• Volksparkstadion Hamburg

    August 30, 2014 in Germany ☁️ 21 °C

    Ein Städtetrip in meine lieb gewonnene Hansestadt Hamburg sollte mit einem Besuch im Volksparkstadion krönend abgerundet werden. Auf dem Programm stand das Heimspiel des HSV gegen den SC Paderborn. Da meine Begleitung krankheitsbedingt kurzfristig ausfiel, gab ich ein Ticket zurück und machte mich schließlich als Einzelkämpfer auf den Weg in Richtung Volkspark.

    Schon in der U-Bahn suchte ich das Gespräch mit den umstehenden Fußballfans. Die HSV-Anhänger gaben sich durchweg selbstsicher: Der No-Name-Aufsteiger aus Ostwestfalen, der da im Volkspark gastierte, sollte nach ihrer festen Überzeugung schließlich keinesfalls zum Problem werden. Ein souveräner Heimsieg war fest eingeplant.
    Doch was sich wenig später auf dem Rasen abspielte, stellte die Zuversicht der Hamburger Anhänger gewaltig auf die Probe – und wandelte sie Minute für Minute in blanke Ernüchterung um.

    Paderborn agierte von Beginn an frech, mutig und extrem diszipliniert, während beim HSV spielerisch fast gar nichts zusammenlief. In der 29. Minute folgte die erste kalte Dusche für das Heimpublikum: Elias Kachunga stieg nach einer Flanke am höchsten und köpfte den Außenseiter mit 0:1 in Führung. Die Tribünen um mich herum verstummten zum ersten Mal merklich. Lediglich zwei einzelne Paderborner, die in meinem Umkreis saßen feierten diese Sensation so überschwänglich, was ein Hamburger humorvoll, spöttisch und mit nordischer Nüchternheit mit Glücksgefühlen, die man ansonsten nur im Schlafzimmer erlebt, verglich.

    Wer in der zweiten Halbzeit auf eine Reaktion des HSV gehofft hatte, wurde bitter enttäuscht. Paderborn konterte die verunsicherten Hamburger nach allen Regeln der Kunst aus. In der 68. Minute vollendete Mario Vrančić einen blitzsauberen Angriff zum 0:2. Spätestens jetzt wich die anfängliche Selbstsicherheit in den Blöcken entsetztem Kopfschütteln und ersten lautstarken Unmutsbekundungen.

    Den endgültigen Todesstoß gab es in der 87. Minute, als Moritz Stoppelkamp zum 0:3-Endstand abstaubte und den allerersten Bundesliga-Sieg der Paderborner Vereinsgeschichte perfekt machte.
    Als der Schiedsrichter die Partie abpfiff, entlud sich die geballte Wut der Hamburger Fans in einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert. So hatte sich die U-Bahn-Fraktion diesen Nachmittag garantiert nicht vorgestellt! Für mich als neutralen Beobachter war es hingegen eine faszinierende und unvergessliche Lehrstunde darüber, wie schnell die Bundesliga-Realität die größte Zuversicht einholen kann.
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