• Tag 31 - Taschkent

    July 26 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 40 °C

    Nur Arnd:
    Heute ist es später geworden. Nach dem schweren Essen haben wir beide nicht gut geschlafen und sind deshalb später aufgestanden. Bei der größten Hitze nachmittags verkriechen wir uns im Hotel (und planen und buchen die weitere Reise). Es blieb also nicht viel Zeit für erste Erkundungen. Das erste Ziel war, die hiesige Karte für den öffentlichen Verkehr zu kaufen, die ATTO-Card. Man kann zwar im Bus direkt mit dem Smartphone bezahlen. Ich habe aber Hemmungen, meine VISA-Abrechnung mit 0,12€ Beträgen zu füllen. Außerdem will ich wissen, wie das läuft. Rechnen wird sich die Karte nicht. Diese Karte bekommt man an einer Verkaufsstelle in Metrostationen. Bis zur nächsten Metro sind wir nochmal Bus gefahren und haben per Smartphone bezahlt.

    Die Dame an der Verkaufsstelle konnte kein Englisch und wir waren nicht vorbereitet - man hätte schon Texte in einer Übersetzungs-App vorbereiten können. Sie hat uns zwei Karten verkauft, aber sie hat nicht verstanden, dass wir noch etwas Geld aufladen wollten. Beim Kauf ist zwar schon etwas drauf, aber das reicht nur für zwei Fahrten. Deshalb mussten wir am nächsten Morgen nochmal per Smartphone zahlen. Ich hatte ja die Hoffnung, dass man per ATTO-App (mit der man hier diese Karten verwalten kann) die Karten online selbst nachladen kann. Kann man auch, nur braucht man eine Usbekisches Bankkarte. Immerhin kann ich jetzt damit nachschauen, wieviel Geld noch auf unseren Karten drauf ist, und wo der nächste Bus steckt kann sie auch auf einer Landkarte anzeigen.

    Nachdem wir unsere Karten hatten, sind wir per Metro zum Amir-Temur-Platz gefahren.

    Die Metro hier ist schon was besonderes. Die Stationen sind schön gestaltet. Unsere erste U-Bahn war auch ein sehr moderner, klimatisierter und ruhiger Zug, ich vermute einen chinesischen Hersteller. Die meisten Züge sind aber älter und russischer Bauart, aber nicht so alt und laut, wie die in Tiflis. Die U-Bahn ist auch bei weitem nicht so tief unter die Erde gelegt, wie in Tiflis. Aber die Dame in dem Häuschen unten an der Rolltreppe, die gibt es hier auch. Vermutlich schaltet sie die Rolltreppe aus, wenn gerade keine Leute drauf sind.

    Amir Timur
    Ich hatte wohl schonmal von den Timuriden gehört, aber gesagt hat mir das nichts. Heute würde man Amir Timur wohl als einen Warlord bezeichnen, der sich ein großes Reich zusammen erobert hat. Ihm schwebte die Wiedererrichtung des mongolischen Reiches vor, das nach Dschingis Khans Tod bald zerfallen war - aber mit muslimischer Prägung. Zur Erinnerung, Dschingis Khan hat die Eurasische Welt im frühen 13. Jhdt. auf ziemlich brutale Weise umgekrempelt. Die alten Handelsstädte an der Seidenstraße, Samarkand und Buchara, die zum Reich Transoxanien gehörten (was in etwa dem heutigen Usbekistan entspricht), fielen um 1219 und wurden nahezu vollständig zerstört. Amir Timur machte seine Eroberungen im späten 14. Jhdt. bis Anfang des 15. Jhdts., wobei er die Grausamkeit der Mongolen wohl noch übertroffen hat. Im wesentlichen hat er die Reichtümer, Handwerker und Gelehrten in seine Heimat Transoxanien und seine Hauptstadt Samarkand gebracht und dort, aber nur dort, eine kulturelle Blüte mit einem eigenständigen Architekturstil hervorgebracht. Genaueres kann man in der Wikipedia nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Timur (english: https://en.wikipedia.org/wiki/Timur). Das werden Hea-Jee und ich in den nächsten Tagen „bewundern“.

    Man sollte aber wohl dazusagen, daß sich dieses System der Eroberung und des sich bereicherns an fremden Reichtümern durch die gesamte Kulturgeschichte der Menschheit zieht. Nur die Brutalität hat hier wohl einen Höhepunkt erreicht.

    In Tashkent hat man nach dem Ende der russischen Besatzung Timur zu Ehren eine wuchtige Reiterstatue an einem zentralen Platz aufgestellt und ein Museum eingerichtet. Das haben wir heute noch besucht. Die Usbeken hatten es schwer, dieses Museum zu füllen, da sehr viele Dinge, die man da zeigen würde, in meist europäischen Museen liegen. Also gab es etliche Kopien. Daneben Modelle der auf ihn zurückgehenden monumentalen Gebäude. Zum Schluss auch noch ein Modell des indischen Taj Mahal, das in diesem Architekturstil erbaut wurde, wobei usbekische Handwerker geholfen haben. Ein Urenkel von Timur gründete 1526 das Mogulreich in Indien.

    Nachmittags noch beim Koreaner gegessen und dann im Hotel abgekühlt. Es gibt hier eine größere Koreanische Minderheit. Die wurden von Stalin hierher verschleppt und halten bis heute noch an ihrer alten Kultur fest. Im Supermarkt haben wir Kimchi gefunden und koreanische Restaurants gibt es hier sehr viele.
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