Steyr
December 26, 2025 in Austria ⋅ ⛅ -2 °C
Startpunkt Steyr: Vor uns liegt eine Reise, auf der wir Europa nicht einfach verlassen, sondern es Tag für Tag hinter uns legen und zugleich in neuen Formen wiederfinden. Die Strecke von Österreich nach Istanbul wird für uns zu einer Bewegungsachse, auf der die vertraute mitteleuropäische Welt allmählich in jene vielstimmigen Kulturräume übergeht, die oft unter dem Sammelbegriff Südosteuropa zusammengefasst werden, in Wirklichkeit aber aus einer Vielzahl eigenständiger Landschaften, Sprachen und Religionen bestehen.
Wir fahren einer alten Ost-West-Linie entgegen, die seit römischer Zeit – später auch als „Sultans Trail“ und andere Routen beschrieben – Wien mit Istanbul verbindet und bis heute Reisende, Händler:innen, Migrant:innen und Pilger:innen trägt. Vor uns liegen Donau- und Balkanräume, in denen sich pannonische, balkanische, byzantinische, osmanische und mitteleuropäische Einflüsse überlagern und die wie ein lebendiger Beweis dafür sind, dass Geschichte hier weniger aus Grenzen als aus Übergängen besteht.
Belgrad und Sofia werden für uns keine „Pflichtstopps“ sein, sondern Verdichtungsräume entlang dieser Linie, in denen wir das Nebeneinander von Epochen und Machtzentren förmlich sehen und gehen können – von römischen und mittelalterlichen Wurzeln über osmanische und habsburgische Schichten bis zu sozialistischen und gegenwärtigen Stadtlandschaften. Auf dem Weg dorthin erwarten uns aber ebenso die sogenannten Durchgangslandschaften: Ebenen, Täler, Kleinstädte, in denen sich zeigt, wie dieser Teil Europas immer wieder Brücke und Aufmarschgebiet zwischen Mitteleuropa und dem Vorderen Orient war.
Je näher wir Istanbul kommen, desto stärker rückt jene historische Bruchlinie ins Bewusstsein, an der sich byzantinisch-orthodoxe und osmanisch-islamische Traditionen begegnet, überlagert und teils schmerzhaft ineinander verschoben haben. Vor uns liegt eine Stadt, die als Byzanz, Konstantinopel und Istanbul mehrere Namen, Reiche und Deutungen in sich trägt und damit genau das verkörpert, was wir unterwegs suchen: keinen klaren Abschluss, sondern ein offenes Scharnier zwischen den Welten, an dem sichtbar wird, wie sehr Europa seit jeher von seinen Rändern her gedacht werden muss.Read more

