• Zwischen Traditions-Souk und Luxus-Mall

    March 19 in Bahrain ⋅ ☁️ 22 °C

    Zugegeben - Bahrein und seine Hauptstadt Manama hatten es nicht leicht, zu punkten gegen Doha, Abu Dhabi und Dubai (meine persönliche Rangfolge der Metropolen am Persischen Golf). Und letztlich konnte die Stadt mich dann auch nicht wirklich für sich gewinnen. Doch auch wenn die Skyline noch etwas zerfleddert-inhomogen aussieht und einige Bauwerke einen deutlichen Sanierungsstau ausstrahlen, hat Manama einen gewissen Charme - und der verbirgt sich versteckt zwischen Hochhäusern.

    Dort nämlich, wo man ihn vielleicht am wenigsten erwarten würde, liegt der alte Souk, ein traditionelles Gewirr an Einkaufsstraßen, thematisch wie üblich sauber sortiert. Hier gibt es nicht - wie im nahen Mega-Mall The Avenues, das gediegenste Läden samt Kunsteislaufbahn auf einem Kilometer Länge vereint - Hochglanz-Marmor und internationales Gepräge. Hier quälen sich Autos und Fußgänger aneinander vorbei vor grellen Geschäften, die ihre Auslagen bis weit auf die Straßen und Gassen ausbreiten. Die Händler, überwiegend aus dem indisch-pakistanischen Raum, decken dutzendfach dasselbe Sortiment ab, doch sie scheinen alle ihre Kundschaft zu haben. Auch die zahllosen Juweliere, deren Gold-Angebot kaum zu fassen ist. Schmuck und Geschmeide dienen hier als Geldanlage und vor allem den Frauen als Lebensversicherung.

    Zwischen den krassen Gegensätzen Souk und Mall ragt als einziges wirklich spektakuläres Bauwerk das World Trade Center Bahrein mit seinen charakteristischen Windrädern, die Strom zur Kühlung der Glastürme erzeugen, hervor. Ansonsten darf man gespannt sein, was hier in den nächsten Jahren noch entsteht in der Hauptstadt des Inselstaates, der mir Saudi-Arabien und dem Festland durch eine 25 Kilometer lange Brücken- und Damm-Kombination verbunden ist.

    Manama ist übrigens die erste Stadt, in der wir Schäden durch iranischen Beschuss sehen. Mindestens drei Hochhäuser haben Treffer abbekommen. Auch hier erleben wir mehrfach Alarm und hören die Detonationen, wenn Drohnen oder Raketen erfolgreich abgeschossen wurden. Und auch hier tragen es die Menschen gelassen. Im British Club, in dem wir uns nach wochenlanger Abstinenz mal wieder den einen oder anderen alkoholischen Drink gönnen, wird die Aufforderung, vom Garten ins Innere zu kommen, nach der Entwarnung mit typischem Sarkasmus revidiert: Ein Kellner läuft mit Fahrradklingel und dem Schild "All clear!" durch die Räume.
    Angst sieht anders aus. Angst um sein Leben hat hier kaum jemand. Angst ums Eigentum schon. Manche Juweliere im Souk zeigen ihre Schätze nicht mehr im Schaufenster.
    Read more