ich als ehrenamtlicher Kleidungsberater mit besonderer Begabung, Damen aus möglichst vielen Kleidungsstücken herauszuhelfen, umgehend die Einsatzleitung. Ich führte sie in die nächstbeste Boutique. Dass es bereits kurz vor Mitternacht war, spielte keine Rolle. Manche Probleme dulden keinen Aufschub.

    Aus rein praktischen Erwägungen schlug ich eine Kombination aus Figurbetontheit, Luftigkeit und Wasserunempfindlichkeit vor und brachte sogleich die passenden Kleidungsstücke zur Umkleidekabine.

    Das Ergebnis war umwerfend. Ein wunderschönes Strickkleid, mit einer reizvollen Mischung aus Stoff und Durchlässigkeit – für Licht, Luft und meine Blicke.

    Blieb nur noch eine Frage offen: Welche Farbe?
    Da dies eindeutig der schwierigere Teil der Mission war und ich an diesem Abend keinen Streit mehr riskieren wollte, traf ich die einzig vernünftige Entscheidung.

    Ich kaufte beide.
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  • Die hohe Kunst des Extrem-Chillens

    September 13, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Nach der gestrigen Expedition stand heute ein weiterer wichtiger Programmpunkt auf der Agenda: Extrem-Chillen. Schließlich waren wir immer noch im Urlaub, und auch das gepflegte Nichtstun will ernst genommen werden.

    Das Hotel verfügte über zwei Gemeinschaftspools. Während sich einige Gäste am und im ersten Pool räkelten, schien der zweite Pool im hinteren Bereich ein gut gehütetes Geheimnis zu sein.

    Ein Geheimnis, das offenbar nur wir gelüftet hatten.

    Wir hatten den Pool ganz für uns allein und kosteten diesen kleinen Luxus natürlich ausgiebig aus. Im genau richtigen Verhältnis für einen entspannten Urlaub wechselten sich Wasser und Liege ab. Mal ein paar Bahnen, mal ein wenig Dösen, dann wieder ins Wasser, nur um anschließend erneut festzustellen, wie erstaunlich bequem so eine Liege sein kann.

    Und da wir die freie Auswahl hatten, mussten wir unsere Liege nicht einmal nach der Sonne drehen.

    Wir nahmen einfach eine andere.
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  • Aller guten Wasser sind drei

    September 13, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 24 °C

    Am Nachmittag vollzogen wir einen ordnungsgemäßen Wasserwechsel: vom Süß- ins Salzwasser.

    Also machten wir uns wieder auf den Weg zum schwarzen Strand. In der Sonne fühlte sich der dunkle Vulkansand allerdings weniger wie ein gemütlicher Weg zum Meer und mehr wie ein Parcours über glühende Kohlen an.

    Entsprechend beschleunigten wir unsere Schritte. Nicht aus sportlichem Ehrgeiz, sondern aus akutem Eigenschutz.

    Am Wasser angekommen, kühlten wir zunächst die Füße mit einem beinahe hörbaren Zischen ab und ließen kurz darauf auch den Rest unserer Körper im angenehm warmen Meer verschwinden.

    Zurück in unserer Suite folgte schließlich der dritte Akt unseres persönlichen Wasserprogramms: erst ein ausgiebiges Duschbad, dann Entspannung im eigenen Jacuzzi. Wohltemperiert, ganz für uns allein und mit einem fantastischen Blick über die Dächer bis hinunter zum Strand.

    Süßwasser, Salzwasser, Sprudelwasser.

    Aller guten Dinge sind eben drei.
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  • Eselkontrolle

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Heute stand Geschichtsunterricht auf dem Stundenplan. Was für mich gelegentlich eher nach einer Ansammlung toter Steine aussieht, ist für Jana eine faszinierende Welt voller Geschichte, Geschichten und längst vergangener Leben.

    Also mietete ich uns ein kleines Auto. Beim ersten Anblick wirkte es ein wenig mitleiderregend, doch der Eindruck täuschte. Der Kleine war erstaunlich wendig, schluckte jedes Schlagloch klaglos und bewies schnell, dass auf Santorini andere Qualitäten zählen als auf deutschen Autobahnen ohne Tempolimit.

    Unsere erste Fahrt führte uns zu einem Leuchtturm – natürlich nicht ohne das obligatorische Instafoto.

    Dann ging es plötzlich nicht mehr weiter.

    Vorerst jedenfalls.

    Ein störrischer Esel hatte sich mitten in den Weg gestellt und verlangte offenbar Wegezoll. Akzeptiert wurden vermutlich Karotten, Äpfel oder andere nahrhafte Bestechungsmittel. Auf diese Form der mobilen Mautkontrolle waren wir jedoch denkbar schlecht vorbereitet.

    Also versuchten wir es mit Freundlichkeit: nette Worte, vorsichtiges Zureden und ein paar Streicheleinheiten.

    Nach kurzer Zeit räumte der tierische Wegelagerer tatsächlich das Feld. Ob er uns dankbar und zufrieden passieren ließ oder einfach enttäuscht und genervt aufgab, ließ sich nicht mehr klären.

    Fest stand nur: Die Straße war wieder frei. Der Geschichtsunterricht konnte beginnen.
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  • Plötzlich mitten in der Geschichte

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Nach kurzer Fahrt erreichten wir Akrotiri, eine der bedeutendsten prähistorischen Ausgrabungsstätten der Ägäis. Hier hatte bereits in der Bronzezeit eine erstaunlich fortschrittliche Stadt gestanden: mit mehrstöckigen Häusern, befestigten Straßen, kunstvollen Wandmalereien und sogar einem ausgeklügelten Entwässerungssystem. Handelsfunde zeigen, dass ihre Bewohner Verbindungen bis nach Kreta, Zypern, Ägypten und in den Vorderen Orient unterhielten.

    Dann kam im 16. Jahrhundert vor Christus der große Vulkanausbruch. Asche und Gestein begruben die Stadt und konservierten sie über Jahrtausende – weshalb Akrotiri heute gelegentlich als das Pompeji der Ägäis bezeichnet wird. Anders als dort wurden bislang jedoch keine menschlichen Überreste gefunden. Offenbar hatten Warnzeichen den Bewohnern genügend Zeit gegeben, die Stadt zu verlassen.

    Nun wurden Mauern, Gassen, Treppen und Räume in mühevoller Kleinarbeit wieder freigelegt. Und selbst für mich waren diese alten Steine plötzlich nicht mehr tot. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, wie Menschen hier gearbeitet, gehandelt, gekocht, gelacht und ihren Alltag gelebt hatten – bis der Vulkan ihre Welt unter einer dicken Schicht Asche verschwinden ließ.

    Ich war nicht länger nur Zuschauer.

    Ich war mitten in der Geschichte.
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  • Wo der Wind Geschichte erzählt

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Unsere nächste Station war Alt-Thera. Die antike Stadt liegt hoch oben auf dem Bergrücken des Mesa Vouno, fast 400 Meter über dem Meer. Also hieß es erneut: hinaufsteigen – Schritt für Schritt, Kurve für Kurve, begleitet von Sonne und einem Wind, der offenbar seit Jahrtausenden nichts von seiner Kraft verloren hatte.

    Oben angekommen, ließen wir uns den Wind der Geschichte um Haare und Kleidung wehen. Vor uns lagen die Überreste einer Stadt, die im 8. Jahrhundert vor Christus von dorischen Siedlern gegründet wurde und über viele Jahrhunderte bewohnt blieb. Straßen, Wohnhäuser, Tempel, ein Theater und öffentliche Gebäude erzählen noch heute davon, dass hier oben einst keineswegs nur ein paar Einsiedler mit schöner Aussicht lebten.

    Zwischen den alten Mauern streiften wir durch griechische, römische und frühchristliche Geschichte. Und selbst wenn für mich manches weiterhin verdächtig nach toten Steinen aussah, musste ich zugeben: Diese Steine hatten sich einen ausgesprochen eindrucksvollen Platz ausgesucht.

    Unter uns lagen Kamari, Perissa und das tiefblaue Meer. Von hier oben wirkte Santorini noch einmal ganz anders – weiter, stiller und beinahe zeitlos.

    Wir genossen die Aussicht, den kräftigen Wind und dieses besondere Gefühl, gleichzeitig über der Insel und mitten in ihrer Geschichte zu stehen.
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  • Häuser, die im Vulkan verschwinden

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Von Alt-Thera führte unsere Geschichtsexkursion weiter zu den Yposkafa – jenen für Santorini so typischen Häusern, die nicht einfach auf den Felsen gebaut, sondern tief in das weiche vulkanische Gestein hineingegraben wurden. Der Name bedeutet sinngemäß „in den Fels gegraben“.

    Was heute wie eine besonders romantische Form des Wohnens wirkt, entstand ursprünglich vor allem aus Notwendigkeit. Holz und andere Baumaterialien waren knapp und teuer, vulkanisches Gestein dagegen reichlich vorhanden. Also schufen sich Fischer, Seeleute, Handwerker und einfache Familien ihre Häuser direkt im Berg. Viele dieser schmalen, lang gestreckten Wohnhöhlen bestanden aus zwei hintereinanderliegenden Räumen: vorne Küche und Wohnbereich, weiter hinten das Schlafzimmer. Licht und Luft gelangten hauptsächlich durch Tür, Fenster und eine kleine Öffnung oberhalb des Eingangs hinein.

    Die dicken Wände und gewölbten Decken hielten die Räume im Sommer angenehm kühl und im Winter vergleichsweise warm. Gleichzeitig bot die Bauweise Schutz vor Wind und erwies sich auf der erdbebengeplagten Insel als erstaunlich widerstandsfähig. Was einst bescheidene Behausung, Lagerraum oder Weinkeller war, gehört heute zu den begehrtesten Unterkünften Santorinis.

    Wir gingen durch enge Gassen, vorbei an weißen Fassaden, runden Formen und Türen, hinter denen ganze Häuser im Berg verschwanden. Manchmal war kaum zu erkennen, wo eine Wohnung endete und der Felsen begann.

    Nach den Ruinen von Alt-Thera war dies eine ganz andere Art von Geschichte. Keine verlassenen Mauern aus längst vergangenen Jahrhunderten, sondern Architektur, die aus dem Überlebenswillen der Inselbewohner entstanden war und bis heute weiterlebt.

    Santorini hatte offenbar nicht nur gelernt, mit dem Vulkan zu leben.

    Die Insel hatte begonnen, in ihm zu wohnen.
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  • Mit dem Touristenstrom durch Oia

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Nachdem der Geschichtsunterricht für diesen Tag offiziell beendet war, meldeten sich zunächst einige sehr gegenwärtige Grundbedürfnisse. Antike Mauern, versunkene Städte und in Felsen gegrabene Häuser mögen den Geist nähren – der Körper bestand trotzdem auf einer handfesten Mahlzeit.

    Frisch gestärkt nutzten wir anschließend die Mobilität unseres kleinen, wendigen Flitzers und steuerten Oia an, jenen Ort am nordwestlichen Ende Santorinis, der mit seinen weißen Häusern, blauen Kuppeln und steilen Gassen wie kaum ein anderer das Postkartenbild der Insel prägt. Zwischen den in den Vulkanfelsen gebauten Höhlenhäusern stehen noch heute stattliche Kapitänshäuser, die an Oias einst bedeutende Seefahrer- und Handelstradition erinnern.

    Wir stellten das Auto ab und ließen uns einfach treiben. Wobei „treiben lassen“ hier durchaus wörtlich zu verstehen war: Der Strom der Besucher nahm uns auf und spülte uns durch enge Gassen, vorbei an kleinen Boutiquen, Galerien, Cafés und zahllosen Fotomotiven. Oia steht seit 1976 als traditionelle Siedlung unter Schutz – ein großes Freilichtmuseum ist es dennoch nicht geworden. Hinter den strahlend weißen Fassaden wurde gelebt, gearbeitet, verkauft und fotografiert. Vor allem fotografiert.

    Immer wieder öffnete sich zwischen den Häusern der Blick über die Caldera. Tief unten glitzerte das Meer, gegenüber lagen die dunklen Vulkaninseln, und am Rand des Ortes warteten bereits die Mauern der alten Burg Agios Nikolaos. Sie war einst Teil einer Befestigungsanlage gegen Piraten und gilt heute als einer der berühmtesten Aussichtspunkte für den Sonnenuntergang. Die Angreifer kommen inzwischen nicht mehr mit Schiffen, sondern mit Reisebussen und Selfiesticks.

    Also ließen wir uns gemeinsam mit den anderen Touristen durch diesen malerischen Ort treiben. Mal blieben wir stehen, mal wurden wir weitergeschoben, mal fanden wir überraschend eine stille Seitengasse.

    Oia war voll, teuer und hoffnungslos fotogen.

    Und irgendwie genau deshalb sehenswert.
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  • Wenn der Himmel Wein trinkt

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 22 °C

    Zum Abschluss unseres langen Tages führte uns der kleine Flitzer zu Santo Wines. Hoch über der Caldera nahmen wir auf der Terrasse Platz, vor uns das Meer, die dunklen Vulkaninseln und eine ganze Reihe Gläser, die nur darauf warteten, gewissenhaft geprüft zu werden.

    Die Weinprobe begann romantisch und wurde mit jedem Schluck ein wenig feierlicher. Während wir uns durch die Aromen Santorinis kosteten, bereitete der Himmel seine eigene Vorstellung vor. Die Sonne sank langsam tiefer, verschwand kurz hinter Wolken und brach dann wieder hervor. Goldene Strahlen legten sich über das Meer, silberne Lichtbahnen zogen bis zum Horizont, und die Wolken wechselten ihre Farben von Weiß zu Rosa, Orange und tiefem Rot.

    Es war kein einfacher Sonnenuntergang. Es war ein Schauspiel aus Licht, Wasser und Feuer, als würde der Himmel selbst auf unsere Reise anstoßen.

    Wir saßen nebeneinander, probierten Wein, schwiegen, staunten und ließen diesen Augenblick einfach geschehen. Unter uns lag Santorini, vor uns die Weite der Ägäis – und über allem ein Himmel, der offenbar beschlossen hatte, für diesen Abend besonders schön zu sein.

    Manche Sonnenuntergänge sieht man.

    Diesen haben wir getrunken.
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  • Kalorienbilanz und nächtliches Blubbern

    September 14, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Längst war die Sonne im Meer versunken, und die Nacht hatte ihre dunkle Decke über Santorini gelegt. Für uns war das allerdings noch lange kein Grund, den Tag vorschnell zu beenden.

    Obwohl wir gut gesättigt waren, bewies die Naschkatze einmal mehr ihr erstaunlich großes Herz für Süßes. Also wurden zu später Stunde noch gewissenhaft unzählige Kalorien aufgenommen. Schließlich durfte am Ende eines so ereignisreichen Tages auf keinen Fall die Gesamtbilanz ins Negative rutschen.

    Man trägt Verantwortung. Auch für den Energiehaushalt.

    Und dann wartete da ja noch unser eigener Jacuzzi. Warm, blubbernd und mit diesem herrlichen Gefühl, dass draußen langsam alles stiller wurde. Wir ließen uns ins Wasser sinken, die müden Beine wurden leichter, der Kopf leerer und der Tag rückte Stück für Stück in die angenehme Ferne.

    So endete unser Tag nicht direkt im Bett, sondern zunächst im warmen Wasser – zwischen Süßigkeiten, Sprudelblasen und dem leisen Gefühl, auf dieser Insel gerade ziemlich vieles richtig zu machen.
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  • Als unser Lied uns fand

    September 15, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 23 °C

    Heute war der Tag des Vulkanfestes – der Höhepunkt unserer Reise. Und auf einen solchen Tag musste man sich selbstverständlich gründlich vorbereiten.

    Zwei Dinge standen an diesem Vormittag im Mittelpunkt: Frühstück und Pool.

    Das Frühstück wirkte zunächst wie an jedem anderen Morgen. Das Buffet war reichhaltig, lecker und ließ keine vernünftigen Wünsche offen. Auch mit Getränken wurden wir wieder bestens versorgt – diesmal allerdings nicht von einem stattlichen Kellner, sondern von einer jungen, hübschen Griechin.

    Nachdem sie uns mit Heißgetränken und Prosecco versorgt hatte, der Gerüchten zufolge auch gegen Seekrankheit helfen soll, stoppte sie plötzlich die griechische Folkloremusik. Stattdessen startete sie ihre eigene Playlist.

    Aus den Lautsprechern erklang Perfect von Ed Sheeran im Duett mit Beyoncé.

    Wir kamen ins Gespräch, und sie verriet uns, dass sie vermutlich der größte Ed-Sheeran-Fan der ganzen Insel sei. Wir erzählten von unserem Konzertbesuch im Züricher Letzigrundstadion. Dass mir persönlich Anne-Marie als Vorgruppe fast noch besser gefallen hatte, behielt ich in diesem Moment vorsichtshalber für mich.

    Dann geschah etwas, das selbst mich sprachlos machte.

    Mit der Bestimmtheit einer weisen Schamanin betrachtete sie uns und erklärte, wir seien das perfekte Paar – und genau diese Version von Perfect sei wie für uns geschrieben.

    Wow.

    Wir hatten plötzlich unser Lied.

    Oder vielleicht hatte das Lied uns gefunden.

    Damit sich diese Erkenntnis auch tief genug in unser Unterbewusstsein eingrub, spielte sie von diesem Morgen an jedes Mal Perfect, sobald wir den Frühstücksraum betraten. Die anderen Gäste mögen sich darüber gewundert haben.

    Wir nicht.

    Wir hatten auf Santorini unser Lied gefunden – und manchmal braucht es dafür offenbar nur eine griechische Kellnerin, ein Glas Prosecco und den richtigen Song im richtigen Moment.
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  • Leinen los für die Unendlichkeit

    September 15, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 24 °C

    Am frühen Nachmittag wurden wir im Hotel abgeholt und zu einem kleinen Hafen gebracht. Bis kurz vor der Abfahrt blieb allerdings eine Frage von existenzieller Tragweite ungeklärt: Welches der beiden neu erworbenen Kleider wollte die Dame nun tragen?

    Da Entscheidungen unter Zeitdruck bekanntlich selten zu nachhaltiger Zufriedenheit führen, löste ich das Problem auf bewährte Weise und erstand kurzerhand ein drittes Kleid.

    Ein Traum in Weiß.

    Es reichte bis über die Knie, wirkte elegant und war zugleich so offen gestrickt, dass der darunter getragene Bikini weniger modisches Detail als zwingend notwendige Sicherheitsmaßnahme war. Ohne ihn hätten vermutlich mindestens die männlichen Teilnehmer und Teile der Crew akute Stielaugen entwickelt. Und heute wollten wir schließlich nicht die Legende von der Loreley nachstellen, sondern einfach einen großartigen Tag auf dem Wasser verbringen.

    Am Hafen wartete bereits unser Katamaran. Sein Name hätte kaum passender sein können: Infinity. Gemeinsam mit einigen anderen Teilnehmern gingen wir an Bord, machten es uns bequem und hörten kurz darauf die schönsten Worte eines jeden Urlaubstages:

    Leinen los.

    Wir glitten an der Küste entlang, das Meer lag tiefblau vor uns, der Wind spielte mit Haaren, Kleid und Erwartungen. Nach einer kurzen Fahrt fiel der Anker, und die Crew lud uns zum Baden ein.

    Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Also raus aus den Kleidern und hinein ins erfrischende Meer. Wenige Augenblicke später schwammen wir um die Infinity herum und begutachteten unseren Katamaran aus jeder denkbaren Perspektive.

    Man sollte schließlich wissen, worauf man sich für den Rest des Tages eingelassen hatte.
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  • Dinner zwischen Sonne und See

    September 15, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 24 °C

    Nach unserem kurzen Badestopp ging die Fahrt weiter. Wir glitten an der Küste entlang und ließen uns vom Wind trocknen – eine ausgesprochen angenehme Form der Körperpflege, ganz ohne Handtuchsuche und Umkleidekabine.

    Die übrigen Teilnehmer überließen uns freiwillig das Trapez am Bug. Vielleicht aus Höflichkeit. Vielleicht, weil wir dort bereits so überzeugend aussahen, als gehörten wir zur Grundausstattung des Katamarans.

    Vor uns die Sonne, unter uns das Meer und in der Hand ein Prosecco. Katamaranfahren konnte offenbar deutlich anstrengender sein.

    Bei einem weiteren Stopp begann die Crew mit den Vorbereitungen für unser Dinner. Frische Zutaten wurden an Bord verarbeitet, Fleisch und Fisch direkt auf dem Boot gegrillt. Schon bald duftete es über Deck nach Urlaub, Meer und sehr vernünftigen Entscheidungen. Wir wurden mit Salaten, Muscheln, Garnelen, Fleischspießen und weiteren Köstlichkeiten verwöhnt. Dazu ganz selbstverständlich Brot, Oliven und Tzatziki. Ein kleines Festmahl an Deck, serviert zwischen Himmel und Wasser.

    Und während wir aßen, wurde endgültig klar: Das hier war keine Bootstour mit Verpflegung. Das war ein schwimmender Feiertag.
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  • Mit offenen Armen in den Sonnenuntergang

    September 15, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 24 °C

    Gut gestärkt und rundherum zufrieden fragten wir uns, was nach all dem wohl noch kommen konnte. Baden im offenen Meer, Prosecco am Bug, ein Festmahl an Deck – der Tag hatte seine Messlatte bereits ziemlich hoch gelegt.

    Lange mussten wir auf die Antwort nicht warten. Die Infinity nahm Kurs auf den Sonnenuntergang. Wir glitten an der Küste entlang, vorbei am Leuchtturm und jenem störrischen Esel, der vermutlich gerade dem nächsten ahnungslosen Besucher seinen ganz persönlichen Wegezoll abverlangte. Vor uns hing die Sonne wie ein roter Feuerball über dem Meer, groß, glühend und zum Greifen nah. Der Katamaran fuhr genau auf sie zu.

    Langsam sank die Sonne tiefer, tauchte Himmel und Wasser in Gold, Orange und tiefes Rot und zog eine leuchtende Straße über die Ägäis. Hinter uns lag ein fantastischer Tag. Vor uns begann ein Abend, der noch längst nicht alle seine Geheimnisse preisgegeben hatte.

    Wir stellten uns ans Vorsegel, breiteten die Arme aus und ließen den Wind durch Haare und Kleidung fahren. Für einen Moment fühlten wir uns tatsächlich wie die Könige der Welt. Nicht, weil uns etwas gehörte. Sondern weil sich genau in diesem Augenblick alles vollkommen anfühlte. Vor uns die untergehende Sonne. Unter uns das Meer. Hinter uns ein Tag voller kleiner Wunder.

    Und wir mittendrin, mit offenen Armen, bereit, die ganze Welt zu umarmen.
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  • Als der Vulkan erwachte

    September 15, 2018 in Greece ⋅ ☁️ 23 °C

    Die Welt um uns versank langsam in Dunkelheit. Nur die Positionslichter der Infinity leuchteten über das Wasser und signalisierten den unzähligen anderen Booten, die inzwischen dasselbe Ziel ansteuerten: Auch wir waren hier.

    Vor dem Vulkan wurde es eng. Ausflugsschiffe, Segelboote und kleine Motorboote drängten sich auf dem dunklen Meer, jedes auf der Suche nach dem besten Platz. Unser Skipper führte den Katamaran mit beeindruckender Ruhe durch dieses schwimmende Nadelöhr. Meter für Meter schob er uns nach vorn, bis wir fast direkt vor Nea Kameni lagen.

    Dann fiel der Anker. Erste Reihe.

    Was danach geschah, war weit mehr als nur ein Feuerwerk. Der Vulkan schien tatsächlich wieder zum Leben zu erwachen. Rotes Licht flackerte über die dunklen Hänge, glühende Lavaströme schienen bis hinunter zum Meer zu fließen, und immer wieder zerrissen Feuer, Licht und Musik die Nacht. Die Küste leuchtete, der Himmel brannte, und für einen Moment wirkte es, als hätte Santorini beschlossen, uns noch einmal zu zeigen, wer diese Insel erschaffen hatte.

    Wir standen an Deck und staunten.

    Das war eindeutig der Höhepunkt unserer Katamarantour. Vielleicht sogar der Höhepunkt der ganzen Reise.

    Noch Stunden später, längst wieder im Hotel, saßen wir mit einem Cocktail an der Bar und ließen diesen Tag Revue passieren. Wir sprachen in Superlativen, überboten uns mit Bildern und versuchten doch vergeblich, das Erlebte vollständig in Worte zu fassen.

    Und das Verrückteste daran: Dieser Ausflug war vor unserer Reise überhaupt nicht geplant gewesen. Manchmal muss man offenbar nicht alles planen. Manchmal reicht es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein – und den Mut zu haben, spontan Ja zu sagen.
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  • Staub, Stil und ein Platz in der ersten Reihe

    September 16, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 23 °C

    Am letzten Tag vor unserer Abreise wollten wir uns noch einmal ein wenig die Beine vertreten. Also nahmen wir den Bus nach Oia – und stellten dabei überrascht fest, dass die Busse auf Santorini erstaunlich zuverlässig fahren. Offenbar funktionieren manche Dinge im Urlaub sogar besser als zu Hause.

    Von Oia aus machten wir uns zu Fuß auf den Weg entlang der Caldera bis nach Fira. Vorbei an weißen Häusern, dunklem Vulkangestein und immer wieder diesem tiefblauen Meer, das aussah, als hätte jemand die Farbsättigung ein wenig zu großzügig eingestellt.

    Als wir am frühen Abend hungrig und durstig in Fira ankamen, wirkten wir allerdings weniger wie stilvolle Inselwanderer und mehr wie Beduinen nach einer vollständigen Durchquerung der Sahara. Unsere Kleidung war durchgeschwitzt, unsere Körper mit Staub bedeckt, der wie Pech an uns klebte, und selbst ein freundlicher Kellner hätte vermutlich kurz überlegt, uns zunächst mit einem Gartenschlauch zu begrüßen.

    Andere mögen in diesem Zustand einfach ein Restaurant betreten. Wir nicht. Stil ist für uns schließlich nicht nur der schmale Steg, an dem man ein Champagnerglas festhält.

    Also steuerten wir zielstrebig die erstbeste Boutique an, nutzten deren Waschräume für eine grundlegende Wiederherstellung unserer gesellschaftlichen Einsatzfähigkeit und kleideten uns anschließend neu ein. Für die Dame bedeutete das selbstverständlich: ein weiteres Kleid. Weiß, figurbetont und ihrer Erscheinung ausgesprochen zuträglich. Passend zu den strahlenden Hausfassaden Santorinis, im Kontrast zum blauen Meer und zur roten Sonne, die langsam am Horizont versank. Man könnte sagen: Das Kleid war nicht gekauft worden. Es hatte nur auf diesen Abend gewartet.

    So wiederhergestellt konnten wir standesgemäß dinieren und nahmen prominent auf der Terrasse des Classico Restaurants an der Gold Street Platz. Unter uns das abendliche Gewimmel von Fira, neben uns die Caldera, vor uns gutes Essen und hinter uns ein Weg, der uns ordentlich zugesetzt hatte.

    Luxus kann so leicht sein. Man braucht manchmal nur eine Boutique, ein weißes Kleid und einen Tisch mit Aussicht.
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  • Zwischen Minibar, Modenschau und Erinnerungslücken

    September 16, 2018 in Greece ⋅ 🌙 25 °C

    Den letzten Abend ließen wir ganz entspannt in unserer Suite ausklingen. Wir hatten dort schließlich alles, was man für einen gelungenen Urlaubsabschluss brauchte: einen Balkon für die inzwischen angenehm abgekühlte Abendluft, unseren Jacuzzi, eine gut sortierte Minibar – und uns.

    Die Dame nutzte die Gelegenheit, ihre neuesten Errungenschaften vorzuführen. Kleider, die wir im Laufe der Reise quasi im Vorbeigehen in Oia und anderswo eingesammelt hatten. Aus der geplanten kurzen Anprobe wurde eine höchst unterhaltsame private Modenschau, bei der ich gleichzeitig Publikum, Kritiker und ausgesprochen motivierter Garderobenassistent war.

    Irgendwann entwickelte eine leichte Überdosis Ouzo in ungünstiger Kombination mit griechischem Wein ihre ganz eigene Dramaturgie. Zunächst fielen die Hüllen, kurz darauf die Hemmungen und schließlich offenbar auch Teile unseres Erinnerungsvermögens.

    Der Jacuzzi war erfreulicherweise nicht einsehbar. Der Balkon schon. Ob wir den übrigen Hotelgästen an diesem Abend ungefragt ein zusätzliches All-inclusive-Programm geboten haben, bleibt bis heute ungeklärt. Es gab am nächsten Morgen jedenfalls keine Beschwerden. Das wäre ja auch noch schöner gewesen.

    Fest steht nur: Der letzte Abend auf Santorini war lang, ausgelassen und offenbar würdig genug, um sich nicht vollständig dokumentieren zu lassen. Manche Erinnerungen bleiben eben im Kopf.

    Andere nur als sehr vages Gefühl und ein verdächtig leerer Inhalt der Minibar.
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  • Der Kater, ein Filmriss und zwei Tickets

    September 17, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 24 °C

    Am nächsten Morgen waren wir nicht mehr allein im Zimmer. Irgendwann in der Nacht hatte sich ein riesengroß wirkender Kater zu uns ins Bett geschlichen. Er saß nicht sichtbar auf der Decke, aber sehr deutlich hinter meiner Stirn. Mit schwerem Kopf versuchte ich, die Ereignisse der vergangenen Stunden zu rekonstruieren.

    Vergeblich. Da war kein verschwommener Abspann, keine lückenhafte Erinnerung, nicht einmal ein brauchbares Standbild. Nur ein klassischer Filmriss. Beweisfotos gab es ebenfalls keine. Vielleicht zum Glück.

    Dafür fand ich etwas ausgesprochen Irritierendes in der Mailbox meines Handys. Laut Absender hatten wir in der vergangenen Nacht Tickets für ein Neujahrskonzert erworben.

    Von Rammstein.

    In Mexiko.

    Diese Information nahm ich zunächst mit jener inneren Ruhe zur Kenntnis, die entsteht, wenn der Verstand noch nicht vollständig betriebsbereit ist. Offenbar hatten wir im Verlauf des Abends nicht nur Hemmungen und Erinnerungen verloren, sondern auch kurzfristig die Reiseplanung für unser weiteres Leben übernommen. Vielleicht war das der Beginn einer neuen Geschichte. Aber die musste erst noch geschrieben werden.

    Im Augenblick drängten sich wesentlich praktischere Fragen auf: Wie wurden wir möglichst schnell wieder nüchtern? Wie bekamen wir unseren ganzen Krempel samt sämtlicher Neuerwerbungen in die Koffer? Und wann flogen wir eigentlich zurück?

    Mit großer Dankbarkeit stellten wir fest, dass unser Rückflug erst für den Nachmittag geplant war. Also machten wir uns zunächst auf den Weg in den Speiseraum des Hotels, wo wir ein ausgiebiges Katerfrühstück einnahmen.

    Und dann geschah es ein letztes Mal. Kaum betraten wir den Raum, erklang Perfect aus den Lautsprechern. Unser Lied. Noch einmal. Wie ein musikalischer Abschiedsgruß von Santorini, der uns sanfter traf als der Ouzo am Vorabend.

    Danach begann die nächste Herausforderung: das Packen. Mit meiner langjährigen Tetris-Erfahrung gelang es mir tatsächlich, sämtliche Kleidungsstücke, Mitbringsel und spontanen Neuerwerbungen im Koffer unterzubringen. Geschlossen bekam ich ihn allerdings nur unter Einsatz sanfter Gewalt und einer überzeugenden Mischung aus Körpergewicht, Hoffnung und Verdrängung.

    Der Verschluss hielt. Vorerst. Vor meinem inneren Auge sah ich trotzdem bereits, wie sich der Koffer am Flughafen mit einem lauten Knall öffnete und unsere gesamte Garderobe noch einmal persönlich von Santorini verabschiedete.

    Manche Reisen enden eben nicht leise. Manche schicken schon beim Packen einen Teaser für das nächste Abenteuer.
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  • Der Kater reist mit

    September 17, 2018 in Greece ⋅ ☀️ 24 °C

    Mit dem Taxi ging es samt Gepäck zum Flughafen. Den Kater hatten wir inzwischen im Hotel zurückgelassen.

    Glaubte ich zumindest.

    Am Flughafen hielt der Verschluss des Koffers entgegen meiner düsteren Vorahnungen tatsächlich stand. Kein Knall, keine fliegenden Kleider, kein letzter modischer Gruß an Santorini.

    Dafür meldete sich die Waage: Übergewicht.
    Die fällige Gebühr lag ungefähr in jener Größenordnung, für die man problemlos noch ein oder zwei neue Kleider hätte kaufen können. Ein Umstand, der meine persönliche Theorie über die Ursache des zusätzlichen Gewichts durchaus stützte.

    Die Dame widersprach entschieden. Die paar Kleider würden schließlich fast nichts wiegen. Ihrer deutlich plausibleren These zufolge hatte sich vermutlich der Kater unbemerkt in den Koffer geschlichen und die zusätzlichen Kilos verursacht.

    Möglicherweise sogar gemeinsam mit dem Mautesel.

    Ich wagte es nicht, den Koffer zur Wahrheitsprüfung noch einmal zu öffnen. Manche Dinge sollte man nicht hinterfragen, solange der Reißverschluss hält.

    Also bezahlten wir die Gebühr und ließen die Theorie einfach in der Abflughalle stehen.
    Neben dem Kater.
    Und eventuell einem Esel.
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