Gemeinde Šavnik
22 de julio, Montenegro ⋅ ☁️ 10 °C
Wir wachen in Montenegro auf.
Irgendwann am Vorabend hatten wir nach einem kurzen Meet & Greet mit den anderen Rallye-Verrückten die Grenze überquert und waren im nächsten Land angekommen. Nach leichtem Regen in der Nacht zeigt sich Montenegro am Morgen von seiner schönsten Seite.
Leichte Wolken hängen zwischen den Berghängen, die Sonne kämpft sich immer wieder durch die Nebelfetzen und taucht die Landschaft in ein fast unwirkliches Licht. Alles wirkt ruhig. Fast so, als wolle das Land uns nach den vergangenen Tagen erst einmal durchatmen lassen.
Nach dem üblichen Morgenprogramm aus Aufstehen, Umbauen und Reisefertig-Machen geht es weiter zu unserem nächsten Checkpoint, einem Hotel, an dem sich viele Rallye-Teilnehmer treffen.
Vor Ort bietet sich ein vertrautes Bild.
Überall wird geschraubt.
Die Tour hat nicht nur bei uns ihre Spuren hinterlassen. Motorhauben stehen offen, Werkzeuge wechseln die Besitzer und überall werden Geschichten ausgetauscht. Wir treffen viele unserer Weggefährten wieder und stellen schnell fest, dass wir keineswegs die Einzigen sind, die in den letzten Tagen Abenteuer erlebt haben.
Doch zwischen all den Fahrzeugen wartet eine Begegnung, die mich völlig unerwartet trifft.
Plötzlich knabbert etwas an meinem Bein.
Als ich nach unten schaue, blickt mich ein kleiner schwarz-weißer Border-Collie-Welpe an.
Ein winziges Fellmonster.
Und für einen kurzen Moment bleibt die Welt stehen.
Er sieht aus wie eine Kopie von Loki damals, als Meli ihn kennengelernt hat. Sofort kommen die Erinnerungen hoch und ich merke, wie mir die Tränen in die Augen schießen. So klein, so verspielt und so unglaublich süß, dass man ihn am liebsten nie wieder loslassen würde.
Die Geschichte dahinter ist fast noch schöner.
Einige Teilnehmer aus Estland hatten den kleinen Kerl gefunden, nachdem er ihnen unter das Auto gelaufen war. Aus einer spontanen Rettungsaktion wurde eine Adoption. Gemeinsam mit einem Tierarzt haben sie sich um alle Untersuchungen, Impfungen und sogar einen Reisepass gekümmert. Der kleine Hund darf nun mit ihnen nach Hause fahren und hat eine sichere und liebevolle Zukunft vor sich.
In Gedanken bin ich bei meinem Thor und kann einfach nur glücklich darüber sein, dass auch dieser kleine Kerl sein Zuhause gefunden hat.
Manchmal schreibt das Leben Geschichten, die besser sind als alles, was man sich ausdenken könnte.
Während der Besprechung erzählen wir anschließend von unserer eigenen Odyssee. Von Federbälgen, Holzklötzen, Offroad-Pisten, Fehlersuche und allem, was sonst noch passiert ist. Zu unserer Überraschung ernten wir dafür sogar Applaus. Offenbar hat sich unser Wahnsinn mittlerweile herumgesprochen.
Und während einige noch über Autos reden, entstehen im Hintergrund bereits ganz andere Geschichten. Neue Freundschaften, erste Flirts und vielleicht sogar die eine oder andere Romanze. Damals haben wir das noch gar nicht richtig wahrgenommen. Erst einige Tage später wurde uns klar, dass zwischen all dem Rallye-Chaos tatsächlich auch die Liebe ihren Platz gefunden hatte.
Kurz nach dem Briefing stand dann noch die berühmt-berüchtigte „Naked Survival Challenge“ auf dem Programm.
Eine Erfahrung, die definitiv erzählenswert ist.
Allerdings bleibt sie an dieser Stelle aus Gründen des Jugendschutzes, des guten Geschmacks und zum Schutz aller Beteiligten ausschließlich in der mündlichen Überlieferung bestehen.
Danach geht die Reise weiter.
Und Montenegro liefert ab.
Gewaltig.
Mit jedem Kilometer wachsen die Berge weiter in den Himmel, die Straßen schlängeln sich durch endlose Landschaften und hinter jeder Kurve wartet das nächste Panorama. Immer wieder halten wir an, reden mit Motorradfahrern, die mitten im Nirgendwo unterwegs sind, genießen die Aussicht und lassen die Eindrücke auf uns wirken.
Je länger wir unterwegs sind, desto öfter denke ich an den wiederkehrenden Satz von Danny.
„Hätte ich nie gedacht, dass der Balkan so schön ist.“
Und genau das beschreibt es perfekt.
Schafe liegen mitten auf der Straße und schauen uns völlig entspannt an. Pferde genauso und liebkosen sich, ohne sich auch nur ansatzweise für unsere Anwesenheit zu interessieren. Hier draußen sind wir nicht die Hauptdarsteller.
Wir sind Gäste.
Und wir passen uns der Natur an, nicht umgekehrt.
Immer wieder begleiten uns riesige Flüsse, die sich tief durch die Täler schneiden. Das Wasser glitzert zwischen den Bergen und die Landschaft wirkt stellenweise so groß, dass man sich darin verliert.
Am Abend verlassen wir Montenegro und setzen unsere Reise nach Bosnien fort.
Oberhalb von Sarajevo finden wir schließlich einen Platz auf einer Anhöhe. Weit entfernt von Städten und Lärm schlagen wir unser Lager auf.
Als die Dunkelheit hereinbricht, erscheint über uns ein Sternenhimmel, wie man ihn zu Hause kaum noch erlebt.
Erschöpft liegen wir in unseren Schlafsäcken und schauen nach oben.
Vor drei Tagen haben wir noch unter unserem Auto gelegen und versucht, es irgendwie wieder fahrbereit zu bekommen.
Heute liegen wir über Sarajevo unter Millionen von Sternen.
Und wieder einmal wird uns bewusst, dass genau diese Momente der Grund sind, warum man solche Reisen macht.Leer más
Miši
23 de julio, Bosnia y Herzegovina ⋅ ☀️ 11 °C
Langsam fordern die vergangenen Tage ihren Tribut.
Wer wissen möchte, wie sich mehrere Tausend Kilometer Balkan-Rallye, Schlafmangel, Schrauberei und Abenteuer anfühlen, musste an diesem Morgen eigentlich nur Tilmann ansehen. Er diente als lebendes Anschauungsobjekt dafür, wie fertig man nach so einer Tour sein kann.
Hilft aber alles nichts.
Die Rallye wartet auf niemanden.
Also geht es weiter nach Sarajevo.
Dort stehen zunächst einige Lost Places auf dem Programm. Doch bevor wir uns auf Entdeckungsreise begeben können, meldet sich unser Auto wieder zu Wort. Die Motorprobleme werden langsam ernster. Öl im Kühlwasser hatten wir bereits erfolgreich in die Kategorie „unschön, aber fahrbar“ einsortiert. Jetzt verlieren wir zusätzlich Kühlwasser.
Das Problem dabei:
Es läuft nirgendwo heraus.
Und wenn Kühlwasser verschwindet, ohne auf dem Boden anzukommen, bedeutet das meistens nichts Gutes. Dann verschwindet es im Motor.
Nicht gerade die Art von Entwicklung, die man sich noch 2.000 Kilometer vor der Heimat wünscht.
An der alten Olympiabobbahn von Sarajevo folgt dann der nächste Schreckmoment.
Mitten während der Fahrt fällt der Motor aus.
Einfach so.
Plötzlich wird aus einem entspannten Ausflug ein Moment absoluter Stille.
Wir rollen aus, schauen uns an und denken alle dasselbe:
Bitte jetzt nicht.
Zum Glück springt der Motor nach einigen Minuten wieder an, als wäre nichts gewesen. Beruhigend ist das allerdings nicht. Für einen kurzen Moment erscheint die Heimfahrt plötzlich deutlich weniger selbstverständlich.
Trotzdem lassen wir uns die Laune nicht verderben und erkunden gemeinsam mit den anderen die alte olympische Bobbahn.
Die Anlage selbst ist bereits beeindruckend, aber die Graffitis machen sie zu etwas ganz Besonderem. Überall haben Künstler ihre Spuren hinterlassen. Farben, Figuren und Botschaften ziehen sich durch die Betonröhre und geben dem Ort eine völlig eigene Atmosphäre. Manchmal machen genau solche Kunstwerke einen Lost Place sogar noch spannender als die eigentliche Geschichte dahinter.
Aufgrund unserer Motorprobleme verzichten wir anschließend auf weitere Umwege und nehmen den direkten Weg zum Tagesziel.
Der Tag besteht vor allem aus Kilometern.
Viele Kilometer.
Bosnien zieht sich mit seinen weiten Ebenen scheinbar endlos vor uns aus. Immer wieder begegnen wir Menschen, die unsere Aufkleber und Rallye-Grafiken erkennen. Besonders lustig sind die Gespräche mit deutschen Reisenden, die wissen wollen, was zur Hölle wir hier eigentlich treiben.
Und wie immer zeigt sich:
Roadtrip verbindet.
Egal in welchem Land.
Irgendwann erreichen wir schließlich den letzten Wildcamping-Spot vor dem Ziel. Hoch oben auf einem Hügel schlagen wir zunächst unser Lager auf und schnallen die Surron ab.
Doch wie so oft wird der Plan noch einmal geändert.
Statt auf dem Hügel zu bleiben, entscheiden wir uns spontan für einen Platz unten am See. Endlich einmal nicht auf den letzten Drücker irgendwo ankommen. Einfach mal ankommen, entspannen und den Nachmittag genießen.
Doch während wir die Ruhe genießen, spielt sich auf dem Rallyegelände das eigentliche Drama des Tages ab.
Unsere Motorprobleme sind nämlich längst nicht die schlimmsten.
Der Mazda „Zeus“ ist praktisch tot.
Bereits mit der Abschleppstange hierher geschleppt, scheint seine Reise endgültig beendet zu sein. Aus Sicht normaler Menschen wäre die Situation schnell gelöst:
ADAC anrufen.
Abholen lassen.
Fertig.
Aber normale Menschen fahren auch keine Balkan-Rallye.
Tilmann fasst die Stimmung perfekt zusammen:
„Ey, hier sind doch haufenweise Schrauber. Wir fangen jetzt an zu schrauben und dann wird so lange gebastelt, bis das Ding wieder läuft.“
Gesagt, getan.
Ich organisiere Auffahrrampen.
Danny organisiert Leute.
Und plötzlich beginnt eine Schrauberaktion, die fast schon etwas Magisches hat.
Immer mehr Teilnehmer kommen dazu. Einer bringt Werkzeug. Der nächste hat einen OBD-Tester. Irgendwo taucht plötzlich ein Laptop mit Mazda-Software auf. Dann noch ein Diagnosegerät. Dann noch eine Idee. Dann noch jemand, der genau dieses Problem angeblich schon einmal hatte.
Stundenlang wird geprüft, gemessen, getestet und zerlegt.
Die Drosselklappe wird bis in ihre Einzelteile auseinandergenommen.
Immer neue Theorien entstehen.
Immer neue Lösungen werden ausprobiert.
Bis tief in die Nacht wird geschraubt.
Und trotzdem scheint am Ende nichts geholfen zu haben.
Irgendwann bauen wir alles wieder zusammen.
Erschöpft.
Enttäuscht.
Ratlos.
Eigentlich ist die Sache gelaufen.
Doch Tilmann dreht ein letztes Mal den Schlüssel um.
Und Zeus springt an.
Einfach so.
Als wäre nie etwas gewesen.
Keiner weiß warum.
Keiner kann erklären, was letztendlich die Lösung war.
Aber das interessiert in diesem Moment auch niemanden.
Der Motor läuft.
Und das reicht.
Der Jubel ist gigantisch.
Zeus lebt.
Währenddessen hat beinahe unbemerkt auch schon die Abschlussparty der Rallye stattgefunden.
Es wird gegessen.
Es wird getrunken.
Es wird gefeiert.
Und das Pärchen, das uns bereits in Montenegro aufgefallen war, hat inzwischen sogar geheiratet.
Zumindest nach albanischem Brauch.
Der Brautstrauß wird dabei kurzerhand durch eine Brautbierdose ersetzt, weil der echte Strauß zu wertvoll ist. Eine Szene, die eigentlich perfekt beschreibt, was diese Rallye ausmacht.
Nichts läuft nach Plan.
Aber irgendwie wird alles gut.
Zwischen verrückten Geschichten, neuen Freundschaften und unzähligen Erinnerungen findet schließlich auch die Siegerehrung statt.
Und plötzlich stehen wir auf Platz zwei.
500 Euro Preisgeld für das nächste Rodeo.
Nicht schlecht für eine Truppe, die zwischendurch auf Holzklötzen gefahren ist, ständig schrauben musste und mehrfach nicht genau wusste, ob das Auto die nächsten Kilometer überhaupt überlebt.
Als wir später wieder an unserem Schlafplatz am See sitzen, wird uns langsam klar, dass diese Rallye viel mehr war als nur eine Reise.
Es waren hunderte kleine Geschichten.
Und irgendwie schien jede davon noch verrückter zu sein als die davor.Leer más
Željava
24 de julio, Croacia ⋅ ⛅ 21 °C
Eigentlich ist die Rallye vorbei.
Eigentlich.
Denn nur weil die Wertung beendet ist, heißt das noch lange nicht, dass wir plötzlich vernünftig werden. Auch wenn unser Motor inzwischen eher eine Empfehlung als eine Garantie für Fortbewegung darstellt, wollen wir auf dem Heimweg natürlich noch etwas erleben.
Also machen wir kurz hinter der kroatischen Grenze Halt an einem Ort, der für viele Rallyefahrer, Biker und Lost-Place-Fans fast schon Kultstatus hat: der Željava Air Base.
Vorher geht es allerdings noch ins legendäre Bikercafé direkt davor. Schon beim Betreten wird klar, dass man hier nicht einfach nur einen Kaffee trinkt. Überall kleben Aufkleber, Patches und Erinnerungen von Besuchern aus aller Welt. Motorradfahrer, Abenteurer und Rallyeteams haben ihre Spuren hinterlassen. Die Wände erzählen Geschichten von Reisen, die teilweise wahrscheinlich genauso verrückt waren wie unsere.
Fast schon ein Kunstwerk.
Die Air Base selbst ist für mich zwar kein unbekannter Ort, aber beeindruckend ist sie trotzdem jedes Mal aufs Neue.
Natürlich fahren wir nicht einfach hinein.
Wir fahren mit dem Mercedes hinein.
Ein kleiner Drift um die Kurve, Reifenquietschen inklusive, dann das obligatorische Foto.
Damit dürfte für jeden Besucher sofort klar gewesen sein, dass wir angekommen sind.
Anschließend geht es tiefer hinein in die Anlage.
Und mit jedem Meter wird einem bewusst, wie gewaltig dieser Ort eigentlich ist.
Eine komplette Luftwaffenbasis in einem Berg.
Endlose Tunnel verschwinden in absoluter Dunkelheit. Überall nagt der Verfall an den alten Anlagen. Aus den Wänden ragen verbogene Metallteile, rostige Konstruktionen werfen bizarre Schatten und man kann sich nur schwer vorstellen, wie geschäftig es hier einmal gewesen sein muss.
Tilmann macht sich zu Fuß auf Entdeckungstour.
Danny und ich wählen die deutlich weniger historische Variante.
Wir erkunden die Anlage mit dem Mercedes.
Die Reifen quietschen durch die Tunnel, der Hall verstärkt jedes Geräusch und für einen Moment fühlen wir uns eher wie in einem Videospiel als in einem ehemaligen Militärkomplex.
Und ehrlich gesagt:
Es macht einfach einen Heidenspaß.
Danach geht es weiter zum geheimen Ziel der Rallye.
Kurz vorher nimmt die Geschichte allerdings noch einmal eine unerwartete Wendung. Wie in einem schlechten Thriller wird der Zielort kurzfristig geändert. Auf dem ursprünglich geplanten Gelände liegt plötzlich Bauschutt, sodass spontan umdisponiert werden muss.
Die neue Location:
Eine Go-Kart-Bahn.
Und das Beste daran?
Wir dürfen mit unseren Rallyeautos auf die Strecke.
Was für eine geniale Idee.
Also jagen wir den Mercedes über den Asphalt und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Permanent quietschende Reifen, jede Kurve etwas ambitionierter als nötig und vermutlich deutlich mehr Enthusiasmus als fahrerisches Talent.
Aber genau dafür sind solche Momente da.
Auf den Videos später habe ich jedenfalls niemanden gefunden, der seine Reifen so zum Singen gebracht hat wie wir.
Zum Glück wiederholt sich dabei auch nicht das Ereignis vom Vorjahr, als Ben und ich hier unterwegs waren und ein Reifen beschlossen hatte, sich beinahe selbstständig zu machen.
Man lernt ja schließlich dazu.
Meistens zumindest.
Am Abend beginnt dann endgültig die Rückreise Richtung Deutschland.
Mit Slowenien als erstem Zwischenziel verlassen wir langsam den Balkan.
Kurz vor Rijeka halte ich noch einmal inne.
Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres endet hier für mich eine völlig verrückte Reise.
Zum zweiten Mal blicke ich auf diese Küste hinaus und denke darüber nach, was alles passiert ist.
Die Pannen.
Die Nächte im Nirgendwo.
Die Offroad-Strecken.
Die Menschen.
Die Geschichten.
Und vor allem die Freundschaften.
Es ist irgendwie seltsam.
Man fährt los, um Länder zu sehen.
Und am Ende sind es oft die Menschen, die bleiben.
Irgendwo zwischen einem kaputten Federbalg, einer Air Base im Berg, wildem Schrauben bis tief in die Nacht und tausenden Kilometern quer durch den Balkan sind aus Fremden Freunde geworden.
Zum zweiten Mal.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, warum man immer wieder auf solche Touren fährt.
Nicht wegen der Straßen.
Nicht wegen der Autos.
Sondern wegen der Menschen, die man unterwegs kennenlernt.Leer más
Adelsberg
25 de julio, Eslovenia ⋅ ⛅ 14 °C
Unser letztes Lager schlagen wir tief in den Wäldern Sloweniens auf. Irgendwo zwischen Bäumen, Bergen und dem Gefühl, dass diese Reise eigentlich niemals enden sollte, verbringen wir die letzte Nacht der Rallye.
Am Morgen wartet noch ein Highlight, das schon lange auf meiner Liste steht: die berühmte Postojnska Jama.
Nachdem mich die Tropfsteinhöhle auf Krk im vergangenen Jahr eher enttäuscht hatte, sind meine Erwartungen gedämpft. Doch schon nach den ersten Minuten wird klar, dass dieser Ort eine ganz andere Liga ist.
Mit der kleinen Höhlenbahn fahren wir tief ins Innere des Berges. Während die Temperatur spürbar sinkt, öffnen sich vor uns immer größere Hallen und gigantische Dome. Die Wege verlaufen über mehrere Ebenen durch das Höhlensystem und hinter jeder Kurve wartet die nächste beeindruckende Felsformation.
Unsere Touristenführerin gibt alles, um uns die Entstehungsgeschichte und die Besonderheiten der Höhle näherzubringen. Zusammen mit der hervorragend inszenierten Beleuchtung entsteht eine fast surreale Atmosphäre. Besonders spannend ist es zu sehen, wie sich die touristische Erschließung der Höhle über die Jahrzehnte entwickelt hat. Immer wieder kreuzen alte Wege und historische Bereiche die moderne Besucherroute.
Ein wirklich würdiger Abschluss unserer Balkanreise.
Doch natürlich wäre es keine Pothole Rodeo Rallye, wenn anschließend alles nach Plan laufen würde.
Der Rückweg nach Deutschland ist lang. Irgendwann entsteht die Idee, noch kurz über Salzburg zu fahren. Dort liegt schließlich der City-Klettersteig, an dem ich schon mit vielen Freunden unterwegs war.
Ein letzter kleiner Abstecher.
Eine vernünftige Idee also.
Genau deshalb wird sie verworfen.
Aus irgendeiner spontanen Schnapsidee entwickelt sich stattdessen recht schnell ein:
„Ey, lass uns heute Abend noch feiern gehen.“
Meine Begeisterung hält sich dabei ehrlich gesagt in Grenzen.
Doch ich werde demokratisch überstimmt.
Also wird noch einmal versucht, die letzten Reste äußerer Präsentabilität aus uns herauszukratzen. Bei den anderen gelingt das sogar einigermaßen. Bei mir dagegen war nach den vergangenen Tagen ohnehin nichts mehr zu retten.
Nach einer gefühlten Ewigkeit Parkplatzsuche stehen wir schließlich vor dem Club.
Danny und Tilmann gehen völlig in ihrem Element auf.
Ich dagegen betrachte den Abend eher als anthropologische Feldstudie. Nach zwei Wochen Balkanrallye fühlt sich ein voller Club ohnehin an wie eine andere Welt. Während die beiden feiern, versuche ich vor allem zu überleben und das Ganze als soziales Experiment zu betrachten.
Am Ende müssen wir den Laden irgendwann verlassen.
Natürlich nur aus einem einzigen Grund:
Es wollten einfach zu viele Frauen mit Danny sprechen.
Zumindest wird uns das später so verkauft.
Augenzwinker.
Irgendwann in der Nacht wird mir klar, dass ich keine Lust mehr auf eine weitere Übernachtung habe. Also setze ich mich hinters Steuer und fahre los.
Während die Jungs schlafen, ziehe ich Kilometer um Kilometer Richtung Heimat herunter. Die Straßen werden vertrauter, die Tankstellen sehen wieder deutsch aus und langsam kommt dieses seltsame Gefühl auf, dass das Abenteuer nun wirklich vorbei ist.
Kurz vor Leipzig übernimmt Tilmann den letzten Abschnitt.
Dann ist es geschafft.
Wir kommen an.
Auf Tilmann warten bereits Frau und Kind.
Nach all den Kilometern, den Pannen, den Feldwegen, den Bergpässen, den Schrauberaktionen und den Geschichten wirkt dieser Moment fast unwirklich normal.
Wir verabschieden uns voneinander.
Von einer Rallye.
Von einem Abenteuer.
Von unzähligen Geschichten.
Der Mercedes rollt in Tilmanns Werkstatt. Bald wird er erst einmal abgemeldet und bekommt die wohlverdiente Ruhepause.
Bis zum nächsten Rodeo.
Denn seien wir ehrlich:
Niemand glaubt wirklich, dass das sein letzter Einsatz war.
Und während jeder langsam wieder in seinen Alltag zurückkehrt, bleibt dieses merkwürdige Gefühl, das wahrscheinlich jeder nach so einer Reise kennt.
Zwei Wochen lang bestand das Leben aus Bergen, Grenzen, Pannen, Wildcamping, verrückten Ideen und Menschen, die morgens noch Fremde waren und abends Freunde.
Und plötzlich sitzt man wieder zu Hause.
Versucht E-Mails zu beantworten.
Wäsche zu waschen.
Normal zu sein.
Während ein Teil von einem immer noch irgendwo auf einem Feldweg im Balkan unterwegs ist.Leer más




































































































