• Tag 29 - Tbilissi

    July 24 in Georgia ⋅ ☀️ 33 °C

    Nur Hea-Jee:
    Als letzte Besichtigung in Tiflis besuchten wir die Sameba-Kathedrale, auch bekannt als Dreifaltigkeitskirche. Schon von Weitem hatte ich dieses beeindruckende Bauwerk bewundert, das in seiner majestätischen Erscheinung auf einem der besten Aussichtspunkte der Stadt thront. Ich wollte unbedingt dorthin – ein architektonisch harmonisches Bauwerk mit perfekt wirkenden Proportionen.

    Die Kathedrale wurde im Jahr 2004 fertiggestellt und vereint traditionelle georgische Architektur mit byzantinischen Elementen. Sie ist ein nationales Denkmal zur Feier der Unabhängigkeit Georgiens und der Wiederbelebung der Religion nach den repressiven Zeiten der Sowjetunion. Heute ist sie das höchste Heiligtum der georgisch-orthodoxen Kirche.

    Schon das Eingangstor und die Umfriedung bestehen aus edlem, farblich abgestimmtem Naturstein – jede Kameraperspektive ergibt ein schönes Bild. Arnd trug heute lange Hosen, da wir die Kathedrale besuchen wollten. Wer in Shorts kam, musste sich am Eingang ein Tuch über die Beine schlagen.

    Der Innenraum der Kathedrale war zugleich prachtvoll und modern, mit einer ruhigen, würdevollen Atmosphäre. Vieles war mit feinen, goldenen Mustern geschmückt – ein Stil, der leicht kitschig wirken könnte, aber in meinen Augen war alles liebevoll und stimmig gestaltet.

    Als wir die lange Treppe hinuntergingen, stießen wir unterhalb der Kathedrale auf eine weitere Kapelle – zweistöckig, mit Balkon, schlicht und zugleich sehr erhaben.

    Ich kaufte drei Kerzen und zündete sie an, während ich für die Gesundheit meiner Freundin und ihrer Mutter in den USA betete. Das ist eine meiner langen Gewohnheiten. Ich stelle mir vor, wie Gott schmunzelnd denkt: „Dieses buddhistische Kind zündet überall Kerzen an – mal in der evangelischen Kirche, mal in der katholischen, jetzt sogar in der georgisch-orthodoxen!“ Vielleicht erkennt er ja gerade deshalb meine Ernsthaftigkeit an – jedenfalls war ich einfach beruhigt dabei.

    Am Abend nahmen wir an einem georgischen Kochkurs teil (zwei Stunden, 35 Euro pro Person). Außer uns war nur noch eine junge Frau aus Belgien dabei. Wie vereinbart, riefen wir am Treffpunkt über WhatsApp an, und eine freundliche ältere Dame holte uns draußen ab und führte uns in ein altes Gebäude. Die Treppe war total heruntergekommen, aber oben erwartete uns ein Raum mit sehr hoher Decke und originalem Stuck an den Wänden – ein historisches Ambiente. Zum Glück funktionierte die Klimaanlage gut.

    Kaum eingetreten, wurden uns Rotwein und Saft angeboten. Der Wein war aromatisch und süß, und da er wohl nicht so stark war, ließ er sich gut trinken. Gemeinsam mit zwei Lehrerinnen machten wir uns daran, Khinkali (ähnlich wie große, saftige Maultaschen) und Khachapuri (eine Art käsige Pizza) zuzubereiten – beides Teiggerichte.

    Die Lehrerinnen gingen wohl davon aus, dass ich als ältere Frau schon Kocherfahrung habe – sie lobten meine Technik. Dabei fällt mir auf: Bei uns zu Hause ist eigentlich Arnd für den Teig zuständig!

    Khinkali (das „Kh“ liegt in der Aussprache zwischen „K“ und „H“) ist eines meiner Lieblingsgerichte. Wenn man hineinbeißt, tritt köstlicher Bratensaft aus – man muss ihn wie Nudelsuppe einsaugen, ähnlich wie Koreaner ihre Nudeln schlürfen. Beim Zubereiten lernte ich, dass die Füllung sehr flüssig ist – fast wie eine Suppe, die man in den Teig gießt. Deshalb muss der Teig besonders fest sein, damit er nicht reißt.

    Beim Kochen gibt es wichtige Regeln: Man legt die Khinkali mit dem Knoten nach unten einzeln in einen großen Topf mit sprudelndem Wasser. Dann schwenkt man den ganzen Topf ein paar Mal hin und her, damit sie nicht zusammenkleben.

    Der Deckel wird geschlossen, bis das Wasser überkocht – dann kurz öffnen und wieder schließen. Dieser Vorgang wird viermal wiederholt – dann sind sie gar. Zum Schluss wird kaltes Wasser hineingeschüttet und umgerührt, bevor man sie herausnimmt.

    Man isst sie mit den Händen, indem man den Knoten hält – der wird nicht mitgegessen. Wir hatten ihn bisher immer mitgegessen, aus Respekt gegenüber dem Koch – aber ehrlich gesagt, schmeckt der dicke, feste Teigteil nicht besonders gut.

    Khachapuri wird mit georgischem Käse gefüllt, gebacken und mit einem Eigelb darauf serviert. In Ländern ohne diesen Käse kann man eine Mischung aus Feta, Mozzarella und Ricotta verwenden.

    Ich war vom Khinkali schon so satt, dass ich mein selbstgemachtes Khachapuri nicht aufessen konnte. Ich holte meinen mitgebrachten Silikonbehälter hervor, um den Rest mitzunehmen – die anderen lachten herzlich: „Die Deutschen sind immer gut vorbereitet!“

    Am nächsten Morgen wollte ich das Khachapuri im Airbnb in der Mikrowelle aufwärmen, aber ich war noch so satt, dass ich das Frühstück einfach ausließ.

    Früher hatte ich mir beim Restaurantbesuch oft vorgestellt, wie diese Gerichte wohl zubereitet werden. Jetzt, nach diesem Kurs, habe ich das Gefühl, mein eigenes Kochrepertoire wirklich erweitert zu haben. Ich war sehr zufrieden.
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