• Hafenruhe mit Nachtprogramm

    August 10 in Spain ⋅ 🌙 27 °C

    Ein Liegeplatz im Hafen hat einen großen Vorteil: Das Boot schwankt kaum.

    Unser Platz lag ganz am Ende des Hafens, gut geschützt, fast ohne Wellenbewegung und mit nur wenig Wind. Nach dem Tag auf See war das genau das, was Körper und Magen bestellt hatten.

    Akustisch war die Lage allerdings weniger abgeschieden.

    Direkt an unserem Liegeplatz führte die Hafenstraße vorbei. Und dort zeigte sich, dass Cala d’Or offenbar auch nachts nicht vollständig in den Ruhemodus wechselt. Stimmen zogen vorbei, Schritte, Gelächter, Gesprächsfetzen – erst spät, dann sehr spät und schließlich schon wieder erstaunlich früh.

    Der nächtliche Höhepunkt war eine grölende Boygroup, die mit bemerkenswerter Lautstärke bewies, dass musikalisches Selbstvertrauen und musikalisches Talent zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.

    Kurz darauf folgten zwei junge Damen, die ebenfalls sehr lautstark unterwegs waren – und dabei keinen Zweifel daran ließen, dass ihre Gedanken in dieser Nacht eher weniger von Navigation, Wetterbericht oder Segeltrimm bestimmt wurden.

    So schliefen die meisten Crewmitglieder in den Kabinen, während der Wanderwolf auf Deck nächtigte und das Boot vollkommen ruhig unter ihm lag und das Nachtleben an Land zuverlässig für Bewegung sorgte.

    Man kann eben nicht alles haben.

    Aber nach dem Geschaukel des Tages war uns eine laute Hafenstraße immer noch lieber als eine stille Welle.
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