• Verein planetREISEN
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Istanbul & retour

Eine Zug- und Busreise rund um den Jahreswechsel an den Bosporus und ans Marmarameer und wieder zurück Read more
  • Trip start
    December 26, 2025

    Steyr

    December 26, 2025 in Austria ⋅ ⛅ -2 °C

    Startpunkt Steyr: Vor uns liegt eine Reise, auf der wir Europa nicht einfach verlassen, sondern es Tag für Tag hinter uns legen und zugleich in neuen Formen wiederfinden. Die Strecke von Österreich nach Istanbul wird für uns zu einer Bewegungsachse, auf der die vertraute mitteleuropäische Welt allmählich in jene vielstimmigen Kulturräume übergeht, die oft unter dem Sammelbegriff Südosteuropa zusammengefasst werden, in Wirklichkeit aber aus einer Vielzahl eigenständiger Landschaften, Sprachen und Religionen bestehen.

    Wir fahren einer alten Ost-West-Linie entgegen, die seit römischer Zeit – später auch als „Sultans Trail“ und andere Routen beschrieben – Wien mit Istanbul verbindet und bis heute Reisende, Händler:innen, Migrant:innen und Pilger:innen trägt. Vor uns liegen Donau- und Balkanräume, in denen sich pannonische, balkanische, byzantinische, osmanische und mitteleuropäische Einflüsse überlagern und die wie ein lebendiger Beweis dafür sind, dass Geschichte hier weniger aus Grenzen als aus Übergängen besteht.

    Belgrad und Sofia werden für uns keine „Pflichtstopps“ sein, sondern Verdichtungsräume entlang dieser Linie, in denen wir das Nebeneinander von Epochen und Machtzentren förmlich sehen und gehen können – von römischen und mittelalterlichen Wurzeln über osmanische und habsburgische Schichten bis zu sozialistischen und gegenwärtigen Stadtlandschaften. Auf dem Weg dorthin erwarten uns aber ebenso die sogenannten Durchgangslandschaften: Ebenen, Täler, Kleinstädte, in denen sich zeigt, wie dieser Teil Europas immer wieder Brücke und Aufmarschgebiet zwischen Mitteleuropa und dem Vorderen Orient war.

    Je näher wir Istanbul kommen, desto stärker rückt jene historische Bruchlinie ins Bewusstsein, an der sich byzantinisch-orthodoxe und osmanisch-islamische Traditionen begegnet, überlagert und teils schmerzhaft ineinander verschoben haben. Vor uns liegt eine Stadt, die als Byzanz, Konstantinopel und Istanbul mehrere Namen, Reiche und Deutungen in sich trägt und damit genau das verkörpert, was wir unterwegs suchen: keinen klaren Abschluss, sondern ein offenes Scharnier zwischen den Welten, an dem sichtbar wird, wie sehr Europa seit jeher von seinen Rändern her gedacht werden muss.
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  • Budapest Kelenföld

    December 26, 2025 in Hungary ⋅ ☀️ 5 °C

    Das Bahnhofsareal Budapest-Kelenföld ist ein sachlicher, funktionaler Knotenpunkt für die Weiterreise Richtung Istanbul. Die nüchterne Architektur, viel Beton und breite Vorplätze machen deutlich, dass hier weniger die Ästhetik als die Mobilität im Vordergrund steht: schnell umsteigen.Read more

  • Belgrad

    December 27, 2025 in Serbia ⋅ ☁️ 3 °C

    Erste Tuchfühlung mit dem Spirit des Balkans.
    Auf unserem Vormittagsspaziergang durch Belgrad spüren wir sofort, wie dicht die Zeitepochen hier beisammenliegen. Zwischen den zerbombten Resten des ehemaligen Armeegebäudes, Jugendstilfassaden, sozialistischen Blöcken und Häusern aus der Zeit, als das erste Königreich entstand, öffnen sich plötzlich eine lebendige Markthalle, kleine Geschäfte und schließlich die gläserne Waterfront, die ein neues, glänzendes Belgrad verspricht.Read more

  • Niš, Busbahnhof

    December 27, 2025 in Serbia ⋅ ⛅ 3 °C

    Zwischen den Steigen entsteht dieser typische Balkanknotenpunkt‑Sound: startende Motoren, rollende Koffer, kurze Abschiede, dazwischen der Ruf nach Leskovac, Beograd oder Sofia. Im Kontrast dazu steht gleich nebenan der niedrige Gürtel aus Pavillons, Kiosken und Bäckereien mit Kopfsteinpflaster davor: kleine, etwas angejahrte Häuschen, Schilder mit handgemalten Lettern und ein Hauch von Kohlegrill in der Luft – eine einfache, aber sehr charakteristische Alltagsarchitektur, die den harten Beton des Terminals weicher macht und dem Umsteigeort ein eigenes, leicht improvisiertes Gesicht gibt.Read more

  • Sofia, Boulevard Maria-Luiza

    December 28, 2025 in Bulgaria ⋅ ☁️ 3 °C

    Sonntagsspaziergang auf einem der zentralen Straßen Sofias.
    Mit jedem Schritt Richtung innere Stadt verändert sich der Boulevard: Die wuchtigen Nachkriegsbauten mischen sich mit älteren Wohnhäusern und Gründerzeitfassaden, vor denen Kioske, Bäckereien und kleine Cafés langsam zum Leben erwachen.
    Je näher wir dem Herz der Stadt kommen, desto monumentaler wird die Architektur: Vor uns öffnen sich die großmaßstäblichen Regierungspaläste im Stil des sozialistischen Klassizismus, mit schweren Steinquadern, langen Kolonnaden und streng rhythmisierten Fensterachsen.
    Zwischen Präsidialamt, Ministerien und Kaufhaus spazieren wir über das gelbe Kopfsteinpflaster, vorbei an den Ausgrabungen von Serdica und spüren, wie sich die Atmosphäre zwischen staatlicher Repräsentation, Einkaufszone und entspanntem Flanierbereich verändert.
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  • Thrakische Tiefebene

    December 28, 2025 in Bulgaria ⋅ ⛅ 7 °C

    Nach Plovdiv beginnt eine weite, fast schnurgerade Landschaft, die vorwiegend aus Agrarflächen besteht, In der Ferne - Richtung Süden - sind die Ausläufer der Rhodopen erkennbar, die die Grenze zu Griechenland bilden.

    Die Region gehört zu den wichtigsten Agrarräumen Bulgariens und wird intensiv für Getreide- und Feldfruchtanbau genutzt. Die geringen Höhenunterschiede sowie das gemäßigt kontinentale Klima mit heißen Sommern und vergleichsweise milden Wintern begünstigen die intensive und hochtechnisierte Landwirtschaft. Diese Faktoren machen die thrakische Ebene zu einem typischen Beispiel einer offenen, funktional geprägten Kulturlandschaft Südosteuropas.
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  • Kapitan Andreevo–Kapıkule

    December 28, 2025 in Bulgaria ⋅ ☀️ 6 °C

    Zwischen Bulgarien und der Türkei markiert die Grenze nicht nur eine Staatslinie, sondern auch den Übergang von der EU-Außengrenze in einen Nicht‑Schengen-Staat – entsprechend sorgfältig fallen die Kontrollen aus.

    Bei uns lief der Grenzübertritt in mehreren klar getrennten Schritten ab: Zuerst kontrollieren bulgarische Beamte die Pässe, stempeln die Ausreise. Anschließend fährt der Bus auf die türkische Seite, wo wir unser Gepäck ausladen mussten, nochmals wurden Dokumente gesichtet, das Gepäck lief durch den Scanner. Nach eineinhalb Stunden war das Prozedere vorbei.

    Dieser Grenzraum – mit Duty‑Free‑Shops, Wechselstuben, Lkw-Schlangen und Busparkplätzen – ist ein eigener Mikrokosmos, in dem die Sicherheitslogik den Takt vorgibt, bevor hinter den Kontrollhäuschen wieder die offene Straße Richtung Edirne und Istanbul beginnt...
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  • Esenler

    December 29, 2025 in Turkey ⋅ ☀️ 5 °C

    Zwischen Busbahnhof, Beton und einem Gewirr aus Stadtautobahnen und Eisenbahnstrecken fühlt sich Esenler an wie der Puls des alltäglichen Istanbul.. Es ist kein schöner Stadtteil im klassischen Sinn – eher ein lebendiger Knotenpunkt, an dem vor allem Menschen aus ganz Anatolien ankommen, abfahren und bleiben. Hier leben auf etwa 30km2 über 450.000 Menschen.
    Auf den ersten Blick dominieren Wohnblöcke, Straßenlärm und Reklameschilder, doch abseits davon tauchen ruhige Wohnstraßen und kleine Parks auf. Wer hier unterwegs ist, reist nicht durch ein Freilichtmuseum, sondern durch ein echtes, dichtes Alltagsviertel – weit weg von Postkartenmotiven, aber ganz nah dran an der Stadt, wie sie wirklich ist.
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  • Kadikôy

    December 30, 2025 in Turkey ⋅ 🌬 8 °C

    Auf der asiatischen Seite angekommen, tauchen wir in Kadıköy in eine Welt ein, die sich nur wenige Schritte vom Fährhafen entfernt wie eine Mischung aus vertrautem Wiener Neubau und neuem Istanbul anfühlt.

    Zwischen unserem Hotel, dem Meer und den ersten Gassen Richtung Zentrum wechseln wir beinahe unbemerkt vom ruhigen, alltäglichen Teil in ein lebendiges, urbanes Viertel, das uns ab dem ersten Moment in den Bann zog. Wir schlendern an Wohnhäusern, kleinen Läden und Bäckereien vorbei. Mit jedem Straßenzug nehmen Cafés, Bars und Geschäfte zu, Streetart blitzt an Hauswänden auf.

    Je näher wir dem Hafen kommen, umso mehr mischen sich Tourist:innen in den Käufer:innenstrom, ziehen mit ihren Rucksäcken und Kameras zwischen Marktständen, Bäckereien und Modegeschäften hindurch und verändern die Dynamik der Straßen. Dort, wo viele ausländische Besucher:innen sind, ändert sich auch die Struktur der Läden. Zwischen traditionellen Coffeeshops und kleinen unabhängigen Läden tauchen plötzlich Starbucks, McDonalds und Burger King auf.

    Am Fähranleger schließlich verdichtet sich alles noch einmal: Pendler:innen, Studierende, Tourist:innen... teilen sich den gleichen Rhythmus, während die Schiffe an- und ablegen. In diesem Moment fühlen wir uns gleichzeitig mittendrin im Istanbuler Alltag...
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  • Samatya

    December 31, 2025 in Turkey ⋅ ☀️ 4 °C

    Wir verlassen den touristischen Trubel rund um Sultanahmet und bewegen uns zu Fuß südwärts, weg von den Monumenten, hinein in den Alltag der Stadt.

    Hinter uns liegen Souvenirläden, internationale Ketten, große Hotels und sanierte Fassaden, vor uns beginnen schlichtere Wohnhäuser, Werkstätten, kleine Lebensmittelläden. Die Gehwege werden unebener, die Straßen enger, der Verkehr kleinteiliger, und die Zahl der Reisegruppen nimmt mit jedem Block sichtbar ab. Je näher wir dem Marmarameer kommen, desto stärker verändert sich die Bebauung. Mehrstöckige Wohnhäuser mit einfachen Balkonen treten an die Stelle repräsentativer Altstadthäuser, dazwischen ältere, teils renovierungsbedürftige Gebäude mit Ladenlokalen im Erdgeschoss. Die Atmosphäre auf den Straßen wirkt weniger inszeniert, dafür unmittelbarer und nachbarschaftlicher.

    Spuren der multireligiösen Vergangenheit bleiben in diesem Stadtteil sichtbar. Samatya war lange ein wichtiger Ort für nicht-muslimische Minderheiten. Viele Familien dieser Gruppen sind im Verlauf des 20. Jahrhunderts weggezogen oder wurden vertrieben. Doch die Sakralbauten, Friedhöfe und einzelnen Geschäfte halten diese Stadtteilgeschichte lebendig.

    Am Ende des Spaziergangs, wenn der Blick sich zum Marmarameer öffnet, wirkt Samatya wie ein Gegenpol zur herausgeputzten Altstadt. Statt großer Sehenswürdigkeiten bestimmen Alltagswege, Nachbarschaftskontakte und lokale Gastronomie die Atmosphäre. Der Stadtteil zeigt, wie sich Istanbul jenseits der bekannten Postkartenmotive anfühlt: vielsprachig in seiner Geschichte, heute mehrheitlich lokal geprägt, mit einem deutlich langsameren Takt als im touristischen Zentrum.
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  • Wohnquartier Moda

    January 1 in Turkey ⋅ ☀️ 0 °C

    Was heute wie ein entspanntes, kreatives Stadtviertel wirkt, war einst ein elegantes Quartier der wohlhabenden Istanbuler, deren Villen und Gärten direkt bis ans Marmarameer reichten.

    Moda war im 19. Jahrhundert eine eigenständige kleine Halbinsel außerhalb des damaligen Dorfes Kadıköy und entwickelte sich dank britischer, levantinischer und wohlhabender Istanbuler Familien zu einer mondänen Sommerfrische.

    Mit dem Wachstum der Stadt und der Republikszeit wurde aus der Sommerfrische ein dicht bebautes Stadtviertel: Villengrundstücke wurden parzelliert, moderne Wohnblöcke entstanden, die alte Oberschicht mischte sich mit einer gut ausgebildeten urbanen Mittelschicht. Heute gilt Moda als einer der begehrtesten Teile Kadıköys – mit steigenden Mieten, einer lebendigen Café‑ und Barszene und gleichzeitig einem starken Alltagscharakter, der zwischen Schulen, Spielplätzen und Teegärten am Meer spürbar bleibt.
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  • Beyoğlu

    January 2 in Turkey ⋅ ☁️ 6 °C

    Auf dem Spaziergang von der Galata‑Brücke nach Beşiktaş lässt sich die aktuelle Entwicklung des Bezirks Beyoğlu auf nur wenigen Kilometern ablesen.

    Von den Fähren und Fischern unter und auf der Brücke tauchen wir in die Gassen von Karaköy ein, wo noch immer kleine Läden, Werkstätten und Cafés an die Zeit als geschäftiger Hafen‑ und Handelsplatz erinnern.
    Dahinter beginnt die geschwungene Jugendstil‑Stiege der Familie Camondo, die ein Symbol für die kosmopolitische und bürgerliche Vergangenheit des Viertels ist.

    Zurück am Wasser kippt das Bild: Mit Galataport beginnt eine neu entwickelte Uferfront: aus dem alten Hafenareal wurde ein Kreuzfahrtterminal für täglich bis zu 15.000 ankommende Gäste, daneben Museen, Restaurants und Luxusshops...
    Die 1,2 km lange Promenade verwandelte sich in eine glatt gestaltete Flaniermeile für Tourist:innen und Einheimische.

    Weiter Richtung Kabataş begleitet uns der Verkehr, moderne Großbauten wie das Beşiktaş‑Stadion und schließlich der historische Dolmabahçe‑Palast als imperiale Kulisse schließen den Spaziergang ab.

    Der knapp fünf Kilometer lange Spaziergang erzählt uns eine spannende Geschichte der Umwandlung der Uferzone von der Arbeits‑ und Hafenfront zur global vermarkteten Erlebnis‑ und Konsummeile. Er zeigt, wie aus einem funktionalen Kai für Warenumschlag und Schifffahrt eine neugestaltete Waterfront mit Kreuzfahrtterminal, Museen, Shopping und Gastronomie geworden ist.
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  • Otogar Esenler

    January 3 in Turkey ⋅ 🌬 12 °C

    Vom riesigen Esenler Otogar im europäischen Teil Istanbuls, dem größten Busbahnhof der Türkei und einem der größten in Südosteuropa, beginnt die Rückreise.
    Mit mehr als 300 Bussteigen, täglich bis zu 15.000 Busbewegungen und hunderttausenden Reisenden wirkt der Busbahnhof wie eine eigene kleine Stadt – mit Büros, Werkstätten, Geschäften und Lokalen. Heute am Samstag Mittag scheint wenig los zu sein.
    Auf einer der vielen Routen verlassen wir schließlich Istanbul Richtung Bulgarien. In fast sieben Stunden werden wir Plovdiv erreichen ...
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  • Doğu Trakya, Ostthrakien

    January 3 in Turkey ⋅ 🌬 12 °C

    Auf der Autobahn durch Ostthrakien nähern wir uns langsam Richtung Europa. Hinter Istanbul öffnet sich die Landschaft, die Bebauung wird niedriger, die Hügel und Felder breiter, und statt Megacity-Panorama dominieren Tankstellen, Rastplätze und schlichte Ortschaften mit Minaretten am Horizont.

    Je näher die Autobahn der bulgarischen Grenze kommt, verschiebt sich der Fokus von der Türkei als Binnenraum hin zu ihrer Rolle als Brücke: Die Anzahl der internationalen Lkw wird höher, die Schilder weisen nach Kapıkule und zur EU-Grenze, und an den Raststätten hört man neben Türkisch immer öfter bulgarische, rumänische oder andere europäische Sprachen. In dieser Zone wirkt die Stimmung nüchterner, funktionaler – Transit statt Alltag –, und genau daraus entsteht das Gefühl, einen anderen Kulturraum anzusteuern, obwohl sich die Landschaft nur langsam verändert.
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  • Plovdiv

    January 4 in Bulgaria ⋅ ☁️ 12 °C

    Plovdiv ist eine Stadt, die wir am besten im Gehen verstehen – Schritt für Schritt, Schicht für Schicht, wie auf unserem Sonntagsspaziergang durch die innere Stadt und die angrenzenden Wohnviertel.

    Antike, osmanische Vergangenheit, Wiedergeburtsarchitektur, sozialistische Bauten und heutige Kreativräume existieren nicht getrennt, sondern fließen im Alltag ineinander.

    Typisch für Plovdiv ist diese entspannte, fast mediterrane Langsamkeit, mit der das Leben in den Parks, auf Bänken, in Cafés und auf der langen Fußgängerzone stattfindet. Die Stadt wirkt weder herausgeputzt noch inszeniert, sondern so, als würde sie den Menschen großzügig Raum zum Dasein lassen – zum Sitzen, Reden, Beobachten, Spielen.

    Dieser Mix aus Gelassenheit, historischer Tiefe und gelebter Gegenwart macht den besonderen Spirit von Plovdiv aus – eine Stadt, die nicht beeindrucken will, sondern einen nach und nach für sich gewinnt.
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  • Russe

    January 5 in Bulgaria ⋅ ☁️ 4 °C

    Die Donaustadt empfängt uns mit einem schon etwas verblassten Glanz.
    Über breite, von Bäumen gesäumte Boulevards schlendern wir Richtung Freiheitsplatz. Hier schlägt das Herz von Russe: das Freiheitsdenkmal, umgeben von prachtvollen Fassaden, Theater, Gericht und Rathaus.

    Der in Russe geborene Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Elias Canetti kommt uns in den Sinn. Er nannte seine Geburtsstadt einmal „das Tor zur Welt“. In seinen Augen war diese Stadt mit ihren vielen Sprachen, Religionen und Geschichten größer als sie damals schien.

    Danach führt uns der Weg hinunter zur Donau. Der breite Fluss liegt majestätisch im Morgendunst und trägt in sich die Erinnerung an all die Menschen, die hier über Jahrhunderte kamen und gingen. Auf der anderen Seite sehen wir Rumänien – ganz nah, und doch eine eigene Welt. Russe ist ein Ort zwischen Ost und West, gestern und heute, Ein Spaziergang hier ist wie ein kleiner Blick in die Geschichte Europas in Miniaturform.
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  • Bukarest

    January 6 in Romania ⋅ ☁️ 3 °C

    Unser Stadtspaziergang durch Bukarest macht die Baukultur der Stadt wie in einem Querschnitt sichtbar. Entlang der Route vom Bahnhof Gara de Nord über den Platz der Revolution, den Boulevard Regina Elisabeta bis zum Umfeld des Palasts des Volkes begegnen wir nahezu allen wichtigen Epochen und Brüchen der Stadtentwicklung.

    Auf engem Raum stehen reich verzierte Vorkriegs- und Jugendstilhäuser neben schlichten Wohngebäuden der 1950er- und 1960er-Jahre und den überdimensionierten Monumentalbauten der Ceaușescu-Ära, die ganze Altstadtviertel verdrängt haben.

    Der Abschnitt rund um den Revolutionsplatz verbindet monarchische Repräsentationsarchitektur mit den Spuren der politischen Zäsur von 1989, als hier die Proteste gegen das kommunistische Regime ihren Höhepunkt erreichten.

    Am Boulevard Regina Elisabeta erlebt man den großstädtischen Anspruch der Zwischenkriegszeit, der mit seinen Prachtfassaden an die Ringstraße in Wien erinnert, bevor der Weg weiter in jene Bereiche führt, in denen breite Verkehrsachsen, funktionale Wohnblöcke und der Palast des Volkes die Handschrift des sozialistischen Umbaus nach dem Erdbeben von 1977 tragen.

    Gerade diese Kontraste – zwischen kleinteiligen, historisch gewachsenen Straßenzügen, nüchternem Nachkriegswohnbau und monumentalistisch übersteigerter Staatsarchitektur – machen sichtbar, wie stark politische Ambitionen, Katastrophen und Wiederaufbauprogramme die Baukultur Bukarests geprägt haben.

    Wer diesen Spaziergang geht, liest in den Fassaden nicht nur Stilgeschichte, sondern auch Machtgeschichte: vom „Paris des Ostens“ über die sozialistische Modellstadt bis zur heutigen, vielfach gebrochenen Metropole.
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  • Zugfahrt durch die Karpaten

    January 6 in Romania ⋅ ☁️ 2 °C

    Am späten Nachmittag lassen wir Bukarest hinter uns: Wohnblöcke, Lagerhallen und Vorstädte gleiten am Fenster vorbei, dahinter die flache Walachei mit Feldern, kahlen Bäumen und kleinen Dörfern im Winterlicht
    Je weiter der Zug nach Norden rollt, desto deutlicher zeichnet sich der dunkle Kamm der Karpaten am Horizont ab; die Ebene geht über in die Hügel des Karpatenvorlandes, der Fluss Prahova begleitet uns als silbriges Band in der Dämmerung. Im Prahova‑Tal rücken Bahn, Straße und Fluss eng zusammen, der Zug schmiegt sich zwischen bewaldete Hänge und erste Felswände, während in Orten wie Sinaia, Bușteni, Azuga und Predeal Hotellichter und einzelne Bergsilhouetten durchschimmern.

    Hinter dem Pass öffnet sich Siebenbürgen: In der Dunkelheit tauchen die ersten Vororte und Lichterketten von Brașov auf, bevor wir kurz darauf in die Karpatenstadt einfahren. Die ersten drei Stunden waren eine gute Einstimmung auf das, was uns in den nächsten 15 Stunden auf dem Weg nach Wien erwartet...
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  • Ein Nachklang der Rückreise

    January 7 in Hungary ⋅ ☁️ -5 °C

    Diese viertägige Rückreise von Istanbul nach Österreich war weit mehr als eine bloße Heimfahrt: Sie war eine Reise für sich, bei der wir Südosteuropa langsam, Etappe für Etappe, noch einmal neu erlebt haben.

    Aus dem dichten, orientalisch geprägten Alltag Istanbuls haben wir uns mit Bus und Zug Schritt für Schritt nach Westen bewegt – durch Thrakien, über die Ebenen Bulgariens, durch das Balkangebirge, an die Donau nach Russe, weiter nach Bukarest und schließlich mit dem Nachtzug durch die Karpaten nach Wien. Unterwegs haben wir erfahren, wie sich der Raum zwischen Bosporus und Alpen anfühlt, wenn man ihn am Landweg durchreist.
    Wir sahen winterliche Felder, Kleinstädte, Grenzbahnhöfe, Flusslandschaften und Hauptstädte, in denen sich unterschiedliche Epochen überlagern. Plovdiv mit seinen Hügeln und römischen Spuren, Russe mit der kühlen Donau-Eleganz und Bukarest mit seinem Mix aus Belle Époque, Sozialismus und Gegenwart wurden zu Symbolen eines allmählichen Übergangs von Orient zu Okzident.

    Die langen Stunden im Bus und im Zug – besonders die nächtliche Zugfahrt mit dem Dacia Express von Bukarest nach Wien – haben uns gezeigt, was langsames Reisen bewirken kann: Der Körper kommt im Rhythmus der Schienen zur Ruhe, Blicke aus dem Fenster wurden zu kleinen Studien über Landschaft und Alltag. Statt eines plötzlichen „Zurück-Seins“ nach einem kurzen Flug entstand das Gefühl, den Kontinent bewusst rückwärts zu durchqueren und diese Distanz auch innerlich mitzugehen.

    Als Reisegruppe haben wir gelernt, dass das vermeintliche „Dazwischen“ oft der wertvollste Teil der Reise ist. Die Rückfahrt hat uns nicht nur physisch heimgebracht, sondern uns mit einem reicheren Bild von Südosteuropa zurückkehren lassen – mit dem Eindruck, ein ganzes Stück Europa nicht nur gesehen, sondern wirklich durchmessen zu haben.
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    Trip end
    January 7, 2026