• Tag 35 - Registan Abendshow

    July 30 in Uzbekistan ⋅ 🌙 28 °C

    Nur Hea-Jee:
    Gegenüber dem Registan-Ensemble befindet sich eine große Treppe. Am frühen Abend, wenn die Hitze langsam nachlässt, beginnt sich die breite Marmortreppe mit Menschen zu füllen. Nicht nur Touristen, auch die Einwohner von Samarkand kommen mit ihren Familien dorthin. Während unseres fünftägigen Aufenthalts in Samarkand saßen auch wir an drei Abenden auf diesen Stufen und genossen die Silhouetten, die mit dem Sonnenuntergang in derselben Farbe getaucht wurden.

    Die Usbeken scheinen wirklich sehr ordentlich zu sein. Überall sah man Menschen mit Besen oder Wischmopp in der Hand. Die Marmortreppe glänzte jedes Mal wie frisch gereinigt – so sauber, dass man sich ohne Zögern auf den Boden setzen konnte.

    Am ersten Abend war ich überwältigt – von der Schönheit der Szenerie und dem Gewicht der Geschichte, das direkt vor mir lag. Ich beobachtete die Menschen, besonders die Kinder, die friedlich und unbeschwert auf den Stufen spielten. Ich musste unwillkürlich an das koreanische Schlagwort ‚ein Leben, in dem der Abend einem selbst gehört‘ denken.

    Jugendliche verkauften Spielzeuge, bei denen sie leuchtende Flugobjekte mit einer Schleuder hoch in den Himmel schossen und mit Leichtigkeit wieder auffingen. Der Nachthimmel wurde dadurch noch bunter. Noch kindliche Verkäufer zogen mit runden Tabletts voller Zuckerwatte durch die Gegend – halb spielend, halb geschäftig. Irgendwann begann fröhliche Musik zu spielen, und junge Mädchen konnten ihre Freude nicht verbergen und tanzten allein, bis ihre Mütter sie sanft zurückhielten.

    An diesem ersten Abend verließen wir den Platz recht früh – wir waren gerade erst angekommen und ziemlich müde. Erst zu Hause fanden wir heraus, dass dort jeden Abend um halb neun eine Lichtshow stattfindet – das hatte Arnd entdeckt. Also gingen wir am nächsten Abend erneut dorthin.

    Um 20:30 Uhr begannen die Fassaden der Kulturdenkmäler, die U-förmig angeordnet sind, in schillerndem Licht zu leuchten. Das Licht tanzte, träumte, lachte und wurde nachdenklich – alles im Rhythmus der Musik. Diese Musik war eine Mischung aus traditionellen Klängen und modernen Beats – perfekt zum Tanzen. Sie war leicht und verspielt, im Vergleich zum historischen Gewicht der Gebäude. Nach meinem Geschmack hätte auch eine ruhigere Musik gut gepasst. Aber ich war glücklich beim Anblick der Jugendlichen, die sich im Rhythmus wiegten. Also folgte auch ich ihrem Rhythmus mit dem Herzen. Denn die Welt gehört ja Ihnen. Als das Lichtspiel endete und alles wieder still wurde, standen auch wir auf.

    Am Tag der Registan-Besichtigung erzählte uns unser Guide, dass es abends auch eine 3D-Lasershow gebe. Die Lichtshow endet, und um 21 Uhr beginnt die Lasershow – sagte sie. Also saßen wir an diesem Tag erneut auf den Treppen. Während wir warteten, kaufte ich mir einen frisch gekochten Maiskolben für 30 Cent – er war so lecker, dass ich bedauerte, nicht gleich zwei gekauft zu haben. Ich bot Arnd ein kleines Stück zum Probieren an und wollte mir noch einen holen, aber Arnd meinte, er müsse nicht probieren – ich solle den ganzen einfach selbst essen und nicht noch einmal losgehen. Also tat ich das. Ich wollte eigentlich auch einem der süßen Kinder, die Zuckerwatte verkauften, eine abkaufen, aber Arnd hielt mich zurück. Vielleicht störte ihn der Gedanke, dass so kleine Kinder arbeiten müssen, oder er machte sich Sorgen um die Hygiene.

    Schließlich begann die prächtige Lasershow. Sie erzählte die Geschichte des Landes und zeigte, wie sich Usbekistan der Welt präsentieren möchte. Mir gefiel die Show, aber noch mehr gefiel mir die Stimmung. Es fühlte sich an, als würde ich die Ruhe und Gelassenheit eines Volkes teilen, das ein Leben lebt, in dem der Abend einem selbst gehört, auch wenn es nicht reich ist.

    Wenn ich reise, interessiert mich nicht nur, wie die Einheimischen mit mir als Fremder umgehen, sondern auch, wie sie miteinander umgehen. Ich freute mich über diese Gesellschaft, in der es ganz selbstverständlich ist, älteren oder schwächeren Menschen im Bus den Platz anzubieten. Ich sah einmal drei kleine Kinder in einem überfüllten Bus. Sie sahen müde aus. Als ein Platz frei wurde, gab der Älteste dem Jüngsten ein Zeichen, sich zu setzen. Beim nächsten freien Platz setzte sich der Zweitälteste, und zuletzt der Älteste selbst. Ganz ohne Worte – nur mit Blicken verständigten sie sich. Als wäre das für sie ganz normal. Der große Bruder zeigte Rücksicht, und die Kleineren gehorchten bereitwillig.

    Wenn man in einer Gasse jemandem begegnet und sich die Blicke treffen, nicken die Menschen einem warmherzig zu, selbst wenn man sich sprachlich nicht verständigen kann. Kinder spielen lachend mit ihren Freunden in den Straßen. Als mich der Guide am Registan fragte, wie mir Usbekistan gefalle, sagte ich, dass ich die Menschen wirklich sehr schätze. Sie antwortete: „Ja, unsere Leute sind höflich und freundlich.“ Und ich finde – das trifft es genau.

    Die Registan-Nachtvorstellung, die ich Seite an Seite mit diesen höflichen und freundlichen Menschen erleben durfte, wird mir lange in Erinnerung bleiben.
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