• Andratx – volle Tanks und wachsame Hafenchecker

    August 13 in Spain ⋅ ☀️ 33 °C

    In Andratx angekommen, wurde uns bewusst, dass nicht nur eine Crew Bedürfnisse hat. Auch ein Boot möchte regelmäßig versorgt werden – und manche seiner Bedürfnisse sollte man besser nicht allzu lange aufschieben.

    Also steuerten wir zunächst die Tankstelle an. Die Fopadech bekam Diesel, gleichzeitig füllten wir die Wassertanks auf. Auch unsere eigenen Vorräte brauchten Nachschub: Lebensmittel und Getränke wanderten an Bord und in den Kühlschrank. Und während wir vorne fleißig nachfüllten, wurden wir hinten ebenso konsequent wieder etwas los: Unser inzwischen stattlicher Abfallberg durfte endlich von Bord.

    So ein Hafenaufenthalt ist eben ein Kreislauf des Lebens: Diesel rein, Wasser rein, Lebensmittel rein – Müll raus.

    Und natürlich begegnete uns auch hier wieder eine inzwischen bestens bekannte Spezies: der Hafenchecker.

    Der Hafenchecker lebt bevorzugt auf Segel- und Motorbooten in unmittelbarer Nähe von Tankstellen, Stegen und Hafenmanövern. Seine besondere Fähigkeit besteht darin, eine drohende Kollision bereits zu erkennen, wenn zwischen zwei Booten nach unserer Einschätzung noch bequem ein Kleinwagen hindurchpassen würde.

    Sobald wir uns seinem Boot näherten, erschien er zuverlässig an der Reling.

    Die Reaktionen unterscheiden sich dabei je nach Unterart und Temperament. Der eher introvertierte Hafenchecker beschränkt sich auf einen äußerst kritischen Blick. Seine Körpersprache vermittelt unmissverständlich: Ich sehe genau, was ihr da macht. Und ich bin noch nicht überzeugt.

    Die kommunikativere Variante beginnt dagegen sofort einen Dialog. Inhaltlich bewegt sich dieser meist irgendwo zwischen gut gemeinten Ratschlägen, spontaner Manöverkritik und der Warnung vor dem unmittelbar bevorstehenden Untergang mindestens eines der beteiligten Schiffe.

    Und dann gibt es noch den aktiven Hafenchecker. Der möchte eingreifen.
    Er fordert uns auf, ihm Leinen zuzuwerfen, greift nach solchen oder wirft im Zweifelsfall gleich selbst welche. Schließlich muss jemand die Situation retten.

    Wir brauchten weder das eine noch das andere. Die Dialogversuche ignorierten wir freundlich, aber bestimmt, konzentrierten uns auf unser Manöver und machten genau das, was wir vorhatten. Nachdem die Fopadech dort lag, wo sie liegen sollte, und sämtliche prophezeiten Katastrophen überraschenderweise ausgeblieben waren, winkten wir freundlich hinüber.
    Natürlich begleitet von guten Wünschen.

    Man möchte schließlich keinen Hafenchecker verärgern. Wer weiß, wann man seine Expertise beim nächsten unmittelbar bevorstehenden Weltuntergang noch einmal benötigt.

    Nachdem Diesel- und Wassertanks gefüllt, Kühlschrank und Vorräte ergänzt und der Müll entsorgt waren, war die Fopadech wieder bereit für die nächste Etappe.

    Also Leinen los.

    Wir verließen Andratx wieder und machten uns auf die Suche nach einem Liegeplatz in einer ruhigen Bucht. Denn nach Tankstelle, Versorgung und Hafenchecker durfte der Tag nun gerne wieder etwas von dem bekommen, weswegen wir eigentlich hier waren:

    Meer, Ruhe und einen schönen Platz für die Nacht.
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