• Mit dem Klapprad nach Kashan 🇮🇷

    November 5, 2025 in Iran ⋅ ☁️ 19 °C

    Erster Klappradeinsatz im Iran. Von der Tabrizer Innenstadt geht's mit der Metro zum Stadtrand. Als Reisender darf man die Metro übrigens kostenlos benutzen.
    Dann weiter mit dem Klapprad auf den Highway.

    Einige stoppen, wollen aber in die Stadt. Aber immerhin gibt es Austausch.
    Dann nimmt mich ein älterer Herr mit. Er versteht das System von Autostop nicht und schlägt den Weg Richtung Bahnhof ein. Er meint es gut und ich kann ihm nicht erklären worum es mir geht. So stoppe ich ihn in letzter Sekunde. Mein Ausgangspunkt nun deutlich schlechter, aber zumindest noch auf dem Highway😅.

    Keine 10 Minuten später sitze ich in einem Fahrzeug aus iranischer Produktion. Der Fahrer Versicherungsmakler. Es folgen drei Stopps auf 5km. Was hat er vor. Alles erwas skurril. Puh, dass mag ja was werden.
    Dann kommen jedoch die Rennfahrergene zum Vorschein. Mit kontinuierlich 110/120kmh fährt der Wagen im Vollgasmodus und wir kommen gut voran. Er hat Tee und ich Gepäck. Eine gute Kombination. Die Gespräche über die Übersetzerapp sind angenehm und stimmig.
    Auf einmal fährt der Versicherungsvertreter jedoch ab. Ab auf einen schlaglochgesähten Sandweg ins Nirwana. Er erzählt etwas von einem Garten wo er mit mir Zeit verbringen möchte. Gärten gibt es in diesem Landschaftsbild keine. Hoffentlich muss ich ihn nicht verprügeln, so denke ich. Dann kommt tatsächlich ein Garten. Der einzige Garten überhaupt. Er klettert über den Zaun und beginnt mir Kürbisse und Tomaten anzureichen. Er sei hier aufgewachsen. Na gut, jetzt passt das Bild wieder. Die Tomaten schmecken zudem köstlich.
    Dann geht's wieder zurück auf den Highway. Nach 290km erreichen wir gegen Mittag Zanjan. Auf einem Rastplatz verabschieden wir uns es gibt ein Selfie.

    Kurz gepinkelt, die Stehtoiletten sind übrigens angenehm sauber im Iran, dann geht's weiter. Wieder iranisches Fabrikat, mit einem Fahrer um die 40ig. Ebenfalls mit Teekanne an Board. Diese gehört denke ich zur Grundausstattung. Er pilgert nach Ghom. Ein wichtiger Ort für die Schiiten. Das System der Übersetzerapp versteht er so gar nicht. Er wirkt etwas wirr. Nach vielleicht 3km stoppt er und zeigt einen Fahrerwechsel an. Vielleicht wirklich besser wenn ich fahre! Mein Führerschein liegt jedenfalls in Jerewan. Egal, los geht's. Das Auto fährt sich wie aus der Schrottpresse. Geht man vom Gas springt der Wagen nach rechts. Die Lenkung eine Katastrophe. Mit viel Fingerspitzengefühl ist der Wagen auf der Straße zu halten. Nach 180km reicht es mir. Fahrerwechsel. Keine 30km später fährt der Fahrer in eine Stadt. Es erschließt sich mir null was wir hier treiben. Ja, er sucht etwas, aber was? Bei einem Schnellimbiss bitte ich den Besitzer zu übersetzen. Ein Auto möchte er kaufen, sagt der Besitzer von dem Falaffel Imbiss. Was??? Nein, ein Übersetzungsfehler sagt er. Dann kommt irgendwas mit Schwester heraus.
    So irren wir eine Stunde durch die Stadt. Immer wieder wird gefragt und immer wieder schütteln Menschen verneinent den Kopf. Was mache ich hier und wie komme ich hier weg? Ist der neben mir eventuell verrückt?
    Unterhalten können wir uns nicht, Navi fehlanzeige. Trotzdem stehen wir irgendwann vor einem Haus. Davor eine freudestrahlende Frau. Es ist die Schwester. Sie scheinen sich lange nicht gesehen zu haben. Das erfreut mich auch und erklärt die Irrfahrt. Die Familie ist sehr herzlich. So sitze ich wenig später, bei Gebäck, Obst und Tee, im Wohnzimmer. Der Sohn der Frau trägt eine Art Korsett. Er beherrscht, wie eigentlich alle, die Übersetzerapp gut und erklärt ein Fahrstuhl sei abgestürzt. Er war darin und habe sich die Wirbelsäule gebrochen. Daumen drücken, bzw. möge Allah ihm beistehen! Die kleinen Kids sind witzig und neugierig. Highfifes folgen und die Stimmung ist gut. Die Familie möchte, dass ich ein paar Tage bleibe. Schon interessant welch unterschiedliche Stimmungslagen und Situationen man beim Trampen erleben kann.

    Ich appelliere irgendwann zum Aufbruch und es geht weiter. Nach 60km sitze ich dann wieder am Steuer. Wir fahren in den Sonnenuntergang. Hinter uns sehe ich den riesen Mond aufgehen, welcher auch in Deutschland am selben Tag zu sehen gewesen ist. Es ist dunkel als wir in Ghom ankommen. Ich möchte jedoch weiter nach Kashan. Es sind nur noch 110km. Ein kurzes Stück nimmt mich ein Pickup Fahrer mit. Krasses Fahrzeug (aus iranischer Produktion) und super netter Fahrer. Er lässt mich an einer Mautstation raus. Dort ist allerdings soviel Chaos, das Trampen nicht funktioniert.

    Eine halbe Stunde später sitze ich im VIP Lienienbus. Die Fahrgäste haben fette Sitze und verstellbare Beinauflagen wie bei einem Fernsehsessel. Ein hochmoderner Scania Bus. Ich sitze auf dem Boden. Der Bus ist voll und der Fahrer nimmt mich nur ausnahmsweise mit. Die Fahrweise ist gefährlich, aber er ist geübt.

    In Kashan angekommen baue ich das Klapprad auf. Die Taxifahrer schauen ungläubig und ich radel davon. Nach 15 Stunden und 780km auf Tour erreiche ich nach weiteren 6 Kilometern ein Hostel. Der Preis ist 8€ die Nacht und das historische Gemäuer hübsch.

    Ich gehe etwas teurer essen als gewohnt. Der Tag war anstrengend und ich muss mir etwas gutes tun. Müde falle ich ins Bett.

    Der Tag darauf steht im Zeichen der Stadterkundung. Kashan, eine hübsche Stadt an der Seidenstraße, kenne ich bereits. Der Bazar lohnt aber durchaus einen weiteren Besuch. Auch die Menschen sind angenehm. In einem Kaffee lerne ich Josef kennen. Sehr gastfreundlich und sprachtalentiert. Er studiert chinesisch und russisch. Das ist klug, denn dies sind die Länder mit den der Iran noch Handel betreibt. Er schenkt mir Schokolade und der exzellente Cappuccino geht auf's Haus😊🇮🇷.
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