• Santiago de Compostela

    Jun 5–7 in Spain ⋅ ☁️ 18 °C

    Die letzte Etappe nach Santiago. Noch knapp 20 km. Da wollte ich mir keinen Stress machen. Wahrscheinlich dachte sich meine Blase deswegen: Hey! Dann wecken wir sie doch mal bevor der Wecker klingelt. Ok. Dann mal los. Pipi, anziehen, Sachen packen.

    Um halb acht ging es los. Eigentlich wollte ich nicht. Es hatte gerade mal 6! Grad. Kurz vor Strassenglätte. Und das im Juni.

    Der erste Kilometer war fast leer, da der Weg oben am Dorf vorbeiführt und alle auf der Straße durchs Dorf weiterliefen. Danach war es fast wie immer.

    Ich reihte mich also wieder in den Pilgerstrom ein und lief und lief. Irgendwie zog es sich ein bisschen. Die Landschaft war schön. Der Weg angenehm. Immer wieder durch den Wald und im Schatten. Wie zu erwarten wurde mir mach den ersten Kilometern warm und ich zog meine Jacke aus. Nach 1 Stunde kam dann auch die Sonne raus.

    Als ich nach über 10 km endlich an der Landebahn des Flughafens vorbei kam, war ich ein bisschen enttäuscht. Man sah keine Flugzeuge. Anders als in Stuttgart sieht man hier nur Bäume und am Ende der Startbahn eine Grüne 10m hohe Wand. Ich konnte es dann auch nicht lassen vollends zum Terminal zu laufen und mich kurz umzusehen. Außerdem wollte ich checken ob mein Rucksack passt. Wie befürchtet ist er zu groß. Dann muss ich doch ein Paket nach Hause schicken und ganz viele Souvenirs kaufen weil ich ja 2 Handgepäckstücke gebucht habe. Schwabe bleibt Schwabe.

    Wieder auf dem Weg zurück hielt ich dann in der nächsten einigermaßen freien Bar für einen Kaffee. Dann war ich auch schon am Monte de Gozo. Hier gibt es eine riesige Herberge und man sieht zum ersten Mal die Türme der Kathedrale.

    Zuerst hieß es aber nochmal 5 km durch die Stadt. Irgendwann kommt man an der Altstadt an. Dann nur nochmal den Berg hoch, den Berg runter, dich den Tunnel mit dem Dudelsackspieler und tadaaa.

    Da war der Platz an der Kathedrale im schönsten Sonnenschein. Mein Weg war zu Ende. Vor 13 Jahren war ich in Winnenden losgelaufen. Jetzt war mein Jakobsweg zu Ende. Ich habe mich an eine der Säulen gesetzt, die Menschen auf dem Platz beobachtet und 2-4 Tränchen verdrückt. Nicht aus Traurigkeit sondern vor Rührung.
    Ich hatte schon zig Bücher darüber gelesen, Podcasts angehört oder Videos geschaut. Jetzt endlich selber auf diesem Platz zu stehen war wirklich komisch. So richtig begreifen konnte ich es noch nicht. Zum Glück „darf ich noch bis zum Meer laufen. Aber erst gibt es einen Tag Pause.

    Die Herberge war nur 200 m vom Platz weg. Nachdem ich mich etwas erholt hatte, bin ich zum Einchecken dorthin. Duschen, ausruhen, was essen gehen. Danach war der Tag auch schon wieder um.
    Read more