• Tag 58 - Mogao Caves

    22 августа, Китай ⋅ ☁️ 28 °C

    Arnd:
    Das Wort Massentourismus hat für mich seit heute eine neue Bedeutung. Aber der Reihe nach.

    Auf das Frühstück hatten wir gewisse Hoffnung gesetzt, da in trip.com stand, daß das Frühstück westlich sei. Im Aufzug hing auch ein großes Bild, das das suggerierte - lecker aussehende Brötchen. Leider war davon im Frühstückssaal nichts zu sehen, ganz normales chinesisches Frühstück. Während ich das Angebot entlang lief, hatte ich wenigstens noch die Hoffnung, dass es am Ende ein Getränk geben würde, Kaffee oder wenigstens Tee, das vermisse ich am meisten. Nichts dergleichen. Später sahen wir, dass ganz am Anfang und ziemlich klein ein paar Kuchen angeboten wurden und Toast, es gab sogar einen Toaster. Das hat mich aber so wenig angemacht, dass ich beim chinesischen Frühstück geblieben bin und nur einen kleinen Kuchen zum Nachtisch gegessen habe.

    Unser Ziel heute sind die Mogao Höhlen, das sind über 1000 in eine Felswand bei einer Oase geschlagene Höhlen. Anfangs dienten die Buddhisten als Meditationsräume, später wurden sie auch zu Pilgerzielen und reiche Buddhisten haben weitere Höhlen finanziert, wahrscheinlich für einen besseren Start ins nächste Leben.

    Knapp 500 der Höhlen sind mehr oder weniger gut erhalten. Sie waren im Grunde lange Zeit vergessen, nur wenige Menschen waren da und das hiesige Wüstenklima konserviert ganz gut.

    Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts entdeckte ein Mönch eine vermauerte Tür und fand dahinter in einem kleinen Raum eine riesige Sammlung an Schriften. Das hat er den Behörden gemeldet, aber die waren noch nicht für archäologische Dinge sensibilisiert. Schließlich erfuhr ein Brite davon und witterte ein gutes Geschäft. Nach und nach hat er dem Mönch große Teile dieser Schriften abgeschwatzt. Diese Dinge sind jetzt im British Museum. Später kam auch noch ein Franzose dazu, andere Teile sind in Berlin und Russland gelandet. Aber die Höhlen und ihre Bemalung sind noch da.

    Die ältesten Höhlen stammen aus der Mitte des 4 Jhdt. Bis ins 14 Jhdt. wurden Höhlen errichtet.

    In unserem Reiseführer stand, dass man keine Rucksäcke und auch keine Kameras zu unserer heutigen Attraktion mitbringen darf. Vorgestern bin ich auch wegen meiner Kamera nicht in ein Museum hineingekommen, ich hätte sie in ein Schließfach tun müssen und an dem elektronischen Verschluss bin ich gescheitert. Deshalb haben wir vorsorglich alles im Hotel gelassen.

    Das Einlösen des Tickets war kein Problem. Am Automaten ging es nicht, dazu hätte man einen chinesischen Ausweis gebraucht, aber am Schalter ging es ganz schnell. Wieder wurde unser Pass elektronisch ausgelesen und das Ticket gedruckt. Der Pass und bei den Chinesen der Personalausweis dient hier überall als Eintrittskarte.

    Nach der Ticketkontrolle kamen wir in einen breiten Gang und standen am Ende einer Schlange. Dann kam eine Mitarbeiterin vorbei und brachte uns je einen Kopfhörer und ein kleines Gerät. Damit konnten wir später Dinge in Englisch und Hea-Jee sogar in Nord-Koreanisch hören.

    Nach einiger Zeit ging es dann in einen großen Kinosaal. Wir waren ein paar hundert Menschen. Dort gab es einen Film, der die geschichtliche Situation zur Zeit der Errichtung der ersten Höhlen beschrieb. Das dauerte etwa 10 Minuten.

    Wir verließen den Saal nach oben und kamen in einen zweiten Kinosaal mit einer Spezialprojektion. Wir saßen quasi im Inneren eines riesigen Eies. Man konnte nach vorn schauen, noch oben und rechts und links bis zur Höhe der Stuhlreihen. Dort wurde in einem Film das Innere der Höhlen gezeigt und erklärt. Sehr eindrucksvoll.

    Anschließend wurden wir zu Bussen geleitet, die uns zu der eigentlich Höhlenanlage bringen sollten. Das war in etwa 10km Entfernung. Die Busse wurden komplett gefüllt, erst dann fuhr der nächste Bus vor. Auf der Straße konnte ich vor uns zwei weitere Busse sehen. Dieser ganze Ablauf läuft kontinuierlich, wie am Fließband.

    Aus den zwei Bussen vor uns und den 50 Personen in unserem Bus kann man berechnen, wie viele Menschen an diesem Tag die Höhlen besichtigen. Ich komme auf etwa 25000. Bei Google habe ich jetzt gefunden, dass es in den ersten 7 Monaten im Schnitt knapp 20000 pro Tag sind. Neuschwanstein ist klein dagegen. Hier im Pinguin habe ich einen anderen Bericht gesehen vom November letzten Jahres. Da konnten sie an dem zentralen Platz ein Foto schießen, auf dem keine Menschenmassen zu sehen sind. Winter ist also eine gute Besuchszeit. Es war aber perfekt durchorganisiert und lief ganz gut und es ist auch deutlich größer, als Neuschwanstein.

    Wir wurden schließlich mit ein paar anderen Westlern zu einer Gruppe mit englischsprachigem Guide zusammengefasst. Wir waren etwa 10 Leute, die Chinesen haben eher 30 Leute in einer Gruppe.

    Der Guide führte uns nacheinander zu 8 Höhlen, öffnete sie (die sind immer abgeschlossen), ließ uns hinein und gab ein paar Erklärungen. Dann ging es schon weiter. Es war dicht getaktet. Die Höhlen sind innen unbeleuchtet, es fällt nur wenig Licht von der Tür her hinein. Deshalb hat der Guide eine Taschenlampe und beleuchtet immer den Teil, den er gerade erklärt. Fotografieren ist hier streng verboten und würde ohne Licht auch nicht gehen.

    Ein besonderes Highlight war der größte eingehauste Buddha der Welt. Es gibt ja so viele größte Buddhas der Welt! Er war zum Teil aus dem Fels herausgehauen, dann mit Lehm aufmodelliert und schließlich bemalt. In 2m Abstand vor ihm war eine Pagodenwand gebaut. Dies ist auch von außen quasi das Gesicht der Anlage. Wir standen unten und mussten fast senkrecht nach oben schauen. Da dies eine der Hauptattraktionen ist, kommen hier alle Besucher lang und es bleibt jedem vielleicht eine Minute zur Betrachtung.

    Danach gab es noch ein Museum mit vielen Informationen, aber wir waren schon ziemlich erfüllt und sind nur durchgeschlendert. Dort haben sie 8 Höhlen sehr detailiert nachgebaut. Daher sind die Fotos.

    Ursprünglich hatten wir gedacht, dass wir abends noch was anderes unternehmen, aber es hat uns gereicht. Zum Abendessen gab es Spagetti mit Tomatensoße, aber die Spaghetti waren handgezogen.

    Ich muss aber noch eine Bemerkung zum Ort und zum Verkehr hier loswerden. Der Ort scheint wohlhabender zu sein, als unsere bisherigen Orte. Es sah alles besser und schöner aus. Vor unserem Hotel verlief eine vierspurige Straße mit nicht sehr breiten Fahrspuren, und auch nicht mit sehr viel Verkehr. Es ist keine Ausfallstraße, dort wird schneller gefahren und die Spuren sind breiter.

    Neben der Straße verlief ein etwa 10m breiter Fußgängerstreifen. Hier fühlte man sich überhaupt nicht eingeengt und dann fiel mir etwas auf: Es war so ruhig - neben einer vierspurigen Straße! Man konnte die anderen Menschen hören, wie sie sich unterhielten, obwohl sie 10m entfernt waren.

    Die Autos fahren hier höchstens Tempo 30, meist wohl langsamer. Sie fahren auch sehr entspannt, man merkt wenig Aggressivität. Bei der Geschwindigkeit sind sogar moderne Verbrennerautos sehr leise (die auch hier noch die Mehrheit stellen). Es sind die Rollgeräusche, die die Autos so laut machen. Die vielen vielen Kleinmotorräder sind alle elektrisch und sowieso fast unhörbar. Die E-Autos werden unsere Städte in Deutschland nicht leiser und freundlicher machen, es geht nur mit einer deutlichen Geschwindigkeitsreduktion.
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