• Verkehrsknotenpunkt

    February 7 in Iraq ⋅ ☁️ 13 °C

    Viel Sehenswertes gibt es an der Strecke von Mossul nach Baghdad nicht zu sehen. Die Landschaft ist flach und monoton, die Strecke führt durch kilometerlange Gewerbegebiete. Zilliarden parkender Lkw säumen die Straßen. Warum, lässt uns rätseln.

    Einen tiefen Blick ins irakische Wesen bietet der Tag dann aber doch. Als plötzlich der Verkehr auf der vier- bis achtspurigen (so genau weiß das niemand, ist auch egal) Schnellstraße stockt, kommt Stimmung auf. Wilde Wendemanöver heben an, kreuz und quer geht es über den leitplankenlosen Mittelstreifen, und plötzlich ist das Konzept der Richtungsfahrbahn komplett aufgehoben.

    Auf allen Spuren geht es jetzt in tutti diretioni, Autos und Lkw blicken sich gegenseitig tief in die Scheinwerfer, und wenn die Verkeilung komplett ist, hat man ja auch noch eine Hupe. Alle suchen ihr Heil in der Flucht auf einer Art Feldweg, um am Stau vorbeizukommen. Was bestenfalls einen halben Kilometer Vorsprung bringt. Denn dann führt kein Weg mehr vorbei an der Autobahn - aber auch keiner zurück dorthin.

    Also über Stock und Stein die Böschung hoch, um eine Lücke zwischen zwei Trucks zu ergattern. Wer mangelhaft motorisiert ist, braucht Schiebehilfe. Unsere Bergziege T4 Synchro dagegen ist in ihrem Element. Ein einzelner Polizist beobachtet das Geschehen kopfschüttelnd - im Bewusstsein völliger Hilflosigkeit. Zentimeter um Zentimeter wird mühsam erkämpft, frei von Berührungsängsten. Wenn's eng wird: Bloß nicht nachgeben. Und eifrig hupen! Warum wir uns das antun als Deutsche, fragt uns ein Iraker. Das sei doch "Shit", was seine Landsleute hier aufführten. Warum, frage ich zurück. Ich find's großartig! Anarchie im Praxistest, bedingt alltagstauglich 😜

    Kaum haben wir dieses köstliche Chaos hinter uns gelassen, dräut neues Ungemach: An der x-ten Kontrollstation interessiert sich ein Polizist angelegentlich für unsere Efes-Vorräte. Bier, erst vor wenigen Stunden in Kurdistan völlig legal erworben, wird im Zentralirak nicht gern gesehen. Behalten dürfen wir es nach einigem Hin und Her doch.

    Keine 280 Kilometer haben wir heute geschafft, Baghdad ist noch fern. Aber Nacht-Fahrten sind hier die Hölle. Also endet der Tag, wie er begann: Im gleißenden Neonlicht einer Fernfahrer-Kaschemme. Nicht wirklich gemütlich, aber dafür umso authentischer - und das Essen ist superlecker.

    Zum Absacker-Efes am Parkplatz bekommen wir Besuch von Einheimischen. Völkerverständigung beim Dosenbier. Was für ein Tag!
    Read more