• Uffbasse hinne! – Ein Club-Spiel in Sinsheim

    April 27, 2013 in Germany 🌧 19 °C

    Nachdem ich für mein Studium nach Mosbach in Baden gezogen war, störte ich mich tagtäglich an der Hoffenheim-Fahne im Nachbarsgarten. Die TSG ist hier im Umland schlicht der nächstgelegene Bundesligaklub, und dass die Leute da zu diesem Plastik-Klub halten, kann ich ja irgendwo sogar nachvollziehen.

    Eines Wochenendes kam mein Kumpel zu Besuch, damit wir seinen Herzensverein, den 1. FC Nürnberg, zum Auswärtsspiel nach Sinsheim begleiten konnten. Sinsheim kannte ich bis dato eigentlich nur vom Vorbeifahren auf der Autobahn, dem Auto- und Technik-Museum mit seinen imposanten Überschall-Passagierflugzeugen Concorde und Tu-144 auf dem Dach – und natürlich der bekannten Badewelt. Nun stand hier also auch eine moderne Fußballarena, wenngleich ihr, wie vielen Neubauten dieser Generation, irgendwie Seele und Charakter fehlen.

    Die Verkehrsführung leitete uns auf einen Parkplatz ganz in der Nähe des Technik-Museums. Bei strömendem Regen machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Stadion. Unsere Karten waren, wie es sich für echte Sparfüchse gehört, die günstigsten verfügbaren Stehplätze. Besorgt hatte sie mir der Vater einer hilfsbereiten Kommilitonin, der in einer Sparkassenfiliale arbeitete. Selbst die Ticketvertriebswege schienen hier im Kraichgau noch eher niederklassig – oder bei welchem etablierten Bundesligisten bekommt man in der Spieltagswoche sonst noch Tickets am Bankschalter?

    Die preiswerten Tickets hatten allerdings einen Haken: Unsere Plätze befanden sich mitten im Stimmungsblock der TSG, in dem – wenn man sie denn so nennen möchte – die organisierten Hoffenheim-Fans standen. Doch die Sinsheimer Arena unterscheidet sich von vielen anderen Stadien dadurch, dass es keine trennenden Zäune zwischen den Blöcken gibt und der Betreiber offenbar voll auf die Ehrlichkeit seiner Gäste vertraut.

    Wir spazierten also spontan ein paar Blöcke weiter, um zu testen, wie dort die Sicht aufs Spielfeld war. In der Nähe der Mittellinie entdeckten wir zwei freie Plätze, auf die wir uns einfach dreist setzten. Ein Sitznachbar meinte, das seien die Plätze seines Bekannten, woraufhin wir wieder aufstanden. Als besagter Bekannter bis kurz vor Anpfiff aber immer noch nicht aufgetaucht war, winkte er ab und meinte grinsend, wir könnten uns ruhig hinsetzen.

    Gästefans fand man in Sinsheim ohnehin überall: Nicht nur im offiziellen Gästeblock – wo die Nürnberger Ultras das Spiel boykottierten –, sondern auch verstreut um uns herum. Direkt neben uns saß ein altes Ehepaar, das offenbar schon hunderte Club-Spiele miterlebt hatte und auch im hohen Alter treu zu seinem Verein hielt. Mein Kumpel führte einen netten Plausch mit ihnen unter Glubberern.

    Dann begann schließlich die Partie des 31. Spieltags. Die abstiegsbedrohten Hoffenheimer erwischten den deutlich besseren Start und überrumpelten den Club eiskalt: Bereits in der 11. Minute traf Tobias Weis zur 1:0-Führung für die Hausherren, ehe Sejad Salihović nur acht Minuten später (19.) auf 2:0 erhöhte. In der zweiten Halbzeit kämpfte sich Nürnberg zurück und verkürzte in der 58. Minute durch einen verwandelten Handelfmeter von Timmy Simons auf 2:1. Die Schlussoffensive der Franken sorgte beim kraichgauer Publikum nochmal für reichlich Nervosität - unserem Nachbarn entfuhr unentwegt ein "Uffbasse hinne!", blieb jedoch belohnungslos, sodass es beim knappen Sieg für die TSG blieb.

    Nach dem Spiel hatte sich das Wetter leider keineswegs gebessert. Völlig durchnässt trotteten wir über irgendwelche aufgeweichten Feldwege zurück zum Parkplatz. Es war ein erlebnisreicher Tag und eine spannende Erfahrung. Ob ich nochmal nach Sinsheim zum Fußball gehe, weiß ich nicht. Das kommt sicher stark auf das Spiel an.
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