Doha: Schön und reich zugleich
March 17 in Qatar ⋅ ☁️ 25 °C
Mit der Liebe auf den ersten Blick ist es ja oft so eine Sache. Doch Doha wird immer liebenswerter, je öfter man hinsieht. Immer wieder entdeckt man schöne Viertel, reizvolle Perspektiven und faszinierende Details.
Der Mina District ist ein ganz neuer Stadtteil, entstanden auf dem alten Hafengelände. Auf einem sanften Hügel stapeln sich verschachtelt bunte Häuser in zarten Pastelltönen. Mit ihren rundlichen Kanten folgen sie keinem konkreten Stil. Sie imitieren nichts. Und genau das macht sie so hübsch, auch wenn diese Shoppingmeile samt Fressgass und Streetart-Galerie natürlich artifiziell wirkt und nicht verleugnen kann, dass Touristen die primäre Zielgruppe sind. Der bildschöne Fischmarkt im Art-Nouveau-Stil mit seiner bunten Glasdecke ist das i-Tüpfelchen.
Mit einem riesigen Amphitheater, das an Verona erinnert, punktet das Künstlerviertel Katara. Es steht im Zentrum von Ateliers, Galerien, Boutiquen und Cafés sowie einer breiten Uferpromenade. Licht- und Wasserspiele, eine goldene Moschee sowie ein mondänes Einkaufszentrum, das Lafayette, runden die Sache ab.
Gekühlt werden in der von Skulpturen geschmückten Einkaufsstraße in protzigem Stilmix nicht nur die Innenräume. Auch im Freien umschmeichelt kühle Luft aus dem Boden die Beine. Angenehm zwar - aber ob das der Erderwärmung gegensteuert, muss bezweifelt werden.
Wohltemperiert und gediegen geht es auch im Crystal Walk auf der Insel Gewan zu, Dohas längster klimatisierter Fußgängerzone. Sie ist nachts besonders sehenswert mit ihren zahllosen, die Farbe wechelnden Schirmen, die an das Blätterdach von Bäumen erinnern. Die eigentlichen Stars der Straße sind allerdings in den Boden eingelassen: Unzählige Dioramen mit Motiven aus buntem Kristall, die regelmäßig gewechselt werden. Eine glatte Zehn auf der Kitsch-Skala.
Trotz solcher Eskapaden trägt Doha seinen Reichtum weniger protzig, weniger vulgär zur Schau als etwa Dubai. Gut drei Millionen Einwohner hat Katar, etwa 900.000 von ihnen leben in der Hauptstadt. Doch nur jeder zehnte (!) Bürger ist Einheimischer - der Rest sind ausländische Arbeitskräfte, meist aus Asien.
Wer als Katari geboren wird, hat damit entgegen landläufigem Glauben zwar nicht automatisch ausgesorgt. Er kommt aber in den Genuss vergleichsweise opulenter staatlicher Leistungen, zahlt keine Steuern und erhält Wasser und Strom quasi gratis.
Die Schattenseite: Mit vielen uns vertrauten Freiheiten ist es in Katar nicht weit her. Der König, Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani, herrscht in der Erbmonarchie weitgehend allein. Er hat die finale Entscheidungsgewalt in allen Bereichen und ernennt den Premierminister (auch ein Al Thani) sowie das Kabinett, das ihm allein verantwortlich ist.
Diese "Beratende Versammlung" hat 45 Mitglieder, die seit einer Verfassungsänderung 2024 alle vom Emir ernannt (früher teils gewählt) werden.
Lokale Aufgaben wie die Kommunalverwaltung fallen an gewählte Räte, die natürlich wem unterstellt sind? Dem Emir.Read more



























