Trekking im Kaçkar Gebirge- Tag 1
10. juli 2024, Tyrkiet ⋅ ☁️ 16 °C
Das Kaçkar-Gebirge ist eine in Deutschland fast unbekannte Berglandschaft im äußersten Nordosten der Türkei. Es ist die Heimat von Braunbären und Luchsen. Von reißenden Gebirgsbächen, funkelnden Bergseen und schroffen, bis zu 4.000 Meter hohen Gipfeln. Es ist ein wildes, ungezähmtes Paradies – und genau hier wollten wir das Finale des Türkei Aufenthalts 2024 zelebrieren. Der Plan: Eine Überquerung des Kaçkar-Gebirges.
Der Monat Juli nicht optimal. Zu früh im Jahr. Zuviel Schnee, zuviel Wasser. Die Wettervorhersage zudem durchwachsen. Täglicher Niederschlag und Gewitter sind vorausgesagt. Wenn man sich jedoch sagt, dass naße Kleidung zum Abenteuer gehört, dann ist es halt ein Teil der Challenge. Bianca macht sich Gedanken um Herrn Linguini. Sie möchte nicht, dass er im Bodenlosen Vorzelt in der Fütze übernachtet. Sie entscheidet sich gegen die Tour.. Das ist okay für mich und ändert nichts an meiner Idee. Ich bin jetzt hier und habe jetzt die Chance dieses Abenteuer zu erleben. One life. Live it.
Am Dienstag gehe ich ins einzige Cafe in Olgunlar. Dir Besitzerin erzählt, dass das Basislager zum Kaçkar bereits geöffnet hat. Meine geplante Route über Yukari Kavron und die damit verbundenene erste Querung des Gebirgszuges sei jedoch in diesem Jahr noch unbegangen. Meine Gefühle schwanken. Ist mein Vorhaben schaffbar? Warum ist noch keiner gegangen? Wenn man Ortsfremd ist hat man keinerlei Vorstellung. Das macht einerseits das Abenteuer aus, andererseits sorgt genau dies für eine gewisse Aufregung😃.
Am Mittwoch starte ich um 6:30 Uhr.
Die Sonne lacht und so geht es in mein bislang größtes Bergabenteuer. Eine Hirtin warnt mich noch vor irgendwas. Ich gebe ihr einen Daumen und gehe meinen Weg. Erstens kann ich jederzeit umdrehen. Zweitens habe ich Essen für vier Tage. Also los💪!
Der tosende Bach ist mein ständiger Begleiter. Die Wiesen sind grün und der Frühling in vollem Gange. Die Hänge blühen in den unterschiedlichsten Farben. Ich selbst bin etwas aufgeregt. Kann ich es schaffen? Es geht immer weiter nach oben. Die Aussicht ist fantastisch und meine Stimmung nimmt ebenfalls fahrt auf.
Die ersten Schneefelder folgen und mit ihnen Bärenspuren. Frische Bärenspuren. Das Hochgebirge und der Pass mit 3200m Höhe sind erreicht. Hier ist es ruhig. Ein paar Vögel zwitschern. Sonst ist nichts zu hören. Dann und wann störe ich die Ruhe. Es ist ganz gut, wenn die Bären von meiner Anwesenheit wissen. Spontane und nahe Begegnungen sind zu vermeiden. Singen hilft. Ich mach mir die Welt... von Pippi Langstrumpf scheint mir geeignet. Zudem laute rufe wie es die Hirten tun. Mit Blick auf einen der Bergseen ist es dann tatsächlich soweit. Eine Bärenmutter mit ihren zwei Kids ist zu erkennen. Die Tiere sind weit weg. Bestimmt 2Km. Die Bären sind gechillt und lassen sich nicht stören. Für mich war es klar, dass solch Begegnungen sehr wahrscheinlich sind. Daher bin ich unaufgeregt. Was wäre die Wildnis ohne wilde Tiere?
Nach der Passhöhe gewinne ich an Sicherheit. Die erste Etappe werde ich schonmal schaffen. Zurück kann ich ebenfalls jederzeit. Kein Problem👌. So genieße ich den Abstieg bei herrlichen Wetter ins auf 2400m Höhe gelegene Yukari Kavron.
Von Olgunlar dem Startpunkt meiner Tagesetappe nach Yukari Kavron wären es mit dem KFZ übrigens 271Km. Das verdeutlicht ein wenig die Straßendichte in dieser Region.
Aufgrund der schlechten Vorhersage entscheide ich mich für Nacht 1 für eine Pension. Dies erweist sich als Goldrichtig.
Am Nachmittag/Abend fallen um die 25 -30 Liter auf dem Quadratmeter. Puh, welch Sauwetter. Ich sitze am Holzofen im dazugehörigen Gasthaus. Alles ist sehr einfach und gibt dem Ort den richtigen Rahmen. Die Besitzer sind nett und finden mein Vorhaben scheinbarganz spannend. Zum Abendessen werde ich unentgeltlich mit eingeplant. So trocknen meine Schuhe am Ofen und ich beobachte das Gesamtbild. Kühe und Hühner versuchen immer wieder durch die offene Tür ins Trockene zu gelangen. Die Türsteherin stoppt diese mit einem Stock😀! Auf der anderen Straßenseite fährt ein Sprinter vor. Die Musik ist laut, alle singen. Mit Flöten wird die Feier, offensichtlich ein Hochzeitsausflug, begleitet. Ein dicker Araber kommt mit seiner verschleierten Frau in den Gastraum. Dann folgen vier weitere Männer. Es sind Saudis aus Riad. Die Saudis, so habe ich bereits gelesen, besuchen gerne das abgelegene Bergdorf. Alle haben Geld, wollen der Hitze entfliehen und zudem einmal etwas grüne Natur sehen. Ausflügler welche einen weiten Weg über Pisten auf sich nehmen um dann 1-2 Stunden zu verweilen. Einen Fuß in die Natur setzt keiner.
Die vier Männer kommen mit einem Schnellkochtopf. Dieser war ganz sicher auch im Flugzeug dabei! Wahnsinn🤣! Sie hatten sich zuvor Holz besorgt und essen nun draußen unter dem Vordach. Für den Wirt werden als Dank zwei Teller abgefüllt. Danach wird neben mir und dem Ofen ein 2x3m großer Teppich ausgerollt. Wollen die den auch trocknen, so wie ich meine Schuhe? Nein! Die Herren aus Saudi Arabien fangen an zu beten. Es geht auf und ab. Hier ist was los😀. Ein Wimmelbuch würde diesen späten Nachmittag gut erfassen. Ich jedenfalls bin sehr angetan. Schon etwas skurril was hier in klein Pusemuckel alles so vor sich geht. Zumindest aber sehr unterhaltsam & keineswegs langweilig🤠!
Nachdem die Gastgeberin vom Melken kommt gibt es Abendessen. Ein Eintopf beim dem ich die Stunden zuvor der Rührmeister gewesen bin. Mit Liebe gerührt😃.
Dann geht es in mein Zimmer. Der Boden steht etwas unter Wasser. Das war für mich jedoch nichts neues. Ich sah es bereits bei einem kurzen Aufenthalt Stunden zuvor😅. Ich suche mir einen Wischmop und dämme den See etwas ein. Das Bett ist nur leicht klamm, also alles ein Teil der Challenge. Ich bin jedenfalls dankbar bei dem Wetter nicht im Zelt zu sein. Zudem hab ich mich in der Gesellschaft sehr wohl gefühlt😊.Læs mere





















Rejsende
Die arme Kuh 🐮😄😄
RejsendeSchön, dass es geklappt hat 👍, was du dir vorgenommen hast. Das erlebte und die Landschaft sind einmalig. 👍.