• Tag 33 - Ankunft Samarkant

    July 28 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 33 °C

    Hea-Jee:
    Wir haben früh gefrühstückt und sind dann zum Bahnhof gefahren, um den Zug nach Samarkand zu nehmen. Zum Schluss wussten wir nicht genau, wohin wir gehen mussten, also fragte ich einen jungen Mann, der vorbeiging. Wir konnten uns nicht verständigen, aber er verstand, was wir wollten, und brachte uns bis zum Bahnhof. Er trug sogar mein Gepäck – wie nett von ihm!

    Arnd meinte, er hätte Plätze in der Economy-Klasse reserviert, aber vermutlich war es doch die Business-Klasse. Wir saßen in einem besonderen Waggon ganz vorne, mit sehr breiten und bequemen Sitzen. Auf jedem Tisch in der Mitte standen Wasserflaschen und eine Box mit Taschentüchern. Anfangs war es sehr heiß, und wir dachten schon, es gäbe keine Klimaanlage – aber später wurde es angenehm kühl.

    Etwa in der Mitte der Fahrt kam ein Mann im weißen Kittel vorbei und verkaufte warme Teigtaschen. Sie waren mit gebratenen Kartoffeln und Zwiebeln gefüllt und im Ofen gebacken – sie schmeckten wie alte koreanische Kroketten und waren wirklich lecker. Eine kostete 1,30 Euro.

    Der Gedanke, von einer Oase namens Taschkent zu einer anderen namens Samarkand zu reisen, ließ mein Herz höherschlagen. Als ich aus dem Fenster schaute, sah ich endlose, gelblich verbrannte Berge ohne einen einzigen Baum. Doch entlang der Bahnlinie verlief ein kleiner Fluss, sodass wir ab und zu ein Dorf oder eine Kleinstadt entdecken konnten. Ob es einen Fluss oder Bach in der Landschaft gibt, erkennt man an einem grünen Band aus Bäumen.

    Schade, dass ich wegen des Nachholens meiner Reisetagebuch-Einträge nicht mehr von der Landschaft mitbekommen habe. Beim nächsten Mal will ich weniger schreiben und mehr schauen.

    Am Bahnhof angekommen, setzten wir uns in die angenehm kühle Wartehalle. Bei Kaffee und Kuchen machten wir uns an die Planung der Weiterfahrt. Arnd recherchierte die öffentlichen Verkehrsmittel, und ich informierte mich darüber, wie man ein Yandex-Taxi ruft.

    Während dieser Reise fiel mir auf, dass ich oft zu viel Energie darauf verwende, Arnd von dem zu überzeugen, was ich gerne machen möchte. Ich dachte, ich wolle alles demokratisch im Gespräch lösen – aber eigentlich bin ich wohl auch ein bisschen bequem und unselbständig. Im Grunde hoffte ich wohl, dass Arnd seine Meinung ändert und das tut, was ich möchte. Also beschloss ich, diesmal einfach allein ein Yandex-Taxi zu rufen.

    Unsere vorher installierte Airalo-eSIM hatte sich gestern im Museum als nutzlos erwiesen, da wir keine Verbindung zum Internet hatten. Also schlug ich Arnd vor, eine neue eSIM eines lokalen Anbieters mit einer lokalen Nummer zu kaufen. Er stimmte zu und half mir bereitwillig, einen Laden zu suchen.

    Sobald ich die neue Nummer hatte, installierte ich die Yandex-App. Arnd half mir zwar dabei, aber er selbst installierte sie nicht. Das sei ja meine Idee gewesen, meinte er, also solle ich das auch alleine machen.

    Seine Meinung, dass Busfahren umweltfreundlicher sei, als ein Taxi zu nehmen, ist richtig. Aber meine Einschätzung, dass es für mich zu anstrengend ist, bei der Hitze mit Gepäck lange zu Fuß zu gehen, ist ebenfalls vernünftig.

    Jedenfalls sind wir heute zum ersten Mal mit dem Taxi zum Hotel gefahren. Die etwa halbstündige Fahrt hat fast genauso viel gekostet wie unsere beiden Teigtaschen im Zug. Das stimmt mich irgendwie nachdenklich.

    Aber dank der Taxifahrt ich fühle mich sowohl körperlich als auch seelisch richtig gut. Dafür nehme ich mir vor, bei der Besichtigung ohne Gepäck nie auf ein Taxi zu bestehen und mich ganz an Arnd anzupassen.

    Arnd:
    Es gibt in Usbekistan einen ziemlich modernen Hochgeschwindigkeitszug von einem spanischen Hersteller. Der ist sicher recht komfortabel. Wir haben aber einen Zug älterer Bauart genommen. Am Preis lag das nicht, Bahn fahren ist sehr günstig hier. Die schnellen Züge fahren morgens als erste los, vermutlich weil sie dann nicht von langsameren Zügen ausgebremst werden können. Das hätte aber ein ziemlich frühes Aufstehen erfordert und das Frühstück im Hotel hätten wir ausfallen lassen müssen. Außerdem wären wir dann viel zu früh in Samarkand gewesen und hätten im Hotel noch nicht einchecken können. Das ist dann immer sehr lästig, weil man das große Gepäck dabei hat.

    Unser Zug und insbesondere unsere Business Class war aber ganz interessant. Es gab eine 2+1 Bestuhlung mit sehr breiten Sesseln, vor allem aber sehr sehr breiten Tischen. Hea-Jee saß mir gegenüber und der Abstand zwischen uns war so groß, dass wir Probleme beim Verstehen des anderen hatten. Schreien wollten wir nicht. Auf die Weise passen nicht allzu viele Leute in den Wagen, was natürlich luxuriös wirkt. Mich erinnerte das an die sehr breiten Straßen in Taschkent. Irgendwie wollen die Leute hier viel Platz haben.

    Hinter Taschkent war die Landschaft erstmal flach und durchaus grün mit viel Landwirtschaft. Erst später sind wir durch eine Bergregion gefahren, allzu hoch war das aber nicht. In der Ferne konnte man manchmal höhere Berge sehen.

    Nachdem wir uns im Hotel ausgeruht hatten und die Nachmittagshitze vorüber wähnten, sind wir dann zum Registan gegangen. Das ist quasi das Gesicht Samarkands. Außer dem Bild von diesem Platz hatte ich keine Vorstellung von dieser Stadt. Auf der Fahrt vom Bahnhof zum Hotel konnte man aber sehen, dass Samarkand eine durchaus normale moderne Stadt ist, in der es eben ein paar Baudenkmäler gibt. Die Stadt hat knapp 600.000 Einwohner. Unser Hotel liegt in der Nähe des Registan in der sogenannten Altstadt. Das ist ein Viertel mit niedrigen Häusern und wirklich verwinkelten kleinen Gassen. Bisher gilt das nicht als Schmuckstück, es ist eher ein bisschen heruntergekommen. Das könnte sich aber ändern, es wird investiert. Unser Hotel ist innen komplett neu.

    Wir konnten also zu Fuß zum Registan, es sind nur ein paar hundert Meter. Wenn man näher an die Gebäude heran oder hinein will, muss man Eintritt bezahlen, auch fürs fotografieren muss man wohl nochmal extra was bezahlen. Heute Abend sind wir deshalb außerhalb des abgesperrten Bereichs geblieben. Es hatte eine sehr angenehme Temperatur und eine Menge Leute haben da einfach den Abend genossen.

    Anschließend Usbekisch Essen gegangen und dabei ein paar neue Gerichte ausprobiert. Zum einen Manti, das sind quasi die usbekischen Khinkali, außerdem eine Rindfleisch-Nudelsuppe und ein paar Schaschlikspieße. Dazu noch einen sehr leckeren Lemon Tee, der aber wohl eher Mandarinen enthielt. Kostete in Summe für uns zusammen 12€. Unsere Lebenshaltungskosten sind hier massiv gesunken. Wahrscheinlich war es wieder zu viel.

    Im Bad haben wir ein Thermometer, das zeigt 33°C. Das wäre die Temperatur auch im Schlafzimmer ohne Klimaanlage.
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