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Rund ums Paradies – Kurs auf die totale Finsternis

Ein Segeltörn rund um Mallorca, zwischen türkisblauen Buchten, warmem Wind und großen Horizonten. Höhepunkt: die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026 – wenn über dem Meer für einen magischen Moment die Nacht den Tag berührt. Leggi altro
  • Inizio del viaggio
    8 agosto 2026

    Willkommen auf der Fopadech

    8 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 32 °C

    Heute beginnt die eigentliche Geschichte: unser Segeltörn rund um Mallorca.

    Drei Paare. Eine Woche. Ein Segelboot. Einmal um die Insel herum – und als kosmischer Höhepunkt die totale Sonnenfinsternis. Man könnte sagen: Die Rahmenbedingungen für ein kleines Abenteuer sind ganz ordentlich.

    Mit an Bord dieser Reise:

    Wanderwolf & Mondwölfin – also Thorsten und Jana, unterwegs zwischen Neugier, Fernweh und der gelegentlichen Frage, was wohl hinter der nächsten Kurve wartet.

    Dazu Roland als unser Skipper & Gaby sowie Bernd & Claudia – gemeinsam sechs Menschen, sechs Persönlichkeiten und vermutlich mindestens ebenso viele Vorstellungen davon, was eine gute Reise ausmacht.

    Für ein paar Tage teilen wir Wege, Erlebnisse, Geschichten, Essen, Getränke und hoffentlich jede Menge Momente, an die wir uns noch lange erinnern werden.

    Für die letzten Vorbereitungen, bevor es dann an Bord geht, teilten wir uns auf. Während Bernd und die Damen zunächst einen nahegelegenen Supermarkt plünderten, um unsere Vorräte für die kommenden Tage sicherzustellen, warteten Roland und ich darauf, endlich unser schwimmendes Zuhause übernehmen zu dürfen.

    Die Fopadech.

    Schon beim Namen stellte sich natürlich die Frage: Was um alles in der Welt bedeutet eigentlich Fopadech?

    Unser Skipper hatte darauf selbstverständlich eine Antwort.
    Der Name stamme aus dem wallonisch-seemännischen Sprachgebrauch des 17. Jahrhunderts. Ursprünglich habe es fou-passe-dèche geheißen – „der Narr, der über das Leck geht“.

    Gemeint sei damit der jüngste Mann an Bord gewesen, dem man bei einer undichten Schiffswand die ehrenvolle Aufgabe übertrug, den Rumpf von außen abzudichten.
    An einem Tau hängend.
    Kopfüber.
    Während das Schiff weiterfuhr.
    Wer dieses Verfahren dreimal überlebte, durfte sich fortan Fopadech nennen – ein Mensch also, der eine eigentlich unmögliche Aufgabe mit einer bemerkenswerten Mischung aus Unerschrockenheit und fehlendem Selbsterhaltungstrieb erledigt.

    Später, so die Geschichte weiter, sei der Begriff in die Häfen der Bretagne gelangt und habe dort seinen spöttischen Charakter verloren. Ein Fopadech sei schließlich einfach derjenige gewesen, den man ruft, wenn alle anderen längst aufgegeben haben.

    Eine großartige Geschichte.
    Dumm nur, dass davon kein einziges Wort stimmt.
    Unser Skipper hatte uns schlicht erstklassiges Seemannsgarn aufgetischt. Aber es war so schön gesponnen, dass wir beschlossen, es nicht mit unnötigen Fakten zu beschädigen.

    Und ganz ehrlich: Für ein Boot, das sechs Menschen eine Woche lang um Mallorca tragen soll, passt der Name eigentlich hervorragend.
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  • Alles an Bord – hoffentlich auch genug Wasserlinie

    8 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 34 °C

    Dann war es soweit: Wir durften die Fopadech übernehmen.

    Bevor wir jedoch auch nur daran denken konnten, die Leinen loszuwerfen, standen noch einige dieser wichtigen Aufgaben an, die an Land banal wirken und auf einem Segelboot plötzlich strategische Bedeutung bekommen.

    Die erste Entscheidung war schnell getroffen: Wer schläft in welcher Kabine?

    Danach begann das große Einräumen.

    Gepäck, Lebensmittel, Getränke und all die Dinge, von denen man vorher überzeugt ist, dass man sie unbedingt eine Woche lang braucht, mussten an Bord. Die zuvor eingekauften Vorräte wirkten auf den ersten Blick so, als könnten wir bei sparsamer Verwendung durchaus auch eine Atlantiküberquerung bewältigen.

    Zumindest beim Alkohol.

    Als schließlich alles an Bord war, lag die Fopadech zu unserer Erleichterung immer noch mit ausreichend Wasserlinie im Hafen. Ein gutes Zeichen.

    Beim Einräumen der Kabinen zeigte sich dann recht schnell, wer nach dem Motto „weniger ist mehr“ gepackt hatte – und wer eher davon ausgegangen war, dass sich an Bord irgendwo noch ein begehbarer Kleiderschrank verstecken müsse.

    Die einen hatten nach dem Auspacken noch Platz im Schrank. Die anderen hätten gern einen zusätzlichen Schrank bestellt.

    Also wurde improvisiert. Ablagen, Fächer, Taschen, Nischen und geheimnisvolle Stauräume im Boden wurden gefüllt, bis jedes Teil irgendwo seinen Platz gefunden hatte. Oder zumindest einen Ort, an dem wir später danach suchen konnten.

    Ganz zum Schluss fiel uns dann noch der Wein ein. Den hätten wir beinahe am Hafen vergessen. Man stelle sich diese Katastrophe einmal vor. Also kam auch der letzte wichtige Teil der Ladung an Bord.

    Damit war alles verstaut, irgendwie jedenfalls. Das Boot lag noch immer erstaunlich hoch genug im Wasser – und mit dem Wein als letzter Fracht war endgültig klar:

    Jetzt kann die Reise beginnen.
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  • Leinen los – und Muskelkraft an

    8 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 34 °C

    Nachdem wir eine technische Einweisung erhalten hatten, die in Umfang und Ernsthaftigkeit durchaus an das Abarbeiten einer Checkliste vor dem Start eines Passagierflugzeugs erinnerte, kam endlich der Satz, auf den alle gewartet hatten:

    Leinen los.

    Mit langsamer Fahrt verließen wir den sicheren Hafen von Palma. Vorbei an kleineren Booten, größeren Yachten und ziemlich stattlichen Schiffen schoben wir uns hinaus Richtung offenes Wasser.
    Auch ein Schiff der AIDA-Flotte lag stolz im Hafen und ließ uns bereitwillig passieren.
    Was blieb ihm auch anderes übrig.
    Wir waren ohnehin wendiger.

    Kaum hatten wir die Hafenausfahrt hinter uns, wurde es ernst: Segel setzen.
    Zuerst das Großsegel, danach die Genua.
    Und genau an dieser Stelle stellten wir fest, dass wir das Kleingedruckte im Reiseprospekt vielleicht doch etwas aufmerksamer hätten lesen sollen.
    Denn offenbar handelte es sich hier nicht um die Kategorie Luxustörn mit Sonnendeck, gekühlten Getränken und gelegentlichem Badestopp.
    Hier war Mitarbeit vorgesehen.
    Die Winchen arbeiteten nämlich ganz klassisch nach historischem Antriebskonzept: Muskelkraft.
    Kein Knopf. Kein leises Surren. Kein elektrisches „macht die Technik schon“.

    Kurbeln. Und zwar ordentlich.
    Unser Skipper versuchte zwar, uns das Ganze als kostenloses Fitnessprogramm mit Meerblick zu verkaufen. Die Begeisterung hielt sich dennoch in überschaubaren Grenzen.
    Immerhin zeigte sich der Wind kooperativ. Die Segel standen gut, die Fopadech nahm Fahrt auf und plötzlich war all das Kurbeln vergessen.

    Immerhin ließ uns unser Skipper mit den Tücken der Segelei nicht allein. Geduldig wies er uns Landratten in die Kunst des Segelns ein – ganz ohne stundenlange Theorievorträge, dafür mit umso mehr Praxis. Leinen bedienen, Segel setzen, beobachten, korrigieren. Sein Lehrkonzept war angenehm unkompliziert: einfach mal machen.

    Und erstaunlicherweise funktioniert das auf einem Segelboot ziemlich gut. Man versteht plötzlich sehr schnell, warum welche Leine wohin gehört – spätestens dann, wenn man die falsche in der Hand hält.

    Vor uns lag die mallorquinische Küste, neben uns das tiefblaue Meer und über uns nur Himmel und Segel.
    So glitten wir unserem ersten Ziel entgegen:

    Cabrera. Jetzt waren wir wirklich unterwegs.
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  • Ankommen auf Cabrera

    8 agosto, Spagna ⋅ 🌙 30 °C

    Nach rund fünf Stunden Fahrt – teils unter Segeln, teils mit Unterstützung des Motors – erreichten wir kurz vor Sonnenuntergang Cabrera. Rund 30 Seemeilen lagen hinter uns.

    Die Zeit an Bord nutzte jeder auf seine Weise. Die einen wechselten sich am Ruder ab und hielten Kurs. Andere versanken in einem Buch. Und der Rest tat das, was man auf See hervorragend tun kann, wenn Wind, Wellen und Richtung stimmen: Nichts.

    Einfach auf dem Deck liegen, Sonne tanken und gelegentlich kontrollieren, ob Mallorca noch irgendwo hinter uns liegt.
    In der Bucht holten wir zunächst die Segel ein und suchten uns anschließend eine freie Boje. Ein kurzer Griff, eine Leine, ein bisschen Manöverarbeit – und fertig war unser Liegeplatz für die Nacht.
    Ankommen kann so einfach sein.
    Bevor allerdings irgendjemand auf die Idee kommen konnte, Aufgaben zu verteilen, traf der Wanderwolf eine folgenschwere Entscheidung.
    Die verschwitzten Klamotten mussten weg.
    Also entledigte ich mich ihrer und sprang wenig elegant, dafür mit umso mehr Überzeugung ins Wasser. Technisch betrachtet war es vermutlich keine besonders schöne Sprungfigur. Optisch eher eine solide Arschbombe mit Nachdruck.

    Doch sie hatte Wirkung.Wie bei einer Kettenreaktion dauerte es nur wenige Augenblicke, bis auch der Rest der Crew im Meer war.
    Das Wasser war herrlich erfrischend und mit rund 29 Grad genau richtig temperiert, um den Staub von Palma, den Schweiß des Tages und die letzten Reste von Festlandgefühl abzuspülen.

    Spätestens in diesem Moment war klar:
    Wir waren nicht nur auf Cabrera angekommen. Wir waren im Törn angekommen.
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  • Cabrera – Naturparadies mit dunkler Vergangenheit

    8 agosto, Spagna ⋅ 🌙 30 °C

    Heute wirkt Cabrera wie ein kleines Stück Mittelmeer, das jemand unter eine Glasglocke gestellt hat: kaum Bebauung, geschützte Natur, kristallklares Wasser – und über der Bucht thront die alte Festung, als wolle sie kontrollieren, ob auch wirklich jeder seine Boje ordentlich festmacht.

    Das Castell de Cabrera stammt ursprünglich aus dem 14. Jahrhundert. Es wurde gebaut, um die Insel und damit auch die südliche Zufahrt nach Mallorca gegen Piratenangriffe zu sichern. Wenn die Wächter verdächtige Schiffe entdeckten, warnten sie Mallorca mit Feuersignalen. Der Dienst hier oben galt offenbar als so wenig begehrt, dass er zeitweise als besonders harte Strafe angesehen wurde. Bei dieser Aussicht hätte ich persönlich allerdings schon unangenehmere Dienstorte gesehen.

    Wirklich düster wurde Cabreras Geschichte Anfang des 19. Jahrhunderts. Nach der Niederlage napoleonischer Truppen bei Bailén wurden ab 1809 Tausende französische und mit Frankreich verbündete Soldaten auf die nahezu unbewohnte Insel gebracht. Cabrera wurde damit zu einer Art natürlichem Gefangenenlager – ohne Mauern, denn das Meer übernahm diesen Job ausgesprochen zuverlässig.
    Die Bedingungen waren katastrophal. Nahrung und Versorgung waren knapp, Krankheiten und Hunger gehörten zum Alltag. Rund fünf Jahre dauerte diese Episode; nur etwa 3.600 Gefangene kehrten schließlich nach Hause zurück. Ein Denkmal auf der Insel erinnert heute an sie.

    Später wurde Cabrera militärisch genutzt, bevor das Archipel 1991 zum Maritim-Terrestrischen Nationalpark erklärt wurde. Heute steht nicht mehr die Verteidigung gegen Piraten oder Napoleon im Mittelpunkt, sondern der Schutz einer außergewöhnlich gut erhaltenen mediterranen Landschaft über und unter Wasser.

    Und so sitzen wir nun mit der Fopadech friedlich an unserer Boje, springen ins 29 Grad warme Meer und schauen auf eine Insel, die über Jahrhunderte Wachposten, Piraten, Soldaten und Gefangene erlebt hat.
    Geschichte kann manchmal erstaunlich still aussehen.
    Vor allem bei Sonnenuntergang.
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  • Meuterei knapp verhindert

    8 agosto, Spagna ⋅ 🌙 29 °C

    Nach dem ausgiebigen Badespaß übernahm ein Crewmitglied die Kombüse und begann mit den Vorbereitungen fürs Abendessen.

    Der Wanderwolf wiederum hatte zu Beginn der Reise den Auftrag bekommen, das Entertainment-System der Fopadech einzurichten. Ein folgenschwerer Fehler der Crew, denn wer einmal die Verbindung zum Soundsystem hergestellt hat, besitzt bekanntlich automatisch die Herrschaft über die Playlist.

    Mein erster Versuch, mit alten Seemannsliedern von Freddy Quinn und Hans Albers standesgemäße Stimmung an Bord zu erzeugen, stieß allerdings nur auf verhaltene Begeisterung. Offenbar war die Mannschaft musikalisch noch nicht bereit für große Hafenromantik und salzige Männerstimmen.

    Mehrere Versuche anderer Crewmitglieder, das Soundsystem zu kapern, konnte ich zwar erfolgreich abwehren. Aber selbst der größte Playlist-Diktator sollte wissen, wann es Zeit ist, einen taktischen Rückzug anzutreten.

    Eine Meuterei gleich am ersten Abend wäre schließlich unschön gewesen.
    Vor allem, wenn man selbst als Erster über die Reling gehen soll.
    Also wechselte ich auf deutsche Balladen. Die Zustimmung an Bord stieg schlagartig, die Lage entspannte sich, und das Abendessen konnte ohne weitere revolutionäre Umtriebe stattfinden.

    Auf den Tisch kamen Datteln im Speckmantel und Spaghetti aglio e olio. Reichlich davon. Schließlich mussten hungrige Seebären, Seehunde und auch die beiden Seewölfe versorgt werden.
    Danach ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen. Mit gutem Wein, guten Geschichten und diesem besonderen Gefühl, das entsteht, wenn sechs Menschen auf engem Raum zusammenkommen und der Tag langsam leiser wird.

    Es war bereits nach Mitternacht, als jeder seinen Schlafplatz suchte und schließlich auch fand.
    Die Hälfte der Crew zog sich in die Kabinen zurück. Die andere Hälfte entschied sich fürs Deck. Dazu gehörten die Nachtwölfin und auch ich.
    Ich richtete mir meinen Schlafplatz unter freiem Himmel ein, legte mich zurück und sah nach oben.
    Über uns spannte sich ein Sternenhimmel, wie man ihn nur dort wirklich sieht, wo die Dunkelheit noch dunkel sein darf. Fernab vom Licht der Städte funkelte der Himmel über Cabrera mit einer Klarheit, die fast unwirklich wirkte.

    Irgendwann wurden die Gespräche leiser.
    Dann verstummten sie ganz.
    Und während die Fopadech sanft an ihrer Boje schaukelte, schlief ich unter den Sternen ein.
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  • Nachtwache wider Willen

    9 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 29 °C

    Die Nacht war ruhig.
    Bis ungefähr vier Uhr.
    Dann tauchte ein Segelboot auf, fuhr erst einmal eine kleine Ehrenrunde um uns herum und begann anschließend mit der Suche nach einer freien Boje.
    Nachts.

    Unter lautstarken Kommandos der Crew, die problemlos sämtliche umliegenden Boote hätten mitbefolgen können – sofern deren Besatzungen nicht gerade die völlig abwegige Idee verfolgt hätten, um diese Uhrzeit schlafen zu wollen.
    Als inoffizielle Nachtwache der Fopadech hatte ich von meinem Schlafplatz an Deck den besten Blick auf das Geschehen und beobachtete das nächtliche Manöver eine Weile. Irgendwann war die Boje gefunden, das Boot festgemacht und die akustische Großoperation erfolgreich beendet.
    Die Nachtruhe kehrte zurück.
    Für ungefähr zwei Stunden.

    Mit der Morgendämmerung erwachte die Bucht erneut. Die ersten Fischerboote liefen aus, irgendwo begannen Motoren zu brummen, und selbst ein Patrouillenboot der Guardia Civil war zu dieser frühen Stunde bereits unterwegs.
    Ich blieb noch auf meinem Schlafplatz liegen und schaute dem Morgen beim Werden zu.
    Dann schob sich die Sonne langsam über die Hügel und tauchte die Bucht in dieses weiche, freundliche Licht, das selbst Menschen versöhnlich stimmt, die um vier Uhr morgens unfreiwillig an einem Bojenmanöver teilgenommen haben.
    Damit endete die Nachtwache des Wanderwolfs.
    Und ein neuer Tag auf See begann.
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  • Kreuzen statt geradeaus

    9 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach einem ausgiebigen Frühstück, frisch an Bord zubereitet und natürlich an Deck verspeist, hieß es Abschied nehmen von Cabrera.
    Der Wanderwolf übernahm das Ruder und steuerte die Fopadech aus der Bucht hinaus. Kaum waren wir frei, stellte ich das Boot in den Wind und wir setzten die Segel.
    Dann zeigte sich wieder einmal, dass Segeln mit dem kürzesten Weg nur bedingt etwas zu tun hat.
    Unser Ziel lag nämlich nicht dort, wohin der Wind uns bequem tragen wollte. Also wurde gekreuzt: zunächst im Zickzack-Kurs zurück in Richtung mallorquinische Küste, dann Wende – und wieder hinaus aufs offene Wasser.

    Für Landratten wirkt das zunächst ein wenig so, als hätte der Steuermann die Orientierung verloren. Tatsächlich steckt dahinter schlicht Physik: Ein Segelboot kann nicht direkt gegen den Wind fahren. Stattdessen nähert man sich dem Ziel in mehreren Schräglagen – Kurs für Kurs, Wende für Wende.
    So wurde aus einer eigentlich einfachen Strecke eine kleine maritime Geometrieübung.

    Und ich saß am Ruder, hielt den Kurs und merkte langsam, dass aus „einfach mal machen“ tatsächlich so etwas wie Segeln werden kann
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  • Einparken für Fortgeschrittene

    9 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 32 °C

    Ordentlich durchgeschaukelt und mit teilweise etwas flauem Magen erreichten wir Cala d’Or.

    Unser Liegeplatz lag ganz am Ende des Hafens – also genau dort, wo man sich beim ersten Blick fragt, ob das Boot da wirklich reinpassen soll. Das Anlegen wurde zur kleinen Rangierübung. Die Manövrierfläche war knapp bemessen, eher Parkhaus als Hafenbecken. Also ein Stück vor, ein Stück zurück, Winkel korrigieren, nochmal ansetzen – bis die Fopadech schließlich sauber in ihrer Box lag.

    Dann kamen die inzwischen vertrauten Kommandos:
    Achterleinen raus.
    Am Steg befestigen.
    Mooringleine nehmen.
    Nach vorne zum Bug und dort festmachen.

    Die Fender hingen längst an der Reling und sorgten dafür, dass weder wir noch die Nachbarboote unfreiwillig auf Tuchfühlung gingen. Die Segel waren bereits vor der Hafeneinfahrt geborgen worden.

    Und dann war Ruhe. Unser Skipper hat Boot und Crew wohlbehalten an den Liegeplatz geführt. Das Boot lag sicher im Hafen. Festgezurrt wie ein Auto mit angezogener Handbremse – nur deutlich eleganter und mit besserer Aussicht.

    Für die Fopadech war die Arbeit des Tages getan.

    Und auch unsere Mägen bekamen endlich die Chance, sich wieder daran zu erinnern, dass die Welt normalerweise nicht permanent schwankt.
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  • Essen, Trinken, Schlafen

    9 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 31 °C

    Nachdem sich alle wieder gesammelt, sortiert und halbwegs mit dem eigenen Gleichgewicht versöhnt hatten, machten wir uns auf den Weg zum Restaurant.

    Nun stand ein grundlegendes menschliches Bedürfnis auf dem Programm: Essen.Und zwar ordentlich.

    Nur ein paar hundert Meter vom Boot entfernt – genau die richtige Distanz für eine Crew, die hungrig, müde und von Wind und Wellen ausreichend bearbeitet war. Auf der Außenterrasse des Sa Llotja wartete bereits ein reservierter Tisch auf uns. Wir speisten und tranken fürstlich.

    Danach gab es allerdings keine großen Pläne mehr.
    Kein Absacker.
    Kein nächtlicher Spaziergang.
    Kein kulturelles Rahmenprogramm.

    Wir gingen auf kürzestem Weg zurück zur Fopadech, und jeder suchte sich seinen Schlafplatz.
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  • Hafenruhe mit Nachtprogramm

    10 agosto, Spagna ⋅ 🌙 27 °C

    Ein Liegeplatz im Hafen hat einen großen Vorteil: Das Boot schwankt kaum.

    Unser Platz lag ganz am Ende des Hafens, gut geschützt, fast ohne Wellenbewegung und mit nur wenig Wind. Nach dem Tag auf See war das genau das, was Körper und Magen bestellt hatten.

    Akustisch war die Lage allerdings weniger abgeschieden.

    Direkt an unserem Liegeplatz führte die Hafenstraße vorbei. Und dort zeigte sich, dass Cala d’Or offenbar auch nachts nicht vollständig in den Ruhemodus wechselt. Stimmen zogen vorbei, Schritte, Gelächter, Gesprächsfetzen – erst spät, dann sehr spät und schließlich schon wieder erstaunlich früh.

    Der nächtliche Höhepunkt war eine grölende Boygroup, die mit bemerkenswerter Lautstärke bewies, dass musikalisches Selbstvertrauen und musikalisches Talent zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.

    Kurz darauf folgten zwei junge Damen, die ebenfalls sehr lautstark unterwegs waren – und dabei keinen Zweifel daran ließen, dass ihre Gedanken in dieser Nacht eher weniger von Navigation, Wetterbericht oder Segeltrimm bestimmt wurden.

    So schliefen die meisten Crewmitglieder in den Kabinen, während der Wanderwolf auf Deck nächtigte und das Boot vollkommen ruhig unter ihm lag und das Nachtleben an Land zuverlässig für Bewegung sorgte.

    Man kann eben nicht alles haben.

    Aber nach dem Geschaukel des Tages war uns eine laute Hafenstraße immer noch lieber als eine stille Welle.
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  • Hahnenkampf zum Frühstück

    10 agosto, Spagna ⋅ 🌙 27 °C

    Der Tag begann akustisch.
    Drei offenbar ausgesprochen selbstbewusste Hähne lieferten sich irgendwo im Ort einen verbalen Schlagabtausch, bei dem jeder unbedingt das letzte Wort – oder besser: den letzten Schrei – haben wollte.
    Abwechselnd wurde gekräht, geantwortet und noch lauter nachgelegt. Ein kleiner morgendlicher Wettbewerb um Dominanz, Aufmerksamkeit und vermutlich die Frage, wer hier eigentlich der Chef im Dorf ist.

    Gewonnen hat am Ende niemand.
    Außer vielleicht der Weckdienst.
    Nach und nach kam Bewegung in die Crew. Die Apotheke hatte inzwischen geöffnet, sodass die Mondwölfin endlich ihr Medikament bekam. Parallel dazu nutzte der Rest der Mannschaft die Gelegenheit, die Lebensmittelvorräte im nahegelegenen Supermarkt wieder aufzufüllen.

    Zurück an Bord übernahm Roland die Frühstücksversorgung.
    Es gab Arme Ritter – Brot, in Milch eingeweicht, in Ei gewendet und anschließend gebraten. Genau die richtige Grundlage für einen neuen Tag auf See.
    So saßen wir schließlich wieder gemeinsam an Bord, satt, versorgt und vollständig wach.

    Spätestens jetzt hatten die Hähne ihr Ziel erreicht.
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  • Kurs Nord

    10 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 30 °C

    Zunächst ging es ein Stück hinaus aufs offene Wasser. Dann setzten wir die Segel und nahmen Kurs entlang der Ostküste Mallorcas.

    Die See zeigte sich ähnlich ruppig wie am Vortag. Wind und Wellen hatten offenbar beschlossen, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen – sehr zur Freude derjenigen Mägen, die sich vom gestrigen Tag noch nicht vollständig rehabilitiert hatten. Doch Aufgeben war keine Option. Unser Ziel war schließlich klar: einmal um die Insel. Also arbeiteten wir uns Stück für Stück nach Norden vor.

    Porto Colom zog an uns vorbei, ebenso Cala Varques und Cala Romantica. Später folgten Porto Cristo und Cala Millor. Orte, die man sonst vom Land kennt, wirken vom Wasser aus plötzlich ganz anders. Aus Straßen werden Küstenlinien, aus bekannten Buchten Orientierungspunkte und aus Entfernungen echte Etappen.

    Kurz vor Cala Ratjada gönnte unser Skipper uns noch einen Badestopp. Einmal raus aus dem Geschaukel, rein ins Wellenbad, Körpertemperatur regulieren und den Kreislauf daran erinnern, dass er auch andere Aufgaben hat als Gleichgewicht auszugleichen. Danach ging es weiter Richtung Marina.
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  • Anlegen mit Publikum

    10 agosto, Spagna ⋅ ☁️ 29 °C

    Da wir angemeldet waren, wurden wir in Cala Ratjada bereits erwartet und zu unserem Liegeplatz eingewiesen.

    Der lag allerdings ausgerechnet ziemlich nah am Hafeneingang und damit nur mäßig geschützt vor der hereinlaufenden Welle. Entsprechend anspruchsvoll gestaltete sich das Anlegemanöver. Die Fopadech wollte zwar in ihre Box, das Wasser hatte dazu aber offenbar eine eigene Meinung.

    Zusätzliche Unterstützung kam vom Eigner des Nachbarbootes.

    Oder sagen wir: zusätzliche Kommentare.

    Er stellte sich kurz als "Owner of the Boat" vor und versorgte uns ungefragt mit hilfreichen Hinweisen, wie wir möglichst vermeiden könnten, sein Boot zu berühren. Offenbar traute er unserem Anlegemanöver nur bedingt. Danach zog er mit Familie und Hund von dannen und überließ uns unserem Schicksal.

    Wir legten an. Ohne Fremdschaden.

    Auch mit vier Leinen gesichert schaukelte die Fopadech noch ordentlich weiter. Für den Wanderwolf war damit relativ schnell klar: Diese Nacht verbringe ich nicht an Bord.

    Also begann die Suche nach Alternativen.

    Zunächst teilte sich die Crew auf. Ein Teil machte sich zu Fuß auf den Weg zur nahegelegenen Cala Gat, um dort noch eine Runde zu baden. Die Mondwölfin und der Wanderwolf zog es dagegen erst einmal zu einem Restaurant an der Promenade.

    Dort gab es etwas Kühles zu trinken sowie Brot mit Aioli und Oliven – genau die richtige Kombination, um wieder ein wenig mediterrane Gelassenheit in den Kreislauf zu bekommen.

    Später trafen wir uns alle wieder an der Cala Gat zum gemeinsamen Abendessen. Direkt am Strand lag eine kleine Bar mit überraschend abwechslungsreicher Speisekarte.

    Unser Tisch stand mitten im Sand.

    Die Schuhe konnten Pause machen, das Meer lag direkt vor uns und auf den Tellern landete richtig gutes Essen.

    So endet ein Segeltag eben manchmal nicht mit Sonnenuntergang an Deck, sondern barfuß im Sand.

    Kann man schlechter treffen.
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  • Frühstück vor Anker

    11 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 29 °C

    Wir verließen den Hafen und nahmen weiter Kurs nach Norden.

    Nach gerade einmal zwei Seemeilen legten wir schon wieder einen Zwischenstopp ein und ankerten in einer Bucht, die deutlich weniger Wellengang versprach. Das Versprechen hielt sie immerhin teilweise. Ruhig ist eben relativ – besonders auf einem Segelboot.

    Für die Crew war der Stopp trotzdem genau richtig. Also rein ins Wasser. Klar, angenehm warm und mit rund 29 Grad perfekt temperiert, um wach zu werden und den Kreislauf auf freundlichere Gedanken zu bringen.

    Nach der Erfrischung kam der wichtigere Teil des Morgens: Frühstück.

    Roland stellte sich an den Herd und zauberte Pfannkuchen für die Mannschaft. Die hungrigen Mäuler an Bord nahmen das dankbar an – ebenso wie das frische Brot, das der Wanderwolf noch an Land organisiert hatte.

    So saßen wir schließlich vor Anker, satt, halbwegs ausgeschaukelt und mit Blick aufs Meer.

    Manchmal braucht ein guter Seetag eben keinen großen Plan.

    Nur eine ruhige Bucht, warmes Wasser und genügend Pfannkuchen.
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  • Cap Formentor – endlich mal gnädige See

    11–12 ago, Spagna ⋅ ☀️ 30 °C

    Nach dem Frühstück ging es weiter nach Norden – heute allerdings nicht unter Segeln, sondern mit Motorkraft. Der Wind hielt sich vornehm zurück und war zu schwach, um uns vernünftig voranzubringen. Auch die Wellen zeigten sich erstaunlich zahm.

    Fast so, als hätten sie nach den letzten Tagen beschlossen, uns heute einmal in Ruhe zu lassen.

    Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich das Cap Formentor. Wir passierten die markante Nordspitze Mallorcas und ankerten wenig später in einer Bucht auf der anderen Seite.

    Und dort blieben wir. Unser Platz für den restlichen Tag – und für die Nacht.

    Es gab etwas Leckeres zu essen, ausgiebige Erfrischung im Meer und vor allem etwas, das inzwischen fast kostbarer war als ein guter Liegeplatz:

    Schlaf.

    Nach den kurzen und unruhigen Nächten der vergangenen Tage nutzten wir die Ruhe, um verlorene Stunden nachzuholen. Manche an Deck, manche unter Deck, jeder dort, wo Körper und Kreislauf gerade Frieden fanden.

    So wurde aus einer Etappe ohne große Segelaction genau das, was die Crew brauchte:

    ein ruhiger Nachmittag, warmes Wasser, gutes Essen und endlich einmal Zeit, einfach nichts zu müssen.

    Zum Abendessen übernahm Roland erneut die Kombüse und servierte Pasta mit Thunfisch in einer Paprika-Erbsen-Mayonnaise-Sauce.

    Klingt ungewöhnlich. War aber ausgesprochen lecker. Die Schüssel wurde jedenfalls nahezu vollständig geleert. Für die Fische blieb nur ein kleiner Rest übrig – hoffentlich wissen sie die Kostbarkeiten unserer Bordküche ebenso zu schätzen wie wir.

    Danach dauerte es nicht mehr lange, bis sich die Müdigkeit durchsetzte.

    Claudia und ich bezogen unsere Schlafplätze an Deck, während der Rest der Crew nach unten in die Kabinen verschwand.

    Damit wurde es langsam still auf der Fopadech.

    Ein voller Magen, eine ruhige Bucht und endlich einmal Aussicht auf eine Nacht, in der nicht Hafenlärm, Regen oder Wellen das Kommando übernehmen sollten.

    Mehr Luxus braucht es auf See manchmal gar nicht.
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  • Vom Winde verweht

    12 agosto, Spagna ⋅ 🌙 28 °C

    Das Meer zeigte sich in dieser Nacht erfreulich friedlich. Kein nennenswertes Schaukeln, kein Hafenlärm, kein nächtliches Manöver fremder Boote.

    Dafür entdeckten die böigen Fallwinde meine Bettdecke als willkommenes Spielzeug.

    In regelmäßigen Abständen hob sie ab, flatterte davon und machte deutlich, dass sie für eine ruhige Nacht offenbar andere Pläne hatte als ich.

    Also verlagerte ich meinen Schlafplatz auf die Sitzbank im hinteren Bereich der Fopadech. Dort fand ich, einigermaßen windgeschützt, endlich einen Platz, an dem sowohl ich als auch die Decke bereit waren, für den Rest der Nacht zusammenzubleiben.

    Diesmal endete die Nacht gegen sechs Uhr durch erste Aktivitäten an Bord. Und tatsächlich: Ich war nicht der Erste, der wach war. Bernd und Roland waren bereits auf den Beinen und dabei, das Schiff für die Weiterfahrt klarzumachen.

    Ein ungewohntes Gefühl. Fast so, als hätte ich meine Schicht als inoffizielle Nachtwache erstmals ordnungsgemäß übergeben.
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  • Kurs auf die schwarze Sonne

    12 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 30 °C

    Unsere nächste Etappe begann zu schlafwandelnder Zeit. Als die Morgendämmerung über dem Meer aufstieg, holten wir den Anker ein und setzten unsere Reise entlang der Nordküste fort.

    Zunächst ging es wieder mit Motorkraft weiter. Der Wind hielt sich zurück, dafür zeigte sich das Meer von seiner friedlichsten Seite. Fast spiegelglatt lag es vor uns und ließ die Fopadech ruhig durch das Wasser gleiten.

    Irgendwann schob sich die Sonne über den Horizont. Sie strahlte, als gäbe es kein Morgen. Was angesichts unseres Tagesprogramms durchaus eine gewisse Ironie hatte.

    Die schroffen Felsen der Nordküste ließen sich davon ebenso wenig beeindrucken wie von unserer Anwesenheit. Sie standen einfach da, stoisch, grau und mächtig. Nur das Meer spielte mit und spiegelte das Morgenlicht.

    Im Torrent de Pareis ankerten wir schließlich. Zuvor manövrierte Roland die Fopadech geschickt durch ein kleines Nadelöhr aus anderen Booten bis erstaunlich nah an den schmalen Strand heran.

    Dann gab es nur noch eine vernünftige Entscheidung:

    Rein ins Wasser. Das Meer war hier glasklar. Der Grund schien zum Greifen nah, die Sicht war fantastisch und die Temperatur genau richtig, um entweder ein paar Runden schwimmen oder sich einfach treiben zu lassen und so zu tun, als gäbe es keinerlei Termine.

    Danach begann die nächste große Bordoperation: Frühstück.
    Die kleine Kombüse verwandelte sich innerhalb weniger Minuten in eine Art kulinarisches Großraumbüro. Obst wurde geschnippelt, Orangen gepresst, Rührei zubereitet und die Bialetti arbeitete unter Volldampf. Es wurde geschnippelt, gerührt, gebrutzelt und Kaffee produziert, als müssten wir eine Expedition versorgen.

    Dann war alles fertig. Der Tisch wurde gedeckt und die Crew stärkte sich für den Tag. Schließlich stand am Abend ein seltenes kosmisches Großereignis bevor. Und wer weiß schon, wie viele Kalorien man braucht, um eine totale Sonnenfinsternis angemessen zu bestaunen?

    Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer weiteren Runde im Meer holten wir den Anker ein und setzten unsere Fahrt entlang der Küste fort.

    Unser Ziel kam langsam näher. Oder wir ihm.

    Und irgendwo über uns strahlte die Sonne noch einmal völlig unbeeindruckt weiter.

    Noch.
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  • Alle wollen in die erste Reihe

    12 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 31 °C

    Wir fuhren weiter die Küste entlang und suchten nach einer Position, von der aus wir am Abend möglichst freie Sicht auf die Sonnenfinsternis haben würden.

    Dabei wurde schnell klar: Auf diese Idee waren nicht nur wir gekommen.

    Je weiter wir fuhren, desto mehr Boote tauchten auf. Kleine Motorboote, Segelyachten, größere Schiffe – alles, was schwimmen konnte und halbwegs mobil war, schien sich langsam in Stellung zu bringen.

    Das Meer bekam plötzlich etwas von einem gigantischen Parkplatz. Nur ohne Markierungen. Und ohne Einweiser.

    Jeder suchte sich seinen Platz mit möglichst freiem Blick Richtung Sonne, ausreichend Abstand zum Nachbarn und der stillen Hoffnung, dass niemand kurz vor dem großen Moment noch auf die Idee kommen würde, genau vor einem zu ankern.

    Die Stimmung war eigenartig spannend. Noch war die Sonne ganz normal da. Noch war nichts passiert. Aber rings um uns herum warteten immer mehr Menschen auf genau denselben Augenblick. Ein seltenes Schauspiel stand bevor. Und offenbar wollte wirklich jeder einen Platz in der ersten Reihe.
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  • Logenplatz vor Valldemossa

    12 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 31 °C

    Am Nachmittag fanden wir schließlich unsere Position ganz in der Nähe von Port de Valldemossa.

    Nach etwas Suchen entdeckten wir eine Stelle, an der wir ankern konnten, ohne die empfindlichen Posidonia-Wiesen am Meeresgrund zu beschädigen. Und wir hatten Glück: freie Sicht auf die bereits langsam sinkende Sonne, dazu weit und breit kein anderes Schiff, das uns den Blick verstellte.

    Unsere ganz persönliche Loge für den Abend.

    Kaum war die Maschine aus, bekamen wir allerdings Besuch.

    Zwei amerikanische Touristen schwammen kurzerhand vom Strand zu uns herüber. Nicht ganz der klassische Weg, um auf ein Bier vorbeizukommen, aber auf dem Wasser gelten offenbar eigene Regeln.

    Also luden wir die beiden an Bord ein und versorgten sie mit einem Bier, damit sie für den Rückweg wieder ausreichend Kraft tanken konnten.

    Schnell kamen wir ins Gespräch. Sie erzählten, woher sie kommen, was sie an Mallorca begeistert und warum Europa für sie immer wieder etwas Besonderes ist.

    Nach ihrer kleinen Bierpause verabschiedeten sie sich wieder und schwammen mit frisch aufgefüllten Reserven zurück Richtung Strand.

    Wir dagegen blieben.

    Und bereiteten uns nun äußerst gewissenhaft auf das große Ereignis des Abends vor:

    mit Chillen.

    Mit Baden.

    Mit Abkühlung im Meer.

    Und mit regelmäßigem Blick zur Sonne, die langsam tiefer wanderte.

    Manche Dinge im Leben verlangen schließlich intensive Vorbereitung.
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  • Als der Tag für einen Moment den Atem anhielt

    12 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 31 °C

    Dann war es soweit.

    Wir lagen vor Anker, weit genug weg von den Menschenmassen, nah genug am Horizont und mit einer Loge, die sich kein Opernhaus dieser Welt leisten könnte.

    Nur wir, das Meer, das Boot. Und der Himmel.

    Durch unsere Eclipse-Brillen sahen wir, wie sich der Mond langsam vor die Sonne schob. Erst nur ein kleiner Biss am Rand, dann immer mehr. Stück für Stück nahm er dem Licht seinen Raum.

    Es war faszinierend, wie still so ein gewaltiges Ereignis sein kann.

    Kein Donner.
    Kein Knall.
    Keine Fanfare.
    Nur Licht, das sich verändert.

    Wir machten Fotos, so gut es eben ging. Unsere Handys gaben sich redlich Mühe, waren aber sichtbar überfordert mit der Aufgabe, ein Ereignis festzuhalten, für das sie eigentlich nicht gebaut worden waren.

    Vielleicht war das sogar gut so.

    Denn irgendwann hörten wir auf, ständig auf die Displays zu schauen.

    Wir sahen einfach hin.
    Auf die Sonne.
    Auf den Mond.
    Auf das Meer.

    Und auf diesen einen Augenblick, der sich nicht speichern lässt, egal wie viele Bilder man macht.

    Die Welt wurde dunkler. Das Licht bekam etwas Fremdes. Die Farben veränderten sich. Die Geräusche schienen leiser zu werden.

    Für einen Moment wirkte es, als hätte jemand den großen Dimmer des Himmels heruntergedreht.

    Und wir saßen da.
    In der ersten Reihe.

    Ohne Gedränge. Ohne Lautsprecher. Ohne Absperrgitter. Ohne Menschenmasse, die gleichzeitig versucht, denselben Moment mit einem Handy über den Kopf zu filmen.

    Nur wir sechs auf der Fopadech.
    Mitten auf dem Meer.

    Und vor uns ein Schauspiel, das seit Milliarden Jahren nach denselben Regeln funktioniert und trotzdem jedes Mal wirkt, als hätte es die Natur gerade erst erfunden.

    Vielleicht sind es genau solche Momente, für die man reist.

    Nicht, weil man sie unbedingt abhaken will.

    Sondern weil sie einen daran erinnern, wie klein man selbst ist und wie groß die Welt.

    Und wie wenig es manchmal braucht, um vollkommen still zu werden.

    Ein Boot.

    Ein Meer.

    Ein Mond.

    Eine Sonne.

    Und ein Augenblick, den keiner von uns so schnell vergessen wird.
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  • Raus aus der Babyschaukel

    13 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 28 °C

    Diese Nacht war zum ersten Mal wirklich ruhig.
    Kein fremdes Schiff, das um vier Uhr morgens ein Bojenmanöver veranstaltete. Keine heftigen Fallwinde. Keine hohen Wellen. Nur ein leichter Seegang, der die Fopadech sanft hin und her wiegte.
    Für die einen an Bord war das eher lästig.
    Die anderen schliefen darin wie ein Baby.

    Auch der morgendliche Hahnenschrei-Contest fiel diesmal aus. Kein Gegacker, kein Kräftemessen, kein gefiederter Weckdienst.
    Dafür übernahm unser Skipper höchstpersönlich.
    Kurz nach sechs Uhr, noch vor Sonnenaufgang, war für ihn klar: Schluss mit Babyschaukel.
    Also kamen die Männer an Deck, lichteten den Anker und machten die Fopadech klar für die Weiterfahrt Richtung Südwesten.
    Die Frauen hingegen bewerteten den Weckruf offenbar eher als unverbindliche Empfehlung und ignorierten ihn weitgehend.
    So glitten wir in den jungen Morgen hinein, die Küste an unserer Seite, das Meer noch ruhig und der größte Teil der Crew noch im Halbschlaf.
    Ein neuer Tag auf See hatte begonnen.
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  • Frühstück mit Restwelle

    13 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach ein paar Seemeilen beschlossen wir, erneut vor Anker zu gehen. Die Idee dahinter war bestechend einfach: frühstücken – möglichst ohne dabei Teller, Tassen und Mageninhalt gegen die Wellenbewegung verteidigen zu müssen.

    Das mit dem Frühstück gelang uns hervorragend. Das mit der ruhigen See eher weniger. Das Meer hatte offenbar andere Vorstellungen und sorgte auch am Ankerplatz weiter für eine gewisse Grundbewegung. Nicht dramatisch – aber genug, um uns daran zu erinnern, dass wir uns eben nicht auf einer Hotelterrasse befanden.

    Also machten wir das Beste daraus. Erst einmal rein ins Wasser. Nach einem erfrischenden Bad war die Welt wieder in Ordnung, der Kreislauf wach und die Crew bereit für die nächste Etappe.

    Anker hoch. Weiter Richtung Andratx.
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  • Andratx – volle Tanks und wachsame Hafenchecker

    13 agosto, Spagna ⋅ ☀️ 33 °C

    In Andratx angekommen, wurde uns bewusst, dass nicht nur eine Crew Bedürfnisse hat. Auch ein Boot möchte regelmäßig versorgt werden – und manche seiner Bedürfnisse sollte man besser nicht allzu lange aufschieben.

    Also steuerten wir zunächst die Tankstelle an. Die Fopadech bekam Diesel, gleichzeitig füllten wir die Wassertanks auf. Auch unsere eigenen Vorräte brauchten Nachschub: Lebensmittel und Getränke wanderten an Bord und in den Kühlschrank. Und während wir vorne fleißig nachfüllten, wurden wir hinten ebenso konsequent wieder etwas los: Unser inzwischen stattlicher Abfallberg durfte endlich von Bord.

    So ein Hafenaufenthalt ist eben ein Kreislauf des Lebens: Diesel rein, Wasser rein, Lebensmittel rein – Müll raus.

    Und natürlich begegnete uns auch hier wieder eine inzwischen bestens bekannte Spezies: der Hafenchecker.

    Der Hafenchecker lebt bevorzugt auf Segel- und Motorbooten in unmittelbarer Nähe von Tankstellen, Stegen und Hafenmanövern. Seine besondere Fähigkeit besteht darin, eine drohende Kollision bereits zu erkennen, wenn zwischen zwei Booten nach unserer Einschätzung noch bequem ein Kleinwagen hindurchpassen würde.

    Sobald wir uns seinem Boot näherten, erschien er zuverlässig an der Reling.

    Die Reaktionen unterscheiden sich dabei je nach Unterart und Temperament. Der eher introvertierte Hafenchecker beschränkt sich auf einen äußerst kritischen Blick. Seine Körpersprache vermittelt unmissverständlich: Ich sehe genau, was ihr da macht. Und ich bin noch nicht überzeugt.

    Die kommunikativere Variante beginnt dagegen sofort einen Dialog. Inhaltlich bewegt sich dieser meist irgendwo zwischen gut gemeinten Ratschlägen, spontaner Manöverkritik und der Warnung vor dem unmittelbar bevorstehenden Untergang mindestens eines der beteiligten Schiffe.

    Und dann gibt es noch den aktiven Hafenchecker. Der möchte eingreifen.
    Er fordert uns auf, ihm Leinen zuzuwerfen, greift nach solchen oder wirft im Zweifelsfall gleich selbst welche. Schließlich muss jemand die Situation retten.

    Wir brauchten weder das eine noch das andere. Die Dialogversuche ignorierten wir freundlich, aber bestimmt, konzentrierten uns auf unser Manöver und machten genau das, was wir vorhatten. Nachdem die Fopadech dort lag, wo sie liegen sollte, und sämtliche prophezeiten Katastrophen überraschenderweise ausgeblieben waren, winkten wir freundlich hinüber.
    Natürlich begleitet von guten Wünschen.

    Man möchte schließlich keinen Hafenchecker verärgern. Wer weiß, wann man seine Expertise beim nächsten unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang noch einmal benötigt.

    Nachdem Diesel- und Wassertanks gefüllt, Kühlschrank und Vorräte ergänzt und der Müll entsorgt waren, war die Fopadech wieder bereit für die nächste Etappe.

    Also Leinen los.

    Wir verließen Andratx wieder und machten uns auf die Suche nach einem Liegeplatz in einer ruhigen Bucht. Denn nach Tankstelle, Versorgung und Hafenchecker durfte der Tag nun gerne wieder etwas von dem bekommen, weswegen wir eigentlich hier waren:

    Meer, Ruhe und einen schönen Platz für die Nacht.
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