• Tag 35 - Astronomisches-Observatorium

    30 Temmuz, Özbekistan ⋅ ☀️ 33 °C

    Nur Arnd:
    Der zweite Timuride, der hier quasi ein Nationalheiliger ist, heißt Ulugh Beg. Er ist ein Enkel von Amir Timur und hat seine Bedeutung von seiner Betätigung als Astronom. Sein Vater hat in den Nachfolgekämpfen nach dem Tod von Amir Timur die Macht an sich gerissen und die Hauptstadt von Samarkand weg verlegt. Seinen Sohn hat er 1409 in Samarkand mit 15 Jahren als Stadthalter eingesetzt. Bis zum Tod des Vaters 38 Jahre später konnte er sich als Astronom und Professor beschäftigen.

    Er hat ab 1417 die erste Madrasa am heutigen Registanplatz errichtet, quasi eine Hochschule der damaligen Zeit und machte sie zu einer der angesehendsten Madrasas des muslimischen Zentralasien im 15 Jhdt. Ab 1424 erbaute er das nach ihm benannte Astronomische Observatiorium.

    Das Prinzip, nach dem das Observatorium funktioniert, war nicht neu, es war nach einem Observatorium in Persien gebaut. Aber es war deutlich größer und die Größe entscheidet über die erzielbare Genauigkeit. Die Genauigkeit war seinerzeit allem anderen weit voraus.

    Die Sterne werfen ihr Licht durch ein kleines Loch an der oberen Kante des Gebäudes. Wenn ein Stern genau im Süden steht, dann fällt dieses Licht 36m weiter unten als kleiner Lichtfleck irgendwo auf eine kreisförmige Mauer. Dort wird die genaue Position des Flecks vermessen.

    Sterne bewegen sich genau wie Sonne und Mond im Verlauf des Tages bzw. der Nacht in einem kreisförmigen Bogen über den Himmel. Was man wissen wollte, war die höchste Höhe (als Winkel) über dem Horizont. Diese höchste Stelle erreicht der Stern, wenn er genau im Süden steht. Deshalb war diese kreisförmige Mauer genau nach Süden ausgerichtet. Ein Teil der Mauer war unterirdisch und nur dieser Teil ist erhalten geblieben und wurde 1908 wiederentdeckt.

    Man hat sich dort mit einer ganzen Reihe von astronomischen Themen beschäftigt, die größte Errungenschaft war aber die Zusammenstellung eines Buches mit den Positionen von 1018 Sternen (ein Katalog), der ersten derartigen Zusammenstellung seit der Antike, wo im 2. Jhdt. Ptolemäus den Almagest herausgegeben hat. Der Katalog von Ulugh Beg hat den Almagest in der Genauigkeit um den Faktor 5 übertroffen.

    Nach dem Tod seines Vaters wurde er zum offiziellen Herrscher, und das ist nicht gut gegangen. Er hatte wohl viele Feinde, unter anderem weil er die Wissenschaft über die Religion gestellt hat. Am Ende wurde er ermordet und sein Observatorium zerstört. Einem Nachfolger gelang es in den Nachfolgewirren mit dem Buch in die Türkei zu fliehen. Dort hat er zeitweise an der Madrasa der Hagia Sofia unterrichtet und von dort kam das Buch letztlich auch nach Europa, wo es in seiner Bedeutung erkannt wurde.

    Wer das alles genauer wissen mag, kann es in der Wikipedia nachlesen.
    Deutsch: https://de.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg-Observa…
    English: https://en.wikipedia.org/wiki/Ulugh_Beg_Observa…
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