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- Jour 51
- vendredi 15 août 2025
- ☁️ 27 °C
- Altitude: 335 m
ChineAlashankou45°10’17” N 82°33’32” E
Tag 51 & 52 - Alashankou
15 août, Chine ⋅ ☁️ 27 °C
Hea-Jee:
Am Morgen kletterte ich wie ein Akrobat vom hohen Bett herunter – dabei knackte es plötzlich in meiner verletzten Schulter. Aber es tat nicht weh, im Gegenteil: es fühlte sich sogar erleichternd an. War sie dank der Akrobatik etwa geheilt? Hätte ich also doch damals am See einen Ausritt wagen können? Dass ich in Kasachstan, dem Land der Pferde, aus Vorsicht nicht geritten bin, kam mir nun plötzlich richtig schade vor.
Zum Frühstück machten wir uns mit Instantkaffee, Tee, dem gestern gekauften Brot, Keksen, Nüssen und Obst ein kleines Festmahl. Erstaunlich, wie reich und bequem das Leben wird, wenn man einfach nur heißes Wasser zur Verfügung hat. Dazu gab es – wie ein Gratis-Service – wieder wechselnde Landschaftsbilder draußen: sattes Grün mit Bäumen und Wiesen. Als wir über die gelblich staubigen Ebenen fuhren, fühlte es sich an, als wären wir am Ende der Welt angekommen, wo keine menschliche Hand je hingelangt war – und doch verwandelte sich die Landschaft plötzlich in ein grünes Land, in dem Menschen leben könnten.
Nach so vielen Tagen durch wüstenartige Steppen und gelbbraune Ebenen freute ich mich über jeden Baum und jedes bisschen Wasser. Vielleicht, weil ich an die koreanischen Deportierten aus der Stalinzeit denken musste. Viele von ihnen waren Freiheitskämpfer gegen die japanische Besatzungsmacht oder hatten ihr Land verloren und mussten Korea verlassen. Kaum hatten sie sich in der Fremde Häuser gebaut und Felder bestellt, wurden sie erneut verschleppt – diesmal hierher, in die kargen Steppen. Auf den Transporten und in den ersten Jahren des Überlebenskampfes starben viele. Doch manche hielten durch, bearbeiteten mit bloßen Händen die trockene Erde und hinterließen Nachkommen. Vielleicht fühle ich mit ihnen – jedes bisschen Grün in dieser Landschaft erfüllt mich mit Dankbarkeit.
Schließlich erreichten wir Dostyk, die Grenzstadt und Endstation des Zuges. Wir dachten, einfach der Menge folgen zu können, um zum Grenzbus zu gelangen – aber Fehlanzeige. Niemand war da, dem wir nachlaufen konnten. Der Bahnhof war eine riesige Baustelle, alles aufgerissen, mit Zäunen abgesperrt. Kein Hinweis, kein Weg. Dank Arnds Orientierungssinn kämpften wir uns über das Baugelände und fanden irgendwann ein kleines Containergebäude mit wartendem Bus. Nach langem Warten konnten wir Tickets kaufen. Die Frau am Schalter brüllte uns wie eine strenge Aufseherin an, weil wir nichts verstanden. Schon vor der Grenze fühlten wir uns eingeschüchtert.
Nach etwa 30 Minuten Fahrt erreichten wir die kasachische Grenzkontrolle. Alles Gepäck musste ausgeladen und gründlich überprüft werden. Die Soldaten gaben sich streng, gaben Befehle: hier aufstellen, dort anstellen. Da wir die Sprache nicht verstanden, waren wir nervös.
Endlich war alles erledigt, und wir stiegen wieder in den Bus, der auf einer von Stacheldraht umzäunten Straße bis zur chinesischen Grenze fuhr. Auch hier gab es keinen einzigen Mitarbeiter, der Englisch sprach. Wir verstanden kein Wort, und doch wurden wir mit Fragen überhäuft: In welche Stadt wir fahren wollten, und was danach? Noch mehr und mehr Fragen. Da wir gehört hatten, dass Touristen ohne Rückflugticket zurückgeschickt werden könnten, war ich in Sorge, mich womöglich falsch zu äußern. Die Soldaten hielten die Pässe hoch und schüttelten sie, während sie Seite für Seite prüften.
Auch die Gepäckkontrolle war extrem genau. Sie wollten Arnds Kamera sehen und wälzten lange durch die Fotos. Das archäologische Buch aus der Türkei wurde besonders genau Seite für Seite inspiziert. Unsere Taschen wurden bis ins Kleinste durchsucht, jede kleine Börse geöffnet, sogar die Umschläge mit Restdevisen. Sie fragten nach jeder Währung und zählten die Scheine.
Und doch – trotz aller Strenge wirkten die Chinesen mir gegenüber irgendwie hilfsbereit. Weil ich eine Anweisung nicht verstand, führte mich eine sogar persönlich herum, bis ich alles erledigt hatte. Als wir endlich fertig waren, saßen die anderen längst wieder im Bus und warteten.
Obwohl wir nichts verbrochen hatten, fragte ich mich, warum man uns an der Grenze derart einschüchtern musste. Ich fühlte mich ungerecht behandelt. Keiner war richtig bösartig, sondern machten ihre Arbeit, aber die ganze lange Prozedere machte mich mürbe.
Die erste chinesische Stadt hinter der Grenze, Alashankou, wirkte wie eine frisch gebaute Retortenstadt: breite Straßen, blitzsauber, viele Neubauten oder noch im Bau. Kaum Autos. Gepflegte Alleen, Parks und in etwa 100-Meter-Abständen sauber aufgereihte Mülltrennungstonnen – ein Bild von Ordnung.
Bisher konnte man an den Grenzstationen Geld wechseln und die neue eSIM aktivieren, doch an dieser Grenze war das nicht möglich. So standen wir ausgerechnet in diesem neuen Land, in dem alles anderes sein soll, ohne Internetdaten und ohne Bargeld da. Wir konnten weder ein Taxi bestellen noch bezahlen und gingen deshalb zu Fuß zum Hotel. Zum Glück war der Fußweg sauber und breit, sodass es angenehm war, das Gepäck zu ziehen, und die Strecke war auch nicht besonders lang.
Im Hotel schafften wir es endlich, mit dem WLAN die eSIM zu aktivieren und Alipay einzurichten. Wir waren so müde, dass wir nicht mehr auswärts essen wollten. Also kauften wir im angeschlossenen Supermarkt chinesische Cup-Nudeln und aßen sie im Zimmer. So lange hatte ich mir Cup-Nudeln gewünscht – und jetzt gab es sie gleich dreimal hintereinander! Doch diese Sorte war so komisch scharf, dass mir die Zunge ungewohnt brannten. Ich konnte nicht einmal die Hälfte aufessen. Am nächsten Morgen meldete sich mein Magen mit unruhigem Grummeln.
Am nächsten Morgen merkte ich beim Hotelfrühstück sofort: Wir sind in einer ganz anderen Welt angekommen. Es gab ausschließlich warme Gerichte – fast wie ein Mittagsbuffet. Bisher hatte ich morgens spärlich gegessen, aber heute probierte ich neugierig vieles aus und aß viel. Die Mitarbeiter – wahrscheinlich Uiguren – waren sehr freundlich, halfen uns und boten immer wieder Speisen an. Wir konnten kein Wort miteinander sprechen, aber mit Gesten, Blicken und einem Lächeln verstanden wir uns bestens.
In China läuft zwar fast alles über Alipay, doch unterwegs merkt man schnell: Bargeld braucht man trotzdem ab und zu. Wir wollten unsere kasachischen Tenge in Yuan wechseln, aber es war Samstag – alle Banken geschlossen. In der Hitze gingen wir in einen Laden, um einen erfrischenden Mango-Joghurt-Drink zu kaufen. Mithilfe der Papago-Übersetzer-App fragte ich die junge Verkäuferin nach einer Wechselstube. Sie erklärte uns, dass es in einem nahegelegenen Geschäft Wechselservice gäbe. Endlich mit Bargeld in der Tasche hatten wir das Gefühl: Jetzt sind wir wirklich vorbereitet für die China-Reise.
Um 20 Uhr nahmen wir den Nachtzug nach Urumqi, der Hauptstadt Xinjiangs. Auch dieses Mal hatten wir ein Vierer-Abteil und lagen oben. Ein Mann, der wie Dschingis Khan aussah, stieg um drei Uhr nachts zu und schnarchte so heftig, dass der junge Mann unter mir keinen Schlaf fand. Er entschuldigte sich sogar bei uns, obwohl es nicht seine Schuld war. Als ich nachts aufstand, um zur Toilette zu gehen, trat ich auf den jungen Mann. Sofort schaltete er die Taschenlampe seines Handys ein und leuchtete mir den Weg aus – so aufmerksam und flink! Ich hatte das Gefühl, dass er einen unglaublich hohen EQ haben müsste. Ich wurde neugierig auf die Zukunft Chinas, wenn es unzählige junge Menschen wie ihn gibt.En savoir plus














