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- Day 40
- Monday, August 4, 2025
- ☀️ 35 °C
- Altitude: 453 m
UzbekistanTaschkent41°17’51” N 69°15’43” E
Tag 40&41 - Ruhetage in Taschkent
August 4 in Uzbekistan ⋅ ☀️ 35 °C
Hea-Jee:
Wir sind mit dem Frühzug wieder in die Hauptstadt Taschkent gefahren. Von hier aus fährt nämlich der Nachtzug in die nächste Stadt unserer Reise: Almaty in Kasachstan. Um uns etwas auszuruhen und die nächste Etappe zu planen, haben wir in Taschkent ein Hotel für drei Nächte gebucht. Wir wollten es bequem haben und haben deshalb – nach unseren Maßstäben – ein etwas teureres Hotel gewählt. Es kostet 46 Euro pro Nacht inklusive Frühstück, also 3 Euro mehr als die anderen Hotels, in denen wir bisher in Usbekistan übernachtet haben.
Dafür gibt es ein Schlafzimmer mit separatem Wohnzimmer – eine luxuriöse Variante, die mir fast zu viel erschien. Es gibt einen Schreibtisch, an dem man bequem schreiben kann. Ich sagte zu Arnd: „Wow! Hier könnte man sogar eine Doktorarbeit schreiben!“, und habe mich richtig gefreut.
Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, merke ich, dass Essen und Unterkunft im Laufe der Reise immer wichtiger für mich werden. Ich spüre den Wunsch, lieber ein bisschen mehr auszugeben, um gut zu essen und angenehm zu wohnen. Ist das, weil der Körper erschöpft ist? Oder weil der Geist sich langsam an den Konsum gewöhnt? Ist das ein Bedürfnis, das irgendwann aufhört, wenn es befriedigt ist – oder wächst es ins Unendliche, wenn man es einfach laufen lässt? Diese Beobachtung gilt nur für mich. Wie es in Arnds Innerem aussieht, weiß ich nicht. Ich sollte ihn später mal fragen.
Zweimal hintereinander sind wir in ein koreanisches Restaurant namens „Kimsatgat“ gegangen, das in der Nähe des Hotels liegt. Die Bedienung war eine junge Frau, die sich als Koreanerin vorstellte, obwohl sie kein Koreanisch sprach. Das Essen schmeckte wie früher, als ich vor 50 Jahren noch in Korea lebte – deshalb vermute ich, dass es ein Restaurant von koreanischer Minderheit ist. Heutzutage ist koreanisches Essen oft zu süß und salzig geworden, aber hier hat es noch diesen ursprünglichen, milden Geschmack. Selbst wenn man Naengmyeon (kalte Nudeln) bestellt, kommen etwa zehn Beilagen auf den Tisch – eine Großzügigkeit wie im alten Korea.
Vielleicht war es die Hitze, oder einfach die tägliche Konfrontation mit fremdem Essen – auf jeden Fall hatte ich in letzter Zeit wenig Appetit. Arnd war schon ganz besorgt, als ob ich bald verhungern würde. Jetzt, wo ich wieder gut koreanisch essen kann, ist er derjenige, der sich noch mehr freut.
Wir sind auch mit Bus und Metro in die Stadt gefahren, um in Kaufhäuser und Drogerien zu gehen. Einerseits wollten wir einfache Dinge wie Sonnencreme kaufen, andererseits interessiert es mich, was die Einheimischen so konsumieren. Dabei sind wir kreuz und quer gelaufen – laut Schrittzähler waren es über 10.000 Schritte. Es war extrem heiß. Wir sind dann in ein kühles Café gegangen, haben Eiskaffee getrunken und lange Pause gemacht. Danach fühlte ich mich wieder gut. Während unseres dreitägigen Aufenthalts in Taschkent war es konstant 36 Grad heiß.
Meine Sandalen waren ganz staubig vom vielen Laufen durch die Altstädte von Samarkand und Buchara. Dort waren sie so dreckig, dass ich mich nicht getraut habe, sie im Hotelbad zu waschen. Aber jetzt, nach einen Tag auf befestigten Straßen in Taschkent, war der gröbste Schmutz weggefallen, und ich konnte sie in der Dusche sauber machen. Ich habe sie gestern Abend mit dem Duschgel aus dem Hotel ordentlich geschrubbt und über Nacht trocknen lassen – heute Morgen waren sie wunderbar frisch und trocken.
Dabei musste ich an einen Kommentar meiner Freundin Jeongmi denken, die mal schrieb, dass wir – trotz langer Reise – immer noch erstaunlich ordentlich gekleidet sind.
Ich habe zwei T-Shirts, zwei Blusen, zwei Kleider, zwei Hosen, zwei Unterhosen, ein Langarmhemd und eine dünne Daunenjacke mitgenommen. Jetzt, nach über 40 Tagen unterwegs, denke ich: Ich hätte sogar noch weniger mitnehmen können. Wir reisen ja gemütlich, bleiben oft zwei, drei Tage im gleichen Hotel – nicht wie eine Radtour, bei der man jeden Tag das Zelt auf- und abbauen muss. Die Wäsche trocknetn auch sehr schnell, weil es Sommer ist. Und da wir Umwelt zuliebe Energie sparen wollten und nie gebügelt haben, sind wir inzwischen geübt darin, die Kleidung zu waschen, gut auszuschütteln und ordentlich zu trocknen.
Wir haben bislang nicht viele Hotels erlebt. Aber wir wissen, dass in Deutschland Umwelt- und Ressourcen zuliebe Handtücher und Seifen nicht täglich ausgetauscht werden. Doch jetzt auf der Reise waren wir in Hotels, wo das Reinigungspersonal jeden Tag frische Handtücher und Seifen hingelegt hat.
Anfangs habe ich sogar benutzte Seife versteckt, damit sie nicht weggeworfen wird. Inzwischen bitte ich morgens an der Rezeption darum, unser Zimmer nicht zu reinigen. Zu Hause wechseln wir ja auch nicht jeden Tag die Handtücher.
Das Kuriose ist: Arnd fühlt sich mit meinem Verhalten vielleicht unwohl. Er meint, ich sei übertrieben und mache mir wegen ein bisschen Seife und Handtuch das Leben unnötig kompliziert. Vielleicht findet er es peinlich, dass ich so pingelig bin? Dabei hat gerade er sein Leben lang alles nach Prinzipien gestaltet, auch wenn es mühsam war. Und jetzt macht er mir Vorwürfe. Tsss. Lustig, oder?
Wenn wir schon von Kommentaren sprechen – ich will auch Kurtinella antworten. Danke, dass du so gründlich recherchiert hast, wie Yandex Taxi funktioniert. Ich habe mich das wirklich gefragt. Aber wenn ein Taxifahrer nur 150–200 Euro im Monat verdient – wie soll man davon eine Familie ernähren? Arbeiten sie dann zwei oder drei Jobs gleichzeitig?
Soll man dieses Ausbeutungssystem boykottieren oder lieber häufiger Yandex fahren, um ihre Einnahmen zu steigern? Ich bin momentan wirklich auf Taxis angewiesen – da bleibt mir nichts anderes übrig, als großzügig Trinkgeld zu geben. Die App zeigt den Fahrpreis an, und darunter kann man den Trinkgeldprozentsatz auswählen. Angeblich bekommt der Fahrer das Trinkgeld zu 100 % direkt ausgezahlt.
Sepp fragte, woher die Affinität zu Korea in Usbekistan kommt. Arnd erwähnte in diesem Zusammenhang die Zwangsumsiedlungen unter Stalin – ich möchte noch einen weiteren Aspekt ergänzen: Das heutige Interesse der Usbeken an Korea lässt sich auch durch die engen wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen beider Länder erklären. Viele Usbeken arbeiten oder studieren in Korea, was den Austausch zusätzlich fördert. Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Einfluss der koreanischen Popkultur: K-Pop und K-Dramen erfreuen sich im asiatischen Raum großer Beliebtheit – und ganz nebenbei lernen viele dabei auch die koreanische Sprache.
Klara fragte, ob wir diesen Reisebericht vielleicht als Buch herausgeben möchten. Die Penguin-Plattform, auf der wir schreiben, ist kostenlos. Aber sie verkaufen einen Service, bei dem man die eigenen Texte und Fotos drucken lassen kann – quasi als persönliches Reisetagebuch. Arnd vermutet, dass das die Einnahmequelle von Penguin ist. Und weil Arnd so ein Mensch ist, der „Schulden“ gern zurückzahlt, wird er diesen Service bestimmt nutzen. Außerdem freut er sich jetzt schon auf den Moment in ferner Zukunft, wenn er im Alter das gedruckte Buch zur Hand nimmt und in unseren Reiseerinnerungen blättert.
Eineinhalb Tage lang haben wir kein klassisches Sightseeing gemacht – also habe ich den Bildschirm heute einfach mit ein paar Gedanken und Beobachtungen gefüllt, die ich schon länger teilen wollte.Read more










TravelerIch bewundere euch beide jedes Mal – so glücklich, so frei, egal wo ihr seid. Und dass dich, liebe Hyeji, ein Frühstück für 3 Euro mehr so glücklich gemacht hat… hat mich noch glücklicher gemacht 🥰🥐❤️
TravelerWir haben auch Glück mit diesem Hotel gehabt, dass das nur mit 3 Euro mehr Geld so viel Komfort hat. Nun verlassen wir das Hotel und fahren nach Kasachstan. Pass auf dich gut auf! 💕