Was für ein geiler Scheiß!
February 23 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 28 °C
Über die Vorzüge der U-Bahn in Riad habe ich - der geneigte Treuepunktsammler mag sich erinnern - hier ja kürzlich schon einmal räsoniert. Doch es lohnt sich, der Metro ein eigenes Kapitel zu widmen. Worauf ich durch Zufall gestoßen bin.
Im Rahmen der Stadterkundung fiel uns eine abenteuerliche Station auf: Eine gewaltige Schale, wie aus einem vollen Stück Edelstahlblech gedengelt, überdacht das Zugangsloch zum Untergrund des Bahnhofes Qasr Al Hokm.
Entworfen hat ihn Snøhetta (Oslo) als zentrale Verknüpfung von moderner Metro und dem traditionellen Viertel. Das glänzende Dach leitet das Licht nach unten, spendet Schatten und schafft einen begrünten Innenbereich. Die Station wurde als eine der schönsten der Welt ausgezeichnet.
Auf der Suche nach dem Urheber dieser einmaligen Dachkonstruktion stieß ich auf die Info, dass sich auch meine Lieblingsarchitekten vom Büro der irakisch-britischen Stil-Ikone Zaha Hadid in der Stadt verwirklicht haben. Das war schnell bestätigt und machte einen nächtlichen Ausflug unabdingbar.
Und was hat er sich gelohnt!
Die Fassade des Metro-Stopps KAFD (King Abdullah Financial District) erinnert an vom Wüstensand geformte Dünen mit einer skulpturalen, gefalteten Struktur. Innen dominieren großzügige Hallen ohne einen einzigen rechten Winkel. Überall weiche, fließende, organische Linien - eine Augenweide aus jedem Blickwinkel. Ein monströses Bauwerk, das doch Leichtigkeit ausstrahlt zwischen den Bürohochhäusern. Ein echtes Meisterwerk moderner Baukunst.
Ist Zaha Hadids Entwurf Liebe auf den ersten Blick, so ist die STC Metro Station schon etwas sperriger. Von Gerber Architekten (Deutschland) gestaltet, gehört sie zu den „ikonischen Bahnhöfen“, die auf speziellen Architektouren in Riad besucht werden können. Eine filigran wirkende Glasfassade scheint eine überdimensionale Baiser-Haube zu tragen. Erst auf den zweiten und dritten Blick und aus der Distanz erschließt sich die Eleganz des letztlich doch überraschend wohlproportionierten Bauwerkes, das eines gemein hat mit den meisten Haltepunkten in Riad: Sie erscheinen alle opulent, ja geradezu verschwenderisch dimensioniert.
Das 176 Kilometer lange, komplett neue Metro-Netz Riads mit 85 Stationen auf sechs Linien wurde erst 2024/2025 eingeweiht. Es hat etwa 17 Milliarden Euro gekostet und wird vollständig fahrerlos betrieben. Es ist die längste vollautomatische U-Bahn der Welt - und vermutlich eine der wenigen, in denen Männer, Frauen und Familien in separaten Wägen fahren.
Ergänzt werden soll die Metro im Finanzdistrikt durch eine Monorailbahn. Das Projekt startete schon 2014, wurde dann aber auf Eis gelegt und 2022 neu gestartet. 2027 sollen die Züge auf der bereits gebauten Stelzen-Strecke mit 3,6 Kilometern rollen. Gut zu wissen, dass nicht nur in Deutschland gut Ding mitunter Weile haben will...
Was sonst noch geschah heute: vor dem futuristischen Abendprogramm sind wir tief in die Geschichte Saudi-Arabiens und seiner jungen Monarchie eingetaucht im prächtigen Nationalmuseum und in einem frühreren Fort, das als Keimzelle Riads gilt. Und ein paar Autos des königlichen Fuhrparks haben wir auch bestaunt. Der Bogen von vorvorgestern bis morgen ist somit bestmöglich gespannt.Read more























TravelerSehr cool!