• Artos 3537m über Null

    June 19, 2024 in Turkey ⋅ ☀️ 23 °C

    Das Nachtquartier am Fuß des Artos ist zügig gefunden. Ein Supermarktmitarbeiter gab uns einen wertvollen Tipp. Sogar eine Quelle ist vor Ort.

    Was allerdings völlig unklar ist, ist die Route der Besteigung. Komoot hat keine Wege verzeichnet. Der Bergsteigerfreund unser Freundin will keine verraten, es sei zu gefährlich ohne Bergführer und er möchte nicht verantwortlich sein. Wir stehen also vor einem riesen Klotz, von dem wir nicht mal den Gipfel sehen und wissen nicht ob links oder rechts herum.

    Am Morgen parken wir unseren Bus beim nächsten Haus. Von dort kam am Vorabend bereits ein freundlicher Mann, der uns zum Essen einladen wollte. Wir sind grad mal 100m höher, da sehen wir wie bereits die Kinder an Robur hochklettern. Ohje, da hilft nur Vertrauen & Hoffen😅!

    Wir treffen auf einen Hirten. Dieser ist für den Aufstieg direkt durch die Mitte. Aus Ermangelung an Wissen nehmen wir den empfohlenenden Weg. Dieser ist brutal steil. Geschätzte 11Kg schmücken unsere Rücken und wir haben 1700 Höhenmeter im Anstieg vor uns. Einen Weg gibt es nicht. Es ist jedoch erkennbar, dass Ziegen oder ähnliches hier schonmal liefen.

    Gegen Mittag ist der erste Kamm bei 2700m Höhe erreicht. Von hier können wir zwar immer noch nicht den Weg zum Gipfel einsehen, aber wir sehen nun einen weiteren Verlauf. Bedeutet, wir sehen etwas😅. Ob uns das anvisierte auf den Gipfel bringt ist völlig unklar.
    Das Terrain wird jedenfalls steiniger. Die Steilgung ist am gehbaren Limit.
    Rechts schaut der Schnee meterhoch über den nächst sichtbaren Kamm. Links scheint es nicht begehbar. In der Ferne entdecken wir einen Pfad. Allerdings lediglich ein Plan B, da wir eine gänzlich andere Richtung eingeschlagen haben. Plan A bringt uns allerdings tatsächlich nach weiteren zwei Stunden auf die nächste Anhöhe.

    Auf nun 3200m Höhe sehen wir erstmals den Gipfel. Augenscheinlich machbar😊! Die Luft wird merklich dünner, der Weg ist nun aber überschaubar. Wir folgen stetig dem Kamm. Von diesem öffnen sich Blicke nach links & rechts. Die Aussicht ist fantastisch. Selbst der Ararat mit seinen über 5000m Höhe lässt sich in seinem Wolkenkleid kurz sehen. Gegen 15Uhr erreichen wir den Gipfel und sind glücklich. Es war der anstrengenste Anstieg des letzten Jahres. Nun haben wir es geschafft. Den ganzen Weg trafen wir keinen Menschen und haben jetzt ein fabelhaftes Panorama⛰❤.

    Nach einer ausgiebigen Pause geht es abwärts. Ziel ist es einen Schlafplatz mit Trinkwasser zu finden. Dies gelingt uns auf 3170m Höhe. Hier haben Hirten Wasserlöcher für Schafe & Ziegen angelegt. Das Wasser ist klar und genügt uns. Auf das Zelt wurde aus Gewichtsgründen verzichtet und so ist das Biwak zügig errichtet. Kurz noch im eisigen Schmelzwasser waschen, dann gibt es Asia Nudeln😍.

    Die Abendstimmung ist sehr schön. Toller Ausblick, nur ein leichtes Plätschern vom Schmelzwasser ist zu hören und der Vollmond geht auf. Wir beobachten noch etwas die Sterne und den regen Verkehr der Sputniks und schlafen dann ein. Um Mitternacht weckt mich Bianca. Regen! Ganz schlecht😳!
    Die Wolken bedecken den Vollmond und wirken bedrohlich. Es blitzt. Eine komplette Dusche wäre ganz schlecht! Zum Glück bleibt es bei wenig Niederschlag. Zweimal wiederholt sich das Spiel noch. Mmh, kein gutes Gefühl. Selbst bei stabiler Wetterlage muss also in Zukunft wieder das Zelt mit☝!

    Am Morgen lacht wieder die Sonne. Es ist kalt geworden und unser Wasserloch ist gefroren. Bei Kaffee und Keksen genießen wir die Aussicht und starten dann über eine andere Route talwärts.
    Diese stellt sich als flacher, aber bedeutend länger heraus. Nach 14Km und 1400 Höhenmeter im Abstieg ist Robur wieder erreicht.

    Im Nachgang können wir sagen, dass ein Bergführer für uns nicht in Frage kommt. Jemanden hinterher zu dackeln ist uns zu langweilig. Das entdecken von Wegen und Möglichkeiten, sowie dass Abwiegen von Risiken macht erst den Reiz aus.

    Auf unserer Tour hatten wir den Süphan mit 4058m häufig im Blick. Ein mächtiger ruhender Vulkan. Der könnte uns wohl ebenfalls reizen🙂!
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