• Goldstatus trifft Holzklasse

    August 5 in Germany ⋅ ☀️ 31 °C

    Die Anreise zum Flughafen verlief erstaunlich angenehm: freie Straßen, kein Stau und damit zunächst keinerlei Stoff für dramatische Reiseprosa. Unser Auto bekam in Flughafennähe einen sicheren Schattenplatz, während wir die letzten Kilometer ganz entspannt dem Shuttlebus überließen. So beginnt also Urlaub: mit Auslagern von Verantwortung.

    An der Sicherheitskontrolle zeigte sich dann, dass selbst modernste Technik den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann. Unser Handgepäck wurde aussortiert, vermutlich weil man sich vor der Abreise noch einmal ganz in Ruhe von ihm verabschieden wollte. Eine freundliche, aber ausgesprochen neugierige Dame öffnete den Koffer und förderte einen schweren Metallklotz zutage.

    „Was ist das?“

    „Ein Fahrradschloss.“

    Es folgte die durchaus berechtigte Frage, warum das Fahrradschloss ohne Fahrrad verreise. Gute Frage. Die Überwachungskamera im selben Koffer war schließlich ebenfalls ohne das dazugehörige Haus unterwegs. Manche Dinge müssen eben erst einmal allein in die Welt hinaus, bevor sie ihre eigentliche Bestimmung erfüllen.

    Da bis zum Abflug noch ausreichend Zeit blieb, wollten wir meinem Star-Alliance-Goldstatus Gelegenheit geben, ein wenig zu glänzen. Schließlich hatten wir bei Lufthansa gebucht und entsprechend optimistisch Kurs auf die Lounge genommen.
    Dort endete der Glanz jedoch abrupt an einer verschlossenen Tür.

    Denn wir fliegen zwar auf einem Lufthansa-Ticket, aber mit Discover Airlines. Und Discover verfolgt offenbar ein ebenso einfaches wie faszinierendes Konzept: Billigflieger-Leistung zum Premiumpreis – ergänzt um das Gefühl, als treuer Kunde selbst schuld zu sein.

    Goldstatus? Sehr hübsch.

    Lufthansa-Buchung? Wie reizend.

    Loungezugang? Nun wollen wir mal nicht übermütig werden.

    So standen wir vor der Lounge wie zwei Kinder vor einem verschlossenen Süßwarenladen und durften darüber nachdenken, dass ich künftig auch gleich mit der billigeren Konkurrenz fliegen könnte. Dort erwartet man wenigstens nicht, dass sich Verzicht wie Wertschätzung anfühlt.

    Die wirkliche Premiumklasse wartete ohnehin zu Hause: das Wolfsmobil. Mit eigener Küche, Kühlschrank, Bett, Loungezugang ohne Zugangskontrolle und Beinfreiheit bis zum nächsten Stellplatz.

    Und nach Mallorca hat es uns bereits einmal ausgesprochen angenehm gebracht. Nach der heutigen Erfahrung wird diese Variante künftig bei der Reiseplanung nicht mehr nur romantisch belächelt, sondern sehr ernsthaft geprüft. Manchmal hat Premium eben vier Räder, ein Bett im Heck und keine verschlossene Lounge.
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