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Reif für die Insel

Bevor es eine Woche lang rund um Mallorca übers Wasser geht, nehmen wir schon einmal die Insel in Besitz – zumindest die Casa Ramona. Zwischen Homeoffice, Selbstversorgung und Poolpausen wird unser Rückzugsort zum entspannten Vorposten des Törns. Baca lagi
  • Permulaan perjalanan
    5 Ogos 2026

    Goldstatus trifft Holzklasse

    5 Ogos, Jerman ⋅ ☀️ 31 °C

    Die Anreise zum Flughafen verlief erstaunlich angenehm: freie Straßen, kein Stau und damit zunächst keinerlei Stoff für dramatische Reiseprosa. Unser Auto bekam in Flughafennähe einen sicheren Schattenplatz, während wir die letzten Kilometer ganz entspannt dem Shuttlebus überließen. So beginnt also Urlaub: mit Auslagern von Verantwortung.

    An der Sicherheitskontrolle zeigte sich dann, dass selbst modernste Technik den persönlichen Kontakt nicht ersetzen kann. Unser Handgepäck wurde aussortiert, vermutlich weil man sich vor der Abreise noch einmal ganz in Ruhe von ihm verabschieden wollte. Eine freundliche, aber ausgesprochen neugierige Dame öffnete den Koffer und förderte einen schweren Metallklotz zutage.

    „Was ist das?“

    „Ein Fahrradschloss.“

    Es folgte die durchaus berechtigte Frage, warum das Fahrradschloss ohne Fahrrad verreise. Gute Frage. Die Überwachungskamera im selben Koffer war schließlich ebenfalls ohne das dazugehörige Haus unterwegs. Manche Dinge müssen eben erst einmal allein in die Welt hinaus, bevor sie ihre eigentliche Bestimmung erfüllen.

    Da bis zum Abflug noch ausreichend Zeit blieb, wollten wir meinem Star-Alliance-Goldstatus Gelegenheit geben, ein wenig zu glänzen. Schließlich hatten wir bei Lufthansa gebucht und entsprechend optimistisch Kurs auf die Lounge genommen.
    Dort endete der Glanz jedoch abrupt an einer verschlossenen Tür.

    Denn wir fliegen zwar auf einem Lufthansa-Ticket, aber mit Discover Airlines. Und Discover verfolgt offenbar ein ebenso einfaches wie faszinierendes Konzept: Billigflieger-Leistung zum Premiumpreis – ergänzt um das Gefühl, als treuer Kunde selbst schuld zu sein.

    Goldstatus? Sehr hübsch.

    Lufthansa-Buchung? Wie reizend.

    Loungezugang? Nun wollen wir mal nicht übermütig werden.

    So standen wir vor der Lounge wie zwei Kinder vor einem verschlossenen Süßwarenladen und durften darüber nachdenken, dass ich künftig auch gleich mit der billigeren Konkurrenz fliegen könnte. Dort erwartet man wenigstens nicht, dass sich Verzicht wie Wertschätzung anfühlt.

    Die wirkliche Premiumklasse wartete ohnehin zu Hause: das Wolfsmobil. Mit eigener Küche, Kühlschrank, Bett, Loungezugang ohne Zugangskontrolle und Beinfreiheit bis zum nächsten Stellplatz.

    Und nach Mallorca hat es uns bereits einmal ausgesprochen angenehm gebracht. Nach der heutigen Erfahrung wird diese Variante künftig bei der Reiseplanung nicht mehr nur romantisch belächelt, sondern sehr ernsthaft geprüft. Manchmal hat Premium eben vier Räder, ein Bett im Heck und keine verschlossene Lounge.
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  • Service über den Wolken – Wasser inklusive

    5 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 33 °C

    Der Flug begann in einer ausgemusterten Lufthansa-Maschine, die man für ihr zweites Leben kurzerhand mit etwas Discover-Babyblau überklebt hatte. Aus Alt mach Neu – oder zumindest: aus Lufthansa mach Urlaubsairline.

    Am Gate entstand beim Boarding das übliche Gedränge. Offenbar ging die Sorge um, dass die Letzten zurückbleiben und bis zum nächsten Mallorca-Flug am Flughafen ausgesetzt würden. Danach folgte zunächst eine kleine Busreise über das Vorfeld, ehe sich an der Maschine ein unkoordiniert fröhliches Gewimmel entwickelte. Menschen, Trolleys und Platznummern suchten gleichzeitig zueinander. Routiniert steuerte ich unsere preisgünstigen Sitzplätze an und verstaute die Trolleys in der Ablage über uns. Anschließend versuchte ich, es mir in dem für mich vorgesehenen Raum bequem zu machen. Die Beinfreiheit dürfte für einen Zwergdackel ausreichend sein – sofern er nicht zu den langbeinigen Exemplaren gehört.

    Wie so oft, wenn ich eng eingepresst sitze und die geschlossenen Kabinentüren den gefühlten Sauerstoffgehalt in Rekordzeit auf ein Minimum reduzieren, glitt ich langsam ins Reich der Träume. Die Durchsage des Kapitäns nahm ich zunächst nur am Rande wahr.
    Dann wurde ich plötzlich hellhörig.
    Hatte er gerade wirklich gesagt:
    „Genießen Sie unseren Service an Bord“?
    Was hatte ich übersehen? Gab es irgendwo ein Buffet? Eine Bar? Sitzkissen? Fußbäder? Oder wenigstens eine Massage zur Vorbeugung gegen Thrombosen?
    Nichts dergleichen.
    Der Begriff „Service“ wird hier offenbar eher weit ausgelegt. Er bezeichnet die Fähigkeit, möglichst viele Menschen auf möglichst wenig Raum über eine möglichst große Entfernung zu transportieren. Die kulinarische Köstlichkeit bestand aus Tafelwasser im Plastikbecher. Das ging immerhin großzügig aufs Haus. Für alles andere durfte man zahlen.
    Zumindest hinten.
    Vorne hatte man den Inhalt der Speisekarte vermutlich bereits mit dem Ticketpreis vorfinanziert.

    Erstaunlicherweise fehlte an diesem Mittwoch eine sonst sehr typische Gruppe von Mallorcareisenden: Sport-, Kegel- und sonstige Vereine mit nur einem Ziel – dem Ballermann. Schade eigentlich. Sie hätten wenigstens für musikalische Unterhaltung gesorgt und dem Begriff „Bordprogramm“ eine völlig neue Bedeutung verliehen.

    Beim Landeanflug wurden wir dann doch noch ordentlich durchgeschüttelt. Die Mondwölfin reagierte instinktiv und fuhr ihre Krallen aus.

    In meinen Oberschenkel.

    Dabei bestand keinerlei Gefahr. Aus diesen Sitzen kann unmöglich jemand herausfallen. Dafür sitzt man schlicht zu fest verkeilt.

    Doch irgendwann setzte die Maschine tatsächlich auf mallorquinischem Boden auf. Wir waren da.

    Unser Mietwagen wurde uns beinahe wie bei einem Limousinenservice direkt ans Terminal gebracht. Der Kontrast hätte kaum größer sein können: Während Lufthansa und Discover uns zuvor eindrucksvoll gezeigt hatten, wie sparsam man mit dem Begriff Kundenservice umgehen kann, demonstrierte Autos Cano das genaue Gegenteil. Als Stammkunde stand der Mietwagen bereits vorgekühlt am Terminal bereit – unkompliziert, aufmerksam und mit dem Gefühl, tatsächlich willkommen zu sein. Manchmal braucht guter Service eben keine großen Versprechen. Nur Menschen, die verstehen, worauf es ankommt.

    Wir mussten nur noch in der angenehm gekühlten Karosse Platz nehmen und Richtung Casa Ramona starten.
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  • Ankommen nach Hausart

    5 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 30 °C

    Wir kamen an, verstauten die Lebensmittel im Kühlschrank, packten die Koffer aus und arbeiteten uns langsam von „angereist“ zu „wirklich angekommen“ vor.

    Dafür gibt es in der Casa Ramona ein festes Ritual: Nach der Ankunft trinken wir einen Sekt.

    Im Pool.

    Unabhängig von Wetter, Jahreszeit und der Frage, ob das Wasser gerade zum Baden oder eher zur kontrollierten Schocktherapie einlädt.
    Im Winter gleicht dieses Ritual mitunter einer Mutprobe. Dann braucht es Entschlossenheit, Überzeugungskraft und gelegentlich einen kurzen inneren Abschied vom bisherigen Leben. Diesmal war die Lage deutlich entspannter: Das Wasser war gefühlt sogar wärmer als die Luft.

    Und die Luft war warm.

    Sehr warm.

    Badeenten hätten jetzt ziemlich genau ihre Kerntemperatur erreicht.
    Also stiegen wir ins Becken, ließen uns vom Wasser umarmen und hoben die Gläser. Der Sekt war trocken und kühl, das Wasser immerhin zuverlässig nass und der Alltag plötzlich sehr weit weg.

    Und wie bei jeder Ankunft in der Casa Ramona war auch die Erinnerung an Ramona dabei. Nicht traurig und laut, sondern still und selbstverständlich – wie ein Teil dieses Ortes, der uns willkommen heißt.

    Jetzt waren wir wirklich angekommen. Nicht nur auf Mallorca, sondern in diesem besonderen Zustand zwischen Poolrand, Urlaubsgefühl und der leisen Erkenntnis, dass selbst Homeoffice in den nächsten Tagen erstaunlich erträglich werden könnte.
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  • Casa Ramona – derzeit auch Vogelresort

    5 Ogos, Sepanyol ⋅ 🌙 29 °C

    Die anhaltende tropische Hitze hatte selbst der sonst recht robusten Flora und Fauna rund um die Casa Ramona zugesetzt. Zahlreiche Pflanzen hatten vorsorglich unnötigen Ballast in Form von Blättern abgeworfen. Der Laubsauger wird den Nachbarn in den nächsten Tagen daher unmissverständlich verkünden: Wir sind wieder da.

    Während unserer Abwesenheit hatte außerdem eine gefiederte Großfamilie eine unserer Palmen in Besitz genommen. Möglicherweise handelte es sich auch nur um einen besonders geschäftstüchtigen Vogel, der kurzerhand und ohne Rücksprache einen Ferienclub für Federvieh eröffnet hatte.

    Grundsätzlich hätten wir dagegen nicht einmal etwas einzuwenden. Ein wenig Leben im Garten gehört schließlich dazu. Bedauerlicherweise sah der Businessplan offenbar weder Endreinigung noch Abfallentsorgung vor. Ihre Hinterlassenschaften waren deutlich sichtbar. Nun wird der Kärcher wohl den Hausmeisterservice übernehmen müssen. Auch in der Vogelbranche scheint man beim Thema Nachhaltigkeit gern zuerst an andere zu denken.
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  • Schlafplatz mit Sternenblick

    6 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 25 °C

    Während sich die Mondwölfin für die Nacht in ihre klimatisierte Wolfshöhle zurückzog, deren Temperatur vermutlich selbst Eisbären und Pinguine als angenehm frisch bezeichnet hätten, zog es mich nach oben. Auf die Dachterrasse.

    Dorthin, wo kein Klimagerät summt, der Blick frei ist und der Mond noch persönlich vorbeischaut. Über mir spannte sich der mallorquinische Sternenhimmel, weit, klar und so schön sichtbar, dass selbst Schlaf plötzlich nur noch zweitrangig wirkte.

    Am Morgen übernahm dann die Natur den Weckdienst. Zuerst die Dämmerung, kurz darauf unsere neuen gefiederten Untermieter und schließlich ein Hahn aus der Nachbarschaft, der offenbar weder Gleitzeit noch Wochenendregelung kennt.

    Wenig später zeigte sich die aufgehende Sonne von ihrer besten Seite. Ich saß auf der Dachterrasse, hob meinen Latte macchiato zum Gruß und dachte:

    So starten Tage im Paradies.

    Mit Vogelkonzert, Hahnenschrei, warmem Licht und der beruhigenden Gewissheit, dass der erste Termin des Tages noch ein paar Stufen tiefer im Homeoffice auf mich wartete.
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  • Arbeiten, wo andere Urlaub machen

    6 Ogos, Sepanyol ⋅ ⛅ 31 °C

    Während draußen die Temperaturen auf rekordverdächtige Werte klettern und selbst sonnenhungrige Touristen beginnen, leise über zu viel Sonne zu klagen, sitzen wir im angenehm klimatisierten Homeoffice.

    Schließlich sind wir nicht zum Vergnügen hier. Noch nicht.

    Wie der Kanzler es wünscht, arbeiten wir. Ob mehr oder weniger, entscheidet zum Glück nicht er, sondern weiterhin der Terminkalender, die Aufgabenlage und gelegentlich auch die persönliche Bereitschaft, nach einer Poolpause wieder an den Schreibtisch zurückzukehren.

    Und genau darin liegt für mich ein Stück Freiheit, für das ich sehr dankbar bin.

    Ich beantworte Mails, plane Termine und Projekte, telefoniere mit Kollegen und Kunden und erledige all die Dinge, die auch zu Hause auf meinem Bildschirm liegen würden. Nur der Blick aus dem Fenster ist freundlicher und die Pausenregelung deutlich mediterraner.

    Denn während andere in der Kaffeeküche stehen, gehen wir in den Garten. Oder direkt in den Pool.

    Danach zurück an den Schreibtisch, frisch gekühlt, geistig sortiert und mit dem beruhigenden Gefühl, dass Arbeit und Lebensfreude sich nicht zwangsläufig gegenseitig aus dem Kalender streichen müssen.

    So kann Homeoffice bleiben.
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  • Feierabend im Paradies

    6 Ogos, Sepanyol ⋅ ☁️ 32 °C

    Die Arbeit ist getan. Zumindest für heute.

    Der Tag neigt sich langsam dem Ende entgegen, und über der Casa Ramona senkt sich die Sonne in jenem goldenen Licht, das selbst einen ganz gewöhnlichen Donnerstag aussehen lässt, als hätte ihn jemand für einen Reisekatalog inszeniert.

    Inzwischen sind auch die Temperaturen in einem Bereich angekommen, den selbst die Mondwölfin ohne Flucht in die klimatisierte Wolfshöhle akzeptiert. Der Pool erfrischt, das kühle Getränk am Beckenrand ebenfalls, und wir lassen den Tag langsam auslaufen. Unsere gefiederten Untermieter scheinen es ähnlich zu halten. Entweder genießen sie ebenfalls ihren Feierabend oder sie sind von ihrem Tagesausflug noch nicht zurück. Vermutlich ohne jede Absicht, sich an den Betriebskosten zu beteiligen.

    Für uns war es im Grunde ein ganz normaler Arbeitstag im Homeoffice. Mails, Termine, Gespräche, Projekte. Nur eben anders.
    Mit Pool statt Pausenraum, Sonnenuntergang statt Berufsverkehr und einem Feierabend, der sich tatsächlich nach Feierabend anfühlt.
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  • Videocall mit Meerblick

    7 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 26 °C

    Der Sonnenwecker funktionierte auch heute Morgen wieder zuverlässig. Kein Klingeln, kein Snooze-Button – einfach Licht. Viel Licht. Mallorca kann bei Terminerinnerungen erstaunlich konsequent sein.

    Also zog ich mich an und machte mich auf den Weg zur Cala Romantica, unserer Bucht ganz in der Nähe. Statt mich unten an den Strand zu setzen, kletterte ich auf die Felsen der Steilküste. Von dort oben öffnete sich der Blick über die Bucht, den Strand und das Meer – und gleichzeitig diese herrliche Ruhe, die man morgens noch fast für sich allein hat.

    Ein ziemlich guter Ort für den Start in den Tag. Und, wie sich herausstellte, auch für meinen ersten frühen Videocall. Dank virtueller Hintergrundtechnik konnte ich dabei selbst entscheiden, wie viel Mallorca ich preisgebe. Die anderen Teilnehmer durften also wahlweise glauben, ich säße brav in einem Büro – oder sie konnten an meinem echten Hintergrund teilhaben, der mit Meer, Felsen und Morgenlicht deutlich überzeugender dekoriert war als jede Teams-Vorlage.

    Der Austausch war gut, konstruktiv und angenehm konzentriert. Und während sich die wichtigen Dinge auf dem kleinen Monitor abspielten, lag direkt daneben die große Leinwand: Meer, Himmel und Cala Romantica.

    Es gibt schlechtere Konferenzräume.
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  • Poolparty der gefiederten Hausbesetzer

    7 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 30 °C

    Während wir im klimatisierten Homeoffice brav unserer Arbeit nachgehen, hat die Vogelbrut längst auf Urlaubsmodus umgestellt.

    Bereits vor dem Frühstück waren sämtliche Liegen reserviert. Nicht mit Handtüchern – das wäre zu gewöhnlich – sondern offenbar mit einer deutlich persönlicheren Form der Markierung. Die Botschaft war eindeutig: besetzt.

    Inzwischen haben die gefiederten Gäste auch den Pool übernommen. Dabei springen sie nicht etwa vom Beckenrand wie zivilisierte Badegäste, sondern kommen im Sturzflug angeflogen, ziehen kurz vor dem Aufprall noch einmal elegant das Ruder hoch und setzen dann zur Wasserlandung an. Man muss ihnen lassen: stilistisch deutlich beeindruckender als jede deutsche Freibad-Arschbombe.

    Wir lassen sie gewähren. Zumindest bis zur nächsten Pause. Dann wird sich zeigen, ob der Pool weiterhin ihnen gehört – oder ob die eigentlichen Eigentümer ihre Nutzungsrechte doch noch durchsetzen.
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  • Der Zen-Meister an der Hauswand

    7 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 32 °C

    Während unsere gefiederten Mitbewohner ständig in Bewegung sind, sich lautstark austauschen und den Garten behandeln, als hätten sie einen Animationsvertrag unterschrieben, verfolgt ein anderer Gast ein deutlich entspannteres Lebenskonzept.

    Der Gecko lehnt an der Hauswand. Und wartet.
    Seine Strategie ist bestechend einfach: Warum dem Essen hinterherlaufen, wenn man sich an einen guten Platz setzen kann und darauf vertraut, dass es irgendwann selbst vorbeifliegt? Gerade an warmen Hauswänden und in der Nähe von Lichtquellen finden Geckos reichlich Insekten – eine Art mediterraner Lieferservice ohne App.

    Auf Mallorca begegnet man häufig dem Mauergecko (Tarentola mauritanica). Tagsüber versteckt er sich gern in Spalten und unter Steinen, in der Dämmerung und nachts wird er aktiver. Dank seiner speziell aufgebauten Zehen kann er erstaunlich sicher an Wänden und sogar glatten Flächen entlangklettern.

    Und dabei strahlt er eine Gelassenheit aus, die fast schon philosophisch wirkt.
    Während um ihn herum geflogen, gezwitschert, gearbeitet, telefoniert und geplanscht wird, bleibt er einfach sitzen. Erst wenn wirkliche Gefahr droht, ist Schluss mit Zen.

    Dann kann ein Gecko im Notfall sogar seinen Schwanz abwerfen. Der bewegt sich noch eine Weile weiter und soll den Angreifer ablenken, während sein Besitzer das Weite sucht. Später wächst ein neuer Schwanz nach – meist etwas anders als das Original.

    Eine ziemlich radikale Form von Prioritätensetzung:
    Wenn es ernst wird, lieber Ballast abwerfen als sich fressen lassen. Vielleicht ist unser stiller Hausgast damit nicht nur Schädlingsbekämpfer, sondern auch Coach.

    Ruhe bewahren.
    Auf den richtigen Moment warten.
    Und nur im absoluten Notfall Dinge hinter sich lassen.

    Bis dahin sitzt er einfach an unserer Wand und wartet darauf, dass das Abendessen vorbeikommt.
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  • Feierabend. Wochenende. Urlaub.

    7 Ogos, Sepanyol ⋅ ☀️ 30 °C

    Eine arbeits- und erlebnisreiche Woche liegt hinter uns. Jetzt ist endlich Feierabend.
    Wochenende.
    Urlaub.

    Also tun wir das, was Menschen kurz vor einem Segeltörn vernünftigerweise tun: Wir fahren nach Cala Rajada und kaufen all die Dinge, von denen uns erst jetzt auffällt, dass sie irgendwie noch fehlen.
    Neben eher profanen Notwendigkeiten wie Zahnbürste und Badetuch stehen auch Shirts und Kleider auf der Wunschliste. Während ich bei Kleidung erstaunlich schnell fündig werde, kann die Mondwölfin der opulenten Warenauslage in den zahlreichen Boutiquen nur begrenzt Begeisterung abgewinnen.
    Trotzdem gelingt uns am Ende das kleine Wunder, mit einer durchaus respektablen Anzahl Einkaufstüten durch Cala Rajada zu laufen.

    Shopping macht hungrig.
    Also lassen wir uns im Tiki Beach direkt an der Uferpromenade zum Abendessen nieder. Ich entscheide mich für eine Poke Bowl – gesund, lecker und mit dem beruhigenden Gefühl, gerade etwas ausgesprochen Vernünftiges zu tun.
    Die Mondwölfin hingegen überkommt die Fleischeslust.
    Vielleicht war es der Frust über die wenig ergiebige Kleiderjagd. Vielleicht verlangte ihr Körper einfach nach einem klaren Gegenentwurf zu Boutiquen, Stoffen und Größenetiketten.
    Jedenfalls musste jetzt ein Burger auf den Teller.

    Halbroh.

    Und er hatte keine Chance.
    Satt, zufrieden und mit einem halb gefüllten Kofferraum machten wir uns anschließend zurück auf den Weg zur Casa Ramona. Dort wartete die letzte Aufgabe dieser kleinen Vorreise auf uns: Taschen packen.

    Denn morgen beginnt der eigentliche Törn.

    Und damit endet dieser Prolog genau da, wo eine gute Geschichte enden sollte: unmittelbar vor dem nächsten Kapitel.
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  • Fazit

    7 Ogos, Sepanyol ⋅ 🌙 28 °C

    Drei Tage Mallorca vor dem Törn bedeuteten diesmal nicht einfach Urlaub. Es war eine wunderbar merkwürdige Mischung aus Arbeit und Auszeit, Videocalls und Meerblick, Klimaanlage und Poolpause, Vogelbesetzung, Gecko-Gelassenheit, Sonnenaufgängen und kleinen Alltagsmomenten.

    Wir haben gearbeitet. Wir haben genossen. Wir haben die Casa Ramona wieder in Besitz genommen – wobei über die Besitzverhältnisse im Garten mit der örtlichen Vogelwelt noch abschließend zu verhandeln sein wird.

    Vor allem aber sind wir angekommen.
    Nicht hektisch, nicht mit einem harten Schnitt zwischen Arbeit und Urlaub, sondern Schritt für Schritt. Der Alltag wurde mit jedem Sprung in den Pool, jedem Blick aufs Meer und jedem Abend unter mallorquinischem Himmel ein Stück leiser.

    Jetzt sind die Rechner aus.
    Die Taschen gepackt.
    Und morgen tauschen wir festen Boden gegen schwankende Planken.
    Aber das ist dann eine andere Geschichte.
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    Tamat perjalanan
    7 Ogos 2026