Zur Insel Langeoog
May 19 in Germany ⋅ ☀️ 15 °C
Der heutige Tag begann ganz gemütlich hier auf dem Stellplatz in Bensersiel. Nach dem wunderschönen Sonnenuntergang gestern Abend und einer ruhigen Nacht machten wir uns am Morgen bereit. Denn heute stand eine geführte Tour nach Langeoog auf dem Programm. Um neun Uhr mussten wir bereits am Hafen sein, und um halb zehn tuckerte die Fähre gemütlich los Richtung Insel.
Schon die Überfahrt hatte etwas Entschleunigendes. Kein Stress, kein Verkehr, einfach Wasser, Wind und Möwen. Auf Langeoog angekommen, ging es gleich weiter mit dem Inselbähnchen ins Städtchen. Das ist jedes Mal fast wie eine kleine Zeitreise, keine Autos, kein Motorengebrumm, einfach Inseltempo. Irgendwie schaltet der Kopf da automatisch zwei Gänge runter.
Im Dorf machten wir dann eine etwa eineinhalbstündige Stadtführung, die wirklich spannend war. Besonders geblieben ist uns die Geschichte von Lale Andersen und ihrem Denkmal unter der Strassenlaterne. Viele kennen zwar das Lied „Lili Marleen“, aber die Frau dahinter offenbar weit weniger.
Die Führung erzählte nämlich nicht einfach nur die schöne, romantische Version. Lale Andersen wollte eigentlich immer eine ganz grosse Sängerin werden. Berühmt, gefeiert, bewundert. Nur hatte sie offenbar gar nicht diese klassische grosse Stimme, die damals gefragt war. Sie konnte nicht besonders hoch singen und galt eher als durchschnittliche Sängerin. Vielleicht war genau das ihr innerer Kampf, immer mehr erreichen wollen, als sie eigentlich konnte.
Und trotzdem wurde sie weltberühmt. Ausgerechnet mit diesem einen melancholischen Lied: „Lili Marleen“. Ein Lied über Sehnsucht, Abschied und eine Laterne vor der Kaserne. Anfangs wollten die Nationalsozialisten das Lied offenbar gar nicht besonders fördern, weil es ihnen zu traurig und zu wenig heldenhaft war. Aber genau diese traurige Stimmung traf mitten ins Herz der Soldaten. Nicht nur bei den Deutschen, auch bei den Alliierten.
Das Lied lief oft ganz am Schluss des Radioprogramms von Radio Belgrad. Um 22 Uhr war jeweils Sendeschluss, und kurz davor spielte man häufig noch „Lili Marleen“. Viele Soldaten warteten jeden Abend genau auf dieses letzte Lied. Und gerade dadurch wurde es immer berühmter. Schon verrückt eigentlich: Das Lied, das man zuerst gar nicht richtig wollte, wurde genau deshalb weltbekannt, weil es immer als letztes gespielt wurde.
Auch privat verlief ihr Leben alles andere als einfach. Sie heiratete früh, liess sich wieder scheiden und führte später ein recht freies Leben mit verschiedenen Beziehungen. Das sorgte damals schnell für Gerede. Besonders schwierig wurde es während der Nazizeit, weil darunter offenbar auch jüdische Bekanntschaften waren. Dadurch geriet sie selber zunehmend in ein schlechtes Licht und stand zeitweise sogar unter Beobachtung.
Langeoog wurde für sie darum eher ein Rückzugsort als eine grosse Heimatliebe. Hier fand sie offenbar etwas Ruhe vor dem Druck und dem ganzen Wirbel um ihre Person. Wobei die Insel damals selber alles andere als friedlich war. Während des Krieges war Langeoog militärisch besetzt, voller Soldaten, Bunker und Sperrgebiete. Feriengäste durften zeitweise gar nicht mehr auf die Insel kommen. Wenn man heute gemütlich durch die Dünen läuft, kann man sich das fast nicht mehr vorstellen.
Nach der Führung hatten wir noch freie Zeit und spazierten natürlich zum riesigen Sandstrand. Es gibt dort tatsächlich verschiedene Strandabschnitte — Drachenstrand, Hundestrand, Pferdestrand. Wir liefen lange am Meer entlang, mit Sonne im Gesicht und ordentlich Wind um die Ohren. Wirklich wunderschön heute.
Zwischendurch gab es noch ein feines Fischmittagessen, wenn man schon an der Nordsee ist, gehört das einfach dazu. Danach ging es mit dem Inselzug wieder zurück zum Hafen, dann mit der Fähre zurück nach Bensersiel und schliesslich wieder heim zu Knutschi.
Ein ruhiger, schöner Tag ohne grosses Spektakel. Aber genau diese Tage bleiben manchmal am meisten hängen.Read more

























TravelerDanke für diesen Tipp
Jürg BühlmannWir lieben diese Insel👍🏻😄