• Der geschlossene Baum und Eis im Ölfeld

    March 20 in Bahrain ⋅ ⛅ 25 °C

    Überraschungen und spontane Routenänderungen liegen in der Natur eines Roadtrips - zumal in unruhigen Zeiten. Doch manche Tage laufen komplett aus dem Plan-Ruder. Und das sind am Ende meist die besten.

    Bahrein. Ein Mini-Inselkönigreich im Persischen Golf, 1,5 Millionen Einwohner, die Hälfte davon Expatriats. Mit der Hauptstadt Manama sind wir, zumal aus Sicherheitsgründen alle öffentlichen Einrichtungen dicht sind, nach einem Tag durch. Also erkunden wir das Umland.

    Erste Station: Der Baum des Lebens. Ein 400 Jahre alter Prosopis cineraria (Ghaf), der mutterseelenallein in der Wüste steht und Wissenschaftler rätseln lässt, woher er Wasser bekommt. Ein Naturwunder und eine Touri-Attraktion.

    Um den Wunderbaum zu erreichen, müssten wir durch military territory: eine Luftabwehrstation blockiert den Weg, wir werden von vergnügten Soldaten umgeleitet. Plötzlich finden wir uns mitten in einem Öl- und Gasförderfeld, zwischen kilometerlangen, rostigen Rohrleitungen, gemächlich nickenden Pferdekopfpumpen, Bohrtürmen, riesigen Lagertanks und Aufbereitungsanlagen samt Abfackel-Schloten. Sieben Wochen lang habe ich auf der arabischen Halbinsel vergeblich nach diesen Bildern Ausschau gehalten. Jetzt sind wir mittendrin.

    Dafür kommen wir an den Lebensbaum nur entfernt ran. "Geschlossen", sagt uns ein einsamer, vermummter Security-Mann, der das Naturdenkmal bewacht. Weil Krieg ist, dürfen wir den inner circle um das Gewächs nicht betreten. In dem riesigen Ölfeld dagegen können wir uns völlig frei bewegen. Irgendetwas sagt uns, dass diese Maßnahme nicht ganz zu Ende gedacht ist.

    Gesteigert wird die filmreife Absurdität der Szenerie noch durch einen kunterbunten Eiswagen, der in sicherer Distanz zum abgeschirmten Touri-Hotspot parkt. Gestern stand er noch in Downtown Manama, heute schon zwischen Pumpen und Prosopis. Sieben Mal gemischter Becher - der indische Eisdealer ist sichtlich überrascht, heute noch so ein Geschäft zu machen. Sein Eis ist völlig frei von natürlichen Geschmacksstoffen und darf mit Fug und Recht als kulinarische Katastrophe bewertet werden. Aber es ist das lustigste Eis, das ich je gegessen habe.

    Zwei Felsformationen später steht nur noch ein Programmpunkt auf der Tagesliste: Die Formel-1-Strecke. Geschlossen, vermuten wir, zumal der nächste Grand Prix von Bahrein bereits abgeblasen wurde wegen des Krieges. Doch wir haben Glück: Wir dürfen nach Belieben auf der Haupttribüne herumklettern bis in die VIP-Lounges hinauf, die derzeit renoviert werden. Nach dem Kamelkurs in Katar sind wir allmählich Spezialisten für Rennstrecken ohne Rennbetrieb.

    Das Abendquartier beziehen wir gleich bei der Brücke zum Festland in einem schönen Park an einem kleinen Fischerhafen. Wo uns nach diesem Tag der Überraschungen gleich noch eine erwartet. Aber dazu später, mit gesonderter Post.
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