• Ruinen aller Orten

    October 14 in Italy 🌬 21 °C

    Einem Italien-Reisenden fallen nicht nur die häufig äußerst schlechten Straßen auf, die man zeitweilig gar nicht mehr als solche bezeichnen kann, die aber dennoch häufig wichtige Verbindungen zwischen kleinen Ortschaften sind. Es fällt vor allem auch auf, dass überall Ruinen von Häusern stehen. Ein paar Fotos habe ich mal in diesen Footprint gestellt.
    Man stolpert unweigerlich über sie: völlig ungesicherte, verfallene Bauernhöfe direkt am Straßenrand, die quasi dazu einladen, hineinzugehen. Eine Bekannte klärte mich dazu trocken auf: „Da sperrt keiner ab. Wer da reingeht und einbricht, ist nach italienischem Recht selbst schuld. Man sieht ja schließlich, dass es gefährlich ist.“
    Klingt pragmatisch, wird in der Praxis auch exakt so gelebt – ist rechtlich gesehen aber kompletter Blödsinn.
    Schlägt man nämlich das italienische Gesetzbuch auf, haftet der Eigentümer steinhart und automatisch für jeden herabfallenden Ziegelstein. Warum die Hütten dann trotzdem überall sperrangelweit offen herumstehen?
    Weil Theorie und Praxis in Italien traditionell zwei völlig verschiedene Sprachen sprechen. Viele Ruinen gehören Erbengemeinschaften, die über die ganze Welt verstreut und unauffindbar sind. Und für die ganz verzweifelten Fälle gibt es seit Kurzem sogar ein neues Gesetz: Eigentümer dürfen ihr wertloses, haftungsgefährliches Gemäuer einfach einseitig an den Staat verschenken.
    Der Haken an der Sache? Dem Staat fehlt schlicht das Geld, um diese Millionen Ruinen im Land zu sichern oder gar zu sanieren.
    Am Ende regelt es also nicht die Bürokratie, sondern die leere Kasse. Die Gesetze sind streng, der Staat ist pleite und die Ruinen bleiben offen. Italien eben.
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