• Wohlfühl-Metropole mit vielen Facetten

    March 16 in Qatar ⋅ ☁️ 33 °C

    Halt noch eine durch's liebe Öl reich gewordene Großstadt - so in etwa könnte man meine Erwartungshaltung an Doha, die Hauptstadt von Katar (oder Qatar), zusammenfassen. Wie man sich doch täuschen kann! Doha ist bunt und vielfältig und hat viele charmante Ecken - eine gechillte Wohlfühl-Metropole, die uns zunächst aber mit Raketenalarm begrüßt.

    Kaum haben wir im dritten Anlauf einen Stellplatz für die Nacht gefunden, erscheint auf den Handys die Warnung vor Beschuss. Wenig später dann vier, fünf heftige Detonationen: Die Luftabwehr hat Raketen unschädlich gemacht. Später lese ich in der örtlichen Zeitung: Von 14 iranischen Waffen wurden 13 eliminiert, eine stürzte auf unbewohntes Terrain. Auch diverse Drohnen wurden allesamt abgefangen.

    Die Bewohner scheinen die Alarme ebenso gelassen zu nehmen wie wir. "Stell Dir vor, es ist Krieg - und keiner geht hin" lautete einst ein beliebter Sponti-Spruch. Er wird hier auf merkwürdige Weise Realität. Lass die ruhig schießen - unsere Luftabwehr steht, lautet die Devise der meisten Bürger. Viele sprechen uns an, heißen uns willkommen in Katar, entschuldigen sich für die Umstände (z.B. sind aus Sicherheitsgründen derzeit leider alle Museen geschlossen) und versichern uns: Ihr seid hier sicher.

    Da wir direkt vor den Toren von The Pearl campieren, spazieren wir gleich mal durch die künstliche Lagunenstadt mit ihrem erstaunlich grobschlächtig nachempfundenen Venedig - da hätte ich mehr Liebe zum Detail erwartet. Mit dem Uber-Taxi - auch das eine Premiere für mich - geht es anschließend in die Altstadt, die im Vergleich zum Venedig-Verschnitt im Reichenghetto Pearl sehr filigran hergerichtet wurde. Der Souk ist keine Touri-Falle, sondern lockt augenscheinlich vorwiegend Einheimische an.

    Im Lauf des Abends füllen sich die Gassen und Restaurants. In einem Straßencafè werden wir beim Karak (Tee mit Milch) Zeuge eines Altherrentreffens an den Nebentischen - Stammtisch gibt's hier also auch. Man erscheint, klassisch-gediegen, ganz in Weiß.

    Was es noch gibt: Einen Falkenmarkt. Ein halbes Dutzend Geschäfte bieten die Jagdvögel - neben Kamelrennen ein Nationalsport in Katar - an. Umgerechnet etwa 6000 Euro kostet ein Jungtier, rund 35.000 Euro ein ausgebildetes, weißes Prachtexemplar. Zubehör von der Augenhaube bis zum Falknerhandschuh gibt es ebenfalls in reicher Auswahl. Zwei Straßen weiter dann das Angebot fürs bescheidenere Budget: Wellensittiche, Zierfische oder Baby-Schildkröten.

    Nach lecker Fleischspießen zum Abendessen schlendern wir am von Skulpturen gesäumten Corniche, der Strandpromenade, gemütlich und kilometerweit Richtung Downtown und ergötzen uns dabei an der bunt beleuchteten Skyline, bis die Füße schmerzen und Uber übernimmt. In der Bucht vor den Riesen aus Glas, Beton und Stahl dümpeln dutzende Daus, die traditionellen Holzschiffe.
    Doha, Du Schöne - Du hast was!
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