• Lago del Salto

    October 17 in Italy ☁️ 15 °C

    Meine Flucht vor den Bauernprotesten in Süditalien führt mich von Stausee zu Stausee. An diesem Abend erreiche ich den Lago del Salto. Den kenne ich schon aus dem Vorjahr und ich erinnere mich daran, dass ich damals keinen vernünftigen Platz zum Übernachten gefunden habe. Ich hatte mich schlicht nicht getraut, über die Staumauer zu fahren, die für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt ist. In diesem Jahr bin ich da sehr viel unartiger. Landwirtschaftliche Fahrzeuge und der Lieferverkehr dürfen hier schließlich auch rüber. Es ist also sicher kein Problem mit dem Gewicht der Mauer, sondern soll wohl nur verhindern, dass Lkw den Weg als Abkürzung nutzen – was durchaus sinnvoll ist.
    Ich finde eine wunderschöne Stelle auf der anderen Seite, die leider im Schatten liegt. Direkt neben meinem Stellplatz liegt ein Agriturismo, der alten, trutzigen Befestigungsanlagen aus dem Zweiten Weltkrieg eine neue, weitaus bessere Verwendung gibt.
    Ich verbringe hier eine sehr ruhige Nacht. Der Parkplatz, auf dem das Wohnmobil steht, befindet sich nämlich direkt auf alten Ruinen, die im Zweiten Weltkrieg eine Flakstellung zum Schutz der Staumauer waren. Man steht und läuft hier also unversehens auf einem echten Stück Zeitgeschichte.
    Als das gewaltige Projekt im Jahr 1940 fertiggestellt wurde, hat man für diesen Stausee übrigens kurzerhand das gesamte Cicolano-Tal geflutet. Mehrere historische Dörfer sind damals wie ein italienisches Atlantis komplett im Wasser versunken und mussten weiter oben an den Hängen neu aufgebaut werden.
    Am nächsten Morgen erkunde ich zu Fuß das Seeufer unterhalb meines Platzes und stoße dabei auf massive Betonmauern. Man sieht sofort, dass das Militärbauten sein müssen. Die Staumauer war strategisch enorm wichtig für die Stromversorgung Roms, weshalb das Gelände damals massiv vor Luftangriffen geschützt wurde. Heute holt sich die Natur die alten Stellungen langsam zurück, was dem Ufer einen ziemlich mystischen Charakter verleiht.
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