• Die Stadt der Superlative

    February 20 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 25 °C

    Ein Superlativ jagt das nächste auf dieser Reise. Nach der Moschee-Extravaganza in Medina empfängt uns Jeddah/Dschidda (es gibt dutzende Schreibweisen) mit der höchsten Springbrunnen-Fontäne der Welt. Zwei 3000-MW-Pumpen pressen 625 Liter Meerwasser pro Sekunde über 300 Meter in die Höhe. 16 Tonnen Wasser, von 500 Scheinwerfern angestrahlt, stehen in der Luft.

    Ein Spektakel, das von der ganzen Stadt aus zu sehen ist - auch von dem Strandabschnitt aus, an dem wir unser Nachtquartier aufschlagen. Auf einer riesigen, nur notdürftig befestigten Fläche stehen am Abend tausende Autos. Familien und Freunde kommen zusammen, essen, trinken und spielen - gemeinsames Fastenbrechen mit Meer- und Fontänenblick vor der Silhoutte der modernen, grell illuminierten Vier-Millionen-Stadt. Bunt beleuchtete Eiswägen drehen ihre Runden und buhlen mit Teehändlern um Kundschaft. Bis tief in die Nacht bleiben die Leute, um vier Uhr früh herrscht noch reger Verkehr. Dieser Lebensrythmus - die Nacht zum Tag machen - gefällt mir ausgesprochen gut.

    Auf dem Hinweg hatten wir einen Strandnachmittag im badewannenwarmen Roten Meer eingelegt. Noch so ein Phänomen: Ein kilometerlanger, bestens ausgebauter Küstenabschnitt mit Boulevard, Spiel- und Parkplätzen ist völlig menschenleer. Wir haben das nur hüfttiefe, kristallklare Meer quasi für uns allein, werden aber von zwei freundlichen Rangern, die Patrouille fahren, zügig des Wassers verwiesen: Badeverbot mangels Baywatch.

    Heute gibt es abermals viel zu entdecken in der Stadt - Superlativen inklusive. Ein 30 Kilometer langer Strandboulevard ("Corniche") erwartet uns - und der höchste Fahnenmast der Welt. Um diesen bizzaren Rekord wetteifern diktatorische Herrscher in Zentralasien und im Mittleren Osten mit Vorliebe und großem Eifer. Seit 2014 hat der saudische König mit 171 Metern den höchsten. Zuvor war's sein Kollege in Duschanbe (Tadschikistan) mit 165 Metern.

    Abgesehen davon ist Dschidda sehr amerikanisch geprägt, vom Straßenbild her. Wer US-Atmosphäre genießen möchte, ohne bei der Einreise wegen majestätsbeleidigender Internet-Kommentare von den Schergen des Machthabers belästigt zu werden, muss einfach nach Saudi-Arabien. Was vor kurzem noch ein Scherz gewesen wäre, nähert sich hurtig der Realität. Natürlich ist Saudi-Arabien noch längst kein Musterstaat für Freiheit und Menschenrechte, aber im Gegensatz zu den USA auf dem langen Weg dorthin - und nicht auf dem Pfad zurück in finstere Zeiten des Faschismus.
    Read more