• Rabanal del Camino

    May 25–26 in Spain ⋅ ☁️ 24 °C

    Zum Glück wollte ich gestern nicht gleich schlafen. Um halb elf, als eigentlich Ruhe sollte, fing auf dem Gang jemand an aufzuräumen. Dafür machte er natürlich das Licht im Flur an. Da wir ein Oberlicht in der Tür hatten, bei unser Zimmer dann auch wieder erleuchtet. Und um 5:30 Uhr fing der einzige Mann in unserem 4er Zimmer an seine Sachen zu packen. Manchmal alles nicht so einfach. Ich habe mir daraufhin meine Ohrhörer in die Ohren gesteckt und bin zu meinem Lieblingspodcast wieder eingeschlafen bis alle weg waren.

    Vielleicht hatte ich es schon erwähnt aber irgendwie sind es immer die männlichen Vertreter die sich mehr oder weniger rücksichtslos verhalten. Meist die Generation 70+. Ab und zu auch jüngere und natürlich gibt es auch die ein oder andere rücksichtslose Frau.

    Als alle weg waren habe ich wie meinen Rucksack gepackt. Auch hier hat ein Mitarbeiter (männlich) die Tür aufgerissen als ich mir gerade die Hose anziehen wollte…

    Dann Rucksack aufsetzen und loslaufen.
    Ich bin durch das am Morgen noch menschenleere, angenehm kühle Astorga gelaufen und habe die Stille genossen. Nach Rabanal waren es nur 20km und das Bett war gebucht. Auch wenn ich dessen zu dieser Zeit nur zu 90% sicher war, so hatte ich keinen Grund zur Eile. Im nächsten Dorf hieß es dann auch, Pause und Frühstück. Tortilla de Patas und einen Café con leche.

    Es war zwar warm aber leicht windig und nicht allzu steil. So konnte ich bis zu einer leicht skurrilen Cowboy-Bar laufen an der ich mir dann Curros con chocolate und einen Mangoshake gönnte. Somit war das Mittagessen auch erledigt.

    Nach weiteren knapp 2 Stunden war ich dann am Ziel. Rabanal del Camino ist ein kleines Mitelalterliches Dorf das aus ein paar Steinhäusern und wahrscheinlich genauso vielen Herbergen besteht.

    Von meiner Herberge hätte ich nach der Beschreibung und der Empfehlung in der Pilgerapp mehr erwartet. Eigentlich war sie genau so wie schon die Bestätigung der Reservierung: Etwas komisch. Die Herberge an sich ist ansprechend. Es gibt einen Innenhof mit Bar in dem man gut sitzen und etwas essen oder trinken kann. Trotzdem hatte ich schon nettere Begrüßungen auf dem Weg. Mir wurde lediglich das Schuhregal für die Wanderschuhe und mein Bett gezeigt. Dann bekam ich noch einen Stuhl weil das wackelige Stockbett auf dem ich oben schlafen sollte, keine Leiter hatte. That’s it. Bad, Waschgelegenheit usw. hab ich dann selber gefunden.

    Als ich nach dem Gang durchs Dorf auf einer Mauer saß, lief mir Axel wieder über den Weg. Er kam gerade an und war in einer anderen Herberge im Dorf. Wir begrüßten uns nur kurz. Er war irgendwie auf der Suche nach seinem Bett. Als ich später in den Schlafsaal kam war das Licht schon gelöscht und ein paar Menschen schliefen schon. Ich habe mich dann auch bettfertig gemacht und hingelegt.

    Und als ob sich mein Eindruck bestätigen müsste, kam um 21:30 ein Mann 70+ mit seinem Enkel? Noch in der Herberge an. Stellte seine Sachen in den Schlafsaal neben sein Bett (das neben mir) und verschwand wieder. 20 Minuten später (Bettruhe auch hier um 22:00 Uhr) kam er wieder. Ließ die Tür auf und machte das Licht im Schlafsaal an. Sein Enkel ging duschen, er richtete sein Bett, steckte seinen E-Bike Akku in die Steckdose am Bett und legte sich dreckig wie er war zum schlafen hin. Das Licht löschte jemand anderes.

    Ich hatte mir in der Zwischenzeit den Spaß gemacht und habe mich in meinem Bett in der Ecke des Schlafsaales hingesetzt und die Leute beobachtet. Das war durchaus interessant. Die einen spielten am Handy. Die anderen stritten sich mit ihrem Partner. wieder andere unterhielten sich ganz friedlich. Vielleicht sollte man den Jakobsweg mit Herbergspflicht ins Soziologiestudium aufnehmen.

    Ich habe mich dann zum Schlafen hingelegt. Leider schnarchte Mister 70+. Das Bett wackelte mal wieder wie Kuhschwanz und die Matratze war dieses Mal zu dünn. Viele Herbergen haben auf den Lattenrost einfach eine Spanplatte gelegt. So auch hier.
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