• Wo Strassen plötzlich Wasser sind

    May 15 in the Netherlands ⋅ 🌧 9 °C

    Von der rauen Industrie in Duisburg direkt ins komplette Gegenteil: ins charmante Giethoorn— auch bekannt als das „Venedig von Holland“. Und ja, den Namen versteht man sofort, sobald man dort ankommt.

    Die Fahrt lief erstaunlich entspannt. Wenig Verkehr, gemütliches Reisen mit Knutschi und schon bald stehen wir auf dem grossen Stellplatz mit Platz für ganze 99 Wohnmobile. Trotzdem hat’s noch genügend freie Plätze gehabt.

    Natürlich zieht es uns sofort ins Dorf. Wobei „direkt“ etwas übertrieben wäre … wegen den vielen Kanälen muss man zuerst einen kleinen Umweg laufen. Aber genau das macht den Ort ja so speziell. Überall Wasser, kleine Brücken, Reetdächer und hübsche Häuser wie aus einem Bilderbuch. Man schlendert einfach ein bisschen herum und entdeckt an jeder Ecke wieder etwas Schönes.

    Das Verrückte ist: Die ganzen Kanäle entstanden ursprünglich gar nicht für die Touristen. Im 13. Jahrhundert wurde hier Torf abgebaut, den man damals als Brennstoff brauchte. Durch das Ausstechen entstanden immer mehr Wassergräben und kleine Seen und daraus entwickelte sich später dieses einzigartige Dorf. Viele Häuser waren früher tatsächlich nur mit dem Boot erreichbar. Statt Strassen gibt es kleine Fusswege, unzählige Holzbrücken und natürlich Boote. Genau das macht die Stimmung hier so ruhig und entschleunigt. Man hört Wasserplätschern, Enten und hie und da ein leises Motorboot aber fast keinen Verkehrslärm.

    Der ursprüngliche Plan: selber ein kleines Motorboot mieten. Ab 12 Jahren darf man die Dinger hier tatsächlich schon fahren. Aber das Wetter konnte sich einfach nicht entscheiden. Fünf Minuten Sonne, dann wieder Regen, dann wieder Sonne. Typisch Ferienwetter, bei dem man ständig nicht weiss: Sonnenbrille oder Regenjacke?

    Als es während dem Herumlaufen wieder leicht angefangen hat zu regnen, haben wir spontan umdisponiert. Statt selber Kapitän zu spielen, wurde es ein grösseres, überdachtes Boot, warm, trocken und ehrlich gesagt ziemlich gemütlich. Und die Entscheidung war goldrichtig.

    Während der Bootstour glitten wir langsam durch die schmalen Kanäle von Giethoorn, vorbei an alten Bauernhäusern, gepflegten Gärten und kleinen Holzbrücken. Die typischen Häuser mit den Reetdächern sehen aus, als wären sie direkt aus einem Märchenbuch gefallen. Viele davon stammen noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Und überall spiegeln sich die kleinen Brücken und Blumen im Wasser, wirklich fast kitschig schön.

    Nach der Bootstour liefen wir nochmals gemütlich den Kanälen entlang, natürlich mit ständigem Fotostopp. Aber ganz ehrlich: Hier sieht halt einfach jede Ecke aus wie eine Postkarte. Kleine Brücken, hübsche Häuser, blühende Gärten und überall diese friedliche Stimmung.

    Zwischendurch kehrten wir noch im berühmten Grand Café Fanfare ein. Rolf gönnte sich eine heisse Schokolade, ich natürlich einen Aperol Spritz, irgendwer muss ja schliesslich das Feriengefühl hochhalten. Draussen spielte das Wetter weiterhin verrückt, drinnen war’s dafür wunderbar gemütlich.

    Das Lustige daran: Das Restaurant heisst nicht einfach zufällig „Fanfare“. Der Name stammt vom berühmten niederländischen Film Fanfare aus dem Jahr 1958, der genau hier in Giethoorn gedreht wurde. Der Film von Regisseur Bert Haanstra war damals ein riesiger Erfolg und machte das Dorf weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Viele sagen sogar, dass Giethoorn erst durch diesen Film zum berühmten „Venedig von Holland“ wurde.
    Im Restaurant selber hängt noch heute ganz viel Erinnerung an den Film: alte Fotos, Fanartikel und nostalgische Dekorationen. Man sitzt also nicht einfach irgendwo gemütlich am Kanal, sondern mitten in einem kleinen Stück niederländischer Filmgeschichte.

    Danach schlenderten wir langsam zurück, machten noch einen Halt im kleinen Supermarkt und spazierten dann wieder Richtung Knutschi. Und jetzt wird definitiv noch etwas getrunken. So ein romantischer Tag im „Venedig von Holland“ muss schliesslich würdig abgeschlossen werden. 🍹
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