• Tag 34 - Bibi-Chanum Moschee

    29 Juli, Uzbekistan ⋅ ☀️ 34 °C

    Arnd:
    Unser erstes Ziel in Samarkand ist die nach Bibi Chanum benannte Moschee. Bibi-Chanum war eine der Frauen von Amir Timur. Sie war eine Nachfahrin von Dschingis Khan und das gab seinem Ziel, das mongolische Reich wieder zu errichten Legitimation. Sie kamen zusammen durch Eroberung - in seinen frühen Feldzügen hat er auch den ersten Eheman von Bibi-Chanum besiegt und umgebracht und hat sie aus seinem Harem zu sich genommen. Ein auch schon bei den Mongolen übliches Verfahren.

    Nach einem späteren Feldzug in Indien hat Amir Timur den Bau einer für seine Zeit gigantischen Moschee begonnen. Es wird gesagt, dass er in Indien eine sehr große Moschee gesehen hat und er wollte eine größere. Von seinen Feldzügen hat er er nicht nur Reichtümer mitgebracht, sondern auch Wissenschaftler, Architekten und Handwerker, es gab also Geld, Wissen und Können und das hat über die Zeit einen neuen Baustil in seinem Reich hervorgebracht.

    Wenn er anwesend war, hat er sich intensiv in den Bau eingemischt. Da er aber auch öfters auf Reisen war, um andere Länder zu erobern, hat seine Frau Bibi Chanum wesentlichen Anteil an der Gestaltung. Genau gegenüber hat sie zur selben Zeit eine Madrasa errichten lassen, eine Hochschule, wo sie heute begraben liegt, oder auch nicht und das nach ihr benannt ist. Als Timur nach einer seiner Reisen zurückkam, musste er feststellen, dass das Hauptportal der Madrasa höher war, als das der Moschee - das ging gar nicht. Also ließ er das Portal abreißen und neu und höher wieder erbauen.

    Bei diesem Bau hat man wohl die technischen Möglichkeiten der Zeit überspannt, es gab statische Probleme. Der Bau begann recht schnell zu verfallen. Im Lauf der Zeit gab es hier auch mehrere Erdbeben, die dem Gebäude den Rest gaben.

    Auf den Fotos mit dem Modell dieser Moschee, die wir in Taschkent aufgenommen haben, kann man die Struktur dieser Art Moscheen erkennen. Es gibt vorn ein prunkvolles Eingangsportal, durch das die Gläubigen in den Hof gelangen. Gegenüber ist der Hauptraum der Moschee mit der großen türkisblauen Kuppel, der aber viel zu klein ist, um alle Gläubigen aufzunehmen. Deshalb gibt es in den vier Ecken überdachte Bereiche, in denen die Großzahl der Gläubigen beten konnte. Diese Dächer wurden von einer großen Zahl von Säulen getragen und hatten oben viele kleine Kuppeln. Diese Dächer sind alle eingestürzt und nicht restauriert.

    Es gab innen ein paar historische Fotos aus der Frühzeit der Fotografie. Man kann sie auch in der Wikipedia anschauen:
    https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Bib…
    Alle diese Gebäude, die wir hier besichtigen, waren mehr oder weniger Ruinen. Während der Sowjetzeit haben sich die Russen erst nicht besonders dafür interessiert, aber ab den späten 1960er begann man mit Untersuchungen und einer Rekonstruktion. Das meiste, was wir hier sehen ist also nicht original. Aber man kann sehen, was rekonstruiert ist und was original. Bei den Dekorationen hat man z.B. immer wieder originale Flächen belassen.

    Hea-Jee:
    Wir haben ein Hotel im Wohnviertel der Altstadt von Samarkand genommen. Die Lage gefällt mir wirklich sehr. Kinder spielen draußen, die Anwohner gehen einkaufen, unterhalten sich mit den Nachbarn – und ganz in der Nähe wird gerade ein neues Haus gebaut. So kann ich genau beobachten, wie hier kleinere Neubauten entstehen. Das finde ich richtig spannend.

    Das Hotel wurde innen komplett renoviert, alles ist neu und sauber, die Klimaanlage und das Bad funktionieren einwandfrei (Hotel Mumtaz, 43 Euro pro Tag). Auf Booking.com hatte es viele gute Bewertungen, besonders das Frühstück wurde oft gelobt – und es hat mich wirklich nicht enttäuscht. Eine Freundin hatte mir gestern ein Foto von selbstgemachten American Pancakes geschickt, und ich hatte seitdem richtig Lust darauf. Heute gab es zum Frühstücksbuffet verschiedene Sorten Pfannkuchen und sogar Waffeln. Juhu!

    Heute haben wir die Bibi-Chanum-Moschee besucht. „Bibi Chanum“ bedeutet so viel wie „Frau Bibi“ oder „Madame Bibi“. In der Türkei nennen sie mich manchmal „Hea-Jee Hanım“. Bibi Chanum war wohl eine außergewöhnliche Frau. Wenn ihr Mann auf Eroberungsfeldzügen unterwegs war, soll sie wichtige Bauprojekte selbst beaufsichtigt und weitergeführt haben.

    Nachdem wir den Eintritt bezahlt hatten, kam ein junger Mann auf uns zu und fragte, ob wir eine Führung haben wolle (30 Minuten für 10 Euro). Dank des Guides habe ich vieles verstanden, was ich sonst einfach übersehen hätte. Besonders interessant war es, dass er mir gezeigt hat, welche Teile des Gebäudes original sind und welche rekonstruiert wurden.

    Ich hatte mich schon oft gefragt, wie man früher solche runden Backsteinbögen gebaut hat – und diesmal konnte ich es endlich sehen. Es wurden vor allem flache, quadratische Ziegel im Format 27 x 27 x 5 cm verwendet!
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