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  • Day477

    Die blaue Stadt Jodhpur

    January 21 in India ⋅ ⛅ 20 °C

    Jodhpur zieht uns mit seiner blauen Altstadt in den Bann. 💙 Viele Häuser sind in herrlichen Pastelltönen angemalt. Als wir morgens durchgehen ist es ruhig und friedlich. Autos können nicht in die blaue Stadt, da die Straßen zu klein sind. Rikschas verstopfen diese dafür zu Stoßzeiten und kommen weder vor- noch rückwärts. 🙈

    Auf den Dächern der Häuser kann man am Morgen in völliger Ruhe alleine frühstücken. ☕ Die Inder sind generell keine Frühaufsteher und so haben wir meist bis mittags die Stadt fast für uns. 😄 Die märchenhafte Stadt mit ihren Festungen, Palästen und Tempelanlagen bringen das Herz in Verzückung. 🏰

    Viele fragten uns, wo es in Indien noch hingeht und bei Rajasthan sagen sie lächelnd: "Ohhhh Rajasthan, sooo beautiful!" 😄 Auch Jodhpur liegt in Rajasthan und es gibt noch so vieles was man sich im Norden Indiens anschauen könnte. Ein Jahr würde nicht für das riesige geheimnisvolle Land reichen.

    In unserer Unterkunft fühlt man sich wie in 1001 Nacht. Haben großes Glück, so ein Schmuckstück gefunden zu haben. 👍 Vom Rooftop, wo der junge Hausdackel Chili immer für ein paar Streicheleinheiten zu finden ist, schaut man auf das schöne Fort Mehrangarh und den Umaid-Bhavan-Palast. Die Übernachtung in dem integrierten Hotel im Palast kostet mal eben 1000 Euro. Beide werden nachts romantisch angeleuchtet. Als im Palast eine Hochzeit stattfindet, startet ein Feuerwerk. 🎇 In Indien zeigt man, wenn man was hat. Selbst wenn man nichts hat, opfert man quasi sein letztes Hemd für eine riesengroße pompöse Hochzeit in Indien.

    Die Sonne geht jeden Abend gegen sechs als riesiger leuchtender Feuerball unter und erinnert einen daran, das man in der Wüste ist. Sofort wird es frisch, sobald sie weg ist. 🌞🐫🏜️

    Das Fort Mehrangarh ist eine der vielen Festungen die wir uns genauer anschauen. Auf einem 130 Meter hohen Felsen erbaut, überblickt es die Stadt und ist viel filigraner als die Forts in Jaipur. Innen sieht man einiges über die Miniaturmalerei, die sehr bekannt in Rajasthan ist. 🎨

    Das Tor Lohan Pol mit seinen spitzen Eisenstacheln gegen Elefanten ist beeindruckend. An der Seite findet man rote, leicht verblichene Handabdrücke. Sie stammen von den Witwen des Maharadschas Man Singh, die sich 1843 freiwillig mit ihm auf dem Scheiterhaufen verbrannt haben. Angeblich ohne zu schreien. Frauen die "Sati" begingen, wurden im Anschluss in hohen Ehren gehalten und teilweise göttlich verehrt.

    Draußen an den Bäume hängen die Äste voll mit Papageien, die mit ihren Farben gut getarnt sind. 🦜😍 Hunderte Streifenhörnchen, die einen interessiert anschauen, flitzen auf den Forts herum. 🐿️

    In Jodhpur gibt es etliche Straßenhunde, die teilweise auf den Autos schlafen, um sich vor der Kälte und anderem in der Nacht zu schützen. 🐕🐕

    Große Hulman-Languren, Affen die bis zu 18 Kilo schwer werden können und nur in den trockenen Gebieten Indiens vorkommen, sitzen auf den Dächern. Als Nachfahren des Affengottes Hanuman, gelten die Affen in Indien im Hinduismus als heilig und werden nicht verjagt und sehen sehr gepflegt aus. 🐒🐒

    Hinduisten glauben an die Wiedergeburt - als wer oder was man wiedergeboren wird, soll vor allem davon abhängen, wie gut man sich in seinem vorherigen Leben verhalten hat. Hunde, Katze oder zum Beispiel als Schwein wieder geboren zu werden ist in ihren Augen eine große Strafe und zeugt davon, das man ein schlechtes Karma hatte. Der Todesgott Yama besitzt zwei vieräugige Sarameya-Wachhunde, was das Leben der Hunde in Indien nicht leichter macht.

    Das Jaswant Thada wird auch das Taj Mahal von Mawar genannt. Das schöne Denkmal aus Marmor mitten auf den Bergen wurde neben einem malerischen See errichtet. 🏯

    Das möchten wir uns genauer anschauen und versuchen ein Plätzchen zu finden, von wo aus man einen schönen Blick darauf hat. Durch eine indische Wohngegend soll man auf einen Berg daneben klettern können. Die Einheimischen sind sehr nett, jeder möchte einem den Weg zeigen und jeder davon ist falsch. 😅

    Zwei ältere Jungs kommen an, möchten das wir mit ihnen Cricket spielen, der Volkssport der Inder, eingeführt durch die Briten. Danach möchten sie uns unbedingt den Weg zeigen und der scheint richtig zu sein. Beim Aufstieg auf den Berg meint der Große zu mir, der 14 Jahre alt ist wie er erzählt, ich hätte hübsche Brüste. Ich dachte ich höre nicht richtig und als ich ihn zur Rede stelle, tut er so als wenn er es nicht versteht und geht weiter vor. Sven meint ich hab mich doch bestimmt verhört.

    Oben angekommen möchte er mich küssen. Sven platzt der Kragen und er wird laut. Die Jungs verziehen sich. Endlich Ruhe. Klettern zu zweit Richtung Tempel und machen schöne Aufnahmen. Beim filmen haben wir gesehen, dass die Jungs sich hinter Büschen um die Ecke verstecken und so fassen wir uns kurz.

    Sie kommen raus und fragen was unsere Drohne wert ist, was wir für ein Handy haben und ob wir noch eins haben irgendwo. Zudem möchten sie nun auch Geld, weiterhin einen Kuss von mir, Fotos mit mir machen und das wir vorgehen um mit ihnen nach unten zu gehen. Der Größere der beiden hält einen großen Stein in der Hand. Ich denke kurz nach was wir zum wehren haben. Das kleine Messer, was ich vorher aus dem Rucksack geholt habe, als ich mich schon bedroht gefühlt habe, meine Wasserflasche und auf jeden Fall würde ich zur Not auch ein Stein finden, aber das möchte ich gar nicht. Sven drückt ihm nach lautem hin und her etwas Geld in die Hand und meint sie sollen uns in Ruhe lassen. Es nützt alles nix. Sie gehen nicht und lassen nicht locker. Sven wird richtig sauer und der Junge lässt Gott sei Dank den Stein fallen. Sie gehen aber immernoch nicht.

    Schwer einzuschätzen, zu was die Jungs imstande sind, wenn sie sich sicher fühlen, so weit weg von allem. Wir müssen ja noch runter klettern... Da wir in der Nähe des Tempels sind, ergreifen wir vorsichtig die Flucht und klettern schnell über die hohen Mauern des Tempels. Sie rufen noch hinterher. Dann lassen sie von uns ab. Puh... und wir sind extra tagsüber gegangen in einer touristischen Region, nicht in der Dunkelheit, wo die Jungs und Männer sich sicher fühlen und oft Vergewaltigungen statt finden.

    Haben von Männern gehört, die einen hinters Haus oder eine Sehenswürdigkeit locken, das dort noch eine tolle Sehenswürdigkeit oder ähnliches zu sehen ist und dann werden die Frauen vergewaltigt. Indien ist in der Hinsicht ein sehr hartes Pflaster und man muss aufpassen, gerade als Frau alleine. Ich werde sehr oft angestarrt und angesprochen, obwohl ich fast bis oben hin in Klamotten eingepackt bin, selbst wenn Sven nur mal ne Minute nicht bei mir steht. Auch diese Seite gehört leider zu Indien dazu. 🇮🇳

    Leckeres safes Essen findet man schwerer im Norden als im Süden Indiens. 🍴 Der Norden ist viel ärmer, was sich häufig bemerkbar macht. Die letzten zehn Jahre haben wir oft auf Reisen überall gegessen, heute nach Lebensmittelvergiftungen, Salmonellen und Cholera sind wir etwas vorsichtiger. 😅 Passieren kann einen immer was, man kann es nur minimieren. In Indien machen wir einen Mix aus selber kochen und Essen gehen, je nachdem ob es eine Küche in der Bleibe gibt. Oft gibt es keine, erst recht nicht so wie wir es in Deutschland kennen. Mal nur einen Wasserkocher oder auch gar nichts.

    Kurz vor der Abreise nach Agra werde ich von Schüttelfrost und heftigen Bauchschmerzen geplagt. Dazu kommen seit Tagen unerklärliche dauerhafte Kopfschmerzen. Sven merkt auch was im Bauch, aber wir haben unterschiedliche Sachen gegessen. 😅 Als ich im Bett liege, rieche ich wieder einen ganz leichten verbrannten eigenartigen Geruch, der mir vor ein paar Tagen schon aufgefallen ist. Sven richt nichts, erst als es heftiger wird. Die Unterkunft hat einen kleinen Heizlüfter gegen die Kälte in der Nacht, der nun mit der Steckdose verschmolzen ist. 🙈 Daher also die Kopfschmerzen. 💡 Okay der bleibt jetzt aus!
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